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Alt 03.10.2003, 12:45     #62
Hermann   Hermann ist offline
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Großer Preis von Japan – 10.-12. Oktober 2003 – VORSCHAU

Nach dem turbulenten Rennen in Indianapolis, bei dem Juan Pablo Montoya seine Chancen auf die Fahrer-Weltmeisterschaft verlor, hat sich die Mannschaft umso mehr eine bessere Vorstellung beim WM-Finale 2003 im japanischen Suzuka vorgenommen. Fest steht bereits: Dort endet am 12. Oktober die bisher erfolgreichste Saison des deutsch-englischen Teams seit Beginn der Partnerschaft im Jahr 2000.

Während Michael Schumacher und Kimi Räikkönen den Kampf um die Fahrer-Krone unter sich ausmachen werden, ist das BMW WilliamsF1 Team mit drei Punkten Rückstand auf Ferrari noch im Rennen um die FIA Formel-1-Weltmeisterschaft der Konstrukteure. Entsprechend intensiv waren die Vorbereitungen auf den letzten Grand Prix der Saison 2003: In Jerez de la Frontera wurde mit drei Fahrern getestet, und am FW25 kommen erneut aerodynamische Verbesserungen zum Einsatz.

Juan Pablo Montoya:

Es ist wirklich extrem schade, dass mein Kampf um die Fahrer-WM in Indianapolis beendet wurde, zumal auf solche Art und Weise. Natürlich hatte ich gehofft, in Suzuka noch Titelchancen zu haben, aber das ist nun eben mal nicht so. Jetzt konzentriere ich mich darauf, dort so viele Punkte wie möglich zu sammeln, um mit dem Team noch die Konstrukteurs-WM zu gewinnen.

Nach der Papierform ist Suzuka eine der schwierigsten Strecken für uns. Aber ich mag den Kurs und zähle ihn zu meinen Lieblingsstrecken. Er ist schnell und ähnelt Spa, es gibt viele Richtungswechsel, und das kommt meinem Fahrstil entgegen. Vor zwei Jahren habe ich mich für den zweiten Platz qualifiziert und bin auch im Rennen Zweiter geworden, im vergangenen Jahr kam ich als Vierter ins Ziel. Diese Ergebnisse machen mich einigermaßen zuversichtlich. Ich weiß, dass der Kurs seit 2002 leicht verändert wurde – das betrifft die 130R-Kurve und die Schikane. Das muss ich mir erstmal genau ansehen.

Ehe ich in die F1 kam, bin ich in Japan zwei CART-Rennen in Montegi gefahren und hätte sie beide fast gewonnen. Es hat mir dort gefallen, es ist eine interessante Strecke. Dann freute ich mich sehr auf meinen ersten Besuch in Suzuka 2001. Alle sagten mir, das sei eine tolle Strecke mit großartigen Kurven – und sie hatten definitiv Recht.

Die leidenschaftliche Begeisterung der japanischen Fans ist beeindruckend. Sie warten Stunden lang vor dem Streckeneingang, und wenn man dann ankommt, herrscht großes Jubeln und Winken. Ich will in Suzuka etwas von der jüngsten Enttäuschung wieder wettmachen.

Ralf Schumacher:

Nach dem verpatzten Rennen in Indianapolis kann es für unser Team jetzt nur heißen: Angriff im Finale! Für Juan Pablo ist es natürlich schade, dass er nicht mehr in den Kampf um die Fahrer-WM eingreifen kann, aber wir haben noch das Ziel, die Konstrukteurs-WM zu gewinnen. Die drei Punkte auf Ferrari sind aufzuholen, da bin ich mir ganz sicher. Und auch die Tests letzte Woche in Jerez machen mich optimistisch, dass wir unser großes Ziel erreichen können.

Obwohl ich im Formel-1-Kalender keine unbedingte Lieblingsstrecke habe, so muss ich doch sagen, dass Suzuka zu meinen Favoriten gehört. Die S-Kurven hinter den Boxen und die ultraschnelle 130R sind so ziemlich das Anspruchvollste, was die Formel 1 zu bieten hat. Außerdem fühle ich mich in Japan prinzipiell ganz wohl, schließlich habe ich dort ein Jahr lang mit der Formel Nippon verbracht. Nach deutscher Zeit ist der Start am Sonntag um 7.30 Uhr. Für uns geht es um die Konstrukteurs-WM, für meinen Bruder und Kimi Raikkönen geht es um die Fahrer-WM - da bin ich mir sicher, dass bei diesem Finale das frühe Aufstehen für jeden Formel-1-Fan eine leichte Übung wird.

Sam Michael (WilliamsF1, Chief Operations Engineer):

Suzuka ist der aufregendste Kurs im gesamten F1-Kalender. Die Runde beginnt mit einer Reihe schneller Kurven, es folgen die Haarnadel, die berühmte Hochgeschwindigkeitskurve 130R und die Schikane. Diese Kombination stellt fahrerisch höchste Ansprüche. Um in Suzuka schnell zu sein, muss ein Pilot den richtigen Rhythmus finden.

Um Fahrstabilität bei hohen Geschwindigkeiten zu gewährleisten, braucht man höheren Anpressdruck und eine steifere Fahrwerksabstimmung als üblich. Vor der Haarnadel und der Schikane sind die Bremsen ein entscheidender Faktor, wenngleich die Schikane nach den Streckenmodifikationen jetzt deutlich schneller zu durchfahren ist. Wir haben beim Test in Spanien intensiv mit Michelin gearbeitet und werden in Suzuka neues Material zur Verfügung haben.

Um den Luftwiderstand der steilen Flügeleinstellungen kompensieren zu können, ist Motorleistung enorm wichtig. Überholen ist keine leichte Aufgabe. Eine Möglichkeit besteht vor der Schikane und jetzt vielleicht eine weitere am Eingang der ersten Kurve. Die Faktoren Gewichtsnachteil durch einen vollen Tank und Reifenverschleiß machen die Strategie interessant.

Mario Theissen (BMW Motorsport Direktor):

Der Rennverlauf in Indianapolis war natürlich eine große Enttäuschung für das ganze Team. Aber Enttäuschungen gehören zum Sport. Das muss jedem klar sein, der eine solche Herausforderung annimmt. Bei anderer Gelegenheit hatten wir 2003 Grund, stolz zu sein - auf vier Siege, insgesamt zwölf Podiumsplätze und vier Polepositions. Wir haben das Ergebnis von Indy verarbeitet und wollen jetzt unsere Chance auf den Konstrukteurstitel in Japan nutzen. Suzuka zählt zu den anspruchsvollsten Strecken im Formel-1-Kalender. Nicht nur fahrerisch, auch für die Motoren: Die ultraschnelle 130R-Kurve stellt mit einer Querbeschleunigung von 4 g die höchsten Anforderungen an den Ölkreislauf. Wie alle bisherigen Ausbaustufen des BMW P83 Motors hat auch die jüngste, die wir seit Indianapolis einsetzen, sowohl Leistungsfähigkeit als auch Zuverlässigkeit bewiesen.

Zahlen und Fakten
  • Suzuka war schon häufig Schauplatz großartiger Duelle und Titelentscheidungen. Zuletzt fiel auf dieser Strecke im Jahr 2000 die WM-Entscheidung, damals war der GP Japan allerdings nicht Saisonfinale, sondern vorletzter WM-Lauf. Michael Schumacher gewann in jenem Jahr seinen ersten Titel mit Ferrari.
  • 1987, beim ersten in Suzuka ausgetragenen Grand Prix, sicherte sich Nelson Piquet mit WilliamsF1 seinen dritten WM-Titel. Rennsieger wurde Gerhard Berger auf Ferrari. Das Suzuka-Rennen von 1994 ist bei WilliamsF1 ebenfalls besonders gut in Erinnerung geblieben: Damals gewann Damon Hill gegen Michael Schumacher in einem wegen heftigen Regens unterbrochenen Rennen, zog dadurch in den Punkten gleich mit Schumacher und hielt den Titelkampf bis zum Finale in Adelaide offen. 1996 erzielte Damon Hill den dritten Suzuka-Sieg von WilliamsF1.
  • Ehe 1987 der erste GP in Suzuka stattfand, wurden 1976 und 1977 zwei Große Preise von Japan auf der Rennstrecke auf Fuße des Mount Fuji ausgetragen. 1994 und 1995 fand je ein GP Pazifik statt, Austragungsort war Aida.
  • 2002 wird der 19. Große Preis von Japan in Suzuka gestartet, er ist das insgesamt 23. Formel-1-Rennen in diesem Land.
  • Die Stadt Suzuka liegt an der Süd-Ost-Küste der japanischen Hauptinsel Honshu und gehört zur Mie Präfektur. Die ortsansässige Industrie stellt vor allem Nahrungsmittel und Textilien her, außerdem hat Honda große Fertigungsstätten in Suzuka. Die Stadt wurde im Jahr 645 erstmals urkundlich erwähnt und hat heute etwa 184.000 Einwohner. In Suzuka gibt es eine medizinische Universität. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören buddhistische Tempel sowie Shinto Schreine.
  • Die Rennstrecke liegt inmitten von Suzuka-Land, einem Freizeitpark, der für die Familien der Honda-Mitarbeiter errichtet wurde.
  • Die Strecke ist die einzige im F1-Kalender in Form einer Acht und bietet alle Varianten von Kurven – von der engen „Spoon“-Kurve bis zur ultraschnellen 130R.
  • Im Jahr 2000 wurde das Formel-1-Fahrerlager während des Trainings von den Ausläufern eines Erdbebens leicht erschüttert.
  • 2002 waren Ralf Schumacher und Montoya von den Plätzen fünf und sechs gestartet. Der Deutsche lag an dritter Position, ehe er vier Runden vor Rennende von einem Motorschaden gestoppt wurde. Montoya kam als Vierter ins Ziel.
  • Michael Schumacher erzielte 2002 in Suzuka die Poleposition (1.31,317 min), fuhr die schnellste Rennrunde (1.36,125 min) und gewann den Grand Prix.
  • Der Kurs misst 5,807 Kilometer. Das Rennen wird über 53 Runden (307,573 km) ausgetragen. Der Start erfolgt am Sonntag, dem 12. Oktober 2003, um 14.30 Uhr Ortszeit, das entspricht 7.30 Uhr in Deutschland.
Mit 144 Punkten belegt das BMW WilliamsF1 Team derzeit Platz zwei in der FIA Formel-1-Weltmeisterschaft der Konstrukteure.
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
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