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Alt 24.11.2002, 23:35     #1
Carsten   Carsten ist offline
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Die Fahrer: Antonio Pizzonia

Der Amazone.
Mit 21 Jahren hat der Brasilianer Antonio Pizzonia in der Formel 1 einen Fuß in der Tür. Der Aufstieg des Brasilianers aus dem Amazonasgebiet war geradezu kometenhaft und begann vor zehn Jahren mit einem Sieg in einer regionalen Kartmeisterschaft. Fünf Jahre später wurde er brasilianischer Kartmeister und sicherte sich damit seine Eintrittskarte für die Skip Barber Race School, die der Beginn einer vielseitigen und vielversprechenden Formelkarriere wurde.

Ab 1998 gewann Antonio Titel in der Vauxhall Junior, Formel Renault und Formel 3. Sein Sieg in der Formel Renault Sport Meisterschaft 1999 ebnete ihm den Weg in Richtung Formel 1 - eine Testfahrt im WilliamsF1 FW21 war die Prämie für den Titel. "Das war ein großartiger Tag", erinnert sich der Südamerikaner.

Anschließend folgte Testarbeit für Benetton, ehe sich der junge Star für den schrittweisen Aufstieg über die Formel 3000 entschied, anstatt verführerische Formel-1-Angebote anzunehmen.

2001 bestritt Antonio die Internationale FIA Formel 3000 Meisterschaft im Petrobras Junior Team und erzielte dabei einen Rennsieg und Platz sechs im Gesamtklassement. Der Formel-3000-Titel ist sein nächstes Ziel. Neben seiner Testarbeit für das BMW WilliamsF1 Team steht 2002 eine zweite F3000-Saison mit dem Petrobras Junior Team auf dem Programm.

Zu Gunsten seiner Motorsportkarriere hat er längst seine Heimat verlassen - er wuchs in Manaus im Amazonasgebiet auf, die nächste Stadt war stets eine Bootsstunde entfernt. Mittlerweile lebt er zusammen mit seiner Freundin Gaby im englischen Cambridge.

Teamchef Frank Williams sagt über seine jüngste Fahrerverpflichtung:
"Wir kennen Antonio gut, er hat schon einige Testarbeit für uns geleistet. Er ist eine gute Ergänzung zu unserem sehr erfahrenen Testpiloten Marc Gené. Es wird immer wichtiger, ein schnelles Feedback durch Tests zu bekommen, das macht zwei Testfahrer erforderlich. Unsere Ingenieure waren von Antonios bisheriger Arbeit sehr beeindruckt. Wir sind sicher, er wird ein großer Gewinn für das Team sein."
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Alt 24.11.2002, 23:37     #2
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Die Fahrer: Marc Gené

General Probe
Intelligenz, Einfühlungsvermögen und Sorgfalt machen ihn zusammen mit seiner Schnelligkeit so wertvoll. "Marc Gené ist für uns eine echte Entdeckung", sagt Teamchef Frank Williams über seinen Testfahrer, "er hat großen Anteil an den Fortschritten des BMW WilliamsF1 Teams."

Wenn für die Ernstfälle Qualifying und Rennen alles optimal vorbereitet sein soll, muss generalstabsmäßig probiert und getestet werden. 16 000 Kilometer hat Marc Gené 2001 abgespult. "Bei Minardi", erinnert sich der Katalane an seine Zeit als Stammpilot bei dem italienischen Rennstall, "waren es inklusive der Grand-Prix-Wochenenden gerade mal 12 000. Dieser Testaufwand, die technischen Möglichkeiten und die personelle Kompetenz haben mich bewogen, den Rennen vorläufig den Rücken zu kehren, um in einem Top-Team als Testpilot lernen zu können."

Lernen ist seine Passion. Marc ist für die meisten Menschen, die ihn kennen lernen, ein Aha-Erlebnis. Er lässt sich einfach nicht mit Rennfahrer-Klischees zudecken. Keine Starallüren, kein Machogehabe, kein Tunnelblick. Marc geht offen auf seine Mitmenschen zu, und er hört sie interessiert und konzentriert an. Ein nicht zu stillender Wissensdurst ist sein Antrieb.

Seine Lieblingsbeschäftigung will nicht so recht in die geschäftige Formel-1-Welt passen. Marc verschlingt Bücher regaleweise, bevorzugt Biografien und Fachliteratur aus den Bereichen Geschichte und Psychologie. In der Tageszeitung genießt der Wirtschaftsteil seine besondere Aufmerksamkeit. Der Spanier ist studierter Ökonom, hat 1995 seinen Abschluss an der University of Buckingham gemacht.

Nachdem er sein Englisch perfektioniert hat, befasst er sich mit den Sprachen Italienisch, Französisch und Deutsch. Im Herbst 2001 belegte er einen vierwöchigen Deutschkurs in München. "Mir gefällt das Studieren einfach." Auch mit einem späteren Weg zurück an die Uni liebäugelt er, vielleicht sogar mit einem komplett neuen Studium, dann am liebsten Jura oder Psychologie.

Musterschüler mit Biss.
Akademiker sind rar unter Spitzensportlern, meist lässt das Training für die Profilaufbahn keine weitere Berufsausbildung zu, schon die Schule wird leicht zum ungeliebten Zeitaufwand. Marc dagegen war ein Musterschüler. Gute Noten waren der Grundstein für seine Rennfahrerkarriere. "Mit zehn Jahren hatte ich wirklich sehr gute Zensuren", erzählt er, "ich durfte mir zur Belohnung etwas wünschen." Er musste nicht lang überlegen: Für sein Hobby, das er mit Jordi, einem seiner zwei älteren Brüder, betrieb, bekam er sein erstes eigenes Kart.

Mit zwölf Jahren fuhr Marc die ersten Rennen. Mit 14 war er katalanischer und spanischer Kartmeister. 1993, mittlerweile 19-jährig, fiel er erstmals im internationalen Formelsport auf. Wer beim Formel-Ford-Festival im englischen Brands Hatch aufscheinen will, muss sich Rennen für Rennen im K.O.-System gegen die besten Nachwuchsfahrer aus aller Welt durchsetzen. Gené wurde in diesem Welt-Cup Zweiter und erzielte den gleichen Platz auch in der Formel-Ford-Europameisterschaft.

1998 der erste Formel-1-Test.
Nach zwei Jahren in der britischen Formel-3-Meisterschaft folgten 1996 der Gewinn der Fisa Golden Cup Superformula in Italien und 1997 der Aufstieg in die internationale Formel-3000-Meisterschaft, ehe er von Giancarlo Minardi die Chance erhielt, einen Formel 1 zu testen. "An diesem Tag", erinnert sich Marc, "ging ein Kindheitstraum in Erfüllung."

Der Test ebnete ihm den Weg in die Königsklasse. 1999 und 2000 fuhr er für Minardi. Ein einziger Weltmeisterschaftspunkt sprang dabei heraus - mehr war mit dem unterlegenen Material nicht zu erreichen. "Trotzdem sollte niemand auf Minardi herabsehen", betont er, "dieses Team hat das Beste aus seinen Möglichkeiten gemacht."

2001 zum BMW WilliamsF1 Team.
Als Testfahrer des BMW WilliamsF1 Teams ist Marc ein vielbeschäftigter Mann. Rund 60 Tage per anno ist er mit Probefahrten befasst. Meist auf den Rennstrecken von Barcelona, seiner Heimatstadt, Jerez und Valencia, aber auch in Magny-Cours, Estoril und Silverstone dreht er seine Runden und entwickelt für die Autos von Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya. In die beiden muss er sich einfühlen können. "Unsere Fahrstile sind einander sehr ähnlich", erklärt er. "Das ist wichtig, damit Juan und Ralf von meiner Arbeit profitieren können. Es würde ja nichts nützen, wenn ich einen neuen Frontflügel für gut befände, der für Ralf zu starkes Übersteuern auslöst."

Den Kontakt zu den beiden hält er auch an den GP-Wochenenden. Bei den Europarennen ist er fast immer vor Ort und fehlt in keiner technischen Besprechung. "Diese Informationen brauche ich, damit ich in der nächsten Woche genau weiß, worauf es ankommt." Außerdem steht der eloquente Akademiker bei den Grands Prix der Marketingabteilung zur Verfügung. In deren Auftrag besucht er die Gäste im Paddock-Club und sorgt dort für Aha-Erlebnisse.
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Alt 24.11.2002, 23:39     #3
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Die Fahrer: Juan Pablo Montoya

Basic Instinct.
Als Meister der amerikanischen CART-Serie 1999 und Sieger der legendären 500 Meilen von Indianapolis 2000 wurde Juan Pablo Montoya bei seinem Formel-1-Debüt hoch gehandelt. Und er enttäuschte nicht. Schon seit seinem ersten Test für WilliamsF1 im Jahr 1997 war das Team überzeugt, dass der Kolumbianer seinen Instinkt für Zweikämpfe und sein Talent der Fahrzeugbeherrschung auch in der Formel 1 beweisen würde.
Die Frage war nur: Wie lange würde er brauchen, um sich mit den Anforderungen der Formel 1 zurechtzufinden?

Eine erste Antwort brachte das dritte Rennen der Saison 2001: Juan kämpfte sich in Interlagos mit seinem FW23 in einem viel beachteten Manöver an Michael Schumacher vorbei und nahm damit bereits Kurs auf seinen ersten F1-Sieg. Nach Podiumsplätzen in Barcelona und auf dem Nürburgring war er in Hockenheim erneut auf Siegeskurs, musste sich aber letztlich bis Monza gedulden, ehe er sich in die Liste der Grand-Prix-Sieger eintragen konnte. Zum Saisonende unterstrichen seine Leistungen, dass sein Erfolg in Italien kein Zufall war. Juan Pablo hätte 14 Tage später in Indianapolis fast schon wieder gewonnen.

Die blanken Rennergebnisse legen nicht seine gesamte Entwicklung offen. Eine steile Lernkurve im Qualifying mündete in Hockenheim in die erste von drei Polepositions, die er in seiner Debütsaison erzielte. Damit hatte er bewiesen, dass er auch ein Formel-1-Auto auf seinen spektakulären Fahrstil abstimmen kann. Seine teilweise brillanten Leistungen haben Montoya für manchen zum Geheimtipp im Titelkampf der Saison 2002 gemacht.

Seit 1966 hatte kein Neuling mehr in Indy gewonnen.
Die Geschichte vor seinem starken Formel-1-Entrée ist nicht weniger eindrucksvoll. Im Mai 2000 wurde Juan Pablo der erste siegreiche Indianapolis-Neuling seit 1966, damals hatte Graham Hill das 500-Meilen-Rennen auf dem berühmten Oval gewonnen.

Montoya siegte souverän auf dem Brickyard. Er dominierte das Rennen mit den meisten und bei weitem schnellsten Führungsrunden. Nach dem Zieleinlauf und dem obligatorischen Glas Milch für den Sieger streute er mit lockeren Sprüchen Salz in die Wunden seiner Gegner: "Ich hatte eine
Menge Spaß heute, habe mit meinem Teamchef Chip Ganassi über Funk Witze gemacht. Ich bin nie ein Risiko eingegangen, dieses Rennen
nicht zu gewinnen."

Mit dem gleichen Team und in der gleichen überfallartigen Manier hatte sich Montoya 1999 in der Champ-Car-Serie zum Meister gekrönt. Mit sieben Siegen und zwei weiteren Platzierungen unter den ersten Drei wurde er der beste Rookie, den die Serie je gesehen hatte und egalisierte außerdem Nigel Mansells Rekord von sieben Polepositions. Und der Brite war 1993 zwar Neuling in der amerikanischen Königklasse, aber bereits mit 13 Jahren Formel-1-Erfahrung ausgestattet.

Rennbegeisterte Verwandtschaft.
Juan Pablos Ausbildung zum Lenkradkünstler begann klassisch im Kartsport - im Alter von fünf Jahren in Kolumbien. Onkel Diego hatte das Handwerk in die Familie eingeschleppt, Höhepunkt dessen Karriere war Platz acht 1983 in Le Mans. Die Familie ist für Juan bis heute Dreh- und Angelpunkt. Sein Vater Pablo, Architekt aus Bogota, unterstützte die Ambitionen seines Sohnes von der ersten Runde an und ist auch in der Formel-1-Box meist an seiner Seite.

Juan Pablo, der am 20. September 1975 in Bogota geboren wurde,
sammelte bis 1992 fleißig Karterfolge und -titel. Es folgten Einsätze
in verschiedenen Formel- und sogar Tourenwagenklassen in Südamerika, dann wurde die Karriere in Europa fortgesetzt.

1995 bestritt er sein erstes Formelrennen in Europa und beendete die Saison als Dritter der britischen Formel-Vauxhall-Meisterschaft. 1996 fiel er in der britischen Formel 3 mit zwei Siegen auf sowie mit einem vierten Platz bei der inoffiziellen Europameisterschaft der Formel 3 im holländischen Zandvoort. So empfahl er sich für die internationale Formel 3000. Als er dort 1997 auf Anhieb Zweiter wurde, lud Frank Williams ihn zusammen mit drei anderen Fahrern zum Formel-1-Test ein. Juan Pablo ließ keinen Zweifel an seinen Fähigkeiten. WilliamsF1 sorgte in Zusammenarbeit mit Super Nova Racing dafür, dass er 1998 einen Platz in der Formel-3000-Meisterschaft bekam und engagierte ihn außerdem als Formel-1-Testfahrer.

F1-Testfahrer und F3000-Meister 1998.
Ende 1998 hatte er den F3000-Titel in der Tasche und Rekorde bei der Anzahl von Saisonsiegen und Punkten aufgestellt. Als Jacques Villeneuve für die Saison 1999 zu British American Racing wechselte, suchte WilliamsF1 dringend einen zweiten Fahrer neben Alessandro Zanardi. Patrick Head erklärt: "Wir standen plötzlich mit Alex Zanardi und sonst niemandem da.
Juan Pablo war als Testfahrer offensichtlich sehr talentiert. Aber als Frank und ich die Möglichkeiten diskutiert haben, erschien es uns ein zu großer Schritt, 1999 neben Alex, der gerade aus Amerika zurückkam und keine aktuellen Erfahrungen mit der F1 und den F1-Reifen hatte, einen Rookie ins Team zu nehmen. Wir waren uns einig, dass wir einen Piloten mit frischer F1-Erfahrung brauchten. Von Ralf oder seinem Management erfuhren wir, dass er zur Verfügung stünde, und so haben wir ihn genommen."

So fuhr Juan Pablo die nächsten zwei Jahre wieder auf der anderen Seite des Atlantiks Autorennen - mit enormem Erfolg, allerdings auch mit einem klaren Ziel vor Augen: Er wollte in die Formel 1.

Juan Pablo hat sich im US-Sport sofort zurechtgefunden. Dass er sich die Ideallinien neuer Rennstrecken schnell einprägen kann, ist eine erklärte Stärke von ihm. "Er ist ein absolutes Naturtalent", sagte Mo Nunn, sein damaliger Renningenieur bei Chip Ganassi Racing in den USA. Damit bestätigte er das Urteil von Frank Williams und David Sears, dem F3000-Teamchef und Manager.

Juan Pablos Leistungen in der Saison 2001 haben international Anerkennung geerntet. Fernab der Rennstrecken wurde er von den Vereinten Nationen für seine Verdienste als "Goodwill-Botschafter" für seine Heimatstadt Bogota mit einer Medaille ausgezeichnet. Weitere UN Goodwill-Botschafter sind beispielsweise die Boxlegende Muhammad Ali, Fußballstar Ronaldo, die Schauspieler Michael Douglas und Danny Glover sowie das Ex-Spice-Girl Geri Halliwell.

Doch derlei Ehren und Belohnungen für vergangene Leistungen trüben keinesfalls Montoyas klaren Blick dafür, dass in der Saison 2002 absolute Spitzenleistungen von ihm erwartet werden.
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Alt 25.11.2002, 00:37     #4
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Die Fahrer: Ralf Schumacher

Reife Leistung
Im 70. Grand Prix war es soweit: Ralf Schumacher errang seinen ersten Formel-1-Sieg. Am 15. April in Imola hatte er beim Start beide McLaren ausbeschleunigt, war in Führung gegangen und hatte souverän gewonnen. Eine reife Leistung. Seine Freude war groß, aber unspektakulär. Er begrüßte den Sieg fast wie einen runden Geburtstag, wie einen Tag eben, den man erwartet hat.

"Ich war immer davon überzeugt, dass ich in der Formel 1 Rennen gewinnen kann, wenn ich im richtigen Moment das richtige Material habe", erklärte er seine Unaufgeregtheit. Bereits 1998, in seiner zweiten Formel-1-Saison, war er in Spa-Francorchamps dicht an einem Sieg dran gewesen, hatte aber zu Gunsten seines damaligen Teamkollegen Damon Hill zurückstecken müssen. 1999 hatte er im Eifelregen beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring bis zu einem Reifenplatzer geführt.

Es war für ihn nur eine Frage der Zeit gewesen, und 2001 war die Zeit reif. In seiner bisher erfolgreichsten Formel-1-Saison siegte er nach Imola auch noch in Montreal und in Hockenheim. In Magny-Cours erzielte er an seinem 26. Geburtstag die erste Poleposition in der Karriere der Partnerschaft des BMW WilliamsF1 Teams. Auch fünf Rundenrekorde gehören zu seiner Saisonbilanz.

"Aber in der zweiten Jahreshälfte", meint Ralf selbstkritisch, "habe ich nicht immer das Beste aus meinen Möglichkeiten gemacht." Das Eingeständnis ist gleichermaßen eine Kampfansage für 2002. "Das Team ist soweit, an der Spitze kämpfen zu können, also müssen wir das auch umsetzen."
Klare Worte, ein verschmitzter Charme und eine verblüffende Schlagfertigkeit zeichnen ihn im Gespräch aus. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, sagt und vertritt seine Meinung. Harte Urteile und unverblümte Kritik machen ihn unbequem, aber für ein Team auch wertvoll. Seine Aussagen werden von den Technikern sehr geschätzt, Ralf Schumacher versteht sein Auto und kann es weiterentwickeln. Umso mehr trifft es ihn, wenn er sich einmal vergreift. "Indianapolis war so ein Fall", erinnert er sich. "Da habe ich mir im Qualifying die Seele aus dem Leib gefahren und bin im Rennen nicht vom Fleck gekommen, weil ich bei der Abstimmung daneben lag. Ich hasse es, wenn ich Fehler mache."

Wut und Enttäuschung teilt er nicht. Er flucht nicht in Mikrofone und Kameras, er zieht sich zurück. Sein Schweigen wird dann leicht als Arroganz missverstanden. Er sieht es als Selbstschutz. "Wenn ich emotional aufgewühlt bin, will ich nichts sagen. Es könnte ungerecht sein und mir schnell Leid tun."

Ralf weiß, was er kann und vertraut auch am liebsten sich selbst. Deshalb fliegt er sogar sein Flugzeug selber. Mit einer Kartbahn in Bispingen hat er sich beruflich ein weiteres Standbein geschaffen. Seine Autosammlung zeigt, dass er keinen Schritt auf seinem Weg nach oben vergessen hat: Er kauft seine ehemaligen Rennautos. Ein Formel Junior, ein Formel 3, ein Formel 3 000 und zwei Formel 1 gehören schon zu seiner Kollektion.

In Kerpen auf der Kartbahn.
Ralf Schumacher hat sein Handwerk vom Kinderkart auf gelernt. Als Sohn der Kerpener Kartbahn-Pächter Rolf und Elisabeth Schumacher war für ihn diese Art Rennstrecke schon als Kleinkind natürlicher Lebensraum. Als Dreijähriger saß er zum ersten Mal im Kart, mit sechs Jahren gewann er sein erstes Clubrennen.

Kurz nach seinem 17. Geburtstag fuhr er im BMW ADAC Formel Junior auf dem Nürnberger Norisring sein erstes Automobilrennen und wurde Zweiter. Seine erste komplette Saison in dieser Nachwuchs-Formel beendete er 1993 als Meisterschaftszweiter. Der Aufstieg in die Deutsche Formel-3-Meisterschaft im WTS Team seines Managers Willi Weber war logisch. Ralf wurde 1994, in seinem ersten Formel-3-Jahr, Dritter, im zweiten Zweiter.

Auszeit vom Schumi-Fieber in Japan.
Ende 1995 legte er selbst den Grundstein für eine Flucht vor dem europäischen und vor allem dem deutschen Rummel um Rennfahrer namens Schumacher. Ralf gewann das Formel-3-Weltfinale in Macau. Der Stadtkurs am südchinesischen Meer ist eine der schwierigsten Rennstrecken der Welt. Deshalb zählt ein Macau-Sieg auch in Japan ganz besonders viel. Ralf bekam die Chance, dort in der All Nippon Japanese F3000 zu fahren, dem fernöstlichen Pendant zur internationalen Formel-3000-Meisterschaft.

Der Karriereplan sah zwei Jahre Japan vor - eines zum Zurechtfinden auf den unbekannten Rennstrecken und in der fremdem Kultur, das andere zum Angriff auf den Titel. Ralf gewann das Championat bereits 1996. Im selben Jahr wurde er nach drei Siegen mit dem McLaren BMW Zweiter der japanischen GT-Meisterschaft. Nun konnte der nächste Schritt nur noch Formel 1 heißen.

Formel-1-Einstieg.
Während Ralf in Japan beschäftigt war, sorgte sein Manager Willi Weber dafür, dass 1997 der zweite Schumacher zum Starterfeld der Formel 1 gehörte.
Ralf beeindruckte auf Anhieb bei einem McLaren-Test und wurde von Jordan für seine erste Grand-Prix-Saison unter Vertrag genommen.
Eddie Jordan entdeckte bald, dass er mit Ralf und dem Italiener Giancarlo Fisichella, ebenfalls Newcomer, eine explosive Fahrerbesetzung hatte.

Als Ralf seinen ersten Formel-1-Grand-Prix bestritt, war er 22 Jahre alt und nach einem Jahr der relativen Ruhe in der Fremde schon ein ganzes Stück reifer. Äußerlich wurde er immer schlanker und kantiger, innerlich runder und selbstbewusster. Zur Saison 1999 wechselte Ralf Schumacher zu WilliamsF1. Längst war klar, dass BMW im Jahr 2000 dazukommen würde. Ralf sah seine Chance. Er dominierte die Teamkollegen der ersten beiden Jahre mit WilliamsF1, Alex Zanardi und Jenson Button, und schnitt auch 2001 gegen Newcomer Juan Pablo Montoya besser ab. Allerdings hat er in ihm einen ebenbürtigen Rivalen erkannt. "Es wird sich zeigen, wer Ende 2002 die Nase vorn hat. Ich werde mein Bestes geben, er vermutlich auch. Das wird das Team vorwärts bringen."

Privat von null auf hundert.
Verliebt, verlobt, verheiratet, in ein anderes Land gezogen und Vater geworden - privat hat Ralf Schumacher 2001 nichts ausgelassen. "Aber ganz so überraschend wie für die Öffentlichkeit waren diese Veränderungen für uns natürlich nicht", erklärt er. Es war für ihn über Jahre Maxime gewesen, nichts aus seinem Privatleben an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, nun trat er damit ins Rampenlicht. "Cora und ich wollten mehr Zeit miteinander verbringen. Das wäre ohne gemeinsames Reisen und damit auch ohne gemeinsames Auftreten nicht möglich gewesen." Am 19. April verlobten sich die beiden und siedelten im Sommer in eine Villa bei Salzburg in Österreich um. "Wir hatten uns in Monaco schon länger nicht mehr wohlgefühlt", erzählt Ralf. "Monte Carlo war für mich als Junggeselle prima, aber für eine Familie und Kinder wollten wir eine ländlichere Umgebung. Mehr Natur und weniger Beton."

Im kleinsten Kreis gaben sich Cora und Ralf in ihrem neuen Zuhause im Spätsommer das Ja-Wort. Im Oktober kam Söhnchen David zur Welt.
"Ein großes Glück und ein wunderbares Gefühl", schwärmte der junge Vater und genoss die ungewöhnlich lange Testpause nach dem Finale 2001. Für 2002 baut er auf feste Größen auf abgestecktem Terrain. Zuhause wie im Rennwagen.
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