Abzocke oder echte Notsituation

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  • Ich bin eben eine Autobahnabfahrt herunter gefahren, die in einer T-Kreuzung endet. Vielleicht 50 m vor Ende stand auf der Gegenseite (AB-Auffahrt) ein Auto. Von da lief wild gestikulierend ein Mann quer über die Spuren auf mich zu. Hinten in seinem Auto saß ein Kind.


    Obwohl das wirklich keine Stelle ist, an der ich gerne anhalte (oder anhalten darf), habe ich es getan. Er fing an, wirr über seine schwangere Frau zu erzählen, dass er Hilfe braucht, nach Hause will und ich seinen Personalausweis haben könnte. Ich dachte erst, er will nach Hause mitgenommen werden und wohnt in der Nähe. Warum dann der Perso? Ich hab ihn also gefragt, wo er hin muss. Oberhausen (100 km weg), er braucht Geld zum Tanken.


    Ich stand da wirklich prekär und musste mich in Sekunden entscheiden. Es gab keinen Standstreifen und von hinten kam das nächste Auto. Ich hab ihm gesagt, ich mache das nicht und bin einfach losgefahren.


    Im Nachhinein, mit mehr Zeit, habe ich natürlich darüber nachgedacht. Ich bin eigentlich super-hilfsbereit, aber ich hatte ein schlechtes Gefühl. Ich denke (hoffe) auch, dass ich da richtig lag.


    - Warum diese blöde Stelle? Dadurch entstand Zeitdruck, was immer verdächtig ist. Selbst wenn sein Tank trocken war, hätte er rückwärts in eine ruhigere Zone aus dem Bereich der Aus-/Auffahrt heraus rollen können. Weiter unten an der Landstraße kann man bequem und sicher parken. 100 m weiter ist sogar ein P+R Parkplatz. Ich denke, die Stelle war bewusst gewählt.


    - Die nächste Tankstelle ist 3 km entfernt. Wenn er noch etwas Sprit hatte, hätte er auch dahin fahren können. Die hätten vielleicht seinen Perso als Pfand genommen. Ganz ohne Sprit im Tank bringt ihm an der Stelle aber auch mein Geld nichts. Er hat ja nicht nach Sprit gefragt, nur nach Geld. Das kann er zwar in den Tank stopfen, bringt aber nichts.


    Ich vermute, der wollte mir einen gefälschten oder geklauten Perso verkaufen. Also Bares gegen Pfand und Nimmerwiedersehen. Sollte es eine Abzocke gewesen sein, wäre es wirklich asozial, weil durch sowas die Leute irgendwann überhaupt nicht mehr anhalten und helfen.


    Was meint ihr? Abzocke oder Notlage? Was hättet ihr gemacht?


    Gruß

    Stefan

  • An Deiner Stelle haette ich wahrscheinlich genauso gehandelt. Aber ich glaube Abzocke ist der falsche Begriff. Das ist schlicht und ergreifend Betrug. Ganz besonders uebel, wenn man da noch ein Kind mit reinzieht. Die ganze Story wirkt so hanebuechen, dass Du mit sehr sehr grosser Wahrscheinlichkeit richtig gehandelt hast. ICh vermute auch, dass der Ort strategisch gewaehlt war, so dass dsa Opfer keine Zeit zum Nachdenken hat.


    Aber sei froh, hier in Santiago haettest Du jetzt kein Auto mehr, da haette Dich der werdende Vater ganz sanft mit der Pistole in der Hand aufgefordert Dein Fahrzeug fuer die notleidende Bevoelkerung zu spenden.


    Sollte es eine Abzocke gewesen sein, wäre es wirklich asozial, weil durch sowas die Leute irgendwann überhaupt nicht mehr anhalten und helfen.

    Bedauerlicherweise interessiert solche Typen ueberhaupt nicht, was sie fuer einen Gesamtschaden anrichten, entweder weil zu abgebrueht (muss wahrscheinlich mit einer gewissen kriminellen Energie einhergehen), oder zu dumm (geht auch des oefteren mit der kriminellen Energie einher).

  • Ich denke dass du richtig gehandelt hast, man hätte eventuell noch anbieten können dass man ihm auch die Polizei rufen könnte damit die sich der Sache annehmen können falls er kein Handy dabei hat. Wäre mal interessant gewesen wie er darauf reagiert hätte 🤔

    Eines Tages wird dein Leben vor deinen Augen vorüberziehen.
    Sorge dafür, dass es sehenswert ist.

  • Abzocke. Die Nummer ist doch uralt. Ich hab das vor mehr als 20 Jahren schon mehrfach gelesen, ob Unfall vorgetäuscht oder Notlage, das sind Gauner. Tut mir für die leid die wirklich ein Problem haben, aber ich halt da nicht an. Am besten wäre direkt Polizei verständigen dass sich da ein Fahrzeug im Gefahrenbereich befindet, und Personen auf der Fahrbahn sind. Mit Kennzeichen und Fahrzeugtyp. Die kümmern sich dann schnell.

    Manchmal frage ich mich was die Leute von mir denken. Dann fällt mir aber ein, dass die meisten Leute gar nicht denken, und ich bin wieder beruhigt :party:

  • Mich nervt das langsam. Können sich die Leute nicht einfach einen Job suchen? Erst die Ebay Sache, jetzt das.


    Im Januar muss ich einen Camaro verkaufen. Da kommen mit Sicherheit die ganzen krummen Touren wieder auf mich zu. Dass Firmenwagen mit ausweisbarer Steuer die ganzen Trickser magisch anziehen, weiß ich ja schon.


    Gruß

    Stefan

  • Da wirst Du eher solche Probleme haben...

  • Zitat

    Abzocke. Die Nummer ist doch uralt. Ich hab das vor mehr als 20 Jahren schon mehrfach gelesen, ob Unfall vorgetäuscht oder Notlage, das sind Gauner.


    Vor Jahren schon gab es Berichte, dass das Fragen nach Geld für Benzin an Autobahntankstellen eine der effektivsten Methoden zum Betteln ist, da war von satt fünfstelligen Beträgen im Monat für eine Person die Rede. Schwangere Frau hilft auch immer…


    Ich hätte wahrscheinlich angeboten die Polizei zur Unterstützung zu rufen, das hab ich in einer ähnlichen Situation schon mal gemacht. Telefoniert hätte ich dann aber mit sicherem Abstand.

  • Ich hätte in der Situation angeboten den ADAC anzurufen. Die helfen in solchen Situationen tatsächlich. Wenn es denn eine Notsituation war.

    Kofferraum statt Hubraum !

  • Gut gehandelt!


    Ein ehrlicher Mensch hätte die Polizei gerufen oder 112 gewählt. Vielleicht auch den ADAC. Oder schlichtweg ein Taxi.


    Schwanger in Not ist doch der Klassiker, um bei hilfsbereiten Menschen das Hirn auszuschalten.


    Möglicherweise gibt es nicht nur im Geld, sondern um Carnapping. Nicht unwahrscheinlich bei den Autos, die du fährst.


    Im günstigsten Fall hättest du selbst 390 Euro für die Spedition hinlegen müssen, um dein Auto wieder zu bekommen ^^^^^^

  • Vor Jahren schon gab es Berichte, dass das Fragen nach Geld für Benzin an Autobahntankstellen eine der effektivsten Methoden zum Betteln ist, da war von satt fünfstelligen Beträgen im Monat für eine Person die Rede. Schwangere Frau hilft auch immer…


    Ich hätte wahrscheinlich angeboten die Polizei zur Unterstützung zu rufen, das hab ich in einer ähnlichen Situation schon mal gemacht. Telefoniert hätte ich dann aber mit sicherem Abstand.

    Die Polizei zu rufen, dürfte wenig Sinn machen, selbst wenn sie den Betrüger mitnehmen, steht hinterher der Clan auf der Matte....

    Siehe Miesbach vor ein paar Tagen.....


    Miesbach: Großeinsatz nach Festnahme - Gruppe geht auf Polizisten los | Miesbach


    MfG Achim

  • Ich denke, der Typ war ziemlich mobil. Alle paar Minuten wird sich der Tank magisch gefüllt und er den Standort gewechselt haben. Das arme Kind kennt wahrscheinlich alle Autobahnauffahrten in NRW.


    Ich bin insgesamt nicht so der große Polizei-Rufer. Die hätten ihm ja ohnehin nichts nachweisen können, außer dass er in einer Autobahnauffahrt angehalten hat. Habe ich aber letztlich auch, wenn auch nur für ein paar Sekunden, bis ich gepeilt hatte, dass es kein echter Notfall ist.


    Gruß

    Stefan

  • Die hätten ihm ja ohnehin nichts nachweisen können, außer dass er in einer Autobahnauffahrt angehalten hat.

    Mhhhh, immerhin hat er Ärger und steht im Protokoll. Wenn da mehrfach was auftaucht wird genauer hingeschaut. Und man weiss bei solchen Leuten auch nicht was sich da alles sonst noch im Kofferraum befindet.

    Ich denke, der Typ war ziemlich mobil. Alle paar Minuten wird sich der Tank magisch gefüllt und er den Standort gewechselt haben. Das arme Kind kennt wahrscheinlich alle Autobahnauffahrten in NRW.

    Das käme mir dann fast vor wie die knieneden Bettelfrauen in der Fußgängerzone, das ist organisierte Kriminalität.

    Manchmal frage ich mich was die Leute von mir denken. Dann fällt mir aber ein, dass die meisten Leute gar nicht denken, und ich bin wieder beruhigt :party:

  • Die Polizei in einem solchen Fall zu rufen wäre eine gute Tat. Nämlich um andere zu schützen.

    Ist mindestens genau so edel, wie jemandem direkt zu helfen, der wirklich Hilfe braucht.



    Möglicherweise gibt es nicht nur im Geld, sondern um Carnapping. Nicht unwahrscheinlich bei den Autos, die du fährst.

    Sch... Autokorrektur. Sollte natürlich heißen

    "Möglicherweise ging es nicht nur um Geld, sondern um Carnapping. Nicht unwahrscheinlich bei den Autos, die du fährst."

  • Wieso? Hat sich doch gelohnt, jetzt hat der halbe Clan die Justiz am Hals :top:


    Munter bleiben: Jan Henning

    "Was ist das entwertendste was Sie dem Recht, welches wir respektieren sollen, antun können? - Erlassen und vollstrecken Sie ein Gesetz das des Schutzes unwürdig ist." Akane Tsunemori

  • Wieso? Hat sich doch gelohnt, jetzt hat der halbe Clan die Justiz am Hals :top:


    Munter bleiben: Jan Henning

    Wie "hart" das für einen Clan ist, die deutsche Justiz am Hals zu haben, sehen wir ja u.a. in Berlin.


    Mir ist sowas mehrfach zu Fuß passiert. Da quatschte mich ein Mitbürger mit Migrationshintergrund an, er sei total verzweifelt, er habe kein Geld, sich was zu essen zu kaufen, und überhaupt...

    Der war top gekleidet, mit Anzughose und Jackett. Wer's glaubt, wird selig.


    Ein weiteres Mal am Bahnhof, auch ein Neubürger. Die gleiche Story. Er sei kurz vorm Verhungern und Verdursten. Diesem Mitbürger habe ich eine Wasserflasche gegeben, die ich noch im Rucksack hatte. Mit sichtbarem Zähneknirschen hat er sie angenommen und sowas gemurmelt wie, Wasser sei besser als nichts. :m:

  • Na in der Notsituation muss man doch die Polizei rufen oder? Damit macht man alles richtig. Egal ob Betrugsversuch oder echt.

    Ich schreib hier in der Regel meine Meinung. Ab und zu ergänze ich die auch mal mit Quellen.

    Einmal editiert, zuletzt von zinn2003 ()

  • Zitat

    Mhhhh, immerhin hat er Ärger und steht im Protokoll. Wenn da mehrfach was auftaucht wird genauer hingeschaut. Und man weiss bei solchen Leuten auch nicht was sich da alles sonst noch im Kofferraum befindet.


    Das ist das eine, und wenn er oft genug auffällt sind andere vielleicht geschützt. Außerdem kann man an der Reaktion dann auch abschätzen, ob er echte Probleme hat. So ähnlich wie früher bei meinem Vater, da standen immer mal wieder Leute vor der Tür und wollten Geld, angeblich für eine Mahlzeit. Mein Vater hat dann eine Vereinbarung mit einem Lokal im Ort getroffen, er würde die Leute vorbei schicken und die komplette Mahlzeit zahlen, nur keinen Alkohol. Die wenigsten haben das Angebot angenommen aber vermutlich hatten die es dann auch nötig...