Verhalten bei Auffahrunfall

  • Hi!

    Ich muss mal eine Frage in den Raum stellen, die mich seit längerem beschäftigt.


    Wie empfindet ihr es, wenn Unfallbeteiligte nach einem harmlosen Auffahrunfall mit Warnblinkanlage mitten auf der BAB oder mitten auf einer Hauptverkehrsstraße einfach stehen bleiben, auf die Polizei warten, Versicherungsdaten austauschen oder was auch immer? Ist das normal, dass man in solchen Fällen nicht einfach auf den Standstreifen oder rechts ran fährt und es da in Ruhe regelt? Muss man wirklich Hauptverkehrsadern nach solchen Bagatellunfällen blockieren? Hatte vorhin die Ehre, dass sich ein Linienbus zwei Minuten lang an einem solchen Szenario über die Fahrspur des Gegenverkehrs und an parkenden Autos am linken Straßenrand vorbei hindurch schlängeln musste, während die Herren Unfallbeteiligten nichts Besseres zu tun hatten als Fotos von der optisch unbeschädigten Stoßstange zu machen (bringt ja echt viel, da man Schäden an der Karrosserie ja gar nicht erkennen kann). Hatte neulich selbst einen Unfall auf der BAB und bin nach Aquaplaning zwei Spuren nach rechts geschlittert und einem hinten drauf. Aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, mitten auf der rechten Fahrspur anzuhalten - nein, dafür gibt es einen Standstreifen.


    Bin mal gespannt, wie das gesehen wird.

    Viele Grüße
    Oliver
    (formerly known as Powerboat3000)

  • Evtl. ein paar Fotos von der Unfallsituation (nicht vom Schaden selber) und dann rechts weg - alles andere ist (schon im Sinne des Selbstschutzes) ja Unsinn.


    Gerade auf der BAB würde ich sehen, so schnell wie möglich von der Fahrspur runter zu kommen.

    Grüße
    shneapfla
    B12 - Caddy 59 - Caddy 58 -B6 statt V12
    [X] <- Nail here for a new monitor
    Ich lebe zwar über meine Verhältnisse aber immer noch nicht standesgemäß!!

  • Wie ich das empfinde ist in dem Augenblick eher irrelevant.


    Relevant ist, wie die Unfallbeteiligten es empfinden und da kann es X Gründe haben warum die stehen bleiben


    Mal abgesehen davon, dass wirklich noch Bilder gemacht werden um die Schuldfrage eindeutiger zu klären oder um zumindest optische Schäden festzuhalten und andere Schäden auszuschließen.

    Viele Ältere haben auch noch im Kopf, dass man stehen bleiben und auf die Polizei warten soll, die früher auch bei so etwas kam.

    Vor allem wenns ein Firmen-/Leasingauto ist, sind die Besitzer sicher oft übervorsichtig.

    Und es will sich ja keiner von der Versicherung anhören dass die nicht zahlen will weil die Situation unklar ist.


    Natürlich sehe ich es sonst auch wie Robert - vor allem auf Straßen auf denen der Verkehr schneller fließt besteht sonst die Gefahr dass man entweder selbst übersehen wird oder in einem sich bildenden Stau man indirekt schuld an weiteren Unfällen ist.


    Aber so lange der Staat hier keine eindeutige Regelung vorgibt wird sich an der gängigen Praxis IMHO nix ändern.


    Georg

    Das BMW Cabrio ist eines jener sachlichen Transportmittel, das grundsätzlich offen, vollgetankt und mit dem Schlüssel im Zündschloß in der Garage stehen muß - für alle dringenden Fälle.

  • Die Pflicht, bei Bagatellunfällen die Unfallstelle sofort zu räumen, schreibt die Straßenverkehrsordnung ausdrücklich vor. Hintergrund ist § 34, Absatz 1.2 der StVO: »Nach einem Verkehrsunfall hat jeder Beteiligte den Verkehr zu sichern und bei geringfügigem Schaden unverzüglich zur Seite zu fahren.«


    Also Fotos machen, idealerweise mit (Öl-) Kreide (war früher in jedem Verbandkasten) die Stellung der Fahrzeuge markieren und zur Seite. Fahrbereitschaft natürlich vorausgesetzt.

    Nichträumen der Unfallstelle bei Bagatellschäden kostet übrigens lt. Bussgeldkatalog 30,- €, kommt es infolge dessen zu einem weiteren Unfall wirds teurer.

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  • Die Pflicht, bei Bagatellunfällen

    Ja der Bagatellschaden. Erstens steht die Höhe* nicht mal fest, zweitens wissen die Höhe des Schadens selten die Beteiligten und drittens freut sich die Versicherung ein Loch in den Bauch wenn sie mangels Daten den Schaden teilen und beide hochstufen können.


    *könnten 700€ sein. Bei einer Berührung zweier Kfz ist der Wert heute eher nie unterschritten.

  • Gibt es die große Schuldfrage bei einem Auffahrunfall, wie im Threadtitel geschrieben?

    Natürlich kann der Auffahrende behaupten, das der vor ihm unbegründet ne Vollbremsung hingelegt hat.

    Zusätzlich noch untermauert mit der Behauptung das er in den Sicherheitsabstand reingefahren ist beim vorher erfolgten Spurwechsel.

  • Wenn jemand aus ner Seitenstraße/Ausfahrt rausfährt und man diesem dann reinfährt IMHO schon.

    Man sieht beim vorbeifahren ja nicht den Grund des Unfalls.

    Das BMW Cabrio ist eines jener sachlichen Transportmittel, das grundsätzlich offen, vollgetankt und mit dem Schlüssel im Zündschloß in der Garage stehen muß - für alle dringenden Fälle.

  • Wird mit der Polizei die Schuldfrage eindeutiger?

    Naja eine ordentliche Aufnahme des Unfalls mit Bildern und vor allem Abmessungen erleichtert den Nachweis deutlich. Wir hatten nen vergleichbaren Fall in der Firma wo einer statt links abzubiegen geradeaus weiter ist, und dann unseren Kollegen gerammt hat. Der hat sogar bis zum Eintreffen der Polizei noch nen Zeugen organisiert der ein Abdrängen beweisen wollte.

    Hier hatte aber die verbaute Dashcam nachgewiesen das der Zeuge zum Zeitpunkt des Unfalls nicht dort war.

    Wie gesagt, einen Treffer unterhalb der Bagatellgrenze gibt es bei lackierten Flächen eher nicht.

  • Aus Schaden wird man eben schlau... ich täte wohl künftig auch mitten auf der Autobahn einfach alles stehen lassen und auf die Polizei warten.


    Heute eine Mitteilung meines Anwaltes erhaltebn, dass sich die Sachbearbeitung laut der gegn. Versicherung verzögert weil "widersprüchliche Angaben seitens des Unfallgegners gemacht wurden." Im Schockzustand (bisschen überspitzt gesagt) nicht die Polizei geholt, jetzt hab ich erstmal den Salat. Weil am Unfallort und abends am Telefon war noch alles klar, inkl. "mein Chef zahlt das direkt wenn es nicht zu hoch ist wegen der Versicherung". Aber da kann man ja was tun wenn es der Herr Berufskraftfahrer wünscht... :rolleyes: 3 Monate sind noch nicht vorbei... ;)


    TUFKAF - The User formerly known as Feuerwehr520i

  • Ich stand mal in der linken Spur bei Ansbach auf der A6 mit eine Panne wo das Auto nicht rollfähig war.

    Ziemlich schnell war ne Zivilstreife da und hat ne Vollsperrung eingeleitet. Keine Minute später kam ein ADAC-Pannenwagen, hat das Seil dran gemacht und mich einfach (mit blockierten Rad) rüber bis zum Standstreifen gezerrt. Dort hat mich dann später der Schlepper aufgesammelt.

    Die Kollegen haben das sehr zügig und souverän abgewickelt und der Verkehr rollte wieder.

    Wenn da also länger blockiert wird, dann hat das sicher Gründe.

  • Wenn da also länger blockiert wird, dann hat das sicher Gründe.

    Ganz genau. Wenn es machbar ist, werden - auch schon vor dem Eintreffen der Polizei - schnell Bilder von allen Seiten gemacht und ggf. mit Kreide die Fahrzeugpositionen nachgezeichnet.

    Doch nicht immer ist es machbar: Manchmal ist der Treffer so schwer, dass der Wagen nicht mehr rollfähig ist. Und das muss nicht nur am Fahrwerk liegen, auch das Automatikgetriebe kann Schuld daran tragen. Ist die Neutralstellung auch nach intensiver Studierung der Bedienungsanleitung nicht möglich, muss man auf den Abschlepper warten - und das kann durchaus auch mal Stunden dauern.

    Letztes Jahr hatte ich gleich zwei solcher Auffahrunfälle. Beim ersten auf der A7 wurde mir ein Fahrzeug drauf geschoben. Bei mir war nicht viel an Schaden sichtbar, dennoch (da es sich um einen Mietwagen handelte) war ich um eine möglichst fehlerlose Unfallaufnahme inkl. Polizei interessiert. Die anderen beiden Fahrzeuge sahen weitaus schlimmer aus und wurden von der Polizei als nicht mehr fahrfähig eingestuft. Entsprechend kann man hier auch von Trümmerteilen auf der linken Spur ausgehen, die ohne professionelles Werkzeug (Besen) nicht so gut entfernt werden können, dass Folgeschäden ausgeschlossen werden können. Nun war es zudem relativ schwierig, von der ganz linken Spur zwei weitere Fahrspuren im dichten Verkehr zu überqueren - mit allen drei Fahrzeugen.

    Dann erst vor wenigen Wochen der zweite Fall. Mitten in der Baustelle innerorts mit nur einer Fahrspur fuhr mir eine Dame hinten drauf - zum Glück kein allzu wilder Schaden auf beiden Seiten. Schnell Bilder gemacht, Versicherung gemeldet und an anderer Stelle eine geschlagene Stunde auf die Polizei gewartet. Hätte man mehr als nur schnell ein paar Bilder gemacht, gäbe es das Hupkonzert auf's Haus.

    Just because you're paranoid, don't mean they're not after you.


    (ehemals freakE46)