Altersarmut - wie sollte Deutschland damit umgehen?

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  • Und wenn die Rente zu niedrig ist, dann liegt das an zu wenig Einzahlungen also zu niedrigem Verdienst.

    Das ist sicher ein korrekter Punkt. Der zweite ist der, dass vieles massiv teurer geworden ist, auch dank staatlicher Unterstützung.

    Man darf nie vergessen, dass hier vermutlich viele noch relativ privilegiert sind, als reisserisch würde ich den Artikel nicht bezeichnen, denn es betrifft nicht nur einen Einzelfall. Wenn ich hier durch die Stadt laufe, sehe ich täglich genug anständig gekleidete ältere Menschen, die verstohlen in Mülleimern nach Pfandflaschen schauen.

    Mir ist schleierhaft wie man auf die Idee kommt, man könne "sein Leben lang Vollzeit" in einem sehr niedrig bezahlten Job arbeiten und dann die goldene Rente erwarten.

    Es hat nichts mit goldener Rente zu tun wenn deine Kosten steigen, aber die Einnahmen nicht. Und ich bleibe dabei, von 45 Jahren im Erwerbsleben sollte man im Alter halbwegs auskömmlich leben können - ohne zur Tafel zu müssen oder Pfandflaschen zu sammeln. Oder Wohngeld beantragen zu müssen :(

    When nothing goes right, go left :top:

  • Keiner wollte keinem weh tun. Die aktuelle und vergangenen Rentnergenerationen sind die reichsten aller Zeiten. Den Spaß zahlen die, die erst irgendwann Rentner werden. In 20, 30, 40 Jahren.

    ... da kann aber die aktuelle Rentnergeneration nichts dafür. Die haben ja ihre Beiträge bezahlt und nicht zu knapp und nebenbei die Wirtschaft in D wieder aufgebaut.


    Der Fehler liegt darin, dass man sich nicht für ein rücklagenbasiertes Rentensystem entschieden hatte, sondern für ein Umlagebasiertes. Das hat aber die aktuelle Rentnergeneration nicht zu vertreten.


    Zu vertreten hat das die Politik, die ja meist nur kurz- bis mittelfristig denkt (maximal auf 2 Legislaturperioden). Da nach dem Krieg keine Rücklagen für die Rentner da waren, hat man sich für ein umlagebasiertes Rentensystem entschieden. Das fällt uns mit der demographischen Entwicklung eben auf die Füße.


    Auch wenn bei der jüngeren Generation der "alte weiße Mann" gerne als Feindbild dargestellt wird, ist er es, der die Voraussetzungen für den Wohlstand geschaffen hat, in dem sich unsere Gesellschaft (noch) befindet.


    P.S.: Der Bundeszuschuß zur Rentenversicherung lag 2023 bei 112 Milliarden Euro, das war mehr als 1/4 des gesamten Bundeshaushalts.

  • P.S.: Der Bundeszuschuß zur Rentenversicherung lag 2023 bei 112 Milliarden Euro, das war mehr als 1/4 des gesamten Bundeshaushalts.

    Man darf aber auch erwähnen:

    Zitat

    Die DRV Bund berechnet die versicherungsfremden Leistungen nach eigenen Annahmen. Sie veröffentlicht das Ergebnis in unregelmäßigen Abständen, zuletzt für das Jahr 2020. Nach der engen Abgrenzung beliefen sich die versicherungsfremden Leistungen auf 63,3 Mrd. Euro. Gemäß der erweiterten Abgrenzung machten sie 112,4 Mrd. Euro aus.

    https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Downloads/DE/Berichte/2023/hauptband-2023/09-volltext.pdf?__blob=publicationFile&v=4

    When nothing goes right, go left :top:

  • An die Diskussionen, dass die Renten nur sehr begrenzt sicher sind und man privat vorsorgen muss oder zumindest sollte, kann ich mich noch gut in diversen Talkshows erinnern - und das war schon in den 90ern.


    Seit Jahrzehnten gibt es zu wenig Geburten - zumindest bei den Leuten, die nicht vom Staat leben - und die Rentner sind eine starke Wählergruppe, mit der es sich kein Politiker verscherzen will.


    Seit Jahrzehnten weiß jeder, dass eine drastische Reform kommen sollte - und keine Partei traut sich ernsthaft ran.


    Die Aktienrente kommt, wenn überhaupt, nur in kleinem Umfang, Riester hat schlecht funktioniert, auch aufgrund der langen Nullzinsphase.


    Wer stets nur wenig verdient und nur knapp über die Runden kommt, bei dem gibt es oft auch keine Betriebsrente wie in Großbetrieben - der braucht sich gar keine Gedanken zu machen, dann gibt es eben Grundrente oder Basisrente oder wie das jeweils heißt.

  • An die Diskussionen, dass die Renten nur sehr begrenzt sicher sind und man privat vorsorgen muss oder zumindest sollte, kann ich mich noch gut in diversen Talkshows erinnern - und das war schon in den 90ern.


    Auch schon vorher, ich kann mich erinnern dass wir das schon diskutiert haben als ich Ende der 80iger mit dem Studium angefangen habe und schon damals gesagt haben, dass man privat vorsorgen müsse. Natürlich immer vorausgesetzt, man kann das auch. Ich stand damals schon auf dem Standpunkt irgendwann zu hören "Sie haben ja sonst noch was, Rente gibt es nicht". Inzwischen denke ich, dass ganz auf Null zu reduzieren nicht zu machen ist, aber irgendetwas in der Richtung wird passieren, direkt oder indirekt über die Steuern.


    Auf der anderen Seite habe ich aber eben auch gut verdienende Kollegen, die mir seit über 10 Jahren erzählen "da müsste ich mich mal drum kümmern" und irgendwann kommt dann halt der Punkt, es auch nicht mehr zu müssen und die Konsequenzen zu ertragen und das aus reiner Bequemlichkeit sich mal etwas mit dem Thema zu beschäftigen.



  • Hallo,


    zum Thema mangelnde Rentenhöhe nach langer Arbeitszeit (43 Jahre Vollzeit, IT-Branche) kann ich mal aus eigener Erfahrung etwas beitragen.


    Es müssen nur ein paar Faktoren zusammenkommen und schon steht die Altersarmut vor der Tür...


    Bei mir war es die Scheidung, die sämtliche Altersvorsorge schlagartig hat platzen lassen und dann kam noch meine Krankheit dazu.


    Gestartet sind wir beide (Geschiedene und ich) mit null Startkapital und haben alles selbst erarbeitet ohne Unterstützung durch die Elternhäuser.


    Rentenanspruch vor Scheidung bei normalem Arbeitsverlauf bis 2027 war ca. 2900 Euro und ein abgezahltes EFH plus diverse LV als priv. Altersvorsorge.


    Stand nach Scheidung: kein EFH mehr, Rentenanspruch nach Ehegatten-Ausgleich 1400 Euro (bei Renteneintritt 2027), priv. Altersvorsorge wegen Zugewinnausgleich und Unterhaltsabgeltung auch drastisch reduziert


    Krankheitsbedingt ist momentan keine Erwerbsfähigkeit möglich, so dass der reale Rentenanspruch jedes Jahr sinkt... (nein er entwickelt sich nur nicht weiter, direkt nach der Scheidung war der Anspruch 1298 Euro bei sofortigem Renteneintritt in 2019)


    Mein Jahresbrutto lag zwischen 75 und 120 t Euro (je nach Stellung und Erfolgs-Prämien), ich war jetzt sicher nicht der Spitzenverdiener aber wohl doch eher ein Besserverdiener...


    Meine Geschiedene musste nicht arbeiten (und hat das auch genossen) und hat sich um Haushalt und Kind gekümmert.

    Ab und zu hat sie sich mit Mini-Jobs die Zeit vertrieben und hat so in den 28 Ehejahren sagenhafte 2 Rentenpunkte erwirtschaftet...

    Dann kam die (richtig große) Erbschaft von ihren Eltern und kurz darauf lies sie sich scheiden...

    (Ihre Erbschaft wurde bei der Scheidung als Anfangsvermögen gewertet und so hatte sie über die Dauer der Ehe keinen Zugewinn und ich durfte das dann ausgleichen...)


    Und so hab ich den Großteil der eigentlichen (gemeinsamen) Altersvorsorge an sie verloren und ich muss nun schauen, wie ich über die Runden komme.


    Aber mir geht es immer noch besser als vielen anderen, ich will nicht klagen...


    Gruß

  • Hoch lebe der Ehevertrag.


    Das ist kein schönes Schicksal, in der Tat. Das mit der Erbschaft bei Scheidung war mir neu.


    Ich wünsche dir, dass es gesundheitlich bald wieder aufwärts geht - das Wichtigste überhaupt.

    Grüße Peter

  • Dann kam die (richtig große) Erbschaft von ihren Eltern und kurz darauf lies sie sich scheiden...

    (Ihre Erbschaft wurde bei der Scheidung als Anfangsvermögen gewertet und so hatte sie über die Dauer der Ehe keinen Zugewinn und ich durfte das dann ausgleichen...)

    Und am besten noch vorm Richter rumgejammert, dass sie sich schon lang hätte scheiden lassen wenn sie es sich denn hätte leisten können aber Du warst ja der Alleinverdiener.


    Nur das mit der Erbschaft versteh ich nicht - wirst Du aber auch nicht weiter ausführen können und wollen - weil das Geld hatten ja vorher die Eltern. wenns danach ginge warum muss man dann Erbschaftssteuer zahlen?

    Auch ich gehe mit der Zeit und fahre E-Autos: E30, E31 und E46! :daumen:


    Das BMW Cabrio ist eines jener sachlichen Transportmittel, das grundsätzlich offen, vollgetankt und mit dem Schlüssel im Zündschloß in der Garage stehen muß - für alle dringenden Fälle.

  • Weil es von der einen Seite kommt (egal ob als Schenkung oder Erbschaft) bleibt dieses Vermögen bei der Betrachtung des GEMEINSAMEN Zuwachses außen vor.

    Und der Funke der Freiheit ist glühend erwacht!
    (Theodor Körner)


    Leisten wir uns den Luxus, eine eigene Meinung zu haben!

    (Otto von Bismarck)

  • Kurzes googeln ergab, dass es rechtlich völlig korrekt ist, dass die Erbschaft beim Zugewinn außen vor bleibt.


    Die Erbschaft soll nicht an den Ehepartner fallen, sondern in der Blutlinie bleiben.

    Grüße Peter

  • Und so hab ich den Großteil der eigentlichen (gemeinsamen) Altersvorsorge an sie verloren und ich muss nun schauen, wie ich über die Runden komme.

    - auch :m:


    winzig kleiner Trost:

    pro Kind gibt es 3 Rentenpunkte Erziehungszeit, auch die werden aufgeteilt

    da musst Du drauf achten, das fällt schon mal unter den Tisch

    Kofferraum statt Hubraum !

  • Armut im Alter ist heute bei allenstehenden Personen leider immer häufiger anzutreffen.


    Typischer Fall:

    Pärchen trifft sich, er Handwerker oder sonstige Lehre, sie ebenfalls Lehre im typischen Frauenberuf, Verkäuferin, Friseuse oder Pflegefachfrau. Einkommen passt zu zweit gut, man kriegt eine Mietwohnung und kann sich gemütlich einrichten und ein kleines Sparguthaben eröffnen, auch ein Gebrauchtwagen liegt noch drin.

    Dann kommen Kinder, die Frau kann nur noch Teilzeit arbeiten nebst der Familie und hat deswegen keine Betriebsrentenberechtigung (in CH Pensionskasse) mehr.

    Irgendwann kracht es, es kommt zur Scheidung. Der Mann muss der Frau die halbe Pensionskasse abtreten und für die Kinder Alimente bezahlen, kann nichts mehr weiter ansparen. Die Frau kann weiterhin nur noch Teilzeit arbeiten wegen der Kinderbetreuung.

    Beide Parteien brauchen jeweils eine günstige Wohngelegenheit und Sparen ist zwangsweise Fehlanzeige.

    Bei Rentenbeginn sind dann jeweils beide an der unteren Einkommensgrenze.


    So sieht leider die Wirklichkeit aus, auch wenn beide ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben.

    Aus Fehlern lernt man. Heute habe ich viel gelernt!

  • Tja, in solchen Fällen schreit keine der Feministinnen nach Gleichberechtigung :rolleyes:

    Gilt ja auch in beide Richtungen (Erben ist ja nicht geschlechtsspezifisch), insofern... :sz:

    Grüße
    shneapfla
    B12 - Caddy 59 - Caddy 58 -B6 statt V12
    [X] <- Nail here for a new monitor
    Ich lebe zwar über meine Verhältnisse aber immer noch nicht standesgemäß!!

  • Gilt ja auch in beide Richtungen (Erben ist ja nicht geschlechtsspezifisch), insofern... :sz:

    Das war nicht zu auf die erwähnte Erbschaft bezogen, sondern darauf, dass bei Scheidung in der Regel der Mann der Gelackmeierte ist.

    Und zwar so richtig :rolleyes:

  • Hoch lebe der Ehevertrag.

    ... Eheverträge, bei denen der Versorgungsausgleich (Teilen der während der Ehezeit erworbenen Rentenpunkte) ausgeschlossen wird, werden regelmäßig von den Gerichten nicht anerkannt. Dann ist aber der ganze Ehevertrag nichtig.


    Mein Ehevertrag hatte nur deshalb Bestand, weil das explizit nicht der Fall war. Meine Ex war bei mehreren Anwälten um sich darüber zu erkundigen. Aber da weder der Versorgungsausgeich ausgeschlossen war und der Ehevertrag auch nicht in einer Notlage (schwanger oder so) unterschrieben wurde, haben die alle abgewunken.


    Wir haben dennoch eine einvernehmliche und faire Lösung gefunden. Da sie während der Ehezeit immer bei uns in der Fa. angemeldet war und es auch für die Kiddis Rentenpunkte gab, hat sich mein Rentenanspruch durch den Versorgungsausgleich nach 25 Ehejahren lediglich um 350 € reduziert.

  • 1) Fragen wirft es auf. Unangenehme Fragen. Wo ist das ganze Geld hin das ich verdient habe? Warum habe ich nicht mehr geleistet? Warum habe ich mich auf den Staat verlassen, der so wenig verläßlich war und ist. Es wirft in meinen Augen die Frage nach der Eigenverantwortung jedes einzelnen auf: Bin ich das was ich aus mir gemacht habe? Oder bin ich das was andere aus mir gemacht haben?


    2) Aber wie man auch immer dazu steht: Der Anspruch auf staatliche Unterstützung endet nicht mit dem Renteneintritt: Wenn es nicht reicht muß Grundsicherung fließen. Warm/satt/sauber sollte garantiert sein, unabhängig von persönlicher Verantwortung des einzelnen für seine Notlage. Und spätestens wenn Pflegebedarf dazu kommt ist oft selbst eine üppige Rente zu wenig, dann kommt sowieso die Solidargemeinschaft für einen Großteil der Kosten auf.

    .....

    3) Freuen wir uns - besser wirds nicht. Jan Henning

    zu 1) Der vorherigen Generation und selbst unserer wurde eingetrichtert, dass die Rente sicher sei.... (Ungesprochen wurde: Nur nicht in welcher höhe....)

    Wer hat denn bitte einen einen Job, bei dem er soviel verdient, dass er davon eine signifikante Altersvorsorge betreiben kann? Da sind vielleicht 10-20% der arbeitenden Bevölkerung. Und das ist schon verdammt hoch angesetzt.


    Zu 2) Ja... der besteht. Irgendwie erhebt sich die dann die Frage, weshalb jemand, der 40-45 Jahre in die Rentenkassen eingezahlt hat, nicht besser gestellt wird, wie jemand, der gerade erst "da angekommen" ist. Ich zumindest finde das beschämend.


    Zu 3) kaum anzunehmen. Leider

  • Kurzes googeln ergab, dass es rechtlich völlig korrekt ist, dass die Erbschaft beim Zugewinn außen vor bleibt.

    Rechtlich korrekt, dass die Erbschaft beim Erbe bleibt, und ich wollte von dem Erbe auch nix abhaben, aber es bleibt beim Zugewinn nur in sofern außen vor, als das der Nichterbende keinen Anspruch darauf hat.


    Zur Verdeutlichung:


    Startkapital jeweils 0 Euro.


    Zugewinn gesamt 100.000 Euro


    Sie erbt 100.000 Euro


    Scheidung:


    Sie hat Anfangsvermögen von 100.000 Euro (durch Erbschaft), er 0


    Zugewinn:

    Er die Hälfte, also 50.000 Euro abzüglich Anfangsvermögen 0 --> bleibt 50.000

    Sie die Hälfte also 50.000 Euro abzüglich Anfangsvermögen 100.000 Euro --> bleibt -50.000


    Der negative Teil muss nicht ausgeglichen werden, daher wird ihr Zugewinn auf 0 gesetzt und dadurch hat sie nun Anspruch auf die Hälfte des Zugewinnes des Mannes, somit 25.000 Euro


    Ergo hat er nachher 25.000 Euro und sie 125.000 Euro...


    Jetzt ist der Zugewinn ja nicht immer nur Bargeld oder Bankvermögen... der Zugewinnausgleich muss aber in monetärer Form erfolgen...


    Sprich, wenn nicht flüssig, dann über Kredit... weil Zahlung ist sofort fällig...


    Gruß

  • Traurig aber Wahr.


    Und das mit dem Umziehen ist für Senioren, die oft genug allein auf sich gestellt sich, weil die Kinder längst weit weg wohnen und sowieso kaum unterstützen würden, nicht gerade der Hit.


    Also sollen oder müssen die "Alteingessenen" lieber aus München in der Bayerwald ziehen, damit sie dort noch einigermaßen auskömmlich von der Rente leben können, während "Neuzuzug" in München die Mieten von unseren Steuereinnahmen gesponsert bekommt?

    Kann doch nicht Dein Ernst sein?

  • D. h. die Erbschaft kostet einen Teil richtig Asche, weil sie den Zugewinn für den Erbenden verringert? 8|

    Grüße
    shneapfla
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    Ich lebe zwar über meine Verhältnisse aber immer noch nicht standesgemäß!!