Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 18.03.2004, 13:53     #4
Hermann   Hermann ist offline
Senior Guru
  Benutzerbild von Hermann

Threadersteller
 
Registriert seit: 03/2001
Beiträge: 8.177

Aktuelles Fahrzeug:
E63 645Ci, E36 318i Cabrio, E39 523i Touring
Kleines Auto ganz groß: Der Mini und die Rallye Monte Carlo.

Schon von Anfang an war der Mini ein Rallye-Auto mit optimalen Voraussetzungen: Bereits gut sechs Monate nach seinem Debüt starteten sechs Werkswagen bei der Rallye Monte Carlo 1960. Sechs weitere der neuen Flitzer wurden von Privatfahrern gemeldet. Allerdings erwies sich der Neuankömmling als noch nicht besonders wettbewerbsfähig: Die beste Platzierung erreichten Riley/Jones mit dem 23. Rang. Auch im Jahr danach waren die Kleinwagen aus England nicht so recht erfolgreich: Keiner der drei gestarteten Werkswagen erreichte das Ziel.

Ganz anders 1962: In diesem Jahr fuhr erstmals der Finne Rauno Aaltonen auf einem Mini Cooper die spektakuläre Rallye. Es wäre beinahe auch seine Letzte geworden: Bei einem Unfall überschlug sich sein Auto, landete auf dem Dach und fing Feuer. Aaltonen blieben nur Sekunden, dann brannte der Mini komplett aus. Damit blieben nur noch zwei weitere Werks-Minis im Rennen, die die Rallye mit dem 26. und dem 77. Platz beendeten. In den Teilnehmerlisten tauchten jedoch noch zwei weitere Namen auf, die später in Verbindung mit dem Mini für Schlagzeilen sorgen sollten: Timo Mäkinen startete erstmals auf einem Mini Cooper, diesmal allerdings noch als Privatfahrer. Und der Sunbeam Rapier, der den dritten Platz im Gesamtklassement belegte, wurde von einem Iren namens Patrick Hopkirk bewegt.

1963: Erster Klassensieg für den Mini Cooper.

Ein Jahr später saß er schon am Steuer eines Mini Coopers. 1963 gingen vier Werkswagen an den Start zur berühmten Monte. Erfolgreichster Mini-Pilot war Rauno Aaltonen, der den Klassensieg und den dritten Platz im Gesamtklassement einfuhr. Paddy Hopkirk folgte auf Platz zwei in seinem Segment und Platz sechs in der Gesamtwertung. Die beiden anderen unter Werksflagge fahrenden Mini Cooper erreichten die Plätze 28 und 44.

1965 setzte der Finne Timo Mäkinen mit seinem Co-Piloten Paul Easter die Erfolgsstory des Mini Cooper fort und gewann souverän die Rallye Monte Carlo. Er war der einzige Fahrer im gesamten Feld, der ohne einen Strafpunkt die Tausende von Kilometern abspulte, und das bei sehr schwierigen Schnee-Verhältnissen in den französischen Alpen. Mäkinen fuhr erstmals einen Mini Cooper mit der neuen 1275 Kubikzentimeter großen Maschine, die für dieses Modell zum Synonym wurde. Er war gemeinsam mit Paddy Hopkirk

von Stockholm aus gestartet, zwei weitere Autos kamen aus Minsk und je eines aus Paris und Athen. Hopkirk beendete die Rallye auf Platz 26, auf dem nächsten Rang folgte mit den Brüdern Eric und Donald Morley ein weiteres Werksteam.

1965 brach BMC erstmals eine Tradition: Von Anfang an trugen die Mini Cooper des Werks eine tartanrote Lackierung mit weißem Dach. Auch in diesem Jahr waren die Autos so lackiert – mit einer Ausnahme: Das schwedische Team Kallström/Haakansson fuhr ein grünes Rallyeauto mit weißem Dach.

1965: Nur 35 von 237 Autos erreichen das Ziel – darunter drei Mini Cooper S.

Neben der Rallye Monte Carlo des Jahres 1952, als das Wetter in den Seealpen nur Schnee und Eis zu bieten hatte, galt die des Jahres 1965 als die bis dahin schwierigste. Statt des abschließenden Rundstreckenrennens auf dem Formel-1-Kurs durch die Häuserschluchten der Stadt mussten die Teams erneut in die Berge starten. In einer zweiten mörderischen Nachtfahrt von Saint-Claude nach Monte Carlo über 610 Kilometer jagten die Rallyeautos ein weiteres Mal unter schwierigsten Bedingungen durch die Seealpen. Im dichten Schneetreiben lag die Sicht fast bei Null, das von Schnee und Eis reflektierte Halogenlicht blendete die Fahrer, so dass zum Schluss nur noch 35 von einst 237 gestarteten Teams die Zielflagge sahen.

Vor diesem Hintergrund galt die Leistung Mäkinens als besonders herausragend. Immerhin war der Skandinavier auf den letzten, schwierigen Etappen in drei von fünf Sonderprüfungen die schnellste Zeit gefahren. In die letzte Nachtfahrt startete er mit acht Minuten Vorsprung, und im Verlauf dieses letzten Abschnitts markierte er in fünf von sechs Sonderprüfungen die Bestzeit.

Umstrittene Entscheidung 1966: Gewonnen – und disqualifiziert.

1966 versuchte die Mini-Armada den Hattrick. Die vier Cooper-Teams waren hohe Favoriten und standen ganz im Mittelpunkt des Interesses. Von Anfang an erfüllten sie diese Rolle voll und ganz: Mäkinen, Aaltonen und Hopkirk fuhren dem Feld auf und davon. Am Ende der Rallye belegten sie die ersten drei Plätze. Doch dann folgte eine der umstrittensten Entscheidungen in der Geschichte der Rallye Monte Carlo: In einer achtstündigen technischen Abnahme nach Ende der Rallye stellten die Kommissare schließlich fest, dass die vier Zusatzscheinwerfer vor dem Kühlergrill der Mini Cooper nicht exakt den französischen Zulassungsbestimmungen entsprachen. Nur auf Grund dieser – umstrittenen – Tatsache erkannte die Jury den drei Erstplatzierten ihren Sieg ab. Auch der an vierter Stelle rangierende Lotus Cortina wurde mit derselben Begründung disqualifiziert. Am Ende stand der Citroën-Fahrer Toivonen als Sieger auf der obersten Treppenstufe.

Ungeachtet dieser bitteren Entscheidung kehrten die Mini Cooper 1967 zur Rallye Monte Carlo zurück. Die drei Musketiere Aaltonen, Hopkirk und Mäkinen wurden ergänzt von Simo Lampinen und Tony Fall. Der „fliegende Finne“ Rauno Aaltonen mit der Startnummer 177 fuhr als Schnellster ins Ziel, zwölf Sekunden schneller als der zweitplatzierte Lancia. Auch alle anderen Mini Cooper sahen die Zielflagge, Hopkirk als sechster, Fall als zehnter, fünfzehnter wurde Lampinen und Mäkinen landete auf Platz 41.

1968 startete die werksseitige Mini-Armada zum letzten Mal mit dem Ziel Monaco. Aaltonen belegte mit seinem Mini Cooper S den dritten Platz, Fall den vierten und Hopkirk den fünften, während Mäkinen auf Platz 55 die Rallye Monte Carlo beendete. Auch wenn die Ergebnisse noch mal hervorragend waren, stand fest: Der Mini Cooper S hatte als Rallyeauto seinen Zenit überschritten. Die Ära endete – aber die Legende blieb. Bis heute weiß jeder Rallyefan, was 33 EJB bedeutet – es war das Kennzeichen von Paddy Hopkirks Mini Cooper S, mit dem er die Rallye Monte Carlo 1964 gewonnen hatte.
__________________
Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
Mit Zitat antworten