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Alt 18.02.2003, 19:49     #1
Hermann   Hermann ist offline
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BMW Group Award für Interkulturelles Lernen verliehen

Die Preise gehen nach Polen, Deutschland, Russland, Bulgarien und USA

Gestern wurden der BMW Group Award für interkulturelles Lernen und der BMW Group Award für Forschung im Bereich Interkulturelles Lernen für das Jahr 2002 vergeben. Die Auszeichnungen, die jährlich unter internationalen Bewerbern ausgelobt werden, wurden im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im BMW Forschungs- und Innovationszentrum von Michael Kirsch, Leiter Public Relations der BMW Group, überreicht.

Der BMW Group Award für Interkulturelles Lernen und der Award für Forschung auf diesem Gebiet werden von der BMW Group seit 1997 verliehen. Die Auslobung der Preise erfolgt im Rahmen des LIFE-Programms, einem Konzept, das die BMW Group in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsinstitut für Schulpädagogik in München (ISB) entwickelt hat. Das LIFE-Konzept wurde im Rahmen des Engagements der BMW Group gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt und für Völkerverständigung erarbeitet und dient der Entwicklung und internationalen Verbreitung interkulturellen Lernens.

Preisträger des BMW Group Award für Interkulturelles Lernen

Der 1. Preis, 5.000 Euro und der BMW Group Award, ging an Maximilian Sailer und Maria Fassbinder für das „Archäologieprojekt Landshut-Novosibirsk 2002“.

Gewinnerin des 2. Preises von 1.500 Euro ist Dr. Jutta Kepser mit dem Integrationsmodell “Interkulturelle Märchendidaktik“.

Den 3. Preis von 1.000 Euro teilen sich Bettina Mickenbecker-Soubai aus Bulgarien für das Projekt „Zaedno-Together-Zusammen“ und Erin L. Foster aus den USA für ihr „Learning Partner Program“.

BMW Group Award für Forschung im Bereich Interkulturelles Lernen
Der Forschungspreis in Höhe von 5.000 Euro und der BMW Group Award gingen an das Dissertationskonzept „Neue Aspekte der Offenheit im interkulturellen Kontakt“ von Elzbieta Chromiec aus Olsztyn/ Polen.

Begründungen der Jury
Die Begründungen der Jury für die Vergabe der Preise lauten im Einzelnen:

1. Preis:
Der 1. Preis geht an das „Archäologieprojekt Landshut-Nowosibirsk 2002“, in dem archäologische Grabungen das Forum für interkulturelles Lernen sind.

In der sehr sorgfältigen Vorbereitung und Durchführung geht dieses Projekt in innovativer Weise deutlich über den üblichen Schüleraustausch hinaus. Während die russischen Gäste gemeinsam mit ihren deutschen Gastgebern zwei Wochen lang in Landshut arbeiteten, folgte die Umkehrung der Rollen in einer zweiten Phase im Raum Nowosibirsk. Freiwillige Beteiligung der Schüler verschiedener Schularten, fachkundige Anleitung außerschulischer Experten und aktive Mitwirkung der Familien gaben dem Vorhaben ihr Profil.

Das Projekt stellt ein besonders gelungenes und hervorragend beschriebenes Beispiel für die Verbindung von fundierter Theorie und konsequenter Praxis dar. Hierbei besticht vor allem die Normalität der Fremderfahrung in der konkreten Ausgrabungsarbeit. Hervorzuheben ist darüber hinaus die engagierte Nutzung von Lernchancen, namentlich im Bereich des gegenseitigen Fremdsprachenlernens.

Damit erfüllt das hier vorgestellte Modell in bestechender Weise die Kriterien des BMW Awards für Interkulturelles Lernen.

2. Preis:
Der 2. Preis geht an das Integrationsmodell „Interkulturelle Märchendidaktik“.

Das Projekt nutzt auf besondere Weise die multikulturelle Zusammensetzung heutiger Grundschulen für spezifische interkulturelle, pädagogische und sprachliche Zielsetzungen.

Eine Klasse mit überwiegend deutschen Kindern kooperiert auf vielfache Weise mit einer Förderklasse deutsch lernender Kinder, so dass beide sowohl für die eigene wie die fremde Sprache und Kultur besonders sensibilisiert werden. An dieser präzisen und umfangreichen schulischen Arbeit sind über die Schule hinaus zahlreiche Eltern, Experten, ehrenamtliche Mitarbeiter und die Gemeinde mit ihrem Übergangswohnheim beteiligt.

Deutlich ausgerichtet an den Kriterien des BMW Group Award erarbeitet so dieses Märchenprojekt neue Dimensionen interkulturellen Lernens. Es lässt das Miteinander unterschiedlicher Sprachen und Kulturen für Kinder und Erwachsene alltäglich, selbstverständlich und in weitem gesellschaftlichen Kontext produktiv erlebbar werden.

3. Preis:
Der dritte Preis wurde an zwei Bewerbungen vergeben.

Ausgezeichnet wurde Bettina Mickenbecker-Soubai aus Sofia, Bulgarien für ihr Projekt „Zaedno-Together-Zusammen“. Sie nutzt künstlerische Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen aus verschiedenen Minderheiten als Impuls zur besonderen Erfahrung von Andersheit. Nachdem sie schon im letzten Jahr ein entsprechend ausgereiftes Konzept vorgelegt hat, ergänzt sie es jetzt durch vielfältige konkrete Umsetzungen.
Mit dem BMW Group Award werden das sehr große Engagement und die gut begründete Projektbeschreibung von Bettina Mickenbecker-Soubai gewürdigt.

Den dritten Preis erhält auch Erin L. Foster aus den USA für ihr “Learning Partner Program“.
Aus der genauen Kenntnis des Migrantenproblems in Deutschland, das durch die PISA Studie 2002 zusätzliche Bedeutung bekommen hat, erarbeitete sie auf der Basis eines in den USA bekannten Konzepts eine eigenständige, konkrete Lösung für Deutschland, die interkulturelle Arbeit in der Praxis initiieren soll.

Durch den BMW Group Award wird Erin L. Fosters systematische Darlegung gewürdigt, in der sie modellhaft das Entstehen von konkreten Partnerschaften zwischen Migranten und Deutschen entwickelt.

BMW Group Award für Forschung im Bereich Interkulturelles Lernen:
Den BMW Group Award für Forschung im Bereich Interkulturelles Lernen erhält Elzbieta Chromiec (Warmia und Mazury Universität / Polen) für ihre Arbeit: “Neue Aspekte der Offenheit im interkulturellen Kontakt”.

Frau Dr. Chromiec entwickelt auf der Basis der international relevanten Literatur zum interkulturellen Lernen sowohl eine Typologie der emotional-kognitiven Strategien von Kindern bei der Begegnung mit Fremden, als auch ein für die Praxis bedeutsames Konzept der Vorbereitung, Beobachtung und Analyse solcher Begegnungen. Ihre Forschungsarbeit dient damit insgesamt der Unterstützung von offenen Haltungen gegenüber sprachlicher und kultureller Fremdheit. Die Bedingungen des Fremdverstehens werden an konkreten Begegnungsbeispielen differenziert erfasst, die Grenzen der Wahrnehmung von vielfacher Differenz erforscht und die Möglichkeiten interkultureller Erziehung behutsam, konkret und praxisnah umschrieben.

Der Beitrag von Frau Chromiec gibt so der Entwicklung von Modellen kindgemäßer interkultureller Bildung und Erziehung in einer engen Verzahnung von Forschung und pädagogischer Praxis wertvolle Impulse.

Die Jury
Die internationale Jury aus Wissenschaft, Forschung und Praxis, die die jährlich eingesandten Projekte und Arbeiten betreut, besteht aus:
  • Petra Hölscher, Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München (ISB), Vorsitzende der Jury
  • Dr. Josef Gerighausen, Ehemaliger Direktor des Goethe-Instituts, Nancy
  • Prof. Hans Hunfeld, Katholische Universität Eichstätt
  • Dr. Peter Igl, Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München (ISB)
  • Dr. Ivanka Kamburova, Direktorin des Instituts für Lehrerfortbildung in Varna/ Bulgarien
  • Prof. Dr. Friedrich Kratochwil, Internationale Universität Florenz
  • Dr. Peter Meinel, Direktor des Staatsinstituts für Schulpädagogik und Bildungsforschung München (ISB)
  • Herta Oresic, Universität Maribor, Slowenien
  • Prof. Dr. Arturo Tosi, Royal Holloway University of London
  • Konstanze Carreras, Leiterin Gesellschaftspolitik, Konzernkommunikation und Politik, BMW Group
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
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