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Alt 08.06.2003, 16:53     #26
Hermann   Hermann ist offline
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Großer Preis von Monaco – 29. Mai bis 1. Juni 2003 - VORSCHAU

Nach der weitläufigen Idylle des A1-Rings sind die geschäftigen Straßen von Monte Carlo die nächste Station für das BMW WilliamsF1 Team in der FIA Formel-1-Weltmeisterschaft 2003. Der Stadtkurs, mit 3,34 Kilometern Länge der kürzeste Parcours unter den GP-Strecken, ist ein extrem enger Leitplankenkanal. Heutige Maßstäbe für Rennstrecken-Architektur lassen sich nicht anlegen. Vielmehr sind kultische Traditionen und grenzenloser Glamour Fürsprecher für den berühmtesten aller Grands Prix. Die Gästeliste ist ein Who-is-who internationaler Stars. Nirgendwo sind die Zuschauer näher am Geschehen als in Monte Carlo.

In Ermangelung von Auslaufzonen verzeiht die Strecke keine Fehler, sie enden fast immer in der Streckenbegrenzung und mit Karosserieschäden. Überholmanöver sind nahezu unmöglich. Traktion ist das, was beim siebten WM-Lauf zählt. Nachdem das BMW WilliamsF1 Team beim Großen Preis von Österreich gezeigt hat, dass es wieder um die Spitze mitfahren kann, arbeitete die Mannschaft mit Juan Pablo Montoya und Marc Gené bei Testfahrten im französischen Le Castellet an weiteren Verbesserungen.

Ralf Schumacher:

So gerne ich auch nach Monaco komme, weil ich dort ein paar Jahre gelebt habe, so sehr habe ich auch Respekt vor diesem Rennen, weil es einfach nicht mehr zeitgemäß ist, mit unseren Autos durch die Häuserschluchten zu rasen. Vom Prinzip her denke ich, dass unser Auto durch den verkürzten Radstand sehr gut auf diesen Stadtkurs passen müsste, allerdings spielt natürlich auch die Aerodynamik eine große Rolle, und da müssen wir uns noch etwas einfallen lassen. Aber ich sehe, dass das Team Schritt für Schritt in die richtige Richtung geht, deshalb bin ich recht optimistisch, was das Rennen in Monaco und auch die weitere Zukunft betrifft.

Juan Pablo Montoya:

Mit nur einer zur Verfügung stehenden Runde und viel Kraftstoff an Bord wird das Abschlussqualifying ziemlich interessant. Auf diesem Kurs eine gute Runde hinzubekommen, ist sehr schwierig. Für das Qualifying braucht man in Monaco viel Gewicht im Heck des Autos, und das ist das Letzte, was man im Rennen gebrauchen kann. Die Strategie wird wichtiger denn je, weil man in Monaco unbedingt weit vorn starten muss, sonst kann man nach ein paar Runden schon über zehn Sekunden Rückstand auf die Spitze haben. Wir müssen erst einmal trainieren und sehen, wie schnell wir dort sein können, bevor wir irgendeine strategische Entscheidung treffen. Die Schwimmbadkurve ist mein Favorit. Ich weiß, dass dort Umbauten vorgenommen wurden, aber es ist noch immer eine sehr anspruchsvolle Passage. Der Kurs in Monte Carlo beansprucht die Reifen sehr stark, und ein gutes Auto zu haben, macht den entscheidenden Unterschied. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesbezüglich weiter Fortschritte machen. Das hat der GP Österreich gezeigt.

Sam Michael, WilliamsF1 Chief Operations Engineer:

Nach der ermutigenden Anfangsphase zuletzt in Spielberg, wo Juan in Führung gelegen hatte, haben wir ein Problem im Kühlwassersystem bekommen, das anlässlich der beiden Neustarts entstanden ist. Wir haben den Fehler untersucht und in Paul Ricard Tests durchgeführt, um sicher zu stellen, dass dies nicht erneut passiert. Auch Ralf war stark unterwegs, ehe er in Kurve eins auf Öl wegrutschte und dabei die Front des Autos beschädigte. Das führte zu einer instabilen Balance, wodurch er später ins Kiesbett rutschte. Immerhin hat er einige wertvolle Punkte für unser Team gesammelt.

Trotz allem ist es ermutigend zu sehen, dass wir Fortschritte mit dem FW25 machen. In Paul Ricard haben wir mit Marc und Juan das intensive Testprogramm fortgesetzt. Bei beiden Fahrern standen Reifentests, Aerodynamik- und Abstimmungsarbeiten für den kommenden Grand Prix auf dem Programm.

Monaco ist ein enger und kurviger Stadtkurs, der das beste Chassis und den besten Fahrer belohnt. Im Vorjahr hat Juan die Poleposition geholt. Das Gripniveau nimmt mit steigendem Gummiabrieb auf dem Asphalt im Laufe des Rennwochenendes dramatisch zu. Deshalb geht es in der Abstimmung um maximalen mechanischen Grip. Monaco ist ein typisches Ein-Stopp-Rennen. In den engen Straßen ist das Überholen praktisch unmöglich. Deshalb liegt unser Fokus darauf, die beste Strategie zu finden und beide Autos in die Punkteränge zu bekommen.

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen:

In Österreich haben wir gezeigt, dass wir wieder an der Spitze mitfahren können. Und zu dieser Form müssen wir konstant finden. Wir haben auf dem A1-Ring unseren ersten technischen Ausfall 2003 verzeichnet, aber auch diese Tatsache lässt uns nicht an unserem Weg zweifeln. Der Kühlwasserverlust war nicht auf einen Fehler im Motor zurückzuführen. Der BMW P83 ist stärker denn je und kerngesund. Mit schierer Motorleistung lässt sich in Monaco freilich nichts gewinnen, aber eine gute Fahrbarkeit des Motors zahlt sich in den engen Kurven aus. Die Rascasse-Kehre am Hafen ist die einzige Kurve in der ganzen F1-Saison, in der die Drehzahl selbst im ersten Gang unter 5000 U/min fällt. Jeder Mechaniker würde den monegassischen Flair liebend gern gegen bessere Arbeitsbedingungen eintauschen. Aber bei allem Anachronismus ist Monaco aus der Formel 1 nicht wegzudenken. Auf diesen Grand Prix schaut die Welt, und ich hoffe, wir bieten ihr eine gute Vorstellung.

Zahlen und Fakten

- Mit 3,340 Kilometern bildet Monte Carlo die kürzeste GP-Strecke. Nirgendwo werden im Rennen mehr Runden gefahren (78), dennoch bedeuten 260,520 Kilometer die kürzeste Renndistanz der Saison.

- Für das Rennen 2003 wurde die Strecke durch eine begradigte Anfahrt zur Rascasse-Kehre um 30 Meter verkürzt. Außerdem wurde der Boxenbereich – richtige Garagen gibt es in der engen monegassischen Boxengasse nicht – erweitert.

- 2003 wird der 50. Große Preis von Monaco ausgetragen. Der erste fand 1950 statt und wurde von Juan Manuel Fangio auf Alfa Romeo gewonnen.

- Im Vorjahr endete für Ralf Schumacher in Monaco eine Pechsträhne: Fünf Jahre lang hatte er in dem Stadtstaat am Mittelmeer keine Zielflagge gesehen, 2002 fuhr er vom vierten Startplatz aus auf Rang drei. Montoya hatte mit der Poleposition geglänzt (1.16,676 min), fiel im Rennen aber aus. In den Jahren 2000 und 2001 war kein Fahrzeug des BMW WilliamsF1 Teams ins Ziel gekommen.

- WilliamsF1 gewann den GP Monaco 1980 (Carlos Reutemann) und 1983 (Keke Rosberg).

- Der Schotte David Coulthard gewann mit seinem McLaren-Mercedes den GP Monaco 2002.

- Rubens Barrichello (BRA/Ferrari) fuhr in 1.18,023 min Rundenrekord.

- Die Fläche Monacos (1,95 Quadratkilometer) besteht aus den zu einer Gemeinde vereinigten Siedlungen La Condamine und Monte Carlo. Insgesamt leben rund 32.000 Einwohner in dem als Spieler- und Steuerparadies bekannten Land, von ihnen sind lediglich ein Fünftel echte Monegassen.

- Nach der Verfassung von 1962 ist Monaco eine konstitutionelle Erbmonarchie. Staatsoberhaupt ist Fürst Rainier III. Die Grimaldi-Familie kam bereits 1331 in Monaco an die Herrschaft.
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
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