"Lebensdauer" Getriebeöl im ZF 8HP Getriebe

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  • In alter Tradition die Dokumentation des Getriebeölwechsels an meinem Auto...diesmal ein 520d G31 mit dem tollen ZF 8HP Automatik Getriebe. Der alte Thread zum F: "Lebensdauer" Getriebeöle im Fxx...

    Leider etwas wenige Fotos, es war einfach eine rechte Sauerei wegen zu kleiner Auffangwanne und ich wollte das Getriebe schnell wieder zu haben. ;)

    Vorgeplänkel/FAQ:

    - Warum Ölwechsel und nicht Spülung?

    Einfach der Preis und meine gute Erfahrung mit dem Wechsel. Die Empfehlung von ZF ist erstmal der Wechsel alle 80-100tkm. Mein Auto hatte jetzt recht genau 90tkm. Bei unserem S211 haben wir beim 7G genauso alle rund 80tkm das Öl gewechselt und das schaltet noch wie neu.

    - Würde ich auch bei über 150tkm ohne Service das Öl nur wechseln?

    Nein, bei so viel Laufleistung würde ich spülen lassen.

    - Ist Spülen gefährlich?

    Nein, wenn einfach ohne Überdruck das Original Öl durchgespült wird ist das bei 8HP immer risikolos möglich. Genauso ist der Wechsel wie hier beschrieben immer risikolos möglich. Man darf nur nicht andere Öle als das ZF Lifeguard 8 verwenden, das geht vor allem beim Wechsel schief. Man darf da nicht die Probleme alter Getriebegenerationen übertragen.

    - Muss die Mechatronik überholt werden?

    Eher nicht. Das 8HP hat keine schrumpfende Brillendichtung und keine ölende Kabeldurchführung wie das 6HP. Solange keine Ventile und die Dichtung in der Mechatronik selber kaputt gehen muss man da nicht ran...und beides sollte bei korrekter Behandlung und regelmäßigem Service recht lange halten. Und selbst wenn defekt...ich würde erstmal spülen bei Schaltproblemen und dann weiter schauen. Das ist ja keine Arbeit die Ölwanne dann nochmal abzunehmen wenn man doch an die Mechatronik muss.

    - Macht es Sinn?

    JA! Man muss arg merkbefreit sein um den Unterschied nicht zu spüren. Ich finde den Unterschied viel eher spürbar als beim Handschalter. Und wenn man schon auf der ersten Probefahrt merkt wieviel zarter das Getriebe die Gänge wechselt, dann ist das mechanisch relevant.

    - Muss man der ZF Anleitung für Autos mit Ölkühler folgen, das Auto hat ja einen Ölkühler?

    In meinen Augen nein. Diese Anleitung gilt soweit ich das identifizieren konnte nur für Autos mit ölseitigem Thermostat im Getriebeölkühler. Bei BMW ist der Thermostat aber auf der Wasserseite. Also entlüftet der Kühler sofort wenn man den Motor startet.

    - Kosten?

    Ich habe das Ölwechselkit von ZF an Weihnachten mit Prozenten für etwas unter 200Euro gekauft. Dazu die Hebebühne, Reinigung und Altöl...etwa 50Euro. Genau kann ich die Miete nicht sagen da ich noch ein anderes Auto repariert habe. Also etwa 250Euro Kosten. Spülen wäre um die 600Euro gewesen.


    Nötiges Werkzeug:

    - Torx 40 um die Schrauben der Ölwanne zu öffnen. Akkuschrauber sehr empfehlenswert.

    - Drehmomentschlüssel 10nm für die Schrauben der Ölwanne.

    - Sehr kurzer 8er Inbus, da ist kaum Platz zwischen Schraube und Blech. Ich habe einen vom Lidl abgeschnitten, so kurz gibt es glaube ich nicht zu kaufen.

    - 10er Inbus für die Ablassschraube

    - 8er Nuss auf Akkuschrauber für die Unterbodenverkleidung.

    - Pumpe für das Öl (ich habe die BGS 8356 von Amazon)

    - Werkzeugwagen um unter dem Auto das Werkzeug, Öl und Pumpe abzulegen.

    - Große Auffangwanne oder 1kg Ölbindemittel

    - Viele Gummihandschuhe

    - BMW ISTA mit der nötigen Hardware. Ggf. reicht BimmerLink oder Torque um die Getriebetemperatur zu lesen. Aber ISTA steuert auch eine Pumpe im Getriebe an, daher bin ich nicht sicher ob das reicht.

    Ablauf:

    - Auto auf die Hebebühne.

    - Unterbodenverkleidungen abnehmen.

    - Beim 3er muss man die Auspuffhalterung/Hitzeschutz entfernen um besser an die Einfüllöffnung zu kommen. Beim 5er ist das nicht nötig, ist aber echt wenig Platz. Ggf. kann man die Halterung entfernen, dafür braucht man zwei Außentorx Nüsse, sah nach E10 aus.

    - Bereich um die Einfüllschraube reinigen. Man stochert mit der Schraube blind rum, hier muss es echt gut gereinigt sein.

    - Einfüllschraube leicht lösen. Alte Regel: Immer erst die Einfüllschraube öffnen. Aber...wenn der Motor steht kommt hier 1l Öl raus. Also nur lösen, nicht entfernen. Da mein 8er Inbus zu kurz war habe ich einen Schraubenschlüssel zum verlängern verwendet um genug Kraft aufzubringen.

    - Ablassschraube öffnen (10er Inbus). Öl auffangen und Menge messen.

    - Ölwanne abschrauben und die Schrauben gegenüber der Ablassöffnung lösen aber noch drin lassen. So kann man die Ölwanne zur Öffnung kippen und bekommt noch gut 0.5l raus.

    - Ganz abschrauben, Rest aus dem Filter in den Auffangbehälter kippen.

    - Dichtring am Stutzen der neuen Ölwanne einölen (Finger ins alte Öl tut es).

    - Dichtfläche reinigen. Einfach mit fusselfreiem Lappen abwischen, es blieben keine Reste der Dichtung.

    - Neue Ölwanne montieren. Dabei die Schrauben nur leicht ansetzen, damit die Dichtung anliegt, anschließend auf 10nm festziehen. Anziehreihenfolge ist hier: https://aftermarket.zf.com/de/aftermarket…oelwechsel-pkw/

    - Menge des abgelassenen Öls prüfen. Bei mir waren es 4.5l plus 0.2l am Boden...also rund 4.7l ;)

    - Öl einfüllen. Ich habe rund 3.5l rein bekommen. Alte Einfüllschraube eindrehen, handfest reicht.

    - ISTA starten und Ölstand ABL starten. Dieser folgen. Ohne ABL ist der Ablauf so: Motor starten, 10sec warten, R-1-2 schalten und jeden Gang 10sec halten. Bei diesem Getriebe sind mit den Gängen R-1-2 alle Ventile in Benutzung gewesen, man muss nicht mehr durchschalten. 30sec auf 2000upm um den Wandler zu spülen.

    - Motor laufen lassen und unter dem Auto das Öl auffüllen. Bei mir sind bis zum Überlaufen die restlichen 1.2l rein gegangen.

    - Temperatur prüfen. Wenn unter 40°C weiter warmlaufen lassen. Wenn über 50°C wie bei mir...Motor aus und am nächsten Tag weiter machen.

    - Sobald das Öl bei 40°C-50°C ist muss man nochmal Öl rein drücken und den Strahl abtropfen lassen. Wenn es nur noch leicht tropft die neue Einfüllschraube rein und anziehen. 35Nm, also gut handwarm.

    - Ich habe den Moment genutzt und habe mit der Pumpe noch frisches Öl unten in die Wanne gedrückt. War ja noch genug übrig vom Wechselkit. Eine Flasche halte ich in Reserve. Damit habe ich 6l frisches Öl ins Getriebe.

    Bilder:

    Das Öl wie es aus dem Getriebe kam. Ich finde das ist im Vergleich zum Öl aus dem Handschalter im F11 noch in einem recht guten Zustand. Geschmack und Geruch auch unauffällig, das Zeug stinkt auch im Neuzustand nach altem Fisch. Da ich die Pumpe über Nacht im Auto eingesperrt hatte stank das ganze Auto...jetzt stinkt die Garage trotz Reinigung der Pumpe. Das Zeug ist echt übel.

    Spoiler anzeigen


    47394903pd.jpg

    Die Ölwanne...mich stören vor allem die silbernen Metallschlieren aus dem Filter. Zumindest ist damit für mich klar, dass das A und O der Wechsel des Filters ist. Das Zeug macht den Filter dicht, bedeutet das Getriebe hat weniger Druck und schaltet schlechter. Magnete sind nicht arg voll:

    Spoiler anzeigen


    47394904xh.jpg

    Das Resultat der zu kleinen Auffangwanne...

    Spoiler anzeigen

    47394901ra.jpg


    Das entnommene Öl am nächsten Tag nachdem das Auto etwas lief und umgeparkt wurde. Man sieht schon das es relativ nah am Grün des neuen Öls ist, dazu habe ich ja nochmal einen Liter rein gedrückt.

    Spoiler anzeigen

    47394902rk.jpg

    605 Nanometer. Nothing else.

    Einmal editiert, zuletzt von basti313 (9. April 2024 um 23:16)

  • Vielen Dank für den Erfahrungsbericht. Finde ich viel besser als die z.T. für mich verwirrenden und widersprüchlichen Informationen die z.B. von diesem Youtubekanal: https://www.youtube.com/@graf-spezialist

    :top: Jan Henning

    "Was ist das entwertendste was Sie dem Recht, welches wir respektieren sollen, antun können? - Erlassen und vollstrecken Sie ein Gesetz das des Schutzes unwürdig ist." Akane Tsunemori

  • Was kostet denn so eine Spülung wenn man es in der Werkstatt machen lässt?

    Eines Tages wird dein Leben vor deinen Augen vorüberziehen.
    Sorge dafür, dass es sehenswert ist.

  • 500-800 je nach Anbieter. Habe es Februar bei Don Simon erledigen lassen.

    Danke Daniel.

    Habe gleich mal gegoogelt wo sich die Werkstatt befindet, hast du da drauf warten können oder hast du dir für eine Nacht ein Zimmer genommen?

    Eines Tages wird dein Leben vor deinen Augen vorüberziehen.
    Sorge dafür, dass es sehenswert ist.

  • Danke Daniel.

    Habe gleich mal gegoogelt wo sich die Werkstatt befindet, hast du da drauf warten können oder hast du dir für eine Nacht ein Zimmer genommen?

    Gude, da kannst drauf warten. Bei mir war Spülung, Mechatronik Überholung und Ölwechsel Diffs und VTG ca. 2 Stunden.

  • Respekt, dass du das kannst.

    Ewige Diskussion, ich glaube auch, dass ein Wechsel oder eine Spülung im Gegensatz zu den Aussagen von BMW irgendwann sinnvoll ist, ZF wird es wissen.

    Grüße Peter

  • Gude, da kannst drauf warten. Bei mir war Spülung, Mechatronik Überholung und Ölwechsel Diffs und VTG ca. 2 Stunden.

    Gut zu wissen wie das vonstatten geht und wie lange sowas dauert ??

    Eines Tages wird dein Leben vor deinen Augen vorüberziehen.
    Sorge dafür, dass es sehenswert ist.

  • Früher gab es auch ausgewählte Standorte von ZF, an denen man die Spülung machen lassen konnte. Siehe hier: ZF

    Ich habe es vor 2 Jahren bei ZF in Pfungstadt (nähe Darmstadt) machen lassen.
    Ich denke mal, das geht immer noch.

  • Finde ich viel besser als die z.T. für mich verwirrenden und widersprüchlichen Informationen die z.B. von diesem Youtubekanal

    Dieser Kanal ist der Grund für die beiden Kommentare zu diesem Thema.

    Es gibt sicher Gründe und Notwendigkeiten die Mechatronik zu machen. Man muss sie aber sicher nicht mit derartiger Angstmacherei verkaufen. Nur weil an nem Motor auch mal ne Dichtung kaputt sein kann ist das ja auch kein Grund keinen Ölwechsel zu machen...ich verstehe die Argumente die da zum Getriebe gemacht werden überhaupt nicht.

    würde mich das aber nie selber trauen.

    Ich hatte noch nie so die Hosen voll ne Schraube auf zu machen. Aber danach lief es ganz flüssig :D

    Im Grunde ist es echt easy, man kommt gut hin, man hat keine verrosteten Schrauben und man kann wenig falsch machen wenn man sich an den Ablauf hält. Das Anforderungsprofil ist hier eher Lego Technik als gelernter KFZ Mechaniker wie bei ner gammligen Bremse oder so. Stoßdämpfer am F11 waren auch deutlich anspruchsvoller und anstrengender. Gut, ein gelernter KFZler macht vermutlich weniger Sauerei als so ein Lego Technik Nutzer wie ich...ich musste auch zwei mal Duschen bis ich nicht mehr ölig war...

    Gude, da kannst drauf warten. Bei mir war Spülung, Mechatronik Überholung und Ölwechsel Diffs und VTG ca. 2 Stunden.

    Das klappte bei mir so gar nicht. Als ich an der Werkstatt an kam (etwa 17Uhr) hatte mein Motor gerade 90°C und das Getriebe 58°C. Die Temperatur blieb drin....ich habe eine Stunde gewartet, dazu noch gut ne Stunde anderes Zeug am Auto gemacht. Um 20Uhr habe ich dem Motor angemacht und 20:30 abgebrochen weil das Öl wieder an die 60°C hatte.

    Keine Ahnung wie Simon da die Temperatur raus bekommt...ggf. nimmt das Spülen mit mehr Öl einfach viel Temp raus. Für die Einstellung des Ölstandes muss es unter 50°C sein.

    Ich denke mal, das geht immer noch.

    ZF macht selber nichts mehr. Es gibt aber zahlreiche Werkstätten die das machen und ZF hat sogar eine Liste auf der Homepage. Wie gesagt, beim Benz 7G war es sogar im ganz normalen Serviceplan, gerade der Wechsel ist nun keine Raketenwissenschaft.

    Wenn ich es nicht selber gemacht hätte wäre ich auch zu DonSimon. Der hat seinen Laden jetzt über 10 Jahre und hat sich auf den Service der Automatik Getriebe spezialisiert. Früher hat er sich auch wie wir in Foren rumgetrieben und hat Leuten kostenlos geholfen, auch das finde ich unterstützenswert.

    Alternativ natürlich z.B. der Rogatyn, da waren ja Nutzer vom Treff auch schon vor 20 Jahren...

    605 Nanometer. Nothing else.