Versicherung will nicht Gesamtkosten laut Gutachten bezahlen

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  • Hallo,


    hatte einen nicht verschuldeten Unfallschaden an meinem X5.


    Ich habe darauf von einem vereidigten Sachverständigen ein Gutachten anfertigen lassen und möchte nach Gutachten abrechnen.


    Heute erhielt ich ein Schreiben der Versicherung. Man zieht mir dabei folgende Positionen ab:


    1. Korrigierte Lohnkosten (Vergleich mit Stundensätzen einer Fachwerkstatt in der Umgebung) - 72,- Euro


    2. Im Gutachten waren 85,- Euro für Verbringung zur Werkstatt angegeben. Diese Kosten verweigert man zu zahlen und nennt Werkstätten in meiner Umgebung, welche das Fahrzeug kostenlos abholen.


    3. Die im Gutachten angegebenen Ersatzteilpreise seien 10% über dem UVP des Herstellers. Abzug weitere 85,-


    Ist das alles rechtens? Will deswegen nicht gleich zum Anwalt rennen, aber ich weiß, dass die Versicherungen wieder besseren Wissens gerne mal unberechtigt abziehen. Und das werde ich mir definitv nicht gefallen lassen.


    Danke für eure Antworten
    HS

  • hallo,
    ich kann dir leider dazu nichts genaues sagen....aber es gibt bestimmte abrechnungssätze bei den versicherungen...für den laien garnicht so einfach...


    meines wissens hat man ein recht auf freie werkstatt wahl...


    und ausserdem wird ersteinmal geblockt...reine taktik um geld zu sparen...


    aber ich beantworte deine frage gerne einmal mit einer gegenfrage...


    warum lässt du dich nicht von einem anwalt beraten?


    du bist unverschuldet in diese lage geraten...und hast ein recht darauf...
    (und nicht das jetzt wieder jemand etwas schreibt..von wegen der verpflichtung kostenminimierung usw)


    auch wenn ich vllt mit meiner meinung alleine stehe...


    mein erster gang ist zum rechtsanwalt...es geht nicht darum den gegenüber auszubeuten...nur sollst du ja nicht auf deinen kosten sitzenbleiben...


    wie schaut es aus mit der wertminderung deines wagens ? beispielsweise ?


    leihfahrzeug usw. das alles regelt ein guter anwalt für verkehrsrecht...ich spreche da aus erfahrung


    gruss og

    Carpe diem

  • Das sind (leider) mittlerweile gängige Praktiken einiger Versicherer.


    Fakt ist:


    Du kannst die Kosten einer BMW-Werkstatt und die Kosten der Original BMW-Ersatzteile abrechnen, da gibt´s Urteile zu.


    Daher schreibe der Versicherung einen "lieben" Brief mit diesem Hinweis, weise sie darauf hin, dass Du Deine "Schadenminderungspflicht" kennst und daher den Brief selbst verfasst hast ..... sollte es die Versicherung nicht einsehen wollen, würdest Du einen Anwalt einschalten und die Versicherung müsse dann eben zu den BMW Lohn- u. Teilekosten auch noch den Anwalt und ggf Gerichtskosten zahlen ....


    Copdland

  • Du hast freie Werkstattwahl und wenn die Werkstatt bei den Teilen 10% Aufschlag gegenüber der UVP des Herstellers hat, dann ist das deren gutes Recht und die Versicherung hat leider Pech.


    Möchtest Du nach Gutachten abrechnen, so wird allerdings die angegebene Mwst. nicht mit ausbezahlt (da sie auch nicht anfällt). Kann man sich m. W. allerdings noch holen, wenn man später reparieren lässt.

  • Mir hat einmal eine Versicherung vor vielen Jahren Probleme gemacht, auch bei einem unverschuldeten Kratzschaden Fahrerseite, seitdem bei geringstem Widerstand Anwalt und fertig, ich drohe erst gar nicht damit, ich rufe an, daß die Unterlagen unterwegs sind und laß ihn alles erledigen, wenn die sich so anstellen, ist es mir auch egal, wenn die Kosten unnötigerweise steigen, obwohl ich weiß, wir alle zahlen, aber da sollen sich doch auch erst einmal die Versicherungen selbst überlegen, wo Sparpotential wäre.

  • Erstmal danke für die Antworten.


    Ich werde der Versicherung (Gothaer) mal einen netten Brief schreiben.


    Das mit der MWst wusste ich ja, das geht auch i.O. Nur der Rest - das stört mich halt.


    Ist es wirklich zulässig, 10% auf die UVP aufzuschlagen? Das kam nicht von der Werkstatt, sondern ich hatte ja einen freien Gutachter beauftragt. Eventuell frage ich auch dort mal nach.


    Wer schön, wenn einer von euch ein betreffendes Urteil kennt.


    Gruß
    HS

  • Zitat

    Original geschrieben von hs


    2. Im Gutachten waren 85,- Euro für Verbringung zur Werkstatt angegeben. Diese Kosten verweigert man zu zahlen und nennt Werkstätten in meiner Umgebung, welche das Fahrzeug kostenlos abholen.


    Das ist richtig. Verbringungskosten werden bei fiktiver Abrechnung nicht gezahlt, da sie einfach nicht anfallen. Ist vergleichbar mit der Mwst.


    Gruß
    Malte

  • Zitat

    Ist es wirklich zulässig, 10% auf die UVP aufzuschlagen? Das kam nicht von der Werkstatt, sondern ich hatte ja einen freien Gutachter beauftragt. Eventuell frage ich auch dort mal nach.


    Wenn die Teile bei BMW nunmal weniger kosten, dann ist der Abschlag absolut gerechtfertigt. Frag doch mal bei deiner örtlichen BMW Werkstatt nach, ob die Preise wirklich zu hoch sind.
    Das mit den Sachverständigen und den Versicherungen ist nunmal so ne Sache...die haben einfach nicht die Teilekataloge inkl. aktuellen Preisen wie der BMW Händler. Gut möglich, dass da teilweise gravierende Unterschiede auftreten.


    Zitat

    Korrigierte Lohnkosten (Vergleich mit Stundensätzen einer Fachwerkstatt in der Umgebung) - 72,- Euro


    Das ist ne schwierige Sache. Die fallen bei Abrechnung auf Gutachtenbasis halt auch nicht an. Deswegen wird auch im Gutachten der Schaden unabhängig der reparierenden Werkstatt dargestellt und die Wahl der Werkstatt tritt hier gar nicht ein.
    Bei beschädigten Originalteilen ist es klar, dass der Preis von Originalteilen zählt. Bei der Arbeit kannst du da aber keinen Unterschied zwischen den Werkstätten machen, da alle quallifiziert sind ein paar Teile zu tauschen (außer du hast ne sehr gute Begründung, wie z.B. kodierrelevante Teile).

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  • Zitat

    Original geschrieben von Sordey
    Das ist richtig. Verbringungskosten werden bei fiktiver Abrechnung nicht gezahlt, da sie einfach nicht anfallen. Ist vergleichbar mit der Mwst.


    Gruß
    Malte


    Das sehe ich definitv nicht so. Ich werde das Fahrzeug natürlich reparieren lassen - in der Werkstatt, die ich aussuche.


    Den Nachweis der Reparatur kann ich auch bringen. D.h. Verbringung fällt sehr wohl an. Ich benötige den Nachweis ja auch, wenn ich den Nutzungsausfall entschädigt haben möchte.


    Urteil habe ich mit Google auch gefunden:
    http://www.finanztip.de/recht/versicherungen/ur18p01009.htm

  • Nach erneuter Recherche bin ich jetzt sicher, dass alle Abzüge der Versicherung unzulässig sind.


    Aktuelles Urteil:


    AG BOCHUM
    06.02.2007
    AZ: 40 C 504/07


    Der Unfallgeschädigte kann auch bei fiktiver Abrechnung die Stundensätze einer Vertragswerkstatt so wie die Verbringungskosten und die UVP-Zuschläge geltend machen.


    Aus den Gründen: (...Nach der ständigen Rechtssprechung des erkennenden Gerichts und auch der Berufungszivilkammern, die im übrigen im vollen Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs steht, kann der Unfallgeschädigte auch bei fiktiver Abrechnung die Stundensätze einer Vertragswerkstatt so wie auch die Verbringungskosten und die UVP-Zuschläge geltend machen.
    Auch bei fiktiver Abrechnung stehen dem Geschädigten die Schadensbeseitigungskosten zu, die bei Durchführung einer Reparatur üblicherweise anfallen.
    Dazu gehören, jedenfalls im Raum Bochum, auch die Verbringungskosten und die UPE-Zuschläge.
    Diese fallen nämlich regelmäßig bei Reparatur in einer markengebundenen Werkstatt an...).


    Bin zwar nicht aus dem Raum Bochum, aber das sollte auch in Oberfranken anwendbar sen :p

  • Zitat

    Das sehe ich definitv nicht so. Ich werde das Fahrzeug natürlich reparieren lassen - in der Werkstatt, die ich aussuche.


    Wozu dann der Stress? Abtretungserklärung an die Werkstatt und gut...
    Das du ne freie Werkstättenwahl hast ist unbestritten. Nur bei fiktiver Abrechnung wirds halt schwieriger.


    Zitat

    Nach erneuter Recherche bin ich jetzt sicher, dass alle Abzüge der Versicherung unzulässig sind.


    Kannst du dir IMO nicht sein...nur ein Beispielurteil zählt halt nicht viel. Du kennst auch die genauen Umstände des Urteils nicht (z.B. um welche Marke es ging)...

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  • Ich lasse in der Werkstatt reparieren. Aber nicht den kompletten Umfang. Das Gutachten umfasst z.B. An- und Abbau der Stosstange.
    Ich werde mir eine neue Stosstange besorgen (aus dem Zubehör), diese in der Werkstatt lackieren lassen und dann selbst montieren.
    Deshalb Abrechnung nach Gutachten. Nachweis der Reparatur (Foto) kann ich dann ja bringen, nicht aber eine Rechnung über die Reparatur des Gesamtschadens. Deswegen muss ich ja auch Abzug der MWST akzeptieren.


    Das Gutachten betrifft sicher den Einzelfall, zumal es Präzendenzfälle nach deutschem Recht eigentlich nicht gibt.


    Aber die Umstände des genannten Urteils waren schon gleich.

  • Zitat

    Ich lasse in der Werkstatt reparieren. Aber nicht den kompletten Umfang.


    Eine teilweise Reperatur spielt ja keine Rolle.
    Die Arbeiten, wie z.B. das Lackieren sind normalerweise extra im Gutachten aufgeführt. Wenn du nun die Rechnung für die Stoßstange und das Lackieren der Versicherung lieferst bekommst du den Wert voll, inkl. MwSt ausbezahlt. Dazu kannst du noch den Transport der Stoßstange zum Lackierer verlangen (taucht so ja auch in jeder Rechnung auf).


    Den Rest des Gutachtens, sprich den An- und Abbau der Stoßstange rechnest zu dann fiktiv ab. Wegen den paar Euro wird es sich aber wohl nicht lohnen nen größeren Streit vom Zaun zu brechen. Kannst ja mit dem Urteil versuchen die Lohnkosten oben zu halten.

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  • Zitat

    Original geschrieben von hs
    Das sehe ich definitv nicht so. Ich werde das Fahrzeug natürlich reparieren lassen - in der Werkstatt, die ich aussuche.


    Den Nachweis der Reparatur kann ich auch bringen.


    Meine Aussage bezog sich ausschliesslich auf die fiktive Abrechnung. Wenn Du anschl. selbst reparieren lässt und Verbringungskosten nachweislich anfallen, kannst Du diese nachfordern. Das ist richtig. Diesen Punkt kannst Du der Versicherung aber momentan nicht vorwerfen, da ja definitiv noch kein Reparaturnachweis vorliegt. Also wurde dies (zur Zeit) zu Recht abgezogen.


    Gruß
    Malte

  • Diskutieren bringt nichts. Geh zum Anwalt und fordere Dein Recht ein. Den muß bei unverschuldet übrigens auch die Beklagte zahlen. :D


    Wenn sie´s nicht anders wollen, bitte.

    Das Schweigen wäre ein Eingeständnis, die Rechtfertigung eine Antwort auf den Verdacht. So verfahren alle Diktaturen mit ihren Gegnern.


    Jörg Baberowski

  • Zitat

    Original geschrieben von tom01
    Diskutieren bringt nichts. Geh zum Anwalt und fordere Dein Recht ein. Den muß bei unverschuldet übrigens auch die Beklagte zahlen. :D


    Wenn sie´s nicht anders wollen, bitte.


    Meine Reden von weiter oben .... die Rechtslage ist eindeutig (zugunsten des TE).


    Copdland

  • Werde der Versicherung einen Brief schreiben und auf das geltende Recht hinweisen.


    Wenn sie es nicht freiwillig bezahlen, dann halt mit Gewalt = Rechtsanwalt.


    Gruß
    HS

  • Als Sachverständiger möchte Ich dazu folgendes sagen:


    UPE Aufschläge ist die Kalkulation (Verdienst) der Rep. Werkstatt.


    Die können anfallen, wenn du die Teile in einer kleinen Werkstatt Kaufst oder auch nicht wenn du in der Niederlassung kaufst. Der GA geht eben davon aus das sie anfallen.


    Verbringung ist der Aufwand um das Fahrzeug zb. von der Werkstatt zum Lackierer zu bringen. Sind nach den allermeisten Urteilen der LGte erstattungsfähig.


    Die Stundensätze einer Markenwerkstatt stehen dir zu, nicht mehr aber auch nicht weniger.


    85€/St erscheinen mir allerdings arg wenig. Bei BMW ist unser mittlerer Verrechnungssatz z.b. 110€


    Ansonsten kann Ich meinen Vorrednern nur beipflicheten...ein guter Anwalt boxt dir dein Recht durch.


    Wenn alle Geschädigte das hinnehmen würden, machten die Versicherer die Gesetze :flop:


    Zur Info kann ich noch diesen Link ans Herz legen.



    Denys

    Denys

  • Eine sehr interessante Seite :)


    Danke für die Info, setz mich jetzt gleich ans Word :D


    Warum nur 85,- Euro je Stunde verrechnet wurden, weiß ich nicht. Denke aber, dass diese Sätze regional unterschiedlich sind. Und bei uns in Oberfranken wird man halt ne Mischkalkulation haben mit tschechischen Stundenätzen ;)


    Gruß
    HS