Schiffbruch des Kreuzfahrtriesen Costa Concordia

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  • Vorgestern hatte ich im Büro noch ein Fax in der Hand, wo die Costa Concordia beworben wurde. In der günstigsten Innenkabine ab 299,--€. Hallo???? Irgendwo muss es ja auch her kommen. geiz ist geil....
    Wo bekommt man eine Kreuzfahrt für 1 Woche zu diesem Preis? Ist doch dann klar, daß an anderer Stelle gespart wird.


    Ich bin schön öfters mit AirBerlin für 39€ nach München geflogen. Wie gut das deine These nicht stimmig ist und nicht auf Fluggesellschaften übertragbar ist.


    Als aus der Branche stammend solltest du wissen das es besser ist freie Kapazitäten zu einem Schleuderpreis zu belegen statt frei zu lassen. Freie Kabinen kosten fast das selbe wie belegte Kabinen, die Kalkulation auf so einem Schiff lässt es zu eine gewisse Anzahl an Kabinen zu "verschenken"


    Wenn man deiner These folgen würde wäre jede Last Minute Reise brandgefährlich und die Hotels die reinsten Bruchbuden. Costa ist auch absolut nicht mit MSC zu vergleichen. Ich hab selbst bei MSC auf einem Container gefahren und für Costa etwas über ein Jahr einen Landjob gehabt. MSC ist zu meiner Zeit eine Geldwaschanlage der Familie gewesen, später haben sie bemerkt das man damit auch Geld verdienen kann. Die fahren den allerletzten Müll im Containerbereich und auf den Pasangern gibt es ausschliesslich Personal aus dem Asiatischen Raum was bei Costa so nicht der Fall ist.


    Andreas525
    Du kannst so zwischen 6000 und 10000 USD im Monat rechnen. Je nach Berufserfahrung und Referenz.

    Gruß Hauke

  • Ist aber nicht soviel für die Verantwortung

    Das ist relativ, auf einem modernen Schiff hast du keine Probleme nur eben relativ viel zu tun aber auch viel Urlaub. Verantwortung... du bist versichert, das Schiff ist versichert und solange du kein fahrlässigen Mist machst passiert dir nichts. Allerdings ist die Kreuzfahrerei in keiner Weise mit der normalen Seefahrt vergleichbar, da herrscht ein ganz anderer Druck. Es gibt Reedereien die dich ohne Angaben von Gründen bei 12 Stunden Verspätung nach Hause schicken, da kannst du 5 mal per eMail ankündigen "ETA +10h, weather condition" wenn dir draußen 10 Bft um die Ohren wehen und du die Container lieber sicher in den Hafen bringst statt den Fahrplan zu halten. Völlig egal, das wollen die nicht hören.


    Die Krawattenkapitäne fahren nicht zur See, die machen Dümpeltour, Kaffeefahrt rund um Norwegen oder sowas. Die haben soviel Luft in ihrer Route, die wissen teilweise nicht wo sie die Zeit lassen sollen weil sie nicht so langsam fahren können. Bisschen anspruchsvoller sind die Touren in die norwegischen Fjorde rein aber ansonsten ist das ein stinke langweiliger Job bei dem man immer schön freundlich sein muss und möglichst gut aussehen muss...

    Gruß Hauke

  • Ein paar Eier in der Hose für den Fall der Fälle wäre aber auch nicht schlecht...


    Es gibt ehemalige Kollegen von mir die sagen das die Kreuzfahrer die Seefahrt verlernen und gar nicht richtig handeln können wenn es eng wird weil sie einfach viel zu selten schlechtes Wetter bekommen und nie richtig gefordert werden.


    Ich teile diese Auffassung eigentlich nicht weil ich der Meinung bin das man dafür eine gute Ausbildung haben muss und nicht erst schlecht Wettererfahrung. Wer es falsch gelernt hat macht es trotz Erfahrung immer wieder falsch, es sei denn die Situation lehrt einem das man was falsch macht was aber nicht immer so eindeutig ist.


    Gegen so einem Felsen zu ballern kann passieren, das haben schon andere vor ihm geschafft aber was dann kam war einfach nur noch dilettantisch. Man muss es sich mal auf der Zunge zergehen lassen, die Costa Concordia ballert gegen ein Fels und sagt niemanden Bescheid. Irgendwann sieht die Küstenwache das das Schiff keine Fahrt mehr macht und fragt von sich aus ob es Probleme an Bord gibt. Nö nö, nur ein Black Out, unsere Techniker sind dabei.... war die erste Antwort. Irgendwann wird es der Küstenwache zu blöd weil sie keine verlässlichen Antworten bekommen und sehen das das Schiff dreht, sie leiten von sich aus Rettungmaßnahmen ein. Erst dann und inzwischen sind wertvolle 30 Minuten vergangen, gesteht die Schiffsführung ein das es eine Grundberührung gab. Schlechter kann es eigentlich laufen.

    Gruß Hauke

  • Alles richtig, nur gegen den Felsen zu ballern war von sich aus auch schon schlecht. Denn der eigentliche Kurs von der Costa Concordia war ja ganz wo anders.


    Was an sich kein Problem wäre, solange man auf die verdammte Seekarte schaut und das Echolot im Auge behält.

  • Quelle: Focus


    "Während sich die "Costa Concordia" nach der Kollision mit dem Felsen auf die Seite legte, soll in einem der Restaurants das Lied "My heart will go on" aus dem Film "Titanic" gespielt worden sein. Ein Schweizer Passagier bestätigte dies am Donnerstag der britischen "Sun". Er habe sich in einem der Restaurants befunden, als durch die Lautsprecher die Musik aus dem Film mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio klang, berichtete Yannic Sgaga."


    Das Gegenteil von Deeskalation und nebenbei eine ungeheuerliche Geschmacklosigkeit.

  • Naja, da kann man sich aber auch über die MP3-Playlist aufregen... Die hat irgendwann einer an Land zusammengestellt und der Barkeeper schaltet die morgens ein und abends ab.

    VIO>99;CI=2;RB=3;RA=1 :top:

  • Neulich kam auf einem der ÖRR-Sender eine Doku names "Kreuzfahrt undercover". Das sind Knecht- und Knebelverträge mit denen da gearbeitet wird. Die Reporterin kam letztlich auf einen Stundenlohn von nicht mal 2€ in den 5 Monaten.



    Hat vielleicht einer von Euch das aufgenommen - ich hab's verpennt :mad: (WDR weltweit, 10.1. und 16.1.).
    Oder wo gibt's das als Stream?

    Caro.

    EDIT: http://www.wdr.de/mediathek/ht…12/01/10/wdr-weltweit.xml (die sind schnell vom WDR :))

  • Mal eine Frage an die Leute vom Fach: wieso wird der Kahn nicht einfach mit Stahltrossen vom Ufer aus gesichert, wo er doch abzurutschen und zu versinken droht?

  • Das hab ich mich auch schon gefragt.


    Genauso gibt es ja auch solche schwimmenden Barrieren, die Öl und so weiter aufhalten. Warum baut man die nicht sicherheitshalber schonmal auf? Wenn die Suppe rausläuft, gibts wieder Hektik.


    Hauke: Mit fehlenden Eiern habe ich auf das "versehentliche" Verschwinden des Kapitäns anspielen wollen.

    Better call Saul!

  • Guten Morgen Hauke,

    Ich bin schön öfters mit AirBerlin für 39€ nach München geflogen. Wie gut das deine These nicht stimmig ist und nicht auf Fluggesellschaften übertragbar ist.

    Als aus der Branche stammend solltest du wissen das es besser ist freie Kapazitäten zu einem Schleuderpreis zu belegen statt frei zu lassen. Freie Kabinen kosten fast das selbe wie belegte Kabinen, die Kalkulation auf so einem Schiff lässt es zu eine gewisse Anzahl an Kabinen zu "verschenken"



    Ok,. Ich hab mir mal gerade die Mühe gemacht, und die verschiedenen Katalogpreise verglichen. Lt. Katalog kostete genau diese Reise in der günstigsten Innenkabine 299,00 €. Katalogpreis.
    Eine Balkonkabine mit Meerblick Komfort 639,00 €.
    Im Vergleich hab ich mal bei AIDA in den Preisteil geschaut. Ok, AIDA fährt diese Tour im Januar nicht, da die Schiffe anderweitig eingesetzt werden (Karibik). Die erste Tour wird mit AIDA Mar am 02.03. gefahren. Fast identische Tour. Dort kostet die günstigste Innenkabine 895,00 €. Eine Balkonkabine 1385,00 €.
    You get what you pay for ;)
    Ich möchte damit nicht sagen, daß es grundsätzlich gefährlich ist, solche günstigen Reisen zu unternehmen. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, daß man diesen Qualitätsunterschied in manchen Situationen merkt. Bei der Concordia z.Bsp. schlecht ausgebildetes Personal, die planlos eine Rettung eingeleitet haben. Dies wurde ja von mehreren Augenzeugen berichtet.

    Wenn man deiner These folgen würde wäre jede Last Minute Reise brandgefährlich und die Hotels die reinsten Bruchbuden..



    Das habe ich nicht gesagt. Natürlich kann man in der Nebensaison bei einem Lastminute Angebot ein Schnäppchen machen. Doch ich sehe es jeden Tag live hier im Büro... Die höchste Reklamationsquote kommt von den Leuten, die nichts ausgeben wollen, das aller-aller-aller günstigste Angebot buchen, und sich nachher beschweren, daß die günstige Fluggesellschaft Mist war, die Lage des Zimmers usw.

    Mein Fazit, Qualität hat seinen Preis. Natürlich darf man nicht davon ausgehen, daß direkt das Schiff absäuft, wenn man eine günstige Kreuzfahrt gebucht hat. Aber man sollte sich im Klaren sein, daß es qualitative Unterschiede gibt. (und sei es in der Ausbildung bzw. Motivation des Personals)

    Just my 2 cents

    LG
    Moni

    Das kostbarste Vermächtnis eines Lebewesens ist die Spur, die seine Liebe in unseren Herzen zurückgelassen hat. (Herkunft unbekannt)

  • Vermutlich muss man da erstmal hinkommen mit entsprechendem Gerät.

    Nach dem Angriff auf Pearl Harbor wurde das ja teilweise gemacht und die Schiffe wieder in Dienst gestellt, wobei da natürlich noch nicht die Technik drin war und die Schiffe auch nicht diese Grösse hatten.

    Hier ein Bild von der Aufrichtung der Oklahoma, die war aber auch "nur" 177m lang und wog natürlich einiges weniger und es wurden vorher die Aufbauten entfernt. Trotzdem musste sie letztendlich aufgegeben werden und wurde eigentlich nur aus dem Hafenbecken geschleppt damit sie abgewrackt werden kann. Hat sich aber letztlich dann auf der Überführungsfahrt von allein erledigt.

    VIO>99;CI=2;RB=3;RA=1 :top:

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  • Die ist aber seeseitig gekippt und wird Richtung Land aufgerichtet.
    Dazu kommt das des Blech an dem Dampfer etwas stärker sein dürfte.
    Bei der Concordia ist das bissel anders.
    Iltis530d
    Gesichert ist der jetzt schon, das Problem ist aber, das die Zugrichtung nicht passt und der Kahn eben nicht normal aufrecht schwimmt und durch das "bissel" Wasser im Rumpf nur "leicht" überladen ist.
    Die passenden Wellen werden die Befestigungspunkte rausreißen oder das Schiff brechen lassen. Mit jeder Bewegung über dem Grund wird dazu die Struktur der Steuerbordseite weiter geschädigt.
    Was mir völlig unverständlich ist, wieso man nicht schon mit dem Abpumpen des Schweröls beginnt. :confused:
    Klar behindert man sich dann gegenseitig, beides ist brandeilig und wichtig.

  • Was mir völlig unverständlich ist, wieso man nicht schon mit dem Abpumpen des Schweröls beginnt. :confused:


    Vermutlich weil das Auswirkungen auf die Balance des Wracks hätte. Solange da noch jemand drin herum taucht wird man nichts riskieren wollen.

    Kofferraum statt Hubraum !

  • Das Schiff wiegt ja 114.000 t plus eingelaufenes Wasser.
    Die Stahlseile, die sowas auch bei Wind und Wellengang gegen Abrutschen sichern sollen, müssen wohl erst noch erfunden werden. Außerdem wo an Land sollen die Seile da sicher befestigt werden?
    Die Kriegsschiffe waren sicherlich auch stabiler gebaut. Diese Kreuzschiffe dagegen sollen eher vergleichbar mit Dosenblech sein und daher viel eher auseinanderbrechen. Aber Hauke wird da mehr wissen.

    Noch ein Wort zu den Nachrichten direkt vor Ort. Ist mir gestern bei mehreren Sendern aufgefallen. Da wurden nur junge Frauen (zur Deko?) losgeschickt, mit offensichtlich wenig bis keine Ahnung von der Materie. Hintergründe werden da auch gar nicht versucht aufzudecken oder anzusprechen. Im Prinzip wird wohl einfach das offizielle Statement der italienischen Behörden nachgeplappert.

    rudl

  • Die ist aber seeseitig gekippt und wird Richtung Land aufgerichtet.
    Dazu kommt das des Blech an dem Dampfer etwas stärker sein dürfte.
    Bei der Concordia ist das bissel anders.

    Hab ich ja geschrieben, dass die Oklahoma deutlich kleiner und leichter war. Zudem wohl in der Tat deutlich stabiler.

    Das mit dem Abpumpen ist wohl nicht ganz so leicht, das Schweröl muss dazu anscheinend erwärmt werden auf 45-50 Grad. Keine Ahnung wie schnell da seit dem Unglück die vorhanden 2400 Tonnen abgekühlt sind dass das nicht so ohne weiteres geht. Und vermutlich hat das auch noch was mit der Stabilität zu tun solange da noch Leute am Suchen sind.

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  • Vermutlich weil das Auswirkungen auf die Balance des Wracks hätte. Solange da noch jemand drin herum taucht wird man nichts riskieren wollen.


    Ich vermute eher, daß Costa die Bestellung an Smit noch nicht ausgelöst hat. Kreditor-Anlegen dauert in Italien etwas länger, wenn man nicht zur Familie gehört.

    Jan und Hein und Klaas und Pit,
    die haben Bärte, die fahren mit.


    Länger das gleiche Nutzlose tun? :idee:

  • Das Schiff mit Stahltrossen gegen abrutschen zu sichern wird schwierig sein. Es ist ja nicht vergleichbar mit einem Schiff das schwimmt, das man mit 6 Seilen an der Pier hält. Die 140.000t liegen mit voller Masse auf Grund und wenn die ins rutschen geraten werden sie vermutlich die Seile aus der Verankerung reissen. Zudem wird es schwierig am Schiff passende Befestigungspunkte für die Seile zu finden. Die Außenhaut ist einfach nicht stabil genug, die würde sich wie eine Cola Dose verformen und wegreißen. Die Fundamente der Maschinen sind die stabilen Stellen im Schiff, aber kommt man da ran?


    Vielleicht würde es auch ausreichen die Last auf möglichst viele Seile zu verteilen um ein Abrutschen zu verhindern? Ich bin kein Bergungsexperte aber Smit ist schon vor Ort und macht sich seine Gedanken. Sie planen eine Bergung wie damals vor der Küste Belgiens mit der "Herold Of Free Enterprises" Damals wurden Stützpfeiler im Meeresboden einbetoniert an dem per massive Hubzüge das Schiff mit Gurten aufgerichtet wurde. Das soll laut Smit bei der Costa Concordia auch möglich sein.


    Smit schreibt das sie bereits einen Plan zum Abpumpen des Treibstoff mit dem Italienischen Behörden erörtert haben und das das Unternehmen zum Ende der Woche los gehen kann.


    Ich vermute eher, daß Costa die Bestellung an Smit noch nicht ausgelöst hat. Kreditor-Anlegen dauert in Italien etwas länger, wenn man nicht zur Familie gehört.


    Bei so einer Geschichte kommt sofort der nächste Vertreter von Lloyds (die Vertretungen gibt es überall auf der Welt) und gibt die Freigabe. Da wird auch nicht auf den Preis geschaut sondern nach Know How und Erfahrung mit vergleichbaren Bergungen und das hat Weltweit nur Smit Salvage. Wenn es um die Vermeidung von Umweltschäden geht, springt im Zweifel auch der Staat mit Bürgschaften ein um noch viel teurere Folgen zu vermeiden. Die eigentliche Bergung wird dann nach Wert des Schiffes und Aufwand per Katalogpreis abgerechnet.


    Für Smit hat sich der Auftrag jetzt schon gelohnt. Nach bekannt werden des Auftrags gab es ein Kurssprung an der Börse der die Firma Smit Salvage um 250 Millionen € verteuerte.

    Gruß Hauke

    Einmal editiert, zuletzt von Hauke ()