Arbeitsrecht bei Krankheit

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  • Ich arbeite in einem Großbetrieb im 3 Schichtsystem von Mo-Fr. zu je 8 Stunden (40 Wochenstunden)wir haben keinen Betriebsrat.Jetzt soll für etwa 8 Wochen wegen Bauvorhaben in unserer Halle die Produktion etwas gesenkt werden sodas wir diese 8 Wochen nur noch an jeweils 4 Tagen arbeiten zu je 8 Stunden ,wobei ausgemacht wurde das der Freitag immer Arbeitsfrei ist, wir bekommen trotzdem den gesammten Lohn für 5 Arbeitstage die Woche..
    Es wurde vereinbart das die fehlende Zeit im Sommer nachgearbeitet wird (~64 Stunden).

    Um was es mir nun geht ist,was ist wenn ich am Dienstag bis zum Ende der Woche krank geschrieben werde ,muß ich dann trotz Krankenschein den Freitag der ja eigentlich "abgebummelt"und später wieder eingearbeitet werden soll,später auch wieder einarbeiten?
    Unser Produktionsleiter läßt uns für jeden Freitag den mittlerweile viele Kollegen schon krank waren jeweils 8 Minusstunden schreiben die wir nach seiner Aussage nacharbeiten müssen.

    Meine Frage : Ist das rechtens ?Gibt es dafür Paragraphen zum nachlesen oder Urteile?


    Gruß Rolf

  • Einen § ´kann ich dir nicht nennen. Aber logisch betrachtet bekommt ihr den Freitag bezahlt, ohne das gearbeitet wird. Wenn man krank geschrieben ist zählen die Stunden ja als "gearbeitet". Also müssten die Freitagsstunden auch als "gearbeitet" zählen.


    Aber es ist auch offensichtlich wenn so viele Kollegen Freitags krank sind das sie dass nacharbeiten im Sommer sparen wollen. Dem wird euer Produktionsleiter erstmal entgegenwirken wollen. Wenn sich niemand beschwert kann er das ja machen. Allerdings werden sich auch viele überlegen bei der heutigen Situation auf dem Arbeitsmarkt rechtliche Schritte einzuleiten. Meist heißt es ja doch "Geh doch, draussen warten schon 5 auf deinen Job"


    Gruß Rene

  • Die Diskussion hatte ich auch schon - mehrfach.


    Wenn der Tag sowieso arbeitsfrei ist wegen Betriebsruhe, oder weil der Mitarbeiter im Schichtrhytmus einen freien Tag hat, entsteht auch kein Verdienstausfall und es besteht kein Anspruch auf Entgeldfortzahlung:


    Rechtslage


    Was der Betriebsleister macht ist also durchaus rechtens.

    Kofferraum statt Hubraum !


  • Ahja, gut zu wissen!


    Gibt es eigentlich eine grenze wie lange man solche "Betriebsruhen" wegen Umbaumaßnahmen machen darf?


    Gibt es ne Regelung bis wann die fehlenden ~ 64h wieder eingearbeitet sein müssen?


    Gruß Rene




  • Hallo Ulf ein Gruß aus der Heimat.


    Schön das es einige Meinungen gibt.Ich habe mir Deinen Link durchgelesen.
    Ich selbst hatte ebend per Telefon ein Gespräch mit unseren "Staranwälten" in Magdeburg der Rechtsanwaltskanzlei Bitter & Partner.
    Der RA Gregul hat mir versichert das Krankschreibungen trotz Betriebsruhe nicht anfechtbar sind es besteht egal wodurch auch immer es zur Arbeitszeitverlagerrung kommt das "Endgeldfortzahlungsgesetz" das heisst 6 Wochen egal wie auch immer muß der Arbeitgeber den Lohn weiterzahlen,und kann trotz Krank-Meldung nicht einfach für jeden Freitag 8 Minusstunden schreiben die dann im Sommer oder sonstwann nachzuarbeiten sind.
    Das würde ja sonst auch im Umkehrschluss bedeuten ,wenn Freitags oder Samstags angeortnet wird einzuarbeiten und ich dann mich krank melde ,trotz Abwesenheit auch die 8 Stunden Plus bekomme.


    Es scheint aber kein Hieb und stichfestes vorgehen unserer Rechtssprechung zu geben,weil scheinbar je nach Gutdünken entschieden wird.
    Was die Sache noch anheizt ist das wir das Recht auf Beschäftigung Lt. Arbeitsvertrag haben,der RA sagt das gehört zum Geschäftsrisiko dazu und man könne solche Maßnahmen nicht auf die Beschäftigten abwälzen.
    Andersrum bräuchte der Arbeitgeber nur zu warten bis alle Arbeitnehmer Krank sind ,und dann alle Krankentage als Abbummeltage von angehäuften Überstunden nutzen.
    Da werden sich aber alle Polizisten,Feuerwehrleute,Krankenschwestern und sonstwer der einen Haufen Überstunden vor sich herschiebt freuen.

  • Zitat

    Original geschrieben von MDRS66


    Andersrum bräuchte der Arbeitgeber nur zu warten bis alle Arbeitnehmer Krank sind ,und dann alle Krankentage als Abbummeltage von angehäuften Überstunden nutzen.
    Da werden sich aber alle Polizisten,Feuerwehrleute,Krankenschwestern und sonstwer der einen Haufen Überstunden vor sich herschiebt freuen.


    Nein, das ist so imho nicht. Es gilt was an arbeit vereinbart ist (zumindest bei den klassischen Schichtberufen wie o.g.), d.h. die Krankenschwester hat diese Woche 7 Tage Dienst, also 56 Stunden und ist die ganze Woche krank: 7 Tage krank = 56 Stunden - hat sich gelohnt ;)


    Nun, die Woche darauf muss Sie nur Montags und Dienstags arbeiten, die restliche Woche ist frei: Komplette Woche krank: 2 Tage zählen als krank, der rest gilt als frei (der ja logischerweise irgendwann ausgeglichen wird). Das ist aber doch auch okay so?
    Ich meine, ich melde mich ja im Büro auch nicht für Sa+So krank und will dafür anderweitig frei haben :rolleyes:


    Edit: Dazu noch in der Praxis: Bei längerer Krankheit in der noch keine Dienstpläne existieren wird dann eben einfach die 5 Tage Woche als krank genommen.

  • Zitat

    Original geschrieben von MDRS66
    Hallo Ulf ein Gruß aus der Heimat.


    Hi !

    Zitat


    und kann trotz Krank-Meldung nicht einfach für jeden Freitag 8 Minusstunden schreiben die dann im Sommer oder sonstwann nachzuarbeiten sind.


    da gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied:
    Der Arbeitgeber hat für Freitag Betriebsruhe angekündigt, wegen Bauarbeiten, das ist kaum anfechtbar. Damit gehen den Arbeitern (...Lohnempfängern) 8 Stunden Arbeitszeit pro Woche verloren.
    Wenn nun an diesem freigestellten Freitag jemand krank wird, ist das quasi sein Privatvergnügen.
    Das wäre für den Arbeitgeber die einfachste und billigste Variante. Dann gäbe es auch keinen Streit. Dem AN würde aber ein empfindlicher Einkommensverlust entstehen.


    Nun gleicht der AG den drohenden Einkommensverlust aus. Das muß er nicht. Im Grunde gibt der AG dem AN einen Kredit im Wert von 8 Arbeitsstunden pro Freitag. Dieser Kredit ist aber nicht an die Bedingung geknüpft, am Freitag arbeiten zu kommen. Das ginge ja auch gar nicht, wegen der Bauarbeiten.


    Wie gesagt: Am Freitag wird nicht gearbeitet, deshalb bekommt der AN auch keinen Lohn für diesen Tag. Wenn man keinen Lohn bekommt gibt es auch keinen Lohnausfall durch Krankheit.


    Zum Krankengeld: Die Entgeltfortzahlung (vom Arbeitgeber) ist Ausgleich für das Einkommen, das der AN gehabt hätte, wenn er arbeitsfähig gewesen wäre. Eure Situation ist ja durchaus mit Kurzarbeit zu vergleichen. Wenn Kurzarbeit angeordnet wird, wird ja auch den kranken Mitarbeitern die Entgeltfortzahlung gekürzt. Und diese müssen dann, wie die arbeitenden Kollegen auch, Kurzarbeitergeld beantragen.


    Ganz anders ist das bei Bezug von Krankentagegeld von der Krankenkasse oder Berufsgenossenschaft. Da bekommt man immer 1/360 das letzten Jahreseinkommens pro Tag, egal wie die Arbeitssituation aktuell aussieht. Krankentagegeld gibt es aber erst, wenn nach 6 Wochen die Pflicht des AG zur Entgeldfortzahlung entfällt.

    Kofferraum statt Hubraum !

  • So da ich jetzt erst von der Spätschicht kam kann ich jetzt erst antworten.
    Ich habe heute einige Gespräche mit unserem Produktionsleiter und der Lohnschreiberin geführt weil wir endlich Klarheit haben wollten,vorallem wollten wir Gesetze bzw. Urteile sehen die für unser Problem zutreffen.
    Wie schon oben beschrieben haben wir keinen Betriebsrat,aber dafür gehöre ich und auch unsere Lohnschreiberin der Arbeitnehmervertretung an und wir konnten etwas herrausfinden,nämlich das selbst unsere Firmenleitung ins Schleudern geraten ist,nun muß unser Personalchef selbst erstmal zum Montag über Anwälte die Rechtslage klären.


    Was ist passiert?Ganz einfach,es gibt genügend Urteile die über schon geleistete Überstunden urteilen ,auch über das abbummeln der Überstunden während der Betriebsruhe oder an anderen Tagen der Woche,auch wenn man trotz angemeldeter "Abbummelzeit" krank wird,aber es wurde nichts gefunden wenn überhaupt niemand eine Überstunde hat und wegen Bauarbeiten Freitags zu Hause bleiben muß.
    Und hier Ulf liegt der Hase im Pfeffer,Lt. Arbeitsvertrag muß mich der Chef 40 Stunden die Woche beschäftigen und auch bezahlen,selbst wenn ich keinen Handschlag machen kann das ist wie oben schon beschrieben das Endgeldfortzahlungsgesetz.
    Kein Arbeiter kann für Umbauarbeiten seines Chefs haftbar gemacht werden,dafür gibt es Arbeits-Verträge in denen die genaue Arbeitszeit aufgeführt ist wir haben nämlich keine Gleitzeit wie evtl. Krankenschwestern,und genau für diesen Fall gibt es wieder Gesetze das sich nämlich auf das Betriebsrisiko bezieht und wenn keiner Überstunden hat kann er ,wenn er Krank ist nicht auch noch Minusstunden bekommen.


    Soweit ich das mitbekommen habe wird es darauf hinauslaufen das alle Minusstunden der "Krankgeschriebenen" für besagte Freitage wieder gestrichen werden.
    Und außerdem müssen wir sowieso die ausgefallene Produktion wieder einarbeiten,sodas Überstunder erstmal anfallen , um sie dann abbummeln zu können.
    Man kann doch keine Minusstunden abbummeln sondern nur Überstunden.


    Es gibt auch andere Lösungen bei längeren Bauarbeiten:


    -Kurzarbeit Null
    -Betriebsferien
    -Entlassung
    -Betrieb schließen für immer :D

  • Meine Frau hat bei einem englischen Unternehmen angefangen, welches hier in Deutschland einige wenige Filialen betreibt (Einzelhandel).


    Sie war im Februar einen Tag krank und kam nun mit der Lohnabrechnung zu mir und da steht doch allen Ernstes drauf "1 Krankentag ohne Entgeltfortzahlung".


    Natürlich hat sie das Thema angesprochen und zur Antwort bekommen, in England werden keine Krankentage vergütet. Hallo???? :kpatsch::apaul:


    Wir sind hier in Deutschland und hier gilt deutsches Arbeitsrecht. Echt der Hammer, auf was für Ideen manche Unternehmen kommen. Aufgrund der laufenden Probezeit werden wir aber erstmal nichts machen.

    Viele Grüße
    Oliver


  • Natürlich hat sie das Thema angesprochen und zur Antwort bekommen, in England werden keine Krankentage vergütet. Hallo???? :kpatsch::apaul:


    Ich arbeite bei der deutschen Tochter eines amerikanischen Unternehmens und einen Kollegen von mir hat mal sein Chef (der in USA sitzt) nach 6 Wochen Krankheit um ein Gespräch gebeten, wie sie das denn nun mit den "sick days" etc. machen sollen/wollen.
    Nach einem Hinweis auf die deutsche Rechtslage war das ganze dann aber recht schnell vom Tisch.:D

    Grüße
    shneapfla
    B12 - Caddy 59 - Caddy 58 -B6 statt V12
    [X] <- Nail here for a new monitor
    Ich lebe zwar über meine Verhältnisse aber immer noch nicht standesgemäß!!

  • Vollkommen richtig, Anspruch auf Entgelt-Fortzahlung im Krankheitsfalle entsteht nur, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens vier Wochen bestanden hat....


    Das war mir total neu. Bei uns in der Firma bekommt man von Anfang an Entgeltfortzahlung.


    Trotzdem passt die Begründung ja nicht, dass es ein englisches Unternehmen sei....

    Viele Grüße
    Oliver

  • Vollkommen richtig, Anspruch auf Entgelt-Fortzahlung im Krankheitsfalle entsteht nur, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens vier Wochen bestanden hat....


    Nicht ganz richtig. Die Krankenkasse müsste zahlen.
    http://www.tk.de/tk/basiswisse…tzahlung/krankheit/343706
    Wobei hier nur die Rede von Krankentagen im Februar war und nicht von Arbeitsbeginn Februar.

  • Was ist eigentlich von folgender Regelung zu halten:


    Auf einen Krankheitstag darf nicht sofort ein Urlaub(stag) folgen. Dass das - wenn das überhaupt zulässig ist - gegen Blaumacher gerichtet ist, ist mir auch klar. In vorliegendem Fall geht es aber z.B. darum, dass derjenige mit einer Arbeits(!)-Verletzung mehrere Wochen krank geschrieben war und die Krankschreibung quasi Freitag endet und derjenige am Samstag in Urlaub fahren will. Angeblich sei das im Betrieb nicht zulässig, es müsse mindestens ein Arbeitstag vor dem Urlaub liegen. :confused:


    Das halte ich für unzulässig. Alternativ müsste man sich ja quasi wieder gesundschreiben lassen von einem Arzt um die "Frist" einzuhalten". Weil einfach so trotz Krankschreibung wieder in die Arbeit gehen ist ja AFAIK auch nicht ganz ungefährlich so von wegen Haftung falls was ist und derjenige hat sich selber gesund gemeldet?

    EDOT: Ne, nicht ich. Ich frage das für den Schwager eines Freundes, der einen Bruder dessen Schwester dem wo sein Cousin der Nachbar von dem ist, in dessen Freundes Mutter dessen sein Betrieb das so ist. :D

    Lieber ein bißchen verrückt als total doof... :p

    Einmal editiert, zuletzt von Stefan ()