Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 22.07.2004, 11:16     #4
Albert   Albert ist offline
Power User
  Benutzerbild von Albert

Threadersteller
 
Registriert seit: 06/2001
Ort: D-29227 Celle
Beiträge: 17.738

CE-
3. BMW Welt – das Bauwerk

BMW Bauten setzen seit über 30 Jahren Maßstäbe

Der Entwurf von COOP HIMMELB(L)AU, einer von zwei ersten Preisen im internationalen Architekturwettbewerb von 2001 zur BMW Welt, zeigt eine besonders ausgeprägte Identifikation mit den architektonischen Ideen, wie sie die BMW Group schon in der jüngeren Vergangenheit mit vielen eigenen Bauvorhaben kultiviert hat. Die BMW Welt steht im Verbund mit dem Olympia- und dem BMW Hochhausensemble. Der damalige Architekt war der Wiener Architekt Prof. Karl Schwanzer, seinerzeit Lehrer von Prof. Wolf D. Prix, einem der beiden Protagonisten von COOP HIMMELB(L)AU.

Mit der Architektur des BMW Hochhauses markierte das Unternehmen weltweit Maßstäbe: Es entstand 1972 – zeitgleich mit dem Olympiastadion. Die vom Volksmund schnell „Vierzylinder“ getaufte Konzernzentrale war von Anfang an Symbol für Dynamik, Zukunftsorientierung und technischen Fortschritt. Das Hochhaus gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt München. Es wird derzeit entkernt und unter Wahrung wesentlicher denkmalpflegerischer Belange bis 2006 auf den modernsten Stand heutiger Bürohaustechnik gebracht.

Das zweite große architektonische BMW Projekt in München folgte Mitte der 80er Jahre mit dem BMW Group Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ). Als erstes Automobilunternehmen realisierte die BMW Group damit konsequent die Integration der Bereiche „Erfinden“, „Entwickeln“ und „Produktionsvorbereitung“ – entsprechend dem Konzept einer „gebauten Kommunikation“ mit kurzen Wegen. Diese „Architektur vernetzter Strukturen“ wurde weltweit zum Vorbild für „Denkfabriken“ anderer Automobilunternehmen. Ein weiterer Abschnitt des FIZ wird unter anderem mit dem sogenannten „Projekthaus“ in diesem Sommer fertiggestellt (Architekt: Henn Architekten, München).


Architektenteam von Weltruf: COOP HIMMELB(L)AU

COOP HIMMELB(L)AU wurde 1968 in Wien, Österreich, von Wolf D. Prix und Helmut Swiczinsky gegründet. Das Büro arbeitet seither in den Bereichen Architektur, Kunst und Design. COOP HIMMELB(L)AU zählt zu den Säulen einer Bewegung, die heute auch als „Austrian Phenomenon“ bekannt ist, also zu einer Generation von inzwischen weltberühmten Wiener Architekten, die in den 60er und 70er Jahren das Laufen und Denken gelernt und sehr


provokant Architektur und Gesellschaftsprobleme in Beziehung gesetzt hat. Von COOP HIMMELB(L)AU stammt die launig – sinnliche Aufforderung „Architektur muss brennen“, d.h. sich einbrennen und merkfähig sein. Sie propagierten früh eine „offene Architektur, die nicht nur offene Räume, sondern auch offenes Denken zulässt“. (Prof. Wolf D. Prix)


Die architektonische Konzeption

Die BMW Welt zählt zu den ersten Werken einer neuen Generation von Kommunikationsbauten für das 21. Jahrhundert. Das sind „Multiuses“ ganz neuer Prägung. „Unsere Architektur ist ja kein Pullover, kein modischer Anzug. Sondern wie Haut, wie eine osmotische Schicht, die Dinge filtert oder durchlässt. Wir sagen dazu: Das Gefühl des Innen spannt die Haut außen. Also, Architektur ist unsere vierte Haut. Sie muss mit den Problemen wachsen, wenn sie gut ist. Deswegen bin ich ja auch gegen Kisten!“ (Prof. Wolf D. Prix)

Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, seit den frühesten Tagen Jury-Mitglied beim Architekten-Wettbewerb, kommentiert die Architektur der BMW Welt so: „Sie ist ein architektonisches Highlight, das weit über die Bedeutung für das Unternehmen hinaus auf die gesamte Stadt ausstrahlt und den Münchner Norden aufwertet. Mich persönlich begeistert an dem Entwurf außerdem die Himmelslandschaft und mich fasziniert der kommunikative Megaraum, der nicht auf eine bestimmte Ästhetik oder eine bestimmte Nutzung festgelegt ist!“

Die Entwurfsidee von COOP HIMMELB(L)AU äußert sich in einem Dach, genauer gesagt mit einer dynamisch geformten skulpturalen Dachlandschaft, unter der alle gestalterischen Möglichkeiten eröffnet werden. Das ist offene Architektur, in der in den nächsten Jahrzehnten alles möglich ist – flexibel, an den Erfordernissen der Zukunft ausgerichtet.

Im Süden geht das Dach in den Doppelkegel über und setzt damit ein stadträumlich wirksames Zeichen, welches mit den bestehenden Landmarks des Vierzylinders und des BMW Museums eine identitätsprägende Einheit ergeben wird. Er ist durch eine weitere Verformung aus der unteren Trägerrostlage des Daches entwickelt und bildet auch ein Hauptauflager des Daches.

Das Dach erhält seine formale Logik auch aus den innerhalb der Dachkonstruktion befindlichen Aufenthaltsbereichen für die Abholer, welche über einen Einschnitt in die Dachkonstruktion wichtige Sichtbeziehungen erhalten.


Chronologie:August 2003 „Offizieller Baubeginn der BMW Welt“ und Ausblick

Im Juli 2001 wurde der Architekturwettbewerb abgeschlossen und die Sieger bekanntgegeben. Nach sorgfältiger Bewertung und detaillierter Beratung hatte sich der Vorstand der BMW AG im Dezember 2001 für den Entwurf von COOP HIMMELB(L)AU entschieden. Januar 2002: die Planung des Projekts begann.

Am 1. August 2003 wurde das Olympiaparkhaus geschlossen, der Bauzaun errichtet, direkt vor der Studentenstadt das neue Park&Ride Parkhaus fertiggestellt. Im Januar 2004 waren die Abbruch- und Entsorgungsarbeiten auf dem Gelände des Olympiaparkhauses und der P&R-Fläche beendet und der Spezialtiefbau begann. In den nächsten Monaten wurde Bohrloch an Bohrloch mit Beton gefüllt. So entstanden 775 „Bohrpfähle“, jeder 17 Meter tief. 88 Zentimeter Durchmesser hat so eine einzelne Betonsäule. Nahtlos ineinander verzahnt bilden sie eine senkrechte Betonwand als Teil der späteren Kellerwand. Sie schützt die nachfolgenden Aushubarbeiten in der Baugrube gegen nachrutschendes Erdreich und eindringendes Grundwasser. Insgesamt wurden 775 Bohrpfähle eingesetzt. Zug um Zug, Schicht für Schicht, folgte der Aushub. 12 000 mal hatten vollbeladene Lastwagen die 210 Meter lange und bis zu 120 Meter breite Baugrube verlassen, bis die Gruben-Sohle in vierzehn Meter Tiefe erreicht wurde. Die Sohle lag dann etwa sechs Meter unter dem Grundwasserspiegel. Fünfzehn Brunnen legten die Grube trocken. Wasserpumpen fördern seitdem das Grundwasser zurück in den angrenzenden Olympiapark und erhalten dort den natürlichen Grundwasserstand.
Mit Zitat antworten