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Alt 15.05.2004, 13:35     #22
Hermann   Hermann ist offline
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Großer Preis von Monaco, 21.-23. Mai 2004 - VORSCHAU

Nach Monaco schaut die Welt. Kein Grand Prix steht derart im Rampenlicht wie dieser. Zwischen glamourösen Rahmenveranstaltungen und unter den Augen zahlloser prominenter Gäste findet am 23. Mai der sechste von 18 Läufen zur FIA Formel-1-Weltmeisterschaft statt. Nach einem schwierigen Start in die Saison 2004 kehrt das BMW WilliamsF1 Team nun an den Ort eines seiner größten Erfolge zurück. Im Vorjahr hatte Ralf Schumacher im Fürstentum am Mittelmeer die Poleposition erobert, Teamkollege Juan Pablo Montoya gewann das Rennen auf dem engen Stadtkurs, der keine Fahrfehler verzeiht.

Juan Pablo Montoya:

Keine Frage: Der Große Preis von Monaco ist ein ganz besonderes Ereignis und gleichzeitig ein sehr schwieriges Rennen. Auf diesem Kurs darf man einfach keinen Fehler machen. Sobald man für einen Moment die Kontrolle über das Fahrzeug verliert, landet man in der Streckenbegrenzung. Man muss richtig lernen, dort das Limit zu finden. Es ist der einzige echte Stadtkurs der Formel 1, das hebt die Strecke von allen anderen ab und macht auch ihren besonderen Charme aus. Vor zwei Jahren bin ich dort von der Poleposition gestartet, im vergangenen Jahr habe ich den GP gewonnen. Ich war sehr stolz. Gerade dieses Formel-1-Rennen wollte ich immer gewinnen. In diesem Jahr wird es von unserem Auto abhängen, ob wir mit der Konkurrenz mithalten können. Ich werde jedenfalls hundert Prozent geben, um den Vorjahreserfolg zu wiederholen.

Ralf Schumacher:

Ich freue mich auf das Wochenende in Monaco, schließlich habe ich dort jahrelang gelebt. Trotzdem warne ich immer wieder, dass dieses Rennen nicht mehr zeitgemäß ist. An das Rennen 2003 hat das Team jedenfalls die besten Erinnerungen: Am Samstag konnte ich die Poleposition holen, am Sonntag gewann Juan Pablo das Rennen. Und der Grand Prix in Monte Carlo war 2003 nach einem enttäuschenden Saisonstart gleichzeitig der Wendepunkt in einem Jahr, in dem es am Ende fast noch zum WM-Titel gereicht hätte. Von solchen Zielen sind wir momentan allerdings leider sehr weit entfernt. Gerne würde ich an ein kleines Wunder im Fürstentum glauben. Aber realistisch betrachtet, sind wir in Monaco aus eigener Kraft nicht siegfähig. Das Team legt zwar 24-Stunden-Schichten ein, doch es wird noch dauern, bis wir wieder an der Spitze dran sind.

Sam Michael (Chief Operations Engineer WilliamsF1):

Zur Vorbereitung auf das Rennen in Monaco haben wir im französischen Paul Ricard Reifentests und Abstimmungsarbeiten durchgeführt. Der extrem enge Straßenkurs stellt höchste Ansprüche an das Chassis und die Fahrer. Entsprechend viel hat uns der Sieg im vergangenen Jahr bedeutet. Das Grip-Niveau des Asphalts steigt im Verlauf des Wochenendes durch den Gummiabrieb der relativ weichen Reifen stark an. Auch strategisch wird der Grand Prix interessant: Der Trend geht grundsätzlich dahin, den ersten Boxenstopp immer früher einzulegen. Weil aber Überholvorgänge in Monacos Straßen praktisch unmöglich sind, könnte dies diesmal anders aussehen.

Mario Theissen (BMW Motorsport Direktor):

In der Weiterentwicklung des BMW P84 Motors beginnt nun eine neue Phase. Das erste Ziel hatten wir zu Saisonbeginn erreicht. Es lautete, einen Motor zu entwickeln, der für die per Reglement nahezu verdoppelte Laufzeit standfest ist, ohne gegenüber dem P83 nennenswert an Gewicht zuzulegen oder an Leistung einzubüßen. Das zweite Ziel lautete, die maximale Drehzahl und damit Topleistung bis hinauf in den siebten Gang für die gesamte Renndistanz freizugeben. Auch das haben wir nun umgesetzt. Damit sollten unsere Fahrer im Rennen bestens gerüstet sein. Das dritte Ziel soll dafür sorgen, dass das so bleibt: kontinuierliche Weiterentwicklung durch die Saison, um die Leistung weiter zu steigern. In Monaco lässt sich mit schierer Power allein freilich nichts gewinnen, aber eine gute Fahrbarkeit des Motors zahlt sich in den engen Kurven aus. Die Rascasse-Kehre am Hafen ist die einzige Kurve in der ganzen F1-Saison, in der die Drehzahl selbst im ersten Gang in den Bereich von 5000 U/min fällt.

Zahlen und Fakten
  • Logistisch sind die beiden unmittelbar aufeinander folgenden Grands Prix in Monaco und auf dem Nürburgring harte Arbeit. Unmittelbar nach Rennende in Monte Carlo werden die Fahrzeuge vor Ort zerlegt. Lediglich die FW26 Chassis selbst reisen im Truck weiter zum Nürburgring. Die Mehrheit der Fahrzeugteile, darunter die Lenkung, Fahrwerks- und Aufhängungsteile sowie die Getriebe, werden in die WilliamsF1-Fabrik in Grove geflogen. Dort werden sie den üblichen gründlichen Diagnosechecks unterzogen bzw. turnusmäßig ausgetauscht. Auch Verkleidungsteile und Flügel reisen per Luftfracht nach Grove, um eine frische Lackierung für den GP Europa zu erhalten. Die BMW P84 Motoren werden am Sonntagabend in Monte Carlo ausgebaut und mit einem Lkw nach München gebracht. Frische Rennmotoren für den Nürburgring werden von dort aus ebenfalls auf dem Landweg in die Eifel transportiert.
  • Die großen Trucks von WilliamsF1 und BMW sowie die Motorhomes fahren direkt zum Nürburgring. Der erste Truck wird Monaco bereits am späten Sonntagabend verlassen. Bis Montagabend um Mitternacht soll das gesamte Material von WilliamsF1 aus Monaco in der Eifel sein. Die letzten Neuteile aus Grove und München wird das Team am Mittwoch auf dem Nürburgring in Empfang nehmen.
  • Hingegen bringen die aktuellen Umbauten der Boxenanlage in Monaco Arbeitserleichterung für die Teams. Sie werden zum ersten Mal Garagen zur Verfügung haben, in denen an den Autos gearbeitet werden kann. Bisher mussten die Fahrzeuge stets zwischen Arbeitszelten im Fahrerlager und der Boxengasse hin- und hergeschafft werden. Die alten Gebäude dienten im Wesentlichen als Unterstand für die Tankanlage, Ersatzteile und Computer.
  • Um die Erweiterung der Boxenanlage zu ermöglichen, wurde im Hafen von Monaco aufgeschüttet. Der Streckenabschnitt zwischen Schwimmbad und Rascasse-Kurve rückte ans Meer. So entstand zusätzlicher Platz für eine neue Boxengasse, die nun auch auf der Meerseite des Hügels verläuft. Die Boxengasseneinfahrt ist im Wesentlichen an derselben Stelle geblieben. Das neue Boxengebäude ist zweistöckig angelegt. Unten sind die Garagen, darüber Büros. Die im Bereich der früheren Boxengasse befindlichen Bäume wurden dem Umbau nicht geopfert. Daher wachsen nun teilweise Äste durch die neuen Gebäude. Die Kontrollstände der Teams sind an ihrem alten Platz an der Start- und Ziel-Geraden geblieben. Von dort aus gibt es nun keinen Sichtkontakt mehr zu den Boxenstopps.
  • Die Streckenlänge beträgt unverändert 3,340 Kilometer. Der Kurs in Monaco ist die kürzeste GP-Strecke. Nirgendwo werden im Rennen mehr Runden gefahren (78). Dennoch bedeuten 260,520 Kilometer die kürzeste Renndistanz der Saison.
  • Der Große Preis von Monaco wird am Sonntag, dem 23. Mai 2004, zur üblichen Europa-Startzeit um 14 Uhr freigegeben. Auch das Qualifying findet am Samstag zur gewohnten Zeit statt. Am Freitag herrscht für die Formel 1 allerdings Motorenruhe. Die ersten beiden freien Trainings werden bereits am Donnerstag gefahren.
  • Seit der offiziellen Zeitrechnung der Formel 1, seit 1950, wurden in Monaco 50 Grands Prix ausgetragen. Den ersten gewann Juan Manuel Fangio auf Alfa Romeo. Damals betrug die Renndistanz 100 Runden bzw. 318 Kilometer.
  • WilliamsF1 feierte bisher drei Siege im Fürstentum: 1980 siegte Carlos Reutemann, 1983 Keke Rosberg, 2003 siegte Juan Pablo Montoya für das BMW WilliamsF1 Team. Die Poleposition erzielte 2003 Teamkollege Ralf Schumacher in 1.15,259 Minuten. Die schnellste Rennrunde fuhr Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes in 1.14,545 Minuten.
  • Monaco ist mit einer Fläche von 1,95 Quadratkilometern nach dem Vatikan der zweitkleinste unabhängige Staat der Welt. Er besteht aus den Vierteln Fontvieille, La Condamine, Monaco Ville und Monte Carlo. Insgesamt leben rund 32.000 Einwohner in dem als Spieler- und Steuerparadies bekannten Land, von ihnen sind lediglich 16 Prozent echte Monegassen.
  • Nach der Verfassung von 1962 ist Monaco eine konstitutionelle Erbmonarchie. Staatsoberhaupt ist Fürst Rainier III. 1419 wurde Monaco mit Beginn der Herrschaft der Grimaldi-Familie ein unabhängiger Staat.
Mit 30 Punkten belegt das BMW WilliamsF1 Team nach fünf von 18 Grands Prix Platz vier in der FIA Formel-1-Weltmeisterschaft der Konstrukteure.
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Viele Grüße Hermann

"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."Albert Einstein
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