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Alt 27.03.2004, 11:12     #10
Hermann   Hermann ist offline
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Großer Preis von Bahrain – 2.-4. April 2004 - VORSCHAU

Die Formel 1 geht auf Entdeckungsreise: Vom 2. bis 4. April wird der erste Grand Prix im Mittleren Osten ausgetragen. Schauplatz im Wüstenstaat Bahrain ist die Stadt Sakhir im Süden der Hauptstadt Manama.

Der erste Große Preis von Bahrain findet auf einer brandneuen, hochmodernen und insgesamt 170 Hektar großen Anlage statt. Der knapp fünfeinhalb Kilometer lange Kurs bietet 15 Kurven und drei Geraden. Hohe Temperaturen und Sand stellen die Teams vor zusätzliche Herausforderungen.

Für das BMW WilliamsF1 Team weckt die Reise in den Mittleren Osten Erinnerungen an die Anfänge von Frank Williams. Die Unterstützung von Sponsoren aus Saudi Arabien bildete in den 70er Jahren eine wichtige Säule, auf der Frank Williams das Team aufbaute, das seither neun Mal den Fahrerweltmeister stellte und sieben Mal die WM der Konstrukteure gewann.

Mit dem Einsatz in Bahrain endet die erste Welttournee der Formel 1 in dieser Saison. Nach dem allerersten Schlagabtausch in Melbourne, der schwülen Hitze von Malaysia und dem noch unbekannten Terrain in Bahrain werden dann die ersten Europarennen weiteren Aufschluss über die Kräfteverhältnisse in der Weltmeisterschaft 2004 geben.

Juan Pablo Montoya:

Das Formel-1-Debüt im Mittleren Osten und besonders in Bahrain ist ein wichtigen Schritt. Auf einer komplett neuen Strecke zu starten, bedeutet eine große Herausforderung und verspricht Spannung.

Die Anlage sieht beeindruckend aus. Der Kurs selbst wirkt hochmodern und bietet mehrere Überholmöglichkeiten. Nachdem dafür derselbe Architekt verantwortlich zeichnet wie für die Anlage in Sepang bin ich sicher, dass uns eine großartige Strecke erwartet und freue mich sehr darauf, dort erstmals zu fahren. Nach meinem Podiumsplatz in Malaysia glaube ich, dass alle im Team zuversichtlicher geworden sind und alles daran setzen, unsere Leistungsfähigkeit in Bahrain weiter zu verbessern.

Ralf Schumacher:

Ich bin überzeugt, dass uns der Grand Prix von Bahrain sehr viel Spaß machen wird: den Fahrern, den Zuschauern, einfach allen Beteiligten. Dieses Rennen wird in jeder Hinsicht neue Maßstäbe setzen, und ich bin schon sehr gespannt, wie sich das ganze Gelände seit meinem Kurzbesuch im Dezember verändert hat. Auf einer neuen Strecke werden natürlich auch viele Fragen aufgeworfen: Wie wird das Auto liegen? Wie wohl werde ich mich auf dem Kurs fühlen? Welche Rolle spielt in diesem speziellen Fall die trockene Hitze? Wird Sand auf der Strecke sein?

Dazu kommen aber auch noch viele Fragezeichen, die unsere Performance betreffen. Der zweite Platz von Juan Pablo in Malaysia hat zwar gezeigt, dass wir nicht ganz so weit weg sind von Ferrari wie befürchtet, doch bis ganz oben ist es noch ein weiter Weg. Die Tests in Le Castellet haben allerdings belegt, dass wir in die richtige Richtung arbeiten. Deshalb hoffe ich, dass wir in Bahrain wieder ein Stückchen aufholen können.

Sam Michael (Chief Operations Engineer WilliamsF1):

Das Debüt in Bahrain hält viele Herausforderungen bereit, mit denen wir noch nie zuvor konfrontiert waren. Vor allem der feine Sand kann funktionale und mechanische Probleme verursachen. Hoffentlich erleben wir dort keinen Sandsturm, dabei würde nicht zuletzt auch die Außenhaut der Autos Schaden nehmen.

Die Rennstrecke ist ein ziemliches Geschlängel mit vorwiegend langsamen Kurven. Es gibt aber auch drei Geraden, die Überholmanöver zulassen sollten. Angesichts der Gestaltung der ersten Kurve könnte die Startphase außerordentlich spannend werden.

Seit dem Großen Preis von Malaysia haben wir einige kleinere Verbesserungen am Fahrzeug vorgenommen. Dort waren wir im Rennen konkurrenzfähig, allerdings nicht stark genug, um zu gewinnen. Michelin wird in Bahrain zwei Reifenmischungen anbieten, mit denen wir bereits vertraut sind. Die Reifenwahl auf einer neuen Strecke wird eine besonders interessante Aufgabe.

Im Rennen sehen wir womöglich weniger Drei-Stopp-Strategien als in den beiden ersten Saisonläufen, weil wir kaum Informationen haben, wie viel Zeit man in der Boxengasse tatsächlich verliert, wie hoch der Reifenverschleiß ist und wie stark sich der Nachteil von Mehrgewicht durch Kraftstoff auswirkt.

Mario Theissen (BMW Motorsport Direktor):

Nach den ersten beiden Saisonrennen beginnt sich ein Bild über die Kräfteverhältnisse in der Weltmeisterschaft 2004 zu formen. In Melbourne war Ferrari dominant, wir waren mehr als eine Sekunde pro Runde langsamer. Anschließend konnten wir in Malaysia bei extrem hohen Temperaturen mithalten. Ähnlich wie im Vorjahr betreiben wir auch 2004 bereits eine intensive Weiterentwicklung des FW26, um den Rückstand auf Ferrari schrittweise weiter zu verringern und schließlich aufzuholen.

In Bahrain erwarten wir erneut ein Hitzerennen. Die Temperaturen können leicht um die 30 Grad liegen, allerdings bei deutlich geringerer Luftfeuchtigkeit. Der Motorschaden an Ralf Schumachers Auto in Malaysia hatte mit den hohen Temperaturen nichts zu tun, sondern ist auf ein fehlerhaftes Bauteil zurückzuführen, das wir identifiziert haben.

Eine Besonderheit von Bahrain liegt darin, dass wir auf und abseits der Strecke mit Flugsand rechnen müssen, der nicht nur das Grip-Niveau auf dem Asphalt beeinträchtigt. Beim Motor kommt dem Luftfilter erhöhte Bedeutung zu. Es geht darum zu verhindern, dass Sand über den Ansaugtrakt in den Motor gerät und einen Schaden verursacht.

Wir freuen uns auf den Grand Prix in Bahrain. Zum einen, weil er eine interessante und neue Herausforderung mit vielen Unbekannten bedeutet. Zum anderen stellt der Mittlere Osten einen wichtigen Markt für BMW dar. Der Auftritt mit der Formel 1 gibt uns die Möglichkeit, unsere Technologie-Kompetenz auch in dieser Region zu demonstrieren.

Zahlen und Fakten
  • Der Bahrain Racing Circuit ist der erste von zwei neuen Grand-Prix-Kursen, auf denen die Formel 1 in der Saison 2004 startet. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird die WM im September in Shanghai unbekanntes Terrain betreten.
  • Bahrain ist ein seit 1971 vom britischen Protektorat unabhängiges Arabisches Emirat. Staatsoberhaupt des Königreichs ist der Emir, der mittels Kabinett regiert. Es gibt kein Parteiensystem und keine Wahlen. Der Islam ist Staatsrelegion. Annähernd 90 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Davon sind rund 70 Prozent Shiiten, 30 Prozent Sunniten. Insgesamt leben knapp 670.000 Menschen in Bahrain, davon sind 63 Prozent Bahrainis, 19 Prozent Asiaten, 10 Prozent ausländische Araber und 8 Prozent Iraner. Die Amtssprache ist Arabisch.
  • Die gesamte Fläche des Landes von 665 Quadratkilometern verteilt sich auf 36 Inseln vor der Küste Saudi Arabiens. Die Hauptstadt Manama liegt auf der Hauptinsel Bahrain (578 Quadratkilometer).
  • Seit 1932 wird in Bahrain Erdöl gefördert, doch die Ressourcen schwinden. Die weiterverarbeitende Industrie sowie die reichhaltigen Erdgasvorkommen und das internationale Bankwesen haben an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen.
  • Das Klima ist wüstenhaft trocken mit sehr milden Wintern und heißen Sommern mit hoher Luftfeuchtigkeit. Derzeit liegen die Tageshöchsttemperaturen um 30 Grad Celsius.
  • Die Formel 1 startet seit ihrem Bestehen zum zweiten Mal in einem arabischen Land. Der erste Anlass war 1958 der Große Preis von Marokko. Damals gewann Stirling Moss auf Vanwall.
  • Die neue Rennstrecke im Süden der Hauptstadt Manama wurde vom deutschen Architekten Hermann Tilke entworfen. Zwischen dem offiziellen Baubeginn und dem ersten Grand Prix lagen 16 Monate, die Kosten werden mit 150 Millionen US-Dollar beziffert. Über 3000 Menschen arbeiteten zu Spitzenzeiten an dem Projekt. 70.000 Kubikmeter Beton und 8.500 Tonnen Stahl wurden verbaut, außerdem 82.000 Reifen und 5.000 Meter FIA-Zaun zur Streckensicherung.
  • 45.000 Zuschauer haben Platz, die Haupttribüne bietet 10.000 Plätze. 13.000 Parkplätze stehen zur Verfügung.
  • Es wurde eine zweispurige Zufahrtsstraße zwischen Stadt und Rennstrecke gebaut.
  • Das Pressezentrum ist für 500 Journalisten ausgerüstet.
  • Die Anlage bietet sechs Streckenvarianten. Die längste ist der Grand-Prix-Kurs mit 5,417 km (gemäß FIA-Angabe). Die maximale Steigung beträgt 3,6 Prozent, das maximale Gefälle 5,6 Prozent. Der Kurs hat 15 Kurven (sechs Links-, neun Rechtskurven), die Start- und Zielgerade ist 1090 Meter lang.
  • Für die Truppe von 500 Streckenposten hat sich Bahrain Unterstützung aus Australien, Österreich und Frankreich geholt.
  • Das Rennen wird über 57 Runden oder 308,769 km ausgetragen.
  • Der Grand Prix wird am Sonntag, dem 4. April 2004, um 14.30 Uhr Ortszeit gestartet, das entspricht 11.30 Uhr UTC und 13.30 Uhr in Zentraleuropa.
  • Im Rahmenprogramm trägt die Formula BMW Asia ihren Saisonauftakt aus, die ersten beiden von insgesamt 16 Rennen in sechs Ländern. 16 Fahrer starten mit den 140 PS starken, modernsten Formelfahrzeugen dieser Klasse. Darunter vier Fahrzeuge des Minardi Team Asia, dem Junior-Team des Formel-1-Rennstalls.
  • BMW engagiert sich über die Serie hinaus für die Förderung des asiatischen Formelnachwuchses und für Verkehrssicherheit: Am Bahrain Racing Circuit wurde das neue BMW Performance Center eröffnet. Dort finden Kurse für das international renommierte BMW Fahrer-Training statt, gleichzeitig beherbergt die Einrichtung ein weiteres Formula BMW Racing Center nach dem Vorbild der Schule im spanischen Valencia.
Mit 17 Punkten belegt das BMW WilliamsF1 Team nach zwei von 18 Grands Prix Platz zwei in der FIA Formel-1-Weltmeisterschaft der Konstrukteure.
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
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