Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 20.05.2004, 12:47     #2
Hermann   Hermann ist offline
Senior Guru
  Benutzerbild von Hermann

Threadersteller
 
Registriert seit: 03/2001
Beiträge: 8.179

Aktuelles Fahrzeug:
E63 645Ci, E36 318i Cabrio, E39 523i Touring
Mini Motorsport – ein Rückblick.

Die MINI-Rennsport-Erfolge im Überblick. als PDF

David gegen Goliath – so lautete das Duell im Rallyewinter 1964. Ein kleiner roter David mit weißem Dach kämpfte bei der Rallye Monte Carlo gegen die PS-starken Goliaths und holte sich den Siegerpokal. Mit einem Paukenschlag war aus einem ursprünglich als preiswertes und sparsames Fortbewegungsmittel konzipierten Kleinwagen eine Legende im Motorsport geworden. Der heißblütige Mini wurde zum Sportwagen des kleinen Mannes.

30 Minis starteten zur Rallye Monte Carlo, um sich gegen so große Namen wie den Ford Falcon, den Mercedes-Benz 300 SE, den „Buckelvolvo“ vom Typ 544 oder den Volkswagen 1500 zu behaupten.

Im Vergleich zum Vorjahreswagen strotzte der Mini Cooper S vor Kraft. 70 Pferdestärken beschleunigten den Mini in 13 Sekunden auf 100 Stundenkilometer. Dank der kompakten Außenmaße überzeugte er breitspurig und mit langem Radstand auch bei einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h mit einer optimalen Straßen- und vor allem Kurvenlage.

Die entscheidende und anspruchvollste Prüfung für die Teilnehmer der Rallye Monte Carlo war die Fahrt zum 1607 Meter hohen Col de Turini. Die „Nacht der langen Messer“ wurde zum Reifenpoker. Manche setzten auf Spikes, andere auf spezielle Mischungen. So genannte Super Low Section-Reifen mit asymmetrischem Profil sollten für optimale Traktion sorgen.

Eisspione fuhren kurz vor dem Start über die verschneiten Serpentinen, um die Fahrer vor möglichen Gefahren zu warnen. Jetzt schlug die Stunde des Mini Cooper S. Der kleine Motor, die Kurvenwendigkeit und der Frontantrieb führten den irischen Piloten Paddy Hopkirk wie auf Schienen ans Ziel und an die Spitze der Gesamtwertung.

Während der letzten Etappe, einem Rundstreckenrennen auf dem Grand-Prix-Stadtkurs von Monaco, gönnte Paddy Hopkirk dem Mini Cooper S keine Verschnaufpause. Mit 30,5 Punkten Vorsprung vor seinem Kontrahenten

Bo Ljungfeldt auf einem Ford Falcon schaffte der Ire die Sensation und gewann mit seinem Mini Cooper S zum ersten Mal die Rallye Monte Carlo.

Im Jahre 1965 galt die Rallye Monte Carlo aufgrund des äußerst schlechten Wetters, als eine der schwierigsten ihrer Zeit. Dichtes Schneetreiben in den Bergen ließ die Sicht für die Fahrer gegen Null laufen. In einer mörderischen Nachtfahrt von Saint-Claude nach Monte Carlo über 610 Kilometer wurde das Starterfeld stark dezimiert. Das sich im Schnee und Eis reflektierende Halogenlicht der Fahrzeuge blendete einen Großteil der Fahrer so sehr, dass am Ende dieser Etappe nur 35 von 237 gestarteten Teams die Zielflagge sahen. Unter ihnen der Finne Timo Mäkinen mit einem Mini. Er markierte in fünf von sechs Sonderprüfungen die Bestzeit und schaffte so die Titelverteidigung. Zum zweiten Mal wurde ein Mini Sieger der Rallye Monte Carlo.

Das darauf folgende Jahr sollte die Krönung bringen. Nicht nur der dritte Sieg in Folge sollte her, sondern man versuchte auch, die ersten drei Podestplätze am Ende für sich zu behaupten. Die Fahrer Mäkinen, Aaltonen und Hopkirk schafften das Unglaubliche. Sie fuhren als Erster, Zweiter und Dritter ins Ziel. Doch dann folgte der Schock. Wegen vier Zusatzscheinwerfern vor dem Kühlergrill der Mini Cooper S, die nicht exakt den französischen Zulassungsbestimmungen entsprachen, kam es zur äußerst umstrittenen Disqualifikation der „drei Musketiere“. Am Ende siegte der Citröen-Fahrer Toivonen.

Ungeachtet dieser bitteren Entscheidung kehrten die Mini Cooper 1967 zur Rallye Monte Carlo zurück. Der „fliegende Finne“ Rauno Aaltonen mit der Startnummer 177 zeigte es allen und siegte am Ende mit zwölf Sekunden Vorsprung vor Lancia. Die Schmach des Vorjahres war vergessen, Mini siegte zum dritten Mal bei der Rallye Monte Carlo.

Der Mini gewann in den 60er Jahren nicht nur bei der Rallye Monte Carlo, sondern unter anderem auch bei den Rallyes in Genf, der CSSR, München–Budapest und Österreich.

Trotz guter Ergebnisse zeichnete sich Ende der Sechziger Jahre ab, dass der Mini Cooper S seinen Zenit als Rallyeauto überschritten hatte.

Die Ära endete – aber die Legende blieb. Bis heute weiß jeder Rallyefan, was 33 EJB bedeutet. Es ist das Kennzeichen von Paddy Hopkirks Mini Cooper S, mit dem er die Rallye Monte Carlo 1964 zum ersten Mal gewonnen hatte.

Die 60er Jahre waren das Mini Jahrzehnt – weit über die offiziellen Wettbewerbe hinaus. Denn auch als der Mini auf den abgesperrten Strecken nicht mehr konkurrenzlos war, bot kein Auto mehr Sportlichkeit für weniger Geld, mehr Fahrspaß auf kleinerer Grundfläche.

Die MINI-Rennsport-Erfolge im Überblick. als PDF
__________________
Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
Mit Zitat antworten