Werden wir zu einer Duz-Gesellschaft?

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  • manolo: Tja, das liegt halt daran, dass ihr keine andere Möglichkeit habt. :D


    Im Link von CC zum Duzen wird das "Münchner Du" als Bayerische Besonderheit schon erwähnt. :top:
    Diese "Zwischenform" kann man gut verwenden, wenn man nicht weiß, wie derjenige auf ein direktes Du reagiert und natürlich auch um z.B. bei Käufer/Verkäufer oder Gast/Kellner etc. den einen nicht abwertend Duzen will, aber sich andererseits auch nicht hochförmlich ein Sie aus dem nicht vorhandenen Krawattenkragen zu würgen.


    Ich persönlich denke, dass es viel auf die Gelegenheit ankommt und bin auch sehr dankbar, dass es in Bayern diese verbreitete oben angesprochene Möglichkeit gibt. :)


    Ein Sie schafft natürlich immer eine - teilweise gewollte - Distanz.
    Ich habe mich mit meinem ersten Chef (old School kurz vor der Rente) natürlich gesiezt und mit den beiden danach geduzt weil wir das vorher auch gemacht haben. Gab deswegen keine Probleme während ich bei dem neuen Chef der aus einem anderen Bereich kam und daher wieder ein "Sie" ist, bisher nicht das Zusammegehörigkeits und Vertrautheitsgefühl aufbauen konnte.


    *Edit*
    Die Entwicklung vom Sie zum Du habe ich in der Firma ganz gut mitbekommen.
    Da waren als ich angefangen habe viele Leute die jahrelang zusammengearbeitet haben per Sie und nur wer mal zusammen auf ner Baustelle war hat sich geduzt.
    Inzwischen ist das genau anders. Nur Neueinsteiger siezen eine Zeit lang den Rest bis ihnen das Du angeboten wird und der Rest geht lockerer miteinander um, wie vor 15 Jahren.


    Georg

    Das BMW Cabrio ist eines jener sachlichen Transportmittel, das grundsätzlich offen, vollgetankt und mit dem Schlüssel im Zündschloß in der Garage stehen muß - für alle dringenden Fälle.

  • Hallo,


    ich finde das "Sie" in den Umgangsformen, vor allem geschäftlich - schon noch wichtig. Warum sollten wir unsere Kultur komplett umwerfen, nur weil die Englische Sprache so eine Option nicht aufwartet? :confused:


    Ich verstehe die ganze Problematik sowieso nicht. Wenn ich Deutsch spreche, dann spreche ich Deutsch. Warum sollte ich meine Sprachgewohnheiten dann an eine andere Sprache anpassen?


    Wem fällt ein Zacken aus der Krone, jemanden zu Siezen? Ich finde schon, daß das was mit persönlichen Respekt und Achtung noch zu tun hat.


    Wir hatten mal früher einen ITler, der aus einem Amerikanischen Unternehmen kommend alle MA´s geduzt hat. Außer dem Vorstand der Firma, da hat er sich wohl nicht getraut :rolleyes:


    Jedenfalls kam sowas total affig rüber - der Typ war nicht lange im Unternehmen.
    Ich finde das DU muss man sich schon ein bisschen erarbeiten, denn es ist doche ein Zeichen von gegenseitigen Vertrauen, sich das "Du" anzubieten.


    Ich möchte diese Option auch in Zukunft in der deutschen Sprache nicht missen.
    Andere Sprachen kann man dazu einfach nicht vergleichen, weil die diese Option nie hatten.


    Außerdem:


    Es sagt sich doch immer leichter "Du Ar$chloch" - als "Sie Ar$chloch", oder? ;)

    Grüße
    Markus <-- formerly known as powders


    To be or not to be · Shakespere | To do is to be · Nietzsche | To be is to do · Sartre | Do be do be do · Sinatra

  • wow, was für Meinungen.


    Persönlich im Familien/Bekanntenkreis ist das Duzen schon okay, aber in der Firma finde ich es immer noch komisch! In einer kleinen Firma oder in der Abteilung mag es okay sein, da man ja fast täglich mit einem zum tun hat, aber wir sind > 150 Leute und wenn man da Leute aus anderen Bereichen nicht kennt finde ich das schon komisch....



    Aber die größte Sauerei ist die damit verbundene "Nähe" - ich bin nicht deren bester Freund und werde mich auch nicht scheuen einzelnen vorschlagen wieder zum "Sie" zurückzukehren. Vielleicht schafft das ja Respekt und Distanz!

    Wie poste ich falsch? - Ein Leitfaden für Forenbesucher und solche die es werden wollen

    Nachdem ich
    Google , die FAQ's und die Boardsuche erfolgreich ignoriert habe,
    erstelle ich zwei bis fünf neue Themen, in den falschen Unterforen, mit kreativen Titel und undeutlichem Text, unter der sich jeder etwas Anderes vorstellt
    :D

  • In der Firma wo ich arbeite, arbeiten 55 Menschen. Bis auf eine Mitarbeiterin sind alle zwischen 23 und 50 und wir duzen uns untereinander, bis auf die Eine über 50. So wie ich es gehört habe, hat sie damit ein Problem und weiß aber auch nicht wie sie das anstellen soll, das sie geduzt wird.


    Ich meine, da ich einen Großteil des Tages mit meinen Kollegen verbringe, sollte ich mir nicht mehr fremd sein und allen das DU anbieten. Ist irgendwie eine lockere (familiäre) Atmosphäre.


    Grundsätzlich gilt für mich aber, das ich Kunden und Geschäftspartner nicht duzen sollte. Und auch sonst im täglichen Leben gehört es für mich dazu, fremde Menschen nicht einfach zu duzen, sondern eine gewisse Distanz mit dem SIE zu wahren.


    Gruß Maoam :)

    Power is nothing without you!



  • Evolution heisst das, nicht abschleifen... ;)


    Ansonsten unterscheide ich schon zwischen dem "you" gangsta style und "you" zum Chef.


    Aber die Amis halten das nicht so eng, die halten mich eh für einen Engländer... :D

    Members of Catholic Church: 1 billion , founded in 1st century
    Users of Facebook 0.6 billion: founded 2004

  • Ich rede grundsätzlich jede mir vollkommen fremde Person mit dem Sie an, in seltenen Fällen, liegt wohl an meinem Alter, werde ich halt auch mal mit einem Du angesprochen, einmal auch im Restaurant passiert, da zieht es mich schon Jahre nicht mehr hin, weil es sich einfach nicht gehört, jüngere Jahrgänge haben da aber weniger Probleme mit, wie ich das so hier mitbekomme.

  • Zitat

    Original geschrieben von SirBecks
    Aber die größte Sauerei ist die damit verbundene "Nähe" - ich bin nicht deren bester Freund und werde mich auch nicht scheuen einzelnen vorschlagen wieder zum "Sie" zurückzukehren. Vielleicht schafft das ja Respekt und Distanz!


    Da habe ich in CCs Link in Wikipedia eine nette Anregung gefunden, wie man wieder zum gemeinsamen "Sie" zurückfinden kann:


    Zitat

    Original geschrieben von Wikipedia.org
    Wenn die Aufforderung, einander zu duzen, vom Rangniederen ausgeht, wird dies gelegentlich als beleidigend aufgefasst. Eine scharfe Reaktion kann dann die Form der Gegenbeleidigung annehmen: „Ich erinnere mich nicht daran, dass wir miteinander Schweine gehütet haben.“ Oder milder: "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir im Sandkasten miteinander gespielt haben!“


    :D:D

    Grüße
    Markus <-- formerly known as powders


    To be or not to be · Shakespere | To do is to be · Nietzsche | To be is to do · Sartre | Do be do be do · Sinatra

  • Meine Sicht:


    Klar, im Bekannten-/Freundeskreis ist das "Du" kein Problem.


    Nur dann geht´s bei mir los, denn wir leben in Deutschland und haben eine eigene (deutsche) Sprache, die eben einen feinen Unterschied zwischen "Sie" und "Du" macht.


    Und ehrlich gesagt:


    Mich kotzt es an, dass unsere deutsche Sprache immer mehr unter Anglezismen leidet ..... für nichts gibts bald mehr deutsche Begriffe, alles wird "englisch". :flop:


    Und ebenso empfinde ich das so schnell und immer mehr über uns kommende "Du".


    Ich habe kein Problem, jemanden mit "Sie" anzusprechen ...... man kann es ja später, wenn sich die Sache so entwickelt hat, auf´s "Du" umsteigen.


    Allerdings direkt immer dieses "Du" geht mir zu weit ...... vor allem, weil unsere Sprache es eigentlich anders hergibt und ich die deutsche Sprache auch so nutzen möchte, wie sie eigentlich gedacht ist/war.


    Copdland


  • Da hast Du Recht. Die Sprache verliert irgendwie an Wert. Ich kenne deutsche Unternehmen, da findest Du keinen einzigen Job mehr mit deutscher Bezeichnung - alles englisch!


    Und das mit dem Du ist vielleicht wirklich der kleinste gemeinsame Nenner, wie ein anderer User weiter oben schrieb.


    Ins Bild passt IMHO auch die Rechtschreibreform mit Ketschup und Selbstständigkeit. :apaul:

    Viele Grüße
    Oliver

  • Zitat

    Ich rede grundsätzlich jede mir vollkommen fremde Person mit dem Sie an, in seltenen Fällen, liegt wohl an meinem Alter


    Ich wußte es ja, mit meinen 38 Jahren bin ich auch nicht mehr der Jüngste ;)?


    Zitat

    Da hast Du Recht. Die Sprache verliert irgendwie an Wert. Ich kenne deutsche Unternehmen, da findest Du keinen einzigen Job mehr mit deutscher Bezeichnung - alles englisch!


    Noch schlimmer: Die dann dort verwendeten englischen Begriffe sind auch noch falsch oder keiner kann sie richtig übersetzen.


    Zitat

    Ins Bild passt IMHO auch die Rechtschreibreform mit Ketschup und Selbstständigkeit


    Daher mache ich die auch nicht mit. Es macht ja auch keiner eine Mathematik Reform (2+2 ist ungefähr 5), nur weil manche Schüler damit Probleme haben...


  • Das unterschreibe ich vom ersten bis zum letzten Wort, ohne Änderung !


    Vor allem der letzte Satz ist einer meiner Leitsätze (hätte ich den thread früher gesehen, ständ er von mir da :)). Bisher bin ich damit ganz gut gefahren. Es gibt auch bei uns im Unternehmen nur ZWEI Kollegen, mit denen ich "per Du" bin und trotzdem kann ich meine Arbeit zu aller Zufriedenheit erledigen.


    Auch ich führe viele Gespräche in Englisch aber ich käme nicht im Traum auf die Idee, das "Du" deshalb in´s Deutsche zu übernehmen.


    Ich bin der Meinung, dass man sich ein "Du", ob privat oder geschäftlich erst mal verdienen muss.

    "Man soll keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug." (Jean-Paul Sartre)

  • ich duze niemanden ungefragt.
    andersherum mag ich es auch nicht ungefragt geduzt zu werden.
    deshalb war ich auch nur einmal bei starbucks und nie wieder.
    die wollten sogar meinen vornamen wissen.
    ansonsten ist meine standartfrage auf aufdringliches duzen,


    "haben wir schon miteinander die matratze gequält?"



    der verwirrte blick danach ist nicht mit gold aufzuwiegen.
    so wie letzte woche der der verkäuferin bei Toys.

  • Ich empfinde das Siezen als eine Form der Höflichkeit. Also ganz klassisch. In meiner Firma wird sich geduzt und damit hatte ich zu Anfangs massiv Probleme. Das kannte ich vorher nicht. Besonders bei Azubis und Teilzeitkräften habe ich manchmal das Gefühl, dass die Autorität darunter leidet - grad dem Chef gegenüber. Da werden manche Anweisungen schon mal mit einem kleinen Sprüchlein quittiert, was meiner Meinung nach fehl am Platze ist.


    Bei Geschäftspartnern rutscht beim Geschäftsessen schon mal ein Du raus ... aber das ist auch ok. Ansonsten bleibt es beim sachlichen Sie und das ist auch gut so.


    Ich muss gestehen, dass ich ein ungewolltes Duzen als unangenehm und herabsetzend empfinde. Fremde Menschen Sieze ich dementsprechend generell.

  • Moin,


    die deutsche Sprache ist vielseitig und sehr gut geeignet das Du oder Sie richtig anzuwenden.


    Wenn man sich mit Sie vorsichtig an eine Person rantastet, kann man nicht falsch machen. Im Gegenteil man hat nur Vorteile wenn man nach einer Zeit X merkt, dass die Chemie zwischen beiden nicht stimmt.


    Zurückrudern ist dann problematisch.


    Sich sofort zu duzen, halte ich für oberflächlich.
    Vielleicht liegt es auch daran, dass wir Fischköppe zuerst die Lage richtig peilen und dann über die nächsten Schritte entscheiden. :top:


    Es soll ja auch Gebiete in Deutschland geben, da wird man sofort abgeknutscht und am nächsten Tag ist alles wieder auf Null und vergessen. :D


    Gruss


    Horst

    Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel und
    eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein!
    (Hippokrates 460-377 v. Chr.)

  • Zitat

    Original geschrieben von Nemesis
    Ich empfinde das Siezen als eine Form der Höflichkeit. Also ganz klassisch. In meiner Firma wird sich geduzt und damit hatte ich zu Anfangs massiv Probleme. Das kannte ich vorher nicht. Besonders bei Azubis und Teilzeitkräften habe ich manchmal das Gefühl, dass die Autorität darunter leidet - grad dem Chef gegenüber. Da werden manche Anweisungen schon mal mit einem kleinen Sprüchlein quittiert, was meiner Meinung nach fehl am Platze ist.


    Bei Geschäftspartnern rutscht beim Geschäftsessen schon mal ein Du raus ... aber das ist auch ok. Ansonsten bleibt es beim sachlichen Sie und das ist auch gut so.


    Ich muss gestehen, dass ich ein ungewolltes Duzen als unangenehm und herabsetzend empfinde. Fremde Menschen Sieze ich dementsprechend generell.


    Gefällt mir! :top:

  • Zitat

    Original geschrieben von dirtyivan


    Dies kannte ich noch nicht:
    "haben wir schon miteinander die matratze gequält?"


    aber das schon:
    "haben wir schon mal zusammen unsere Straße gekehrt?"


    und
    "haben wir schon mal zusammen in einem Schlammloch gelegen?"


    und
    "haben wir früher zusammen im Sandkasten gespielt"?


    und
    "hatten wir schon einmal einen flotten Dreier miteinander"?


    Bei Anwendung werden allerdings manche richtig böse. :eek:

  • Servus,


    ungefragtes Duzen hat für mich immer was mit fehlender Kinderstube zu tun. Sowas kann ich überhaupt nicht leiden. Mit dem Du verbindet man ja auch ein gewisses Vertrauen und genau das bringt man sicherlich nicht von Anfang an jedem Menschen entgegen. Ich kenne sogar Online-Shops, die ihre Kunden in den Artikelbeschreibungen und auf der Willkommensseite duzen. Da weiß man gleich, daß man es mit unerzogenenen Proleten zu tun hat. :(


    Greetz

    Der mit dem 120d liebäugelt!

  • Zitat

    Original geschrieben von offline
    Da ich über 50% in meinem täglichen Leben englisch rede bin ich mit dem lockeren Du sehr vertraut und ich finde es angenehm. Höglichkeit messe ich nicht an dem Sie, sondern an den Handlungen und Reaktionen meiner Mitmenschen.


    Tja, nur ist das englische "you" im Deutschen eher ein "Sie". Denn es wurde nicht das "Sie" abgeschafft, wie viele denken, sondern das "thou", was eher dem "Du" entspricht. Beispiel, Kirchenenglisch "Thou shalt not kill - _Du_ sollst nicht töten."


    Gerade bei einem Engländer (der sich auch ein bischen englisch zu benehmen weiss, also nicht gerade den Fussballfan) wäre ich also ganz eindeutig besser beim "Sie". Eventuell ein "Sie" mit Vornamen, aber das kommt auf die Situation an.



    Gruss,
    H-J