Akzeptanz Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan

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  • Außer anfänglich ein paar fremdverfasste Sonntagsreden haben die Viet Nam-Heimkehrer auch nichts mehr von ihren Auftraggebern gehört und bekommen. Zeilen aus Born in the USA und Ruby, Don't take your Love to Town stehen repräsentativ dafür, wie sie in den Schoß der dankbaren Heimat zurücksinken durften. Nicht. :heul:


    Veteranen sind überall nach Dienstschluss nur noch peinlich und lästig.

    Tut, was ich sage, nicht, was ich mache!

  • die letzten vier Regierungen haben ganz generell den Eindruck gemacht daß die Bundeswehr ihnen peinlich ist


    der letzte wichtige Politiker der sich in meiner Erinnerung noch ohne Berührungsängste bei der Bundeswehr zeigte war übrigens ausgerechnet Joschka Fischer als Außenminister

    Kofferraum statt Hubraum !

  • Zitat

    die letzten vier Regierungen haben ganz generell den Eindruck gemacht daß die Bundeswehr ihnen peinlich ist


    So ist das wohl und die Truppe ist erheblich frustriert.


    Ich versuche die Geschichte mal so wiederzugeben, dass die Person nicht erkennbar ist, bei zu vielen Details wäre es wohl möglich... Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit ein längeres Gespräch mit einem Stabsoffizier zu führen, der auch für technisches Gerät verantwortlich war. Wir kannten uns vorher nicht, war eine zufällige Begegnung und er war schon durch sein Namensschild identifizierbar, wäre es aber aufgrund der Umstände auch sonst gewesen. In dem Gespräch habe ich dann die flapsige Bemerkung gemacht, dass sie demnächst anstatt der Bewaffnung eher zwei Kindersitze einbauen würden.


    Das hat gereicht, dass er mit - einem vollkommen unbekannten - über eine Stunde sein Herz ausgeschüttet hat, angefangen mit Afghanistan und nicht aufhörend mit den aktuellen Beschaffungsvorhaben und der Leitung im Ministerium. Ich denke, dass spricht Bände. Ähnlich ist es, wenn auch meistens mit niedrigeren Dienstgraden, wenn ich mal zu einer Veranstaltung des Reservistenverbandes gehe.


    Zitat

    der letzte wichtige Politiker der sich in meiner Erinnerung noch ohne Berührungsängste bei der Bundeswehr zeigte war übrigens ausgerechnet Joschka Fischer als Außenminister


    Ich denke, bei Gutenberg war es ähnlich, ob man den als wichtig bezeichnen möchte ist natürlich eine andere Frage.


    Die größte Hochachtung in der Beziehung habe ich immer noch vor Manfred Wörner, weißer Jahrgang aber dann in diversen Wehrübungen zum Piloten ausgebildet. :top: Es gibt auch das Gerücht, dass er mal bei einem Treffen von Verteidigungsministern selbst auf einem US Flugzeugträger gelandet sei. So ganz kann ich es mir nicht vorstellen, denn dazu hätte er auch die entsprechende Ausbildung gebraucht, aber vielleicht saß er ja mit im Cockpit...


    Aber um zum Ausgang zurück zu kommen: So wie unsere Politik diesen Einsatz beendet ist absolut unwürdig und eine Schande!

  • Ich denke, bei Gutenberg war es ähnlich,

    Absolut.

    Der war bei der Truppe unheimlich beliebt.


    Ein Freund von mir hat ihm mal die Hand geschüttelt und durfte ein paar Worte mit ihm wechseln - der schwämt heute noch.

    "Bitte ohne Speck und Eier !"

    Manfred, 53, Trucker - bestellt sich gerade eine Frau aus Thailand ...

  • Das Thema geht in den WhatsApp Gruppen rauf und runter, fast überall finden das die Leute zum :kotz:

    Morgen kommt wieder ein Jäger mit einem Reh zu mir, der ist Offizier der Reserve und öfters mal bei Übungen dabei, der regt sich regelmäßig immer auf wenn solche Dinge passieren, bin schon auf seine Reaktion gespannt.

    Eines Tages wird dein Leben vor deinen Augen vorüberziehen.
    Sorge dafür, dass es sehenswert ist.

  • In meinen Augen markiert das ganz klar einen Tiefpunkt im Umgang mit der Bundeswehr und das will schon etwas heißen, ich dachte schon ein paar mal schlimmer könnte es nicht mehr kommen. Der längste und auch der Auslandseinsatz mit den meisten Gefallenen der Bundeswehr geht zu Ende und kein einziger unserer Politiker, die sonst bei jedem besseren Schützenfest und Kleingärtnertreffen auftauchen und meinen etwas sagen zu müssen, ist anwesend. Mir fehlen da immer noch die Worte.

  • In meinen Augen markiert das ganz klar einen Tiefpunkt im Umgang mit der Bundeswehr und das will schon etwas heißen, ich dachte schon ein paar mal schlimmer könnte es nicht mehr kommen. Der längste und auch der Auslandseinsatz mit den meisten Gefallenen der Bundeswehr geht zu Ende und kein einziger unserer Politiker, die sonst bei jedem besseren Schützenfest und Kleingärtnertreffen auftauchen und meinen etwas sagen zu müssen, ist anwesend. Mir fehlen da immer noch die Worte.


    Ich denke, das ist etwas weitgefasster als nur die Politiker. Kuck Dich doch mal um im Land. Wieviele Soldaten sieht man denn noch? Gelegentlich mal einen, die meisten ziehen die Uniform aus wenn sie die Kaserne verlassen weil sie keinen Bock auf Anmache haben. Die Bundeswehr braucht man doch nur dann wenn mal grad Hochwasser ist.


    Auch wenn man die USA gerne mal von hier aus etwas übertrieben patriotisch und spinnert ansieht, so muss man doch sagen, für ihre Armee haben sie fast quer durch die Bank was übrig, Es gibt in den USA in vielen Profiligaspielen die "military family of the game". Vor dem Spiel werden Angehörige eines Soldaten vorgestellt der gerade im Auslandseinsatz ist und der dort per Leinwand seine Familie grüßen kann (und manchmal auch überraschend heimkommen konnte). Die Familien erhalten top Plätze, kriegen Geschenke etc.

    Ich überleg grad, was in einem deutschen Fussballstadion los wäre, wenn man dort vor jedem Spiel erstmal irgendwelche Leute vorstellen würde "nur" weil deren Vater oder Mutter grad im Ausland auf einem Einsatz ist.


    Kuck mal in die Videos rein was da abgeht wenn sich 50, 60, 80k Leute mitfreuen... sowas gäbs hier niemals. Womöglich ginge dann ja das Spiel 2 Minuten später los oder so... :rolleyes:


    [Externes Medium: https://youtu.be/kUkKhRtk8VU]

    [Externes Medium: https://youtu.be/cdJOWczwt_Y]

    [Externes Medium: https://youtu.be/OZnB6qLQelI]

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  • Das stimmt. Vieles in den USA läuft nicht gut, aber in diesem Punkt ticken sie einfach anders als wir Deutschen.

    Dort ist es noch etwas wert, wenn man seinem Land in Uniform dient.

    Sogar die Briten können´s... inkl. BBC live und Queen dabei



    Vor 21 Jahren war´s schon so, dass in Mittenwald noch ok war mit der Uniform, aber für den weiteren Heimweg hast die Uniform leichter schon runter weil sonst bist Dir vorgekommen wie ein Marsianer.


    Und naja... die Geringschätzung erstreckt sich ja nicht nur auf diesen Teil des Dienstes für die Bürger. Gibt auch noch andere Uniformträger die - auch hier und mit :top: einiger User - gerne mal als "Dienstleister" bezeichnet werden. Oder Leute die in ihrer Freizeit, kostenlos und unentgeltlich bei der Feuerwehr sind, anderen helfen und dafür angepöbelt werden. Was sich heute Sanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten anhören müssen... als Freiwilliger Feuerwehrler tät ich meinen Trupp wieder zampacken und so jemand sagen "Pump Deinen Scheisskeller halt allein aus"... :mad: Es sind nicht nur "die Politiker", es sind auch eine Menge Leute aus dem Volk die keinen Deut besser sind,.

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    3 Mal editiert, zuletzt von Stefan ()

  • Zitat

    Wieviele Soldaten sieht man denn noch? Gelegentlich mal einen, die meisten ziehen die Uniform aus wenn sie die Kaserne verlassen weil sie keinen Bock auf Anmache haben. Die Bundeswehr braucht man doch nur dann wenn mal grad Hochwasser ist.


    Das stimmt wohl und da kommen mehrere Sachen zusammen. Die Bundeswehr ist deutlich kleiner, viele Standorte geschlossen und Wehrpflichtige die am Wochenende in Uniform nach Hause fahren gibt es auch nicht mehr, dass alleine reduziert schon die Wahrscheinlichkeit. Dazu kommt natürlich noch die latente Gefahr in Uniform blöd von der Seite angemacht zu werden. Die Entwicklung finde ich schade.


    Bei uns im Impfzentrum haben aktive und Reservisten geholfen, natürlich in Uniform, fand ich sehr gut, ähnlich bei meinem Vater. Dort hat die Bundeswehr auch noch einen Standort und ist immer mal wieder präsent, hängt vielleicht auch vom Standortkommandanten ab. Hier bei uns gibt es einen kleinen Standort, aber überwiegend mit Zivilangestellten, in der Öffentlichkeit quasi nie zu sehen.



    Zitat

    Ich überleg grad, was in einem deutschen Fussballstadion los wäre, wenn man dort vor jedem Spiel erstmal irgendwelche Leute vorstellen würde "nur" weil deren Vater oder Mutter grad im Ausland auf einem Einsatz ist.


    Schwer zu sagen, man müsste es mal probieren. Das es rundweg abgelehnt wird kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Auch bei der Meinung zur Bundeswehr habe ich den deutlichen Eindruck, dass es starke Unterschiede zwischen der öffentlichen und der veröffentlichten Meinung gibt, Hängt aber vielleicht auch vom Umfeld ab, in Berlin dürfte es anders sein...



    Zitat

    Das stimmt. Vieles in den USA läuft nicht gut, aber in diesem Punkt ticken sie einfach anders als wir Deutschen.

    Dort ist es noch etwas wert, wenn man seinem Land in Uniform dient.


    Es findet im Fernsehen eigentlich kein Gespräch mit einem Angehörigen des Militärs statt, ohne dass ein "thank you for your service" zu hören ist und auch bei alltäglichen Begebenheiten ist das oft genug zu hören :top::top:


    Vielleicht haben die das mit der Öffentlichkeitsarbeit auch etwas besser raus. Bei Youtube gibt es z.B. viele Videos der US Navy Band oder der Royal Marines, und mitnichten nur das, was man sich unter "Militärmusik" vorstellt. Die Big Band der Bundeswehr ist dort auch vertreten, insgesamt aber deutlich spärlicher. Wahrscheinlich würde sich sonst wieder irgendwer darüber beschweren, dass das ein paar Euro kostet...


    Zitat

    Es sind nicht nur "die Politiker", es sind auch eine Menge Leute aus dem Volk die keinen Deut besser sind,.


    Klar, die gibt es, wie Du schon geschrieben hast, wird auch hier immer mal wieder deutlich, ich kann aber nicht einschätzen wie viele es am Ende wirklich sind. Zumindest in meinem Umfeld nur sehr sehr wenige. Das dürfte aber natürlich nicht repräsentativ sein.

  • Das "Thank you for your service" hab selbst ich bekommen, von einem unserer Crew-Fahrer, mit dem ich geplaudert hab. Dann kam das Thema irgendwie auf Armee, und wir stellten fest, dass wir beide gedient haben.


    Ein Deutscher hat mir noch nie dafür gedankt. :p:sz:

  • Das ist in den USA schon bisschen anders. Selbst wenn du nur den Müll rausgebracht hast oder ne Latrine gebuddelt hast in der Armee. Da kriegst 10% auf Buffets in Vegas und sowas... :top:

    'I never forget a face, but in your case I'll be glad to make an exception.' - Groucho Marx
    'I want the last check I write to bounce.' - Saul Bloom (Ocean's Twelve)

    (ehemals BulletToothTony)

  • Ich sehe es sogar als Pflicht an dass da zu diesem Anlass der Verteidigungsminister anwesend sein muss, das war ja keine normale Wochenend-Heimfahrt wie bei unserer Bundeswehrzeit sondern das Ende eines sehr langen Auslandseinsatz mit fast 60 Toten Bundeswehrsoldaten :zf:


    Aber wie heißt es so schön:

    „Der Dank des Vaterlandes ist dir gewiss, er wird dir nacheilen aber dich nie erreichen“

    Eines Tages wird dein Leben vor deinen Augen vorüberziehen.
    Sorge dafür, dass es sehenswert ist.

  • Hab letztens mit ein paar Amerikanern zusammen Dark Ages of Camelot gespielt.

    Dabei kam dann raus, das einer aus der Gruppe derzeit von der US-Army aus in Seoul stationiert ist.

    Hab ihm (übersetzt) wörtlich folgendes gesagt:

    Ich weiß, ich bin Deutscher und habe damit ja eigentlich keine Berührungspunkte mit den US-Streitkräften, aber danke für Deinen Dienst.


    Der Typ hat im Discord vor Rührung angefangen zu weinen und meinte dann, dass er das von Deutschen eigentlich nie hört, wenn er welche trifft.

    Seitdem spielen wir häufiger zusammen, wenn sich die Zeit dazu ergibt.

  • Grundsätzlich würde ich als heimkehrender Soldat zwar auch lieber meine Familie sehen als irgendeine austauschbare Labertasche die hinter nem Pult steht und irgendeinen Sermon ablässt, aber ein kurzer Dank beim Antreten nach dem Aussteigen aus der Maschine wäre mehr als angebracht gewesen. Dann verzählt man halt mal nicht 2h lang die Story vom Pferd sondern hält ne kurze Ansprache von 5, 10 Minuten und fertig.


    Aber wie oben geschrieben... :rolleyes:

    Trigger-Warnung: Posting kann Spuren von Sarkasmus enthalten!