Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 01.03.2003, 14:05     #2
Hermann   Hermann ist offline
Senior Guru
  Benutzerbild von Hermann

Threadersteller
 
Registriert seit: 03/2001
Beiträge: 8.177

Aktuelles Fahrzeug:
E63 645Ci, E36 318i Cabrio, E39 523i Touring
Großer Preis von Australien – 7.-9. März 2003 - VORSCHAU

Mit Hochspannung wird der Start der FIA Formel-1-Weltmeisterschaft 2003 beim Großen Preis von Australien in Melbourne am 9. März erwartet. Diesmal geht es um mehr als die übliche Neugier auf ein Feld neuer Rennwagen in der Königklasse. Es geht vor allem um die Fragen: Wie wirken sich die veränderten Regularien aus, und wer kommt am besten mit ihnen zurecht? Selten waren die Kräfteverhältnisse vor einem Saisonauftakt so schwer einzuschätzen.

Das BMW WilliamsF1 Team bringt in dem FW25 ein fundamental neues Chassis an den Start, das kaum noch etwas mit seinen Vorgängermodellen gemein hat. Der ebenfalls komplett neu entwickelte Motor von BMW, der P83, absolvierte am 18. September 2002 seine erste Testfahrt. Seit der Fahrzeugvorstellung am 31. Januar 2003 wurde das Gesamtpaket einem straffen Testprogramm unterzogen. Im BMW WilliamsF1 Team herrscht überwiegend verhaltener Optimismus. Erst der 9. März wird die Frage der Konkurrenzfähigkeit beantworten können.

Juan Pablo Montoya:
Ich gehe durchaus mit großer Zuversicht in die neue Saison. Wir haben im Winter intensiv getestet, und ich glaube, dass wir mit unseren Vorbereitungen einen guten Stand erreicht haben. Dennoch: Was auch immer die einzelnen Teams in den vergangenen Monaten geleistet haben, eine Standortbestimmung hat man immer erst nach dem ersten Grand-Prix-Wochenende. Zudem bringen diesmal die neuen Regeln einige Unsicherheit ins Spiel. Mir gefällt die Idee des Einzelzeitfahrens.

Im vergangenen Jahr wurde ich in Melbourne Zweiter, und diese Erinnerung gibt mir ein gutes Gefühl für die Rückkehr nach Australien. Natürlich wäre es toll, das letztjährige Resultat noch zu übertreffen. Aber vor allem habe ich mir vorgenommen, mich 2003 kontinuierlich über die Saison zu verbessern, damit wir unsere Ergebnisse Rennen für Rennen bis zum Saisonende steigern können.

Der Kurs im Albert Park ist einzigartig, mit keinem anderen im Kalender zu vergleichen. Die Rennstrecke unterscheidet sich sehr stark von jenen, auf denen wir im Winter getestet haben. Australien ist ein großartiges Land und ein sehr schöner Ort für den Saisonauftakt. Ich kann es kaum noch abwarten.

Ralf Schumacher:
Ich glaube, es war vor einem Saisonauftakt noch nie so schwer, eine Einschätzung abzugeben. Auf Grund der Regeländerungen glaube ich, dass deren Auswirkungen mehr Bedeutung zukommt als der Frage 'Wer hat das schnellste Auto?'. Ich möchte mich da jedenfalls nicht festlegen. Was ich aber weiß, ist, dass wir seit der Präsentation sehr, sehr hart an unserem Auto gearbeitet haben, damit es so konkurrenzfähig wie möglich ist. Wir sind auf dem richtigen Weg, trotzdem werden wir aber noch einige Zeit brauchen, um das Auto komplett in den Griff zu kriegen.

Auf jeden Fall freue ich mich, dass die Saison endlich wieder los geht. Und ich freue mich ganz besonders auf Australien und auf Melbourne, weil ich mich für die paar Tage dort sehr, sehr wohl fühlen werde.

Sam Michael (Chief Operations Engineer WilliamsF1):
Australien wird für uns alle aufregend, vor allem natürlich vor dem Hintergrund der Regeländerungen. Sie sind eine Herausforderung. Wenn man dazu die übliche Spannung addiert, die in jedem Team herrscht, kurz bevor sich herausstellt, wie gut der eigene Job während der Wintermonate wirklich war, wird der erste Grand Prix sicher nicht langweilig.

Melbourne ist ein Stadtkurs mit geringem Grip-Niveau. Er bietet vor allem langsame und mittelschnelle Kurven, aber es gibt auch zwei Hochgeschwindigkeitspassagen, die bei der Fahrzeugabstimmung berücksichtigt werden müssen.

Maximaler Abtrieb ist gefragt, zusammen mit einem Set-up, das gute Traktion sichert. Weil wir nun im Rennen die gleiche Abstimmung wie im Qualifying fahren müssen, stehen uns schwierige Entscheidungen bevor, in welche Richtung wir arbeiten. Ein anderer entscheidender Faktor ist im Albert Park von Melbourne eine gute Motorleistung, um mit steilen Flügeleinstellungen fahren zu können.

Michelin hat im Winter bei der Entwicklung von Trocken- und Regenreifen ausgezeichnete Arbeit geleistet. Gemäß der neuen Regeln dürfen die Reifenhersteller ab sofort nur noch eine Spezifikation von Regenreifen bereitstellen, bisher waren es drei.

Mario Theissen (BMW Motorsport Direktor):
Mit dem frühen Einsatz des BMW P83 auf dem Prüfstand und im Fahrbetrieb haben wir uns die Voraussetzungen für ein sehr intensives Wintertestprogramm geschaffen. Der BMW P83 ist ein völlig neu entwickelter Motor, der in den Kriterien Leistung, Gewicht und Schwerpunktlage erneut die Benchmark in der Formel 1 sein sollte.

Derzeit konzentrieren wir uns auf die Zuverlässigkeit des Motors. Die Frage der Standfestigkeit hat durch die Regeländerungen eine neue Dimension bekommen: In Melbourne müssen erstmals dieselben Motoren eine Renndistanz durchstehen, die zuvor im Qualifying enorm beansprucht worden sind. Das ist eine extreme Anforderung, deren Auswirkungen noch schwer kalkulierbar sind. Aufgrund der kurzfristigen Einführung dieser Regel sind wir gerade erst dabei, auf dem Prüfstand und im Fahrbetrieb entsprechende Erfahrungen unter diesen Rahmenbedingungen zu sammeln.

Zahlen und Fakten
  • - Melbourne liegt an der östlichen Südküste Australiens und ist die Hauptstadt des Staates Victoria. Melbourne ist die zweitgrößte Stadt Australiens und zählt 3,2 Millionen Einwohner. Melbourne City erstreckt sich über 36,5 Quadratkilometer, die Innenstadt ist geprägt von einem Geschäftsviertel, einem interessanten Mix aus moderner und historischer Architektur, dem attraktiven Southbank-Viertel und den wichtigsten Sportzentren sowie zahlreichen Parks und Grünanlagen. Durch die Lage in der Asien-Pazifik-Region ist Melbourne die Handelsdrehscheibe Australiens.
  • - Die Rennstrecke liegt im Albert Park am gleichnamigen See. Nach einer Dürrezeit wurde der Park am 17. Februar mit 112.000 Litern Wasser gegossen, die mit dem Ende einer Swimmingpool- und Spa-Ausstellung im Melbourne Exhibition Centre verfügbar wurden.
  • - 2003 ist Melbourne zum achten Mal in Folge Austragungsort des Großen Preises von Australien. Zuvor fand der GP in Adelaide statt, wo WilliamsF1 vier Siege erzielte. Den bisher einzigen Sieg von WilliamsF1 in Melbourne holte 1996 der Brite Damon Hill.
  • - Das BMW WilliamsF1 Team hatte in den vergangenen drei Jahren wechselhaften Erfolg in Melbourne. Im Jahr 2000 belegte Ralf Schumacher beim Debüt des Teams von Startplatz elf aus Rang drei. 2001 fielen indes beide Fahrzeuge aus. 2002 belegte Juan Pablo Montoya einen gefeierten zweiten Platz, während Ralf Schumacher bereits in der ersten Kurve des Rennens nach einem dramatisch aussehenden Unfall mit Rubens Barrichello (Ferrari) ausgefallen war. Ralf Schumacher hatte sich 2002 für Startplatz drei qualifiziert, Montoya für Startplatz sechs.
  • - Die Streckenlänge im Albert Park beträgt 5,303 km, die Renndistanz 307,574 km (58 Runden).
  • - Der Reifenverschleiß wird als relativ gering eingestuft. Die Rennstrategie des BMW WilliamsF1 Teams sah 2002 nur einen Boxenstopp vor.
  • - Der Grand Prix wird um 14.00 Uhr Ortszeit gestartet, das entspricht 04.00 Uhr in Deutschland.
  • - Gemäß der neuen Regeln stehen zwei Qualifyings auf dem Programm, sie werden am Freitag und am Samstag als Einzelzeitfahren ausgetragen. Die Startreihenfolge für den Freitag wird dem Meisterschaftsendstand von 2002 entsprechen. Am Samstag starten die Fahrer in umgekehrter Reihenfolge des Freitagsergebnisses zum Einzelzeitfahren. Beide Qualifyings beginnen um 14.00 Uhr Ortszeit.
  • - Sieger des GP von Australien 2002 war Michael Schumacher im Ferrari. Er hält auch den Rundenrekord von 1.28,214 Minuten. Die Poleposition sicherte sich 2002 sein Teamkollege Rubens Barrichello in 1.25,843 Minuten. Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes) fuhr 2002 die schnellste Rennrunde in 1.28,541 Minuten.
__________________
Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
Mit Zitat antworten