Arbeit soll sich lohnen - oder ist der Sozialstaat zu sozial?

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  • Ich glaube du verstehst mich falsch, oder ich bringe es nicht richtig rüber. Bei den 212 ist ein signifikanter Anteil dabei, die Du als Sozialstaat nicht mal mehr erreichst um sie vermittelbar zu machen. Wenn Du mal einige Jahre aus dem Arbeitsmarkt draussen bist ist es sehr schwer, sich dort wieder zu integrieren. Das hat mit Lust wenig zu tun. Klar, es gibt auch die, die sich auf dem ruhigen Kissen ausruhen. Aber mal ehrlich, das ist weder ein Luxus- noch sonst ein Leben.
    Und Du als Supermarktbetreiber musst etwas mehr Augenmerk auf gepflegtes Äusseres und Umgangsformen legen als der Galabauer, der sich 3 Leute zum Rasenmähen und Heckenschneiden in Wohnanlagen sucht.

    Das ist alles richtig und ich glaube, ich hatte dich schon ganz gut verstanden. Ich weiß auch, worauf du hinaus willst. Mein Gedanke geht eben so weit, dass man die Leute "zwingen" muss, an sich zu arbeiten in derlei Hinsichten. Man muss denen vermitteln:"Hey Junge, du bekommst ALG II, dies ist nicht der Normalzustand; guck dass du dein Leben in den Griff bekommst." Wir aber schaffen Sanktionen ab und überweisen bedingungslos ALG II jeden Monat.


    Und wenn es so weit geht, dass die wirklich nicht Vermittelbaren gemeinnützig eingesetzt werden, um Leistungen nach ALG II erhalten. Wer auch das verweigert obwohl nicht körperlich behindert, dem würde ich keine schöne Wohnung zugestehen und Freiheiten wie im Bsp. von eben von mir beschrieben. Wofür brauchen solche Gesellschaftsverweigerer Geld von der Gemeinschaft für Zigaretten und anderen Spökes? Diese Menschen würde ich tatsächlich in Sammelunterkünften mit Kost & Logie unterbringen aber nicht mit Geld beglücken. Was meinst du aus wie vielen "Blinden" dann wieder "Sehende" werden von den 212 Leuten. Geld - auch ALGII - sollte für mich immer etwas mit Leistung und Gegenleistung zu tun haben.

    Viele Grüße
    Oliver

  • Der den Berechtigten vom Unberechtigten zu unterscheiden ist aber nicht trivial. Auch medizinisch läßt sich nicht alles 100% objektivieren. Und wenn jemand nicht will dann kann er auch nicht. Und das schließt noch nicht mal die ganzen psychischen Krankheiten und Störungen mit ein, die auch behindernd sein können.


    Wir werden so lange wir noch ein Sozialstaat sein wollen mit einem gewissen Grad an Mißbrauch leben müssen.

    Rechtschaffenheit einzufordern gelingt aber nur dann wenn unsere Poltik selber rechtschaffend scheint.


    Munter bleiben: Jan Henning

    "Was ist das entwertendste was Sie dem Recht, welches wir respektieren sollen, antun können? - Erlassen und vollstrecken Sie ein Gesetz das des Schutzes unwürdig ist." Akane Tsunemori

  • Wir werden so lange wir noch ein Sozialstaat sein wollen mit einem gewissen Grad an Mißbrauch leben müssen.

    Die, die es am meisten wollen, zahlen leider am wenigsten für diesen Sozialstaat bzw. saugen ihn nur aus.

    Hört sich vielleicht blöd an aber normalerweise fände ich es sinnvoll, dass derjenige, der ein hohes Steueraufkommen hat auch in höherem Maße mitbestimmen kann, wo die Reise hingeht. Aber sich das zu wünschen, ist natürlich illusorisch.

    Viele Grüße
    Oliver

  • Zitat

    Hört sich vielleicht blöd an aber normalerweise fände ich es sinnvoll, dass derjenige, der ein hohes Steueraufkommen hat auch in höherem Maße mitbestimmen kann, wo die Reise hingeht. Aber sich das zu wünschen, ist natürlich illusorisch.


    Ich wünsche mir auch manchmal das preußische Dreiklassenwahlrecht zurück, vielleicht etwas modifiziert: Jeder der in seinem Leben mindestens 5 Jahre Einkommensteuer gezahlt hat hat zwei Stimmen...

  • Ich wünsche mir auch manchmal das preußische Dreiklassenwahlrecht zurück, vielleicht etwas modifiziert: Jeder der in seinem Leben mindestens 5 Jahre Einkommensteuer gezahlt hat hat zwei Stimmen...

    Ja sowas in etwa. Also nicht nach absoluter wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit ohne Deckel aber schon in eine Richtung, dass die "Erwirtschaftenden" im Ganzen auch mehr Einfluss nehmen.

    Viele Grüße
    Oliver

  • Hört sich vielleicht blöd an aber normalerweise fände ich es sinnvoll, dass derjenige, der ein hohes Steueraufkommen hat auch in höherem Maße mitbestimmen kann, wo die Reise hingeht. Aber sich das zu wünschen, ist natürlich illusorisch.

    Würde ich ähnlich sehen, aber dann ist es ein Kapital und nicht ein Sozialsystem.


    Einzig wo man entgegen wirken kann ist möglichst rechts wählen.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. Mark Twain

  • Würde ich ähnlich sehen, aber dann ist es ein Kapital und nicht ein Sozialsystem.


    Einzig wo man entgegen wirken kann ist möglichst rechts wählen.


    Aussichtslos. Da gibt es nur quere Köpfe, die auch andere Dinge wollen als eine leistungsgerechte Gesellschaft und sonst nur linker Einheitsbrei.

    Viele Grüße
    Oliver

  • Mit dem Missbrauch mussten wir auch bis dato leben.. das war einfach so. Warum ich jetzt dann aber auch die Sanktionen über den Jordan gehen lasse passt in diese Begründungskette a la Bedingungslos nicht mehr...

  • Das ganze System ist nicht wirklich einfach. Dazu kommt, dass Sozialwesen und Effizienz grundsätzlich Gegensätze sind.

    Wer null Bock hat, der soll natürlich nicht auf Rosen gebettet werden.

    Wer aber zwar durchaus willig ist, irgendwann aber mal ohne Schuld wegen Unfall, Krankheit oder ähnlich in den Keller gerutscht ist hat echt Probleme mit einer Lücke im Lebenslauf wieder eine Anstellung zu finden.

    Wenn derjenige nicht mehr ganz jung ist, sowieso. Da geht nur was mit Beziehungen.

    Alles was an Angeboten vom Amt kommt sind entweder Alibiübungen oder Dumpinglohn.

    Aus Fehlern lernt man. Heute habe ich viel gelernt!

  • Was ich immer wieder mitbekommen habe die letzten Jahre: Wer wirklich arbeiten möchte, hat sehr schnell etwas bekommen. Und der Älteste war dabei über 60. Man muss sich aber Mühe geben und auch erstmal unten anfangen, wenn man keine Erfahrung hat.

    Wer meint, er bekommt von Arbeitsamt einen Job vermittelt, der hat eh schon verloren.

  • Wer aber zwar durchaus willig ist, irgendwann aber mal ohne Schuld wegen Unfall, Krankheit oder ähnlich in den Keller gerutscht ist hat echt Probleme mit einer Lücke im Lebenslauf wieder eine Anstellung zu finden.

    Wenn derjenige nicht mehr ganz jung ist, sowieso. Da geht nur was mit Beziehungen.

    Naja vor enigen jahren war das wohl so. aber wer eine gültige Arbeitserlaubnis und Aufenthaltstitel hat, sich vorstellen kann morgens aufzustehen und sich waschen kann, und nicht klaut, ist aktuell eingestellt. Ich weiß, für viele ist die Hürde zu hoch. Ich erinnere mich da mit Grausen als ich das letzte mal eine MFA suchte.


    Munter bleiben: Jan Henning

    "Was ist das entwertendste was Sie dem Recht, welches wir respektieren sollen, antun können? - Erlassen und vollstrecken Sie ein Gesetz das des Schutzes unwürdig ist." Akane Tsunemori

  • ich hab im Bekanntenkreis einen solchen Fall. ü60, wieder eine Anstellung gefunden in einer anderen Branche, zu einem Drittel des früheren Gehalts..... er macht es schon um sich morgens im Spiegel ansehen zu können, aber motivieren tut sowas nicht wirklich.

    Aus Fehlern lernt man. Heute habe ich viel gelernt!

  • Ja, im Hochlohnbereich ist es wohl wirklich noch nicht ein reiner Nachfragemarkt..... :idee:


    Munter bleiben: Jan Henning

    "Was ist das entwertendste was Sie dem Recht, welches wir respektieren sollen, antun können? - Erlassen und vollstrecken Sie ein Gesetz das des Schutzes unwürdig ist." Akane Tsunemori

  • Ja, im Hochlohnbereich ist es wohl wirklich noch nicht ein reiner Nachfragemarkt..... :idee:

    schon im mittleren Lohnbereich nicht. Verzweifelt gesucht sind Hilfskräfte die im Tieflohn arbeiten.

    Aus Fehlern lernt man. Heute habe ich viel gelernt!

  • Verzweifelt gesucht sind Hilfskräfte die im Tieflohn arbeiten.

    Klar, du schuftest dann für Geld welches dir nicht oder kaum zum Leben reicht, um eine Wohnung zu bezahlen in der du nur schläfst und am Wochenende in die Glotze kuckst weil du dir nix leisten kannst, weisst schon jetzt dass du nächsten Monat am 20. wieder pleite bist, und kannst dir noch gar nicht ausmalen wie du die Gas- und Stromrechnung nächstes Jahr bezahlst. Dafür steigt dein Chef in seinen neuen Benz und jammert dass er niemanden findet, der sich das antut. Ein Teufelskreis. Manche Arbeit ist eben kaum bezahlung wert, nech.

    Wer aber zwar durchaus willig ist, irgendwann aber mal ohne Schuld wegen Unfall, Krankheit oder ähnlich in den Keller gerutscht ist hat echt Probleme mit einer Lücke im Lebenslauf wieder eine Anstellung zu finden.

    Wenn derjenige nicht mehr ganz jung ist, sowieso. Da geht nur was mit Beziehungen.

    Und selbst mit Beziehungen eher wenig, kommt sicher auf die Branche an. Wenn jemand in der IT nach 5 Jahren wieder einsteigen will wird der komisch angekuckt, mehr nicht. Da fängst du entweder zum Einsteigergehalt an, oder eben gar nicht, weil dein Vorgesetzter vorausschauenderweise annimmt, sobald du was anderes hast bist du wieder weg. Dann lieber einen Berufseinsteiger, den man sich ziehen kann.


    Alles nachvollziehbar, beide Seiten wie ich finde.

    Hör immer auf dein Herz, ausser der Winzer sagt "Nimm den Gewürztraminer". Dann hör auf den Winzer :party:

  • Wer aber zwar durchaus willig ist, irgendwann aber mal ohne Schuld wegen Unfall, Krankheit oder ähnlich in den Keller gerutscht ist hat echt Probleme mit einer Lücke im Lebenslauf wieder eine Anstellung zu finden.

    Also ich habe letztes Jahr sogar Vorbestrafte eingestellt weil es nicht mehr anders ging. In einem Unternehmen entlassen wegen Unehrlichkeit und wir mussten dann engmaschig kontrollieren.....


    Ich lade sogar Leute ein, die einen abfotografierten Lebenslauf per Mailanhang schicken, der zerknittert auf dem Küchentisch liegt. So tief müssen wir die Ansprüche mittlerweile schrauben! Wer arbeiten will, der bekommt Arbeit!

    Viele Grüße
    Oliver

  • Ich lade sogar Leute ein, die einen abfotografierten Lebenslauf per Mailanhang schicken, der zerknittert auf dem Küchentisch liegt. So tief müssen wir die Ansprüche mittlerweile schrauben! Wer arbeiten will, der bekommt Arbeit!

    Olli, ich denke aber nicht dass Du hier von Führungspositionen redest. Eher von Teilzeitangestellten im Lebensmittelhandel, eher wirklich Tieflohnbereich.

    Aus Fehlern lernt man. Heute habe ich viel gelernt!

  • Ich wünsche mir auch manchmal das preußische Dreiklassenwahlrecht zurück, vielleicht etwas modifiziert: Jeder der in seinem Leben mindestens 5 Jahre Einkommensteuer gezahlt hat hat zwei Stimmen...

    Ich auch! In einfachster Form: pro Kind unter 18 eine zusätzliche Stimme bei der Wahl und pro XX TEUR real gezahlter Einkommenssteuer eine weitere Stimme. Das wäre einfach nur gerecht.

  • Ich auch! In einfachster Form: pro Kind unter 18 eine zusätzliche Stimme bei der Wahl und pro XX TEUR real gezahlter Einkommenssteuer eine weitere Stimme. Das wäre einfach nur gerecht.

    nein, das würde die Kapitalisten zu sehr bevorteilen. Aber Punkte pro Anzahl Jahre real bezahlte Einkommenssteuer wären für mich denkbar.

    Aus Fehlern lernt man. Heute habe ich viel gelernt!