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Alt 18.03.2004, 12:54     #5
Hermann   Hermann ist offline
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Der Wolf im Schafspelz: Wie der Mini Cooper entstand.

Schon lange bevor Alec Issigonis seine legendären Skizzen für den Mini aufs Papier zeichnete, verband ihn eine Freundschaft mit einem der führenden Rennwagenkonstrukteure: John Cooper. Cooper bezog Morris-Motoren, um sie in seinen Formel-Junior-Rennwagen einzusetzen, und war deshalb für den technischen Direktor Issigonis ein geschätzter Gesprächspartner, wenn es um Motorenkonstruktionen ging. Deshalb war John Cooper von Anfang an in die Entwicklung des Mini eingeweiht.

Je mehr das Projekt Mini Gestalt annahm, desto sicherer war sich Cooper, dass mit diesem neuen Auto etwas auf den Markt kommen würde, nach dem er schon lange gesucht hatte: die Basis für einen Sportwagen, der mit dem damaligen Lotus Elite konkurrieren konnte. Cooper hatte es mit einer Renault Dauphine versucht, in die er einen Coventry-Climax-Motor verpflanzte, war aber mit dem Handling bei weitem nicht zufrieden. Sobald er einen der neuen Kleinwagen in die Hände bekam, begann er mit dem Tuning. Mit solch einem Ur-Mini Cooper ging er 1959 gemeinsam mit seinem Fahrer Roy Salvadori auf die Reise zum italienischen Grand Prix nach Monza. Schon die Anfahrt geriet zu einem Wettrennen mit Reg Parnell, einem bekannten Rennfahrer, der die Strecke mit seinem Aston Martin DB4 unter die Räder nahm. Am Ziel war Coopers neuer Mini eine satte Stunde schneller und der Rennwagen-Konstrukteur sah sich in seinen Vermutungen über das Potenzial des Mini mehr als bestätigt.

Startauflage 1000 Mini Cooper.

Cooper wandte sich an Issigonis mit dem Vorschlag, einen kleinen GT aus dem Mini zu entwickeln. Issigonis aber sah in seinem Wagen weiterhin nur ein Auto für alle. Doch John Cooper ließ nicht locker: Er setzte sich direkt mit George Harriman in Verbindung, dem Chef von BMC. Die British Motor Corporation (BMC) war 1952 durch den Zusammenschluss britischer Automobilhersteller entstanden und führte unter anderem die Marken Austin, Morris, MG und Wolseley. Harriman ließ sich von Coopers Idee überzeugen und stimmte einer Kleinserie von 1000 Mini Cooper zu, um die Reaktionen zu testen.

Der Motor durfte nicht mehr als einen Liter Hubraum haben. Cooper glich deshalb den von ihm von 68,3 auf 81,3 Millimeter erhöhten Hub durch eine von 62,9 auf 62,4 Millimeter verringerte Bohrung aus. Verteilt auf die vier Zylinder ergab dies einen Hubraum von exakt 997 Kubikzentimetern.

Die Verdichtung stieg von 8,3 auf 9,0, dazu kamen größere Einlassventile und Doppelvergaser. Weitere Modifikationen betrafen die aufgebohrte Auslassöffnung und eine Verstärkung des Kurbelgehäuses, um die Mehrleistung aufzufangen. Darüber hinaus änderte Cooper im Getriebe die Übersetzungen der einzelnen Gänge, um die jeweils erzielbare Höchstgeschwindigkeit zu steigern. Die Motorleistung stieg dadurch auf 55 PS und die Höchstgeschwindigkeit auf rund 130 km/h. Damit auch die Verzögerung mit der Mehrleistung Schritt halten konnte, montierte Cooper 7 Zoll große Lockheed Scheibenbremsen an die Räder der Vorderachse. Vielen Motorsportlern kam dieser Wagen wie gerufen, und eine Reihe von Erfolgen überzeugte BMC von der Zukunft des Konzeptes.

Der Erfolgsmotor: 1071 Kubikzentimeter, 70 PS.

Auch Issigonis schwenkte nun um und arbeitete mit John Cooper gemeinsam an der nächsten Stufe der Leistungsverbesserung. Das Rezept dazu hatte John Cooper bereits bei seinen Formel-Junior-Motoren erfolgreich ausprobiert: kleiner Hub und große Bohrung, verbunden mit festeren Bolzen für die Zylinderkopfbefestigung. Dementsprechend wählten die Ingenieure für den Cooper S als Basis den Motor mit 848 Kubikzentimetern Hubraum. Der Hub von 68,2 Millimetern blieb unverändert, dafür wurde die Bohrung auf 70,6 Millimeter und damit bis an die Grenze des Möglichen vergrößert. Damit hatte Cooper zwei wichtige Ziele erreicht: Der Hubraum blieb mit 1071 Kubikzentimetern unter dem in der vorgesehenen Klasse geltenden Limit von 1100 Kubikzentimetern, und der kurze Hub erlaubte hohe Drehzahlen. So gab die neue Maschine 70 PS bei 6 200 Umdrehungen ab, die Höchstdrehzahl lag bei 7 200 Touren.

Mehr Leistung ergab natürlich erneut eine gestiegene Höchstgeschwindigkeit, und demzufolge überarbeitete John Cooper auch die Bremsen. Der Durchmesser der Scheiben wuchs auf 7½ Zoll, die Bremskraft wurde von nun an von einem Servogerät verstärkt. Mit dem Einsatz von Scheibenbremsen hatte Cooper überdies für Lockheed eine Tür geöffnet: Diese Art Bremse war zuvor nur weitaus größeren und teureren Fahrzeugen vorbehalten gewesen und zog als Konsequenz des Mini-Cooper-Erfolges mehr und mehr auch in die unteren Fahrzeugklassen ein.

10 Jahre Produktion, 19 Jahre Pause: Die Wiederauferstehung des Mini Cooper.

In dieser und ähnlicher Form wurde der Mini Cooper exakt zehn Jahre, von Juli 1961 bis Juli 1971, verkauft. Dann stellte Lord Stokes die Produktion ein. Die weltweite Nachfrage blieb davon freilich recht unbeeindruckt. John Cooper fertigte nun Tuningkits, die sich vor allem in Japan großer Beliebtheit erfreuten. Die zwischenzeitlich für Mini verantwortliche Rover Group bat Cooper, diese Kits auch auf dem Heimatmarkt anzubieten, wo sie sich ebenfalls zu einem Erfolg entwickelten. Rover erkannte die Marktchancen und ließ den

Mini Cooper 1990 wieder aufleben. Bis zum Produktionsende des Mini wurden die Mini Cooper in verschiedenen Ausführungen wieder in Longbridge gebaut. Die John Cooper Garages produzierten darüber hinaus eine Serie limitierter Editionen auf Basis des Mini Cooper S, beispielsweise den Grand Prix, Sport 5, Cooper S touring und die 90 PS S-Version. Und natürlich die Tuning Kits.
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Viele Grüße Hermann

"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."Albert Einstein
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