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Alt 03.08.2004, 07:33     #1
Albert   Albert ist offline
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Wie man mit Tönen und Technik ein Team formt

Mit dem Projekt "Tatfunk" weitet die BMW Group den Praxis-Unterricht an Schulen aus

Ein Oberstufen-Grundkurs als Radioredaktion: Redaktionskonferenzen statt Frontalunterricht, Sendungen statt Klausuren, Fragen stellen statt abfragen lassen. „Tatfunk“ heißt das Gemeinschaftsprojekt der Eberhard von Kuenheim Stiftung und der BMW Group in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk, der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien und Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, bei dem Schüler der Stufe 12 den Auftrag erhalten, im Verlauf eines Schuljahres eine eigene Radiosendung zu produzieren. Dabei erhalten sie nicht nur eine Einführung in den Radio-Journalismus, sondern lernen vor allem, ein Projekt von Beginn an zu planen und eigenverantwortlich durchzuführen. Darüber hinaus üben sie Schlüsselqualifikationen wie Kommunikationsfähigkeit, Einsatzbereitschaft, Teamfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft. Acht Gymnasien – sieben in Bayern, eines in Nordrhein-Westfalen – richteten im vergangenen Schuljahr einen Tatfunk-Kurs ein. Heute kamen die Tatfunk-Teilnehmer im Großen Sitzungssaal der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) zusammen, um den erfolgreichen Abschluss des Projekts zu feiern und die Sendungen vorzustellen, die im Verlauf des letzten Schuljahrs entstanden sind.

„Anders als in einem normalen Oberstufenkurs mussten die Schüler das Schuljahr selbst planen, ihre Teamarbeit organisieren, Verantwortung übernehmen und sich, wenn nötig, Unterstützung von außen holen“, erklärt Gisela Huber, Projektleiterin bei der Eberhard von Kuenheim Stiftung. Bei dieser Form des Lernens üben die Schüler Grundkompetenzen des unternehmerischen Denkens und Handelns ein. „Tatfunk erweitert das Bestreben der BMW Group, externe Experten in die Schulen zubringen. Es wird immer deutlicher, dass rein theoretischer Unterricht nicht ausreicht, um junge Menschen auf ein Leben nach der Schule vorzubereiten“, so Konstanze Carreras, Leiterin Referat Gesellschaftspolitik der BMW Group.

Eine Jury aus Hörfunk-Profis hat alle Sendungen gehört und wird jedem Kurs im Rahmen der Abschlussveranstaltung in der BLM ein professionelles Feedback geben. Marion Glück-Levi, Abteilungsleiterin Bildungsprojekte beim Bayerischen Rundfunk, ist begeistert: „Es ist beeindruckend, wie viel Gespür die Schüler im letzten Jahr für journalistisches Arbeiten entwickelt haben.“

Der erfolgreiche Verlauf des Kurses in diesem Schuljahr hat die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt im Schuljahr 2002/03 bestätigt. „Tatfunk zeigt sehr deutlich, dass es Schülern nicht an Kreativität, Motivation und Verantwortungsbereitschaft fehlt, wenn man ihnen den nötigen Freiraum zu eigenständigem Handeln gibt“, so das Fazit von Dr. Christoph Glaser, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Eberhard von Kuenheim Stiftung. Nun gehe es eben darum zu zeigen, dass solche Freiräume in allen Bundesländern möglich sind – so unterschiedlich ihre Schulsysteme auch sein mögen. Zusammen mit ihren Kooperationspartnern werden die Eberhard von Kuenheim Stiftung und die BMW Group das Projekt deshalb fortführen und ausweiten. An 20 Schulen in ganz Deutschland wird es im kommenden Schuljahr einen Tatfunk-Kurs geben: von Bremen bis Augsburg, von Gera bis Duisburg.

Das Konzept der Zusammenarbeit von Lehrern und externen Experten (Mediencoaches) bleibt unverändert, zusätzlich wird es zur Unterstützung aller Tatfunker ab September eine E-Learning-Plattform im Internet geben. Dort finden Schüler und Lehrer unter anderem alle wichtigen Informationen zum Radio-Journalismus und Projektmanagement. Die E-Learning-Plattform wird unter Leitung von Professor Dr. Heinz Mandl, Lehrstuhlinhaber für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München erarbeitet, der auch die Evaluation des Projektes durchführt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse machen es möglich, Tatfunk weiter zu verbessern und möglichst flächendeckend zu implementieren.
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