Schiffbruch des Kreuzfahrtriesen Costa Concordia

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  • Sorry in so einer Position versuch ich den Dampfer in einen sicheren Hafen zu packen. 4000 Leute bekommst du nie im Leben ohne Verluste in die Boote. Schon alleine weil das weite Spektrum zwischen Leuten die in völlige Panik verfallen und Leuten die noch in aller Ruhe Koffer packen wollen vorhanden ist.


    Kentern wird die Fuhre im "sicheren" Hafen aber auch. Und wenn aus ehemals bequem begehbaren Gängen 100 Meter tiefe Fallgruben werden, gibt es auf jeden Fall mehr Tote, als bei einer rechtzeitigen Evakuierung.
    Ich denke, in diesem Fall kann man dem Urteil von Hauke vertrauen. Der scheint ziemlich genau zu wissen, wovon er redet.


    Gruss
    Andreas

  • Sorry in so einer Position versuch ich den Dampfer in einen sicheren Hafen zu packen.


    Der Hafen von Giglio hat aber keine 8m Tiefgang.


    Sind die Tiefenangaben Meter oder Fuss ?


    Meter.

    Jan und Hein und Klaas und Pit,
    die haben Bärte, die fahren mit.


    Länger das gleiche Nutzlose tun? :idee:

    Einmal editiert, zuletzt von EtaChris ()

  • Kentern wird die Fuhre im "sicheren" Hafen aber auch. Und wenn aus ehemals bequem begehbaren Gängen 100 Meter tiefe Fallgruben werden, gibt es auf jeden Fall mehr Tote, als bei einer rechtzeitigen Evakuierung.


    Der wäre wegen dem Tiefgang eventuell schon in der Fahrrinne auf Grund gelaufen und hätte dann gar nicht mehr kippen können. Kann mir nicht vorstellen das der Hafen die 8m hat. (edit: Hat er nicht)
    Kann mir auch kaum vorstellen das der Kapitän sich nicht mit seinen Leuten beraten hat. Man hat sicher den Wassereinbruch unterschätzt. Nach dem Kippen nach Backbord hatte sich das Schiff ja wieder aufgerichtet, bis es dann durch das Wasser im Rumpf auf die andere Seite kippte.
    Ich will jetzt den Kapitän nicht grundsätzlich in Schutz nehmen. Wenn der wirklich noch unter Drogen stand, dann ist es echt der Hammer.
    Der Hammer ist auch das die Passagiere wieder in die Kabinen geschickt wurden. Ohne diese sinnfreien Befehl, während höchste paar Kofferpacker unter Deck gewesen.
    Man solte aber trotzdem bedenken.
    Es waren 4000 Nichtseemänner an Board
    Es waren etliche Besatzungsmitglieder an Board die ebenfalls keinerlei Seemannschaft beherrschen sondern im Hauptberuf nur Koch, Kellner oder Putzfrau sind.
    Trotzdem sind fast alle gerettet worden.;)

  • Was ich mich frage wenn ich die Berichterstattung und im Speziellen die Stellungnahmes des Kapitäns von dem Frachter im Fernsehen sehe ist folgendes: Wie, um alles in der Welt, kann so ein Schmierlappen Kapitän auf so einem Kreuzfahrtliner werden?

    Falls er nicht ge-guttenbergt hat, muß man als Kapitän eine langjährige Ausbildung genossen haben, die man nicht en-passant absolviert. Ansonsten kommt man normalerweise nicht auf so einen 4.000-Seelen Kahn.

    Beeindruckend finde ich die Größe von derartigen Schiffen. Wenn man in Hamburg an der Elbe steht und Frachter, Tanker oder Passagierschiffe vorbeifahren, hat man den Eindruck, da kommt ein mobiles Hochhaus den Fluß entlang. Auch die Anzahl des Personals (rund 1.000 Mann auf der CONCORDIA) sind schon Wahnsinn. Entsprechend lange dauert eine Evakuierung.

    Sehr interessant sind die TV-Reportagen zu den USS-Flugzeugträgern. Nochmal größer, noch größere Mannschaft, Atomantrieb - das sind schwimmende Städte, komplett autark.

    formerly known as Fastisfast2fast


  • Es waren etliche Besatzungsmitglieder an Board die ebenfalls keinerlei Seemannschaft beherrschen sondern im Hauptberuf nur Koch, Kellner oder Putzfrau sind.


    Ich gehe mal davon aus, daß die Philippinos mehr Seemannschaft als die Dolce-far-niente-Typen drauf haben.

    Jan und Hein und Klaas und Pit,
    die haben Bärte, die fahren mit.


    Länger das gleiche Nutzlose tun? :idee:


  • Trotzdem sind fast alle gerettet worden.;)


    Ja, aber das scheint - nach meinem Verständnis der Abläufe - wohl nicht das Verdienst des Kapitäns zu sein. Eher im Gegenteil: Sie sind trotz der vorzeitigen Flucht des Kapitäns gerettet worden oder haben sich selbst gerettet. Zum Glück war ja die Küste nur ein paar Meter weg. Sonst hätte es wohl sehr viel schlechter ausgesehen.


    Gruss
    Andreas


  • Es waren 4000 Nichtseemänner an Board


    Von den 4200 Personen an Bord gehören etwa 1100 zu der Besatzung die allesamt ein Seefahrtbuch haben und auch entsprechend in Sachen Sicherheit geschult werden. Das diese Evakuierung so schlimm abgelaufen ist und völlig chaotisch ablief, lag daran das es kaum noch Offiziere an Bord gab und die Besatzung Führungs und Orientierungslos war. Ein Wunder das da nicht mehr in den Tod geschickt wurden aber sicher nicht der Verdienst des Kapitäns.


    Die Reederei Costa Crociere gehört nicht zu irgendwelchen Bahamas oder Liberia Klitschen. Die haben normalerweise Top Personal und ein Top Standard an Bord. Die Schiffe von denen sind meist in Deutschland gebaut weil Costa die deutsche Wertarbeit in Sachen Schiffbau schätzt. 1996 war mein letzter Job als Kapitän die Überwachung des Neubau der Costa Victoria die vom Bremer Vulkan gebaut wurde, mit für die Insolvenz des Bremer Vulkan sorgte und dann in Bremerhaven auf der Lloyd Werft fertig gestellt wurde.


    Damals wurde das Personal für das Schiff in der Seefahrtschule Elsfleth in Sachen Sicherheit ausgebildet also Top vorbereitet. Möglicherweise ist der Standard heute auch bei Costa nicht mehr so hoch aber eine Klitsche war das zu keiner Zeit, da fahren ganz andere Dinger auf den Weltmeeren rum, die außen Hui und innen Pfui sind.


    Costa Crociere ist eine Tochter der Carnival Corporationdie die immerhin die Weltgrößte Kreuzfahrtreederei ist.

    Gruß Hauke

  • Ja, aber das scheint - nach meinem Verständnis der Abläufe - wohl nicht das Verdienst des Kapitäns zu sein. Eher im Gegenteil: Sie sind trotz der vorzeitigen Flucht des Kapitäns gerettet worden oder haben sich selbst gerettet. Zum Glück war ja die Küste nur ein paar Meter weg. Sonst hätte es wohl sehr viel schlechter ausgesehen.


    Gruss
    Andreas


    Den Kurs zu der Stelle, wo jetzt das Boot liegt, wird er bestimmt haben. Weiter draußen wäre der Pott schon Samstag morgen paar Meter unter Wasser gewesen. Alle die um diese Zeit noch im Schiff gewesen wären, wären sehr wahrscheinlich ertrunken.


    Ich dachte immer 4000 Passagier + Besatzung.

    Von den 4200 Personen an Bord gehören etwa 1100 zu der Besatzung die allesamt ein Seefahrtbuch haben und auch entsprechend in Sachen Sicherheit geschult werden.


    Wie das erfolgt, solltest du wissen. Es wird bei schönem Wetter im Hafen ohne Passagiere die Evakuierung geprobt.


    Die Reederei Costa Crociere gehört nicht zu irgendwelchen Bahamas oder Liberia Klitschen. Die haben normalerweise Top Personal und ein Top Standard an Bord. Die Schiffe von denen sind meist in Deutschland gebaut weil Costa die deutsche Wertarbeit in Sachen Schiffbau schätzt.


    Achso, klingt ja sehr solide.

    Damals wurde das Personal für das Schiff in der Seefahrtschule Elsfleth in Sachen Sicherheit ausgebildet also Top vorbereitet.


    Doch aber nur das Stammpersonal. Koch und Kollegen haben doch höchsten ne Schnellbesohlung, wenn überhaupt.

    .. da fahren ganz andere Dinger auf den Weltmeeren rum, die außen Hui und innen Pfui sind.


    Jepp so isses.



  • Das diese Evakuierung so schlimm abgelaufen ist und völlig chaotisch ablief, lag daran das es kaum noch Offiziere an Bord gab und die Besatzung Führungs und Orientierungslos war.





    Das sehe ich auch als Hauptproblem.
    Da können 1000 Billigmatrosen mit perfekter Notfall-Ausbildung rumlaufen. Wenn die "Führung" nichts bezüglich der Rettung in die Wege leitet sind die genau so ahnungslos wie die Passagiere.

    Ich war vor vielen Jahren als Ersthelfer an einer Unfallstelle an der eine alte Frau mit dem Bein unter einer Strassenbahn eingeklemmt war.
    Als die Rettungskräfte eingetroffen war lief das in einer beeindruckenden Weise ab.

    Und das war hauptsächlich darin begründet dass der Chef des Feuerwehrzugs der angerückt war klare Befehle verteilt hat was zu tun ist.
    Und genau so muss es in einer Notfallsituation sein.
    Es muss jemanden geben der das organisiert und koordiniert.
    Das der Kapitän eine Flachzange ist steht ausser Frage. Wenn er schon dass Schiff auf Grund laufen lässt dann hätte er die verlorenen Punkte bei der Rettung wieder gewinnen können.

    Was mich aber auch noch interessieren würde wäre was die restlichen Offiziere gemacht haben. Da müsste es eigentlich noch einige andere geben die in der Rangliste nicht allzuweit hinter dem Kapitän stehen und die Sache im Ausnahmefall eigentlich übernehmen sollten.

    Gruß Udo

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    Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen, und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen.

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  • Hallo,


    bin zwar eine komplette Landratte und hatte bisher mit der christlichen Seefahrt gar nichts am Hut (nebenbei bemerkt, nie im Leben würde ich so einen Urlaub buchen).
    Aber, diese Schuldzuweisungen alleine an den Kapitän von allen Seiten gehen mir erheblich zu schnell.
    Sicher mag der Kerl ein Riesea... sein, aber da wird doch immer versucht, einen zu finden auf dem alles abgewälzt werden kann, um ggf. von anderen auch der Reederei bekannten und eventuell sogar verschuldeten Umständen abzulenken. Dass es anscheinend bereits früher üblich war, zur Begrüßung sehr nahe ans Ufer ranzufahren dürfte anhand des Logbuches nachweisbar sein. Es war also bekannt und wurde gebilligt.
    Auch scheint mir diese Kippstellung auf die des Risses abgewandte Seite etwas unlogisch. Trotz der vielen Schotten konnte das Schiff so voll laufen? Gibt es da technische Probleme oder wurden irgendwo Kosten eingespart? Vielleicht kann das hier einer mal erläutern.
    Mal zur Erinnerung. Die Air France Maschine vor 3 Jahren stürzte angeblich auch erst wegen der fehlerbehafteten Geschwindigkeitsmesser ab, schlußendlich wurde die Schuld den iloten zugeschoben. Die konnten sich ja nicht wehren und gaben ein prima Ziel ab um Airbus aus der Schußlinie zu bringen.
    Auch wurden immerhin mehr als 4000 Personen, darunter die meisten Passagiere Ü 50 und auch Behinderte rechtzeitig und auch noch nachts evakuiert. Schon eine Leistung finde ich.
    Abwarten was da noch ans Tageslicht kommt.


    rudl

  • Kann mir auch kaum vorstellen das der Kapitän sich nicht mit seinen Leuten beraten hat.

    Hat er auch nicht anscheinend. Jedenfalls nicht AN Bord. Wenn man im Radio das Telefonat zwischen Hafenkapitän und Schiffskapitän gehört, dann wird dem Schiffskapitän doch recht deutlich gesagt, dass er schauen soll dass er seinen besch... Hintern wieder zurück auf das Schiff schwingen soll. Das sind schon seeeeeehr deutliche Worte gewesen.

    Jedenfalls hat er jede Menge Shice gebaut. Vorher und Nachher. Da im Nachhinein ein "Lob" auszusprechen wegen der wenigen Toten ist ungefähr so, wie wenn ich besoffen einen schweren Unfall baue weil ich meinen Kumpels imponieren wollte und dann ein Lob kriege, weil ich so schön das Warndreieck aufgestellt habe...



    Matthias H.: Ich wollte es nicht schreiben, habs mir aber gedacht. FIAT. :rolleyes:

    Hauke: Ist das mit als letzter von Bord gehen eigentlich eher sowas wie ein Kodex der eigentlich nicht zählt oder kann dem da durchaus der Strick gedreht werden nach Seerecht? Ist so ein Schiff eigentlich noch zu retten, also ich mein, muss das zerflext werden oder ist das rentabel wiederherstellbar? Ist ja nicht so, dass man da nur das Wasser auspumpt und paar Stahlplatten annieten muss.

    Lieber ein bißchen verrückt als total doof... :p

  • Auch scheint mir diese Kippstellung auf die des Risses abgewandte Seite etwas unlogisch. Trotz der vielen Schotten konnte das Schiff so voll laufen?


    Der lange Riss führt definitiv zum Untergang. Die Schotten können bei so einem Schaden das nicht verhindern. Die Krängung ist dem eindringenden Wasser geschuldet.
    Das er nicht genau abschätzen kann, wann das Boot sinken wird, ist natürlich klar. Dafür das es nicht einzuschätzen geht, hat er es aber gut auf festen Grund abgelegt und damit die langwierigen Rettungsmaßnahmen überhaupt erst möglich gemacht.
    Sofortiges Aufstoppen hätte etliche Meter Wasser unterm Rumpf bedeutet. Der Kahn wäre irgendwann wie ein Stein auf Grund gegangen und mit dem Kahn alle die zu dem Zeitpunkt noch drin waren.


    Hat er auch nicht anscheinend. Jedenfalls nicht AN Bord. Wenn man im Radio das Telefonat zwischen Hafenkapitän und Schiffskapitän gehört, dann wird dem Schiffskapitän doch recht deutlich gesagt, dass er schauen soll dass er seinen besch... Hintern wieder zurück auf das Schiff schwingen soll. Das sind schon seeeeeehr deutliche Worte gewesen.


    Gibt es irgendwo die genaue Zeitschiene?

    Jedenfalls hat er jede Menge Shice gebaut. Vorher und Nachher. Da im Nachhinein ein "Lob" auszusprechen wegen der wenigen Toten ist ungefähr so, wie wenn ich besoffen einen schweren Unfall baue weil ich meinen Kumpels imponieren wollte und dann ein Lob kriege, weil ich so schön das Warndreieck aufgestellt habe.


    Wenn schon solche Vergleiche dann den ob ich eine Schulklasse umniete oder doch den einzelnen Fußgänger 10m weiter.

    Hauke: Ist das mit als letzter von Bord gehen eigentlich eher sowas wie ein Kodex der eigentlich nicht zählt oder kann dem da durchaus der Strick gedreht werden nach Seerecht?


    Nach Seerecht wohl nicht. In Italien gibt es wohl aber einen Paragraphen. Aber auch der ist schwammig weil eben nicht vom Kapitän gefordert werden kann, mit einem eingeschlossenen Passagier unterzugehen weil er ihn nicht finden/retten konnte.


    Ist so ein Schiff eigentlich noch zu retten, also ich mein, muss das zerflext werden oder ist das rentabel wiederherstellbar? Ist ja nicht so, dass man da nur das Wasser auspumpt und paar Stahlplatten annieten muss.


    Das Problem ist, auf der Seite wo es jetzt liegt, sind etliche Löcher Türen/Fenster die nicht einfach unter Wasser schließbar sind.
    Man müsste am besten die großen Risse backboard schließen, das Schiff aufrichten, Pumpen an Board und den Wasserstand senken und dann ins Dock rein. Da kann man das Boot schon richten.
    Jetzt wird aber erstmal Öl abgepumpt werden. Den Rest bestimmt das Wetter und ob die Bergungsfirma das Schiff gut sichern kann. Jeder Wellenschlag der das Schiff wieder bewegt zerstört weiter die Steuerbordseite die jetzt unter Wasser liegt und damit die Möglichkeit den Pott wieder halbwegs wasserdicht zu bekommen. Heist im Bergungsfalle nur, das die Pumpen mehr rausbringen können müssen als nach fließt. Die modernen Pumpen schaffen zwar viel, aber eben nicht alles.

  • Falls er nicht ge-guttenbergt hat, muß man als Kapitän eine langjährige Ausbildung genossen haben, die man nicht en-passant absolviert. Ansonsten kommt man normalerweise nicht auf so einen 4.000-Seelen Kahn.

    Beeindruckend finde ich die Größe von derartigen Schiffen. Wenn man in Hamburg an der Elbe steht und Frachter, Tanker oder Passagierschiffe vorbeifahren, hat man den Eindruck, da kommt ein mobiles Hochhaus den Fluß entlang. Auch die Anzahl des Personals (rund 1.000 Mann auf der CONCORDIA) sind schon Wahnsinn. Entsprechend lange dauert eine Evakuierung.

    Sehr interessant sind die TV-Reportagen zu den USS-Flugzeugträgern. Nochmal größer, noch größere Mannschaft, Atomantrieb - das sind schwimmende Städte, komplett autark.


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    Mit dem Unterschied, das Flugzeugträger der NAVY nicht von italienischen Gigolos gesteuert werden, die mal eben an die Küste fahren um ihre Freundin zu begrüssen.


    MfG Achim


  • Das er nicht genau abschätzen kann, wann das Boot sinken wird, ist natürlich klar. Dafür das es nicht einzuschätzen geht, hat er es aber gut auf festen Grund abgelegt und damit die langwierigen Rettungsmaßnahmen überhaupt erst möglich gemacht.


    Genau das stimmt eben nicht. Direkt nach der Kollision wenn Wassereinbruch festgestellt wird, sind die Notfallpläne einzuleiten. D.h. das die Offiziere auf ihre dafür vorgesehenen Posten gehen und die Boote besetzt werden. Die Passagiere werden mit Rettungsmitteln ausgestattet und an die Sammelpunkte die ihnen bekannt sind gebeten. Statt dessen wurden die Passagiere erst mal wieder in ihre Kabinen gebeten und es wurde kein Boot klar gemacht und das Schiff wurde fahrlässigerweise noch gedreht (soweit ich das anhand der veröffentlichten Karte beurteilen kann) und Richtung Hafen gefahren. Das Schiff hätte binnen Minuten sinken oder durch kentern können, das konnte keiner abschätzen das dieses Manöver gut geht. Es ist einfach nur Glück das er das Ding noch auf Grund setzen konnte und war absolut fahrlässig.


    Wenn Wassereinbruch besteht ist mit einer Kränkung zu rechnen, das weiß jeder. Es weiß auch jeder Seemann das man bei einer Kränkung die auf der See abgewandten Seite Boote nicht mehr zu Wasser lassen kann. Somit stehen bei so einem Manöver im schlechtesten Fall nur noch die halbe Rettungskapazität zur Verfügung. Das kann man nur umgehen indem man sofort die Boote besetzt und zu Wasser lässt. Während man die Passagiere evakuiert hätte der Kapitän seinen Plan das Schiff auf Grund zu setzen weiter verfolgen können denn es ist ja nicht so, das das Schiff stehen muss um die Boot zu Wasser zu lassen. Das geht auch sehr gut mit Fahrt aber eben nur solange das Schiff noch keine übermäßige Kränkung aufweist. Eigentlich hat der Kapitän alles Falsch gemacht und sich nicht an die internationalen Standards gehalten.


    Im Seerecht gibt es kein festgeschriebenes "der Kapitän geht als letzter von Bord" aber in der Rechtssprechung ist es im deutschen Seerecht so, das der Kapitän die Haftung für alles übernimmt, was nach seinem vorzeitigen Verlassen passiert, ganz unabhängig davon ob er Schuld an dem Unglück hat. Der Kapitän hat die Notfallpläne einzuleiten und deren Umsetzung zu überwachen. Das kann er teilweise an seine Offiziere delegieren. Der Kapitän beurteilt wann das Schiff aufgegeben wird und geht dann von Bord. Geht der Kapitän von Bord wenn noch Menschen auf dem Schiff sind, so gibt er diese zusammen mit dem Schiff auf. Das kann schon mal eine vernünftige Entscheidung sein wenn es z.B. bei einem Kümo nicht mehr gelingt in die Kabinen zu gelangen um die Mannschaft da raus zu holen. Auf einem Passanger ist das Verhalten ein wenig sehr fragwürdig.


    Ausnahmen gibt es natürlich auch. Wenn der Kapitän von einem sicheren Ort (Boot oder von Land aus) die Rettung besser koordinieren kann als vom Schiff aus, so hat der Kapitän in dem Fall das einzig richtige zu tun und von Bord zu gehen. Das scheint mir im Fall der Costa Concordia aber nicht so zu sein.

    Gruß Hauke


  • Auch scheint mir diese Kippstellung auf die des Risses abgewandte Seite etwas unlogisch. Trotz der vielen Schotten konnte das Schiff so voll laufen? Gibt es da technische Probleme oder wurden irgendwo Kosten eingespart? Vielleicht kann das hier einer mal erläutern.


    Das ist gar nicht so unlogisch. Man weiß nicht was sich auf der Seite des Risses befindet. Das können Ballasttanks sein, dann wäre der Riss völlig unkritisch. da kann auch ein Teil des Maschinenraums sein, dann ist das ende des Schiff binnen Minuten besiegelt. In dem Fall kann es so gewesen sein das das eindringende Wasser sich seinen Weg im Schiffsinneren gesucht hat und sich auf der Steuerbordseite eine "Lücke" fand um sich anzureichern. Dadurch entsteht dann die Kränkung zur entgegen gesetzten Seite die immer weiter geht bis das Loch aus dem Wasser ragt.


    Eine Bergung ist gar nicht so unmöglich wenn das Schiff da liegen bleibt wo es liegt. Der Riss muss abgedichtet werden, die zusätzlich ins Schiff gesprengten Löcher müssen zu gemacht werden wenn sie unter der Wasserlinie liegen und dann werden kräftige Pumpen eingesetzt die dafür sorgen das sich das Schiff langsam wieder aufrichten kann. Natürlich muss dazu unter dem Schiff genug Wasser sein was ich an der Stelle nicht sehe. Das wird in jedem Fall eine spannende Geschichte werden.


    Das Schiff ist in meinen Augen ein Totalverlust. Die Maschineanlage dürfte unter Wasser sein und somit ist die gesamte Elektrik im Schiff zerstört. Kapilarwirkung zieht das Wasser durch die Kabel bis in die letzte Ecke, das Schiff müsste für eine Reparatur komplett entkernt werden. Ich glaube wirtschaftlich ist das nicht. Nichts desto trotz muss das Schiff dort weg und wird wohl geborgen werden.


    Zitat

    Was mich aber auch noch interessieren würde wäre was die restlichen Offiziere gemacht haben. Da müsste es eigentlich noch einige andere geben die in der Rangliste nicht allzuweit hinter dem Kapitän stehen und die Sache im Ausnahmefall eigentlich übernehmen sollten.

    Wenn die Offiziere über einen längeren Zeitraum keine Anweisung erhalten, werden sie das tun was sie für sich als das richtige Ansehen. wenn keinem gesagt wird das er nun verantwortlich ist wird sich in so einer Situation niemand darum reißen das Kommando an sich zu nehmen. Wenn das Teil auf der Seite liegt heißt es, "rette sich wer kann"

    Gruß Hauke

  • Genau das stimmt eben nicht. Direkt nach der Kollision wenn Wassereinbruch festgestellt wird, sind die Notfallpläne einzuleiten. D.h. das die Offiziere auf ihre dafür vorgesehenen Posten gehen und die Boote besetzt werden. Die Passagiere werden mit Rettungsmitteln ausgestattet und an die Sammelpunkte die ihnen bekannt sind gebeten.


    Das wurde ja wohl gemacht. Erst nach 45min kam wohl die Anweisung wieder unter Deck zu gehen. Zumindest so gestern der Zeuge im Fernsehen.


    .... das Schiff wurde fahrlässigerweise noch gedreht (soweit ich das anhand der veröffentlichten Karte beurteilen kann) und Richtung Hafen gefahren. Das Schiff hätte binnen Minuten sinken oder durch kentern können, das konnte keiner abschätzen das dieses Manöver gut geht. Es ist einfach nur Glück das er das Ding noch auf Grund setzen konnte und war absolut fahrlässig.


    Ist das irgendwie ne Festlegung oder deine Meinung? Ich hab damals gelernt das solange wie möglich die Leute im Schiff zu halten sind, weil eine Evakuierung großer Massen an Menschen immer zu Problemen und zu Verlusten führt. Ob abgetriebene Boote, ob gekenterte Boote, ob dem Problem das Leute aus Panik ins Wasser springen weil sie meinen das für sie kein Boot mehr übrig bleibt weil es natürlich dauert bis ich diese Menge an Leuten von Bord gebracht habe.


    Alles Probleme die ich vermeiden kann und vermieden wurden.


    Auch ein Flugzeug versucht nicht auf Krampf eine Notwasserung oder Bruchlandung auf dem Acker sondern versucht immer den nächste Flughafen zu erreichen weil eine Bergung dort immer einfacher ist.


    Wenn Wassereinbruch besteht ist mit einer Kränkung zu rechnen, das weiß jeder. Es weiß auch jeder Seemann das man bei einer Kränkung die auf der See abgewandten Seite Boote nicht mehr zu Wasser lassen kann.


    Erfährt wirklich ein Kapitän nicht, wie lange sein Schiff bei Wassereinbruch theoretisch noch schwimmbar ist, um die Evakuierungsmaßnahmen darauf abzustimmen?
    Kann es nicht sein, das einfach eine Fehleinschätzung der Schiffsingenieure vorlag, weil neben dem sichtbaren Riß wohl noch weitere Öffnungen im Rumpf sind. Schließlich wird kaum jemand tiefer in den Rumpf gegangen sein um nach weiteren Lecks zu suchen.


  • Erfährt wirklich ein Kapitän nicht, wie lange sein Schiff bei Wassereinbruch theoretisch noch schwimmbar ist, um die Evakuierungsmaßnahmen darauf abzustimmen?
    Kann es nicht sein, das einfach eine Fehleinschätzung der Schiffsingenieure vorlag, weil neben dem sichtbaren Riß wohl noch weitere Öffnungen im Rumpf sind. Schließlich wird kaum jemand tiefer in den Rumpf gegangen sein um nach weiteren Lecks zu suchen.



    also ich habe schon mehrere Kreuzfahrten mit der AIDA und dort mehrere Brückenführungen mitgemacht. Da sind auch solche Dinge mittlerweile alle durch Sensoren abgedeckt und der PC sagt dir genau das... "wie lange schwimm ich noch"


    Ich bin immer auf der allerersten AIDA mitgefahren.. dieses Schiff ist ja noch moderner und neuer...


    Irgendwie kommt mir diese ganze Geschichte äusserst merkwürdig vor.



    Chaotische Evakuierung wundert mich übrigens überhaupt nicht.
    Auf der AIDA waren deutlich weniger Passagiere und Samstags war immer Seenotrettungsübung. Und obwohl jeder wusste, dass es eine Übung war - wenn sich zweitausend Menschen - davon 92% Honks - auf engem Raum in Bewegung setzen ist das Chaos. Mal mehr mal weniger

    Eier sollten nie mit Steinen tanzen...

  • Nunja, in dem Fall glaube ich Hauke´s Ausführungen als alter Seebär durchaus.

    Man darf das aber mit dem Wassereinbruch bei so einem Schiff (und so einem Loch) nicht unterschätzen, da wo bei einer 15m-Yacht mit 2m Tiefgang noch zur Not ein Handtuch reinstopfst und damit locker noch in den nächsten Hafen kommst, da drückts bei 7, 8 m Wassertiefe schon ganz anders rein, zumal natürlich bei so einem Riss nichts mehr zu machen sein dürfte wenn der blöde liegt und irgendwann ist sowas auch nicht mehr trimmbar, von den Lenzpumpen ganz zu schweigen.

    Zudem sind das ja keine Paddelboote wie bei der Titanic mehr sondern durchaus in der Regel motorisierte Barkassen auf die so mancher Hobbyeigner neidisch blicken dürfte. Bei so einem Riesenschiff entsteht halt auch leicht der Eindruck (wie übrigens bei der Titanic damals auch viele nicht in Rettungsboote wollten) dass so ein Koloss sicherer sei als die kleinen (für 150 bis 200 Leute ausgelegten heutigen :eek: ) Rettungsboote.

    Das mit den Übungen ist ja eh das nächste. Ich seh´s ja schon jedesmal hier im Haus, da bleibt die Hälfte im Büro sitzen "ist ja nur eine Übung". Dass es aber oben beim Fenster dank einer Rauchbombe rausraucht, das sehen die dann nicht. Könnte ja auch keine Übung sein. Von den Aufzugfahrern bei Feueralarm will ich mal garnicht erst anfangen... :rolleyes:

    Lieber ein bißchen verrückt als total doof... :p

  • Die Stelle kenne ich persönlich sehr gut, weil wir in der weiteren Umgebung ein Haus haben und dort immer mal wieder einen Ausflug hin machen (aus Porto Santo Stefano gibt's ein kleines Traghetto). Giglio ist super klein, man kann dann auf der Insel herumlaufen, der Hafen selbst ist sehr malerisch, Wassertiefe allerhöchsten 2, max. 3 Meter.

    Dort, wo das Ding jetzt schief liegt, war ich persönlich schon mehrfach baden. Also GENAU dort, weil das wirklich nur wenige Meter neben der Küste ist. Auf dem Felsen daneben ist ein kleines Hotel, es gibt ein paar minikleine Badebuchten, alles mit Felsen, und ein bisschen Sand dazwischen, und gleich daneben wiederum der kleine Hafen.

    Stellt euch einfach einen kleinen Hafen vor - und den macht Ihr dann ungefähr um die Hälfte kleiner und dann habt Ihr die Größe dort.

    Das Ufer ist felsig, und der Meeresgrund fällt dort nach wenigen Metern recht schnell ab auf ca. 80, 90m Tiefe, allerdings gibt es jede Menge Unterwasserfelsen direkt am Ufer. Natürlich kennt jeder, der dort fährt, diese Felsen.

    Ich denke mir, die haben das seit Jahren gemacht, und Signore Schettino hat jetzt halt mal einen Treffer gelandet. Und dann eben gleich richtig.

    Was hätte hier 11+x Tote verhindert ? Was hätte 1 Milliarde Euro Schaden vermieden ?
    Antwort: Ungefähr 3-5 Meter weiter draußen fahren. In dem Fall, leider. Ist wirklich so eng.

    Unfassbar. Jedes Wort ist zuviel, da hilft nur Schweigen....

    Einmal editiert, zuletzt von caramanza ()

  • Schätze ich auch. Das ist die letzten 10 Mal gutgegangen, diesmal paar Sekunden zu spät das Ruder eingeschlagen, vielleicht zu schnell gewesen oder 3 Knoten mehr Seitenwind gehabt und das waren dann die fehlenden Meter. Wie beim Flexen, 1000x gehts gut ohne Schutzbrille... ;)

    Lieber ein bißchen verrückt als total doof... :p