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Alt 29.02.2004, 15:08     #2
Hermann   Hermann ist offline
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Großer Preis von Australien – 5.-7. März 2004 - VORSCHAU

Endlich! Am Sonntag, dem 7. März, ist es soweit: Der erste von 18 Formel-1-Grands-Prix der Saison 2004 wird ein wenig Licht ins Dunkel um die aktuellen Leistungsverhältnisse der Teams bringen. Vor dem Start zum Großen Preis von Australien im malerischen Albert Park von Melbourne beherrschen Spannung und Anspannung die Formel 1 und ihre Fangemeinde.

Das BMW WilliamsF1 Team hat sich in den vier Monaten seit dem Finale der zurückliegenden Saison mit einem intensiven Testprogramm vorbereitet. Es erstreckte sich über 33 Tage und fünf Länder. Der BMW P84 Motor wurde seit September über 20.000 Testkilometern unterzogen. Das neue Chassis wurde in diesem Jahr Anfang Januar und somit knapp vier Wochen früher vorgestellt als 2003. Es erfuhr seither rund 15.000 Erprobungskilometer.

Juan Pablo Montoya:

Ich kann es kaum noch abwarten, wieder Rennen zu fahren. Die Testarbeit im Winter ist anstrengend, aber nicht sehr befriedigend, weil man nie wirklich weiß, wo man steht. Das zeigt sich erst beim Saisonauftakt.

Ich blicke zuversichtlich in die Saison. Ich denke, dass der FW26 von Beginn an konkurrenzfähig sein wird, anders als der FW25 im Vorjahr. Damals haben wir eine Weile gebraucht, um uns das volle Potenzial des Autos zu erschließen. Unsere direkte Konkurrenz wird sehr stark sein. Wir werden wieder gegen Ferrari und McLaren kämpfen, aber es könnte auch Überraschungen durch Renault und BAR geben.

Durch das geänderte Reglement wird das Qualifying eine ganz andere Geschichte als im vergangenen Jahr. Trotzdem wird man nie Autos im echten Qualifikationstrimm sehen. Im ersten Durchgang wird man zwar mit wenig Kraftstoff fahren, aber mit der Rennabstimmung. Das heißt: Das Auto neigt zum Untersteuern. Ohne das vollautomatische Getriebe auszukommen, ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber dafür braucht man nur zehn bis 15 Runden. Wegen des Motorenreglements mache ich mir wenig Sorgen, unsere Standfestigkeit beim Testen war gut.

Ich mag Australien und Melbourne sehr gern. Ich vergangenen Jahr und im Jahr davor war ich jeweils Zweiter. Ich hoffe, mich steigern zu können.

Ralf Schumacher:

Man wünscht sich ja eigentlich immer ein paar Tage mehr Zeit zum Testen, weil man alles perfekt machen will, aber eigentlich bin ich froh, dass es endlich losgeht. Ich bin fitter und motivierter denn je, und ich denke, dass wir mit dem FW26 um einiges besser vorbereitet sind als im vergangenen Jahr. Deshalb ist es kaum vermessen, wenn ich sage, dass wir in Australien aus eigener Kraft um den Sieg mitfahren können.

Aber das macht ja den Reiz des Saisonauftakts in Melbourne aus: Beim Testen kann man Tendenzen erkennen, doch endgültig weißt du erst auf der Strecke im Albert Park, wo du mit deinem Auto im Vergleich zur Konkurrenz genau stehst.

Außerdem freue ich mich auf ein paar Tage zur Akklimatisation in Melbourne, weil ich dieses Fleckchen Erde und seine Menschen einfach sympathisch finde.

Sam Michael (Chief Operations Engineer WilliamsF1):

Als erstes Rennen der Saison ist Melbourne für alle Teams besonders aufregend, natürlich will jeder wissen, wo er steht. Die Strecke im Albert Park ist ein Kurs mit niedrigem Grip-Niveau. Sie bietet sowohl langsame als auch mittelschnelle Kurven, außerdem zwei Hochgeschwindigkeitspassagen. Diesen komplexen Anforderungen muss man bei der Abstimmung gerecht werden.

Man benötigt auch viel aerodynamischen Abtrieb. Nachdem dieser durch Reglementänderungen reduziert wurde, werden wir in Melbourne annähernd mit der steilsten Heckflügeleinstellung fahren. Bei der mechanischen Fahrwerksabstimmung ist das Ziel, gute Traktion zum Beschleunigen aus langsamen Kurven zu erreichen, ohne die Balance am Scheitelpunkt zu beeinträchtigen. Die Fahrer müssen häufig aus hoher Geschwindigkeit abbremsen. Der Albert Park ist zwar nicht der härteste Kurs bezüglich des Bremsenverschleißes, aber man muss diesen Punkt im Auge behalten.

Wir haben im Winter intensive Testarbeit mit Michelin betrieben. Die beiden Reifensorten, die wir in Melbourne zur Auswahl haben werden, sollten uns verschiedene Rennstrategien erlauben. Die beiden neuen Mischungen haben beim Testen beeindruckende Ergebnisse gebracht.

Nachdem die Startautomatik nun verboten ist und wieder viel mehr in der Hand der Fahrer liegt, haben wir in unserem Testprogramm auch ausgiebig Starts geübt. Die Resultate sind ermutigend, aber, um sie wirklich zu bewerten, müssen wir den Start in Melbourne abwarten.

Die neuen Regeln schreiben auch vor, dass man das gesamte Wochenende mit einem Motor bestreiten muss. Andernfalls wird man in der Startaufstellung um zehn Plätze zurückversetzt. BMW hat viel Zeit in Rennsimulationen und Prüfstandsläufe investiert, um die Standfestigkeit zu gewährleisten, ohne dabei zuviel Leistung einzubüßen.

Die Frage der Rennstrategie ist hochinteressant. Sie wird sich erneut vom Vorjahresbild abheben – einerseits wegen des auf 100 km/h angehobenen Tempolimits in der Boxengasse, andererseits wegen der umgebauten Boxenzufahrt. Mit all diesen Neuerungen und mit Sicherheit vielen konkurrenzfähigen Autos am Start wird diese Saison für die Fans garantiert sehr spannend – und für uns an der Boxenmauer sehr anstrengend.

Mario Theissen (BMW Motorsport Direktor):

Wir haben eine intensive Saisonvorbereitung hinter uns. Seit der ersten Erprobung des BMW P84 Motors im Fahrbetrieb, das war am 4. September 2003 in Monza, haben wir über 20.000 Testkilometer mit dem neuen Triebwerk abgespult. Dass die Basis stimmte, war schnell klar. Dann ging es um Fitnesstraining für die gemäß dem neuen Reglement nahezu verdoppelte Laufleistung.

Bei den Tests haben wir mehrfach komplette Rennwochenenden erfolgreich simuliert, sind also 800 Kilometer unter realistischen Bedingungen gefahren. Der frühe Entwicklungsbeginn hat sich ausgezahlt. Dennoch müssen wir uns auf Überraschungen einstellen. Große Hitze etwa oder Startabbrüche lassen sich beim Test nur unzureichend darstellen. Was die Leistung angeht, kommen wir ebenfalls gut voran. In der Konzeptphase des Ein-Wochenend-Motors hatten wir noch mit Einbußen von bis zu zehn Prozent gerechnet. Inzwischen kann ich mir sogar vorstellen, dass wir im Laufe der Saison unsere Spitzenwerte von 2003 wieder erreichen, also über 900 PS. Wir fühlen uns insgesamt gut gerüstet für den Saisonstart.

Zahlen und Fakten
  • Der zentral gelegene Grand-Prix-Kurs von Melbourne führt durch den Albert Park am gleichnamigen See entlang.
  • Eine Runde misst 5,303 Kilometer. Das Rennen wird über 58 Runden (307,574 Kilometer) ausgetragen.
  • Der Grand Prix wird am Sonntag, dem7. März 2004, um 14.00 Uhr Ortszeit gestartet, das entspricht 04.00 Uhr in Deutschland.
  • 2004 ist Melbourne zum neunten Mal in Folge Austragungsort des Großen Preises von Australien. Zuvor fand der GP in Adelaide statt, wo WilliamsF1 vier Siege erzielte. Den bisher einzigen Sieg von WilliamsF1 in Melbourne holte 1996 der Brite Damon Hill.
  • Das BMW WilliamsF1 Team hatte in den vergangenen vier Jahren seines Bestehens wechselhaften Erfolg in Melbourne. Im Jahr 2000 belegte Ralf Schumacher beim Debüt des Teams Rang drei. 2001 fielen beide Fahrzeuge aus. 2002 belegte Juan Pablo Montoya Platz zwei, während Ralf Schumacher bereits in der ersten Kurve des Rennens nach einem dramatisch aussehenden Unfall mit Rubens Barrichello (Ferrari) ausgefallen war. 2003 verspielte Montoya bei einem Dreher in Führung liegend zehn Runden vor dem Ziel seine Siegchancen und wurde Zweiter. Ralf Schumacher lag an dritter Position, wurde aber durch einen klemmenden Zentralverschluss beim Boxenstopp zurückgeworfen und kam letztlich als Achter ins Ziel. Die Piloten des BMW WilliamsF1 Teams waren von den Startplätzen drei (Montoya) und neun (Schumacher) ins Rennen gegangenen.
  • Sieger des GP Australien 2003 wurde nach Montoyas Ausrutscher David Coulthard (McLaren-Mercedes). Sein Teamkollege Kimi Räikkönen fuhr in 1.27,724 min die schnellste Rennrunde und ist damit Rundenrekordhalter. Die Poleposition eroberte 2003 Ferrari-Pilot Michael Schumacher in 1.27,173 min.
  • Der Zeitplan beim diesjährigen GP Australien sieht gemäß des neuen Reglements folgendermaßen aus:

    Freies Training: Freitag 11.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 15.00 Uhr sowie Samstag 10.00 bis 10.45 und 11.15 bis 12.00 Uhr.

    Das Qualifying beginnt am Samstag um 14.00 Uhr und wird in zwei aufeinander folgenden Einzelzeitfahren ausgetragen. Die Startreihenfolge für das erste Einzelzeitfahren entspricht dem Zieleinlauf des Saisonfinales 2003 in Japan. Dort wurde Ralf Schumacher Zwölfter, Montoya schied aus. Sieger Rubens Barrichello (Ferrari) wird in Melbourne die Zeitenjagd 2004 eröffnen. Zum zweiten Einzelzeitfahren wird in umgekehrter Reihenfolge des Ergebnisses des ersten Durchgangs gestartet – der zuvor Langsamste geht als Erster auf die Bahn.
  • Melbourne liegt an der östlichen Südküste Australiens und ist die Hauptstadt des Staates Victoria. Melbourne ist die zweitgrößte Stadt Australiens und zählt 3,2 Millionen Einwohner. Melbourne City erstreckt sich über 36,5 Quadratkilometer, die Innenstadt ist geprägt von einem Geschäftsviertel, einem interessanten Mix aus moderner und historischer Architektur, dem attraktiven Southbank-Viertel und den wichtigsten Sportzentren sowie zahlreichen Parks und Grünanlagen. Durch die Lage in der Asien-Pazifik-Region ist Melbourne die Handelsdrehscheibe Australiens.
  • Den Streckenposten in Melbourne werden einige angehende Kollegen aus Bahrain zur Seite gestellt, die so praktische Erfahrung sammeln sollen. Beim GP in Bahrain, dem dritten WM-Lauf, werden außerdem routinierte Posten aus Australien vor Ort sein.
  • Wie im Vorjahr profitiert das Grün im Albert Park auch 2004 von über 100.000 Litern Wasser, die Mitte Februar mit dem Ende einer Swimmingpool- und Spa-Ausstellung im Melbourne Exhibition Centre verfügbar wurden. Nach der extremen Dürre des vergangenen Jahres herrschen in Melbourne noch immer Beschränkungen für den Wasserverbrauch.
  • Die Zielflagge beim diesjährigen Großen Preis von Australien wird Stephanie Sheene schwenken, die Witwe des im März 2003 im Alter von 52 Jahren verstorbenen zweifachen Motorrad-Weltmeisters Barry Sheene.
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Viele Grüße Hermann

"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."Albert Einstein
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