Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 21.11.2003, 18:58     #2
Hermann   Hermann ist offline
Senior Guru
  Benutzerbild von Hermann

Threadersteller
 
Registriert seit: 03/2001
Beiträge: 8.177

Aktuelles Fahrzeug:
E63 645Ci, E36 318i Cabrio, E39 523i Touring
Interview mit Mario Theissen.

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen: „Die Weichen für 2004 sind gestellt – wir wollen gewinnen“.

Wie fällt Ihr Saisonfazit für BMW Motorsport aus?

Mario Theissen: Positiv. In der Formel 1 haben wir unsere bisher stärkste Leistung gezeigt und bis zum Ende um die Weltmeisterschaft gekämpft. Wir haben vier Siege, darunter zwei Doppelsiege, und mehr als anderthalb Mal so viele WM-Punkte wie im Vorjahr erzielt. In der Tourenwagen-Europameisterschaft haben wir den Markentitel gewonnen und bis zur letzten Runde um die Fahrer-EM gekämpft, die wir letztlich mit einem einzigen Punkt Rückstand verpasst haben. In der Formel BMW haben die Youngster in Deutschland und in Asien erstklassigen Sport geboten. Zudem ist es uns gelungen, die Serie weiter zu internationalisieren: 2004 startet diese Talentschmiede auch in England und in den USA. Außerdem haben Privatfahrer auf BMW große Erfolge erzielt, allen voran Claudia Hürtgen in der Deutschen Tourenwagen Challenge, die als erste Frau einen deutschen Tourenwagentitel errang.

Welche Gründe machen Sie dafür verantwortlich, dass es in der Formel 1 nicht ganz zum Titelgewinn gereicht hat?

Mario Theissen: Wer die WM gewinnen will, muss vom ersten Rennen an gut aufgestellt sein. Das waren wir 2003 noch nicht. Unser Saisonstart war zu schwach. Zur Saisonmitte waren wir phantastisch unterwegs, aber in den letzten drei GP war die Fehlerquote bei uns zu hoch.

Was waren für Sie die Saisonhöhepunkte?

Mario Theissen: Bezogen auf Einzelergebnisse waren es zweifelsohne die Formel-1-Siege. Nach Monte Carlo schaut die Welt – diesen Grand Prix zu gewinnen, ist schon etwas ganz Besonderes. Die Doppelsiege auf dem Nürburgring und in Magny-Cours waren traumhaft. Fast noch besser hat mir unsere Dominanz in Hockenheim gefallen – ein Sieg mit mehr als einer Minute Vorsprung kommt in der Formel 1 schließlich nicht alle Tage vor. Aber neben diesen Erfolgen gibt es noch zwei andere Aspekte, die 2003 für mich zu einer so guten Saison machen: Erstens, dass unser Motor nicht nur stark war, sondern auch extrem zuverlässig. Nur ein Mal rollte er wegen eines Lecks im Wasserkreislauf vor Rennende in die Box – ohne Kühlwasser läuft eben auch der beste Motor nicht. Zweitens, dass WilliamsF1 mit einer verblüffenden Steigerung während der Saison beeindruckende Größe gezeigt hat.

Wie sieht das Programm von BMW Motorsport für 2004 aus?

Mario Theissen: Wir wollen die Formel-1-Weltmeisterschaft gewinnen, das hat ganz klar oberste Priorität, und die Weichen sind gestellt. Der BMW P84 Motor hat bereits erste Tests erfolgreich bestanden, WilliamsF1 hat ein erneut innovatives Chassis angekündigt, und die Vernetzung der Fabriken in München und in Grove schreitet weiter voran. Unser nunmehr durchgängiges, gemeinsames Projektmanagement wird 2004 weitere Früchte tragen. Parallel wird sich BMW auch im kommenden Jahr mit Nationen-Teams in der Tourenwagen-EM engagieren, weiter am internationalen Ausbau der Formel BMW arbeiten und auch den Breitensport unvermindert unterstützen.

Wie beurteilen Sie den Formel-1-Kalender 2004?

Mario Theissen: Wir begrüßen die Erhöhung auf 18 Rennen, weil dabei vor allem die Fans und Zuschauer auf ihre Kosten kommen. Außerdem möchten wir auch gerne weiterhin in Montreal antreten. Nordamerika ist ein wichtiger Markt für BMW, der Grand Prix in Montreal hat einen besonderen Charme und wurde logistisch gut in den Kalender integriert, weil er mit dem Rennen in Indianapolis zu einer Überseereise zusammengefasst werden kann. Mit großer Neugier und Vorfreude sehen wir den neu aufgenommenen Austragungs_orten, Shanghai und Bahrain, entgegen. In China und im Nahen Osten technische Kompetenz demonstrieren zu können, ist für uns als Automobil_hersteller in höchstem Maße attraktiv.

Sind Sie zufrieden mit dem für 2004 verabschiedeten Reglement?

Mario Theissen: Im Großen und Ganzen schon, und ich rechne diesmal auch nicht mit Überraschungen im Januar. Mit einem einzigen Motor das gesamte Rennwochenende bestreiten zu müssen, ist natürlich eine große Herausforderung. Auf Basis dieser Regelung, auf die wir uns schon frühzeitig vorbereitet haben, stellt der neue Ablauf eine gute Lösung dar. Insbesondere die Vorgabe, sich bereits am Samstagmorgen bezüglich der Rennreifen festlegen zu müssen, stellt ein intensives Training am Freitag sicher. Damit sind sowohl der Freitag als auch der Samstag mit den beiden aufeinander folgenden Qualifyings für die Zuschauer attraktiver geworden.
__________________
Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
Mit Zitat antworten