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Alt 26.11.2002, 23:27     #1
Hermann   Hermann ist offline
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Paul Greifzu Rennfahrer und Rennwagenkonstrukteur aus Thüringen 20.02.2002

Zum 100sten Geburtstag einer beispielhaften Motorsport-Persönlichkeit

Am 7. April jährt sich in diesem Jahr der Geburtstag des wohl berühmtesten ostdeutschen Motorsportlers zum 100sten Mal, sein Todestag liegt am 10. Mai 50 Jahre zurück. Der Name des aus Suhl (Thüringen) stammenden Paul Greifzu tauchte schon sehr früh, 1923, in den Starterlisten bei Motorradberg-und Rundstrecken-Rennen auf, an denen er zunächst mit einer selbst „frisierten“, kardanangetriebenen 500er K&G (Krieger & Gnädig) teilnahm.

Als Sohn eines selbständigen Werkzeugmacher-Meisters mit gleichem Beruf bereitete er seine zunächst zwei- später vierrädrigen Renngeräte selber für Rennen vor. Nach der frühen K & G war es schon kurze Zeit später eine zweizylindrige 500er BMW, die Erfolg versprechende R 37, die in jenen Tagen erste Wahl im Motorrad-Rennsport war. Ab 1926 fuhr Paul Greifzu auch Sportwagenrennen, zunächst auf einem 28/95er Mercedes Benz. Von Beginn an machte er durch Platzierungen auf „dem Treppchen“ auf sich aufmerksam. Nach einem schweren Unfall in einem Sportwagenrennen 1929 reduzierte er seine Rennaktivitäten und brachte sein hohes Niveau an technischem Wissen und Kreativität zunehmend in den väterlichen Betrieb, eine inzwischen hochspezialisierte BMW Vertragswerkstatt, ein.

Als die Bayerischen Motoren Werke in Eisenach 1936 einen neuen, reinrassigen Sportwagentyp, den BMW 328 herausbrachten, erkannte er sofort dessen Potenzial als Rennsport-Gerät und bestellte ihn umgehend, um damit wieder sein Engagement im Rennsport zu intensiveren.

Sein „come back“ war auf Anhieb von Erfolg gekrönt: Klassensiege bei Bergrennen in Passau, Heilbronn und beim Rundstreckenrennen in Schotten sowie ein guter Platz beim „Großen Bergpreis“ auf dem „Schauinsland“ waren viel beachtete Erfolge für Paul Greifzu´s Neustart seiner Rennkarriere. 1938 machte er auch bei großen, international besetzten Rennveranstaltungen von sich reden. Wurde er beim Internationalen Avusrennen in Berlin in Führung liegend noch in der letzten Runde durch einen Reifenschaden am Klassensieg gehindert, erreichte er dennoch als vierter das Ziel. Beim „Grossen Preis von Deutschland für Sportwagen“ am Nürburgring war es dann soweit: Klassensieg in neuer Rekordzeit vor Huschke v. Hanstein.

Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkriegs gelangen Paul Greifzu weitere Achtungserfolge auf dem von ihm selbst vorbereiteten BMW 328, wodurch er zunehmend auch international bekannt wurde.

Erst zehn Jahre später, als auch in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone der Motorsport wieder aktiv werden konnte, war er von Anfang an wieder dabei. Weitere Siege in der 2-Liter Sportwagenklasse mit einem über die Kriegsjahre hinweggeretteten BMW 328 folgten.

Doch es war absehbar, dass die modernen Veritas-Rennwagen der Formel 2 und die BMW Werkswagen aus Eisenach künftig tonangebend sein würden.
So entschloß sich Paul Greifzu mit Unterstützung von BMW Werksingenieuren aus Eisenach in der Winterpause 1949/50 einen Rennwagen der Formel 2 auf der Basis des BMW 328 in Eigenregie zu bauen. Es entstand in Zusammen-arbeit mit BMW Versuchsingenieur Erich Koch schnell ein konkurrenzfähiger Motor und mit Oberingenieur Georg Hufnagel die Karosserie des BMW Greifzu Formel 2. Auch sein Bruder Fritz und Paul´s langjähriger Rennmonteur Otto Jahn sowie einige treue Freunde halfen in Nacht- und Wochenendarbeit dem neuen Projekt auf die Räder.

Der erste Start des neuen Formel 2 fand am 18. Juni 1950 in der Nähe von Suhl beim „Sternbergrennen“ zwischen Zella-Mehlis und Oberhof statt und zeigte das Potenzial der Greifzu-Konstruktion: Sieg und Tagesbestzeit. Auch am folgenden Wochenende glänzte der Greifzu-Formel 2-Silberpfeil mit Trainingsbestzeit und Gesamtsieg auf der Halle-Saale-Schleife. Nur 14 Tage später beim Stadtparkrennen in Leipzig das gleiche Ergebnis: Trainingsbestzeit, Gesamtsieg und Tagesbestzeit.

Die Verbindung zum westdeutschen Motorsport mit seinen international besetzten Rennen war wichtig für Paul Greifzu, nicht nur in sportlicher Hinsicht. Er setzte sich engagiert für die Einheit des Motorsports und auch die Einheit Deutschlands insgesamt ein, wie seine Biographie von Herbert Beyer ausdrücklich betont. So legte er großen Wert auf die sportliche Auseinander-setzung mit den Großen seines Sports auch in Westdeutschland, wo er auch auf internationale Konkurrenz traf.

Als er in der zweiten Hälfte des Jahres 1950 jedoch den „Großen Bergpreis“ des Schauinsland, das Solituderennen bei Stuttgart und den „Großen Preis von Westdeutschland“ auf dem Nürburgring in Angriff nahm, riss seine Erfolgsserie wegen technischer Defekte zunächst ab. Auf dem Schauinsland wurde er nur Fünfter, auf der Solitude fiel er an zweiter Stelle hinter Hans Stuck auf AFM liegend, aus und auf dem Nürburgring erleidet er beim Training im Bereich „Kesselchen“ einen schweren Unfall mit Serienbrüchen der Rippen, inneren Prellungen und Verstauchungen. Damit war die Saison 1950 für den allseits beliebten Motorsportler beendet. Noch im Winter 1950 begann er nach seiner Genesung mit seinen Freunden und Helfern aus Suhl und Eisenach nicht nur seinen zerstörten Rennwagen wieder aufzubauen, sondern ihn auch gleichzeitig noch konkurrenzfähiger zu machen.

Mit einem stark überarbeiteten Triebwerk, das immer noch auf dem 328er Motor seines Vorkriegssportwagens basierte, einem mit vielen technischen Finessen optimierten Fahrgestell und einigen Änderungen der Karosserie startete er in die Saison 1951, die seine erfolgreichste werden sollte.

Mit hervorragenden Platzierungen beim Leipziger Stadtparkrennen, dem Eifelrennen auf dem Nürburgring, dem Sieg auf der Autobahnspinne Dresden-Hellerau folgte am 1. Juli die Teilnahme am Internationalen Avusrennen für Rennwagen der Formel 2 und Formel 3. Fahrer aus zehn Nationen hatten sich in die Starterliste eingetragen. Neben Toni Ulmen, dem westdeutschen amtierenden Meister im Veritas, Paul Pietsch, Theo Helfrich und Fritz Rieß im gleichen Fabrikat waren es u.a. die Engländer Moss und Macklin in den grünen HWM, der Schweizer Fischer im weiß-roten Ferrari und der Franzose Delebarre im blauen Simca-Gordini, die zu den Sieganwärtern unter den 31 Startern der europäischen Formel 2 Elite zählten. In einem überaus packenden Rennen vor 300.000 Zuschauern war es schließlich Paul Greifzu in seinem BMW Eigenbau-Formel 2, der mit Tagesbestzeit nach 25 Runden Toni Ulmen auf den zweiten und Fischer im Ferrari auf den dritten Platz verwies. Damit war Paul Greifzu der internationale Durchbruch im Spitzen-Motorsport der Formel 2 gelungen. Einer der ersten Gratulanten war Rudolf Caracciola, der, wie viele Fachjournalisten auch, die fahrerische Klasse und die ingeniösen Fähigkeiten des nunmehr 49-Jährigen begeistert kommentierte.
Noch viermal startet Paul Greifzu in dieser Saison, wobei er das zweite Saisonrennen auf der Halle-Saale-Schleife und das Rennen auf dem Sachsenring beim DDR Meisterschaftsfinale gegen stärkste Konkurrenz, u.a. vor Hans Stuck in seinem AFM als Zweitem, für sich entscheiden konnte. Auch hier am Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal waren es 300.000 Zuschauer, die den packenden Zweikampf zwischen Ex-Europameister Hans Stuck und Paul Greifzu verfolgten.

Den letzten großen Erfolg sollte der nunmehr 50 jährige Altmeister am 20. April 1952 bei einem Regen-Rennen auf dem „Osthafenkurs“ in Rostock mit seinem BMW Eigenbau Formel 2 herausfahren. Ein überlegener Sieg gegen starke Gegner, wie so oft in seiner Laufbahn auch hier mit neuem Streckenrekord.
Da sich Paul Greifzu intensiv auf das Eifelrennen auf seiner Lieblingsstrecke, dem Nürburgring, vorbereiten wollte, beabsichtigte er zunächst nicht, beim nächsten Rennen in Dessau an den Start zu gehen. Auf Bitten der Stadt-verantwortlichen in Dessau entschied er sich dann doch anders und startete beim Einweihungsrennen der verbesserten Dessauer Autobahn-Rennstrecke, wohl auch, weil viele seiner westdeutschen Rennfahrer-Kollegen mit denen er gut befreundet war, ebenfalls gemeldet hatten.

Es sollte sein letztes Rennen werden. Während einer Trainingsrunde des „Dessauer Wagen- und Motorrad-Rennen“ löste sich an der Kurbelwelle des Monoposto mit der Startnummer 100 ein Ausgleichgewicht. Dadurch blockierte der Motor schlagartig und der BMW Formel 2 schlug in eine unbesetzte Sitztribühne ein. Paul Greifzu war auf der Stelle tot - unfasslich für seine Familie mit zwei Töchtern, für seine Freunde und Sportskameraden aus Ost- und Westdeutschland.

Die Nachrufe auf Paul Greifzu waren zahlreich, bedeutende zeitgenössische Rennfahrer haben seine fahrerische Klasse, seine analytische, technische Kompetenz bei der Eigenkonstruktion seiner Rennfahrzeuge ebenso gewürdigt, wie seine menschliche Integrität, sein offenes und freundliches Wesen. Er blieb immer bescheiden, trotz großer sportlicher Erfolge, gab sein Wissen gerne an jugendliche Motorsport-Freunde weiter.
Rudolf Cracciola nannte Ihn „einen prächtigen Menschen, einen großen, fairen Kämpfer und den wohl erfolgreichsten Eigenbaukonstrukteur seiner Zeit“. Sein großer Rivale, Europameister Hans Stuck, die Gebrüder Glöckler aus Frankfurt, beide seinerzeit Deutsche Meister, die DDR Meister Arthur Rosenhammer aus Dessau und Edgar Barth aus Herold im Erzgebirge u.v.a.m. widmeten Paul Greifzu lange Abschiedsbekundungen von tiefer Verbundenheit.

Am 7. April 2002 wird auf dem Platz der Deutschen Einheit in Suhl ein Denkmal anlässlich des 100sten Geburtstags von Paul Greifzu enthüllt.

Zum Gedenken an seinen 100sten Geburtstag am 7. April und seinen 50sten Todestag am 10. Mai 2002 unterstützt die BMW Mobile Tradition eine Ausstellung im Suhler Fahrzeug-Museum, die den BMW Formelsport vom Anfang der 50er Jahre bis in die Gegenwart aufzeigt. Die Ausstellung wird am
7. April eröffnet und schließt am 12. Mai 2002.

Der BMW Veteranenclub e.V. wird zu Ehren Paul Greifzu´s am 6. / 7. April mit mehreren 328 Fahrzeugen eine Sternfahrt nach Suhl durchführen.
__________________
Viele Grüße Hermann

"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."Albert Einstein
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