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Alt 30.11.2002, 18:55     #1
Hermann   Hermann ist offline
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Lust auf Zukunft: Visionäre Architektur für die BMW Group - 28.08.2002

COOP HIMMELB(L)AU und Zaha Hadid mit BMW Projekten auf der Biennale di Venezia

München. Mit zwei Entwürfen von renommierten Architekten, die im Auftrag der BMW Group Bauten realisieren, wird das Unternehmen auf der 8. Internationalen Architektur-Biennale in Venedig präsent sein (8. September bis 3. November 2002). Getreu dem diesjährigen Motto der Biennale, „Next“, stehen die beiden Projekte, die nach Venedig eingeladen wurden, für zukunftsweisende innovative Architektur. In München plant das Wiener Büro COOP HIMMEL(B)LAU mit der „BMW Welt“ ein neues Erlebnis- und Auslieferungszentrum. Die in London arbeitende Zaha Hadid wird das in Leipzig geplante BMW Werk mit einem Verwaltungskomplex ergänzen.

Die Biennale in Venedig hat sich als herausragendes Event der internationalen Architekturszene etabliert. Mit 80 000 Besuchern im Jahr 2000 sowie über 2000 Journalisten, davon mehr als 50 von Fernsehstationen, findet diese Ausstellung eine große Resonanz bei Publikum und Medien.

Der alle zwei Jahre inszenierte Überblick über Architekturentwürfe aus aller Welt zeigt in diesem Frühherbst mehr als 100 Projekte, die sich gegenwärtig in der Realisierungs- oder Bauphase befinden. Unter der Leitung des Londoner Kurators Deyan Sudjic wurden nur „richtungsweisende“ Objekte ausgewählt. Wichtigstes Kriterium für die Einladung an die Lagune sind Bauten, die entscheidende Impulse geben und die Architektur in den nächsten Jahren prägen werden.

Die Einladung an COOP HIMMELB(L)AU und Zaha Hadid sieht die BMW Group als Bestätigung ihrer Firmenphilosphie, adäquat zu den hochwertigen Produkten Automobil und Motorrad auch mit der Architektur Maßstäbe zu setzen.

In Venedig werden erstmals beide Projekte einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Eingeordnet in die Biennale-Kategorien „Work“ (BMW Werk Leipzig, Zaha Hadid ) und „Shopping“ (BMW Welt München, COOP HIMMELB(L)AU) sind die Entwürfe auf dem zweiten Biennale-Areal in direkter Nachbarschaft der Giardini zu sehen. Mit den 1565 auf dem Gelände der ehemaligen Marine erbauten imposanten Hallen – der Corderie und der Artiglerie – wurde eine der bestechendsten Ausstellungshallen revitalisiert. Für das künstlerische Gesamtkonzept in den hohen, 280 Meter langen Ziegelhallen zeichnet John Pawson verantwortlich.

COOP HIMMELB(L)AU, BMW Welt, München

Pünktlich zur Biennale hat das bisher unter dem Arbeitstitel Erlebnis- und Auslieferungszentrum bekannte Projekt seinen Namen bekommen: BMW Welt. Das Wiener Architekturbüro setzte sich in einem internationalen Wettbewerb bei der entscheidenden Jury-Sitzung im Dezember 2001 mit seinem Entwurf durch. Unter den 275 Teilnehmern war die Elite der Architektenwelt vertreten. Die Österreicher überzeugten mit einem kühnen Entwurf für das neue Erlebnis- und Auslieferungszentrum, der, so die BMW Group, „herausragende charakteristische Architektur, Gestaltung und Organisation in sich vereint und die Werte von BMW repräsentiert“. Gleichzeitig füge sich das Gebäude in respektvoller Harmonie in den Kontext des benachbarten Olympiaparks und bilde einen markanten Kontrast, jedoch keine Konkurrenz zum BMW Büroturm. Das 99,5 Meter hohe Haus avancierte als „Vierzylinder“ schnell zu einem Münchener Wahrzeichen. Die 1972 zeitgleich mit dem Olympiastadion entstandene Konzernzentrale wurde ebenfalls von einem Österreicher entworfen, dem Wiener Karl Schwanzer, bei dem Wolf D. Prix von COOP HIMMELB(L)AU einst studierte. Nun werden die Wiener Architekten mit der „BMW Welt“ die Tradition des Konzerns fortsetzen, sich auch mit herausragender Architektur zu profilieren.

Im Sommer 2003 soll der erste Spatenstich für die „BMW Welt“ erfolgen. Nach einer Bauzeit von etwa zwei Jahren werden die ersten Autobesitzer in der rund 25 000 Quadratmeter großen Erlebniswelt ihren neuen Wagen in Empfang nehmen können. Neben maximal 250 Kunden täglich rechnet die BMW Group mit bis zu 5000 Besuchern täglich, denn die „BMW Welt“ soll ein offenes Kommunikationszentrum sein, in der sich nicht nur Auto- und Motorradbesitzer sowie Motorsportfans treffen. Künstlerische Veranstaltungen, Events und Kolloquien sollen die neue „BMW Welt“ zu einem zentralen Treffpunkt Münchens machen. Diesem Ziel ist der Entwurf der Wiener Architekten verpflichtet: „Visionär, richtungsweisend – der Baukörper lebt von flexiblen und transparenten Räumen“, so die Begründung der Jury.

Mit Wolf D. Prix gehört Helmut Swiczinsky zum Architektenduo von COOP HIMMELB(L)AU. Prix beschreibt die „BMW Welt“ als eine „überdachte Piazza“. Das gigantische, wie frei schwebend wirkende Dach wird das Aufsehen erregende Highlight des neuen Gebäudekomplexes sein. Dazu Prix: „Das Einmalige an diesem Gebäude ist, dass zum ersten Mal ein Dach nicht nur Klimaschutz, sondern raumbildendes Element ist. Das Dach differenziert den Raum, die Fläche unter ihm ist eine große Bühne, auf der verschiedene Bühnenbilder vorbeigleiten.“ Die „BMW Welt“ werde zu einem neuen „Landmark“ für München, innen entstehe ein eigener Kosmos zum Flanieren, Einkaufen, Amüsieren und Informieren. „Dieses Projekt wird die Marktplatz-Situation in unseren Städten neu definieren“, sagt Prix über die neue Variante eines städtischen Forums. „Durch die Veränderung der Erlebnisqualität – alles wird schneller – wird Architektur als Hülle für eine neue Form der Urbanität immer wichtiger. Architektur als räumliches Erlebnis, das ist mit ein Grund, warum Menschen Orte besuchen, und vor allem, sie wieder besuchen – weil sie erkennbar sind. Die Architektur der neutralen Box hat sich überholt – Architektur als Zeichen, das ist die Zukunft!“

Mit der „BMW Welt“ betreten die Wiener, bisher vor allem durch Kulturbauten aufgefallen, erstmals die Warenwelt. „Allerdings nur in Europa“, verdeutlicht Prix. „In Mexiko planen wir eine riesige Shopping-Mall. Die Präsentation des Produktes Auto erfolgt nach ganz spezifischen Gesichtspunkten: Raum-atmosphäre und Licht sind ganz wichtig, da bildet sich ein eigener Kosmos.“
Das Wiener Architektenteam mit Weltruf gründete sich 1968 und machte Furore mit zahlreichen Bauten, u.a. dem Masterplan für die City von Melun-Senart (Frankreich), dem Museums-Pavillon in Groningen (Niederlande) und dem 1998 in Dresden eröffneten Ufa-Kinopalast. Derzeit in Planung oder im Bau sind das Akron Art Museum in Ohio (USA), das Musée des Confluences in Lyon (Frankreich), die Erweiterung der Akademie in München sowie ein Shopping-Center im mexikanischen Guadalajara. Zu den Auszeichnungen gehören der Berliner Förderungspreis für Baukunst 1982, der Preis der Stadt Wien für Architektur 1988, der Deutsche Architekturpreis 1999, der Große Österreichische Staatspreis 1999 und der Europäische Stahlbaupreis 2001.

Präsentation auf der Biennale: Information als sinnliche Erfahrungbr>
Die Inhalte der diesjährigen Architektur-Biennale lassen eine neue Richtung erkennen: „Back to the roots“. Mit dem Motto „Next“ geht das Konzept fort vom Virtuellen, zurück zum Material. Diese Biennale, so die Ausstellungsmacher, will sich wieder auf das Anfassbare, das Materielle, das Fühlbare konzentrieren. Der Stand von COOP HIMMELB(L)AU reagiert auf diesen Trend mit einem genialen Kompromiss. Im Präsentationsmodell im Maßstab 1:87 sind zwei kleine Video-Kameras eingebaut, das Modell dreht sich um die Drehachse der Kameras, sie nehmen den Innenraum auf und projizieren ihn an die Wand. So entsteht der visuelle Eindruck, als stehe der Besucher inmitten der „BMW Welt“ und drehe sich um seine eigene Achse. „Information ist zu achtzig Prozent Emotion“, sagt Wolf D. Prix. Mit dieser Art der „sinnlichen Erfahrbarmachung“ anstelle der sonst eher üblichen spröden Modelle können Außen- und Innenraum gleichzeitig betrachtet werden. Mit diesem Modell dokumentiere COOP HIMMELB(L)AU auch die künftige Art der Präsentation – also eine doppelte Premiere auf der Biennale.

Auf der venezianischen Leistungsschau für international herausragende Architektur ist COOP HIMMELB(L)AU zwar nicht zum ersten Mal vertreten, aber die Einladung mit dem Projekt „BMW Welt“ hat für die Wiener einen besonderen Stellenwert. „Die Biennale ist die weltweit wichtigste Architektur-Schau, eine Art ,Documenta‘ des Bauens. Diese Teilnahme erhält eine spezielle Bedeutung, weil unser Thema auf künftige Entwicklungen in der Architektur hinweist. Diese Biennale wird zeigen, dass es in den nächsten Dekaden nicht mehr so sehr um Theorien geht. Die gebauten Projekte werden im Vordergrund stehen, allerdings nur diejenigen, die ein stringentes Konzept verfolgen“, meinen die Architekten.

Zaha Hadid, BMW Werk Leipzig/Zentralgebäudebr>
Wenn in Leipzig im Jahr 2005 die ersten Automobile der BMW 3er Serie von den Förderbändern rollen, wird ein Teil des neuen Werkes für visuelles Aufsehen sorgen. Garant dafür ist das von Zaha Hadid entworfene Herzstück des Automobilwerkes, das Eingangs-, Verwaltungs- und Kommunikationsgebäude. Die Wettbewerbsjury entschied sich einstimmig für ihren Entwurf, da er am besten „den Charakter eines Industriebaus intelligent und angemessen in eine Ästhetik übersetzt, die den repräsentativen wie den funktionalen Anforderungen in gleicher Weise gerecht wird“ – so die Anforderung der Ausschreibung.

Für die Transportwege des Autos während der Fertigung durch Karosseriebau, Lackiererei und Montage hat Zaha Hadid ein flexibles, transparentes Nervenzentrum entworfen, gruppierte die administrativen und kommunikativen Arbeitsbereiche um diese Bewegungslinien. So entsteht ein offener Bau, in dem Mitarbeiter und Besucher den Produktionsprozess jederzeit miterleben. Das Zentralgebäude wird zur „Kompressionszone“, zum dynamischen Brennpunkt des Unternehmens, mit großen terrassierten Ebenen, Restaurant und Cafeteria. Die Dynamik der zwei scherenartig verschränkten Geschosse schafft auch eine neue Begegnungsebene von Arbeitern und Angestellten, „white-collar“ und „blue-collar“ mischen sich. Zaha Hadids Anspruch ist es, durch die Transparenz der internen Organisation die Einbindung aller Beschäftigten zu erleichtern, die traditionelle Trennung in verschiedene Statusgruppen zu vermeiden: „Das ist einer modernen Arbeitsumgebung nicht mehr zuträglich.“

Über das Leipzig-Projekt sagt Zaha Hadid: „Wir sind stolz darauf, dieses Kernstück zu gestalten. Das Zentralgebäude bündelt und verteilt alle wesentlichen Bewegungsflüsse des Werkes, als würde ein Gravitationsfeld vom Zentralgebäude ausgehen. Dieses Projekt ist deshalb für uns eine wunderbare Gelegenheit, Bewegung in Architektur umzusetzen.“

Ein Profanbau dieser Größe sei – nach Gebäuden vor allem im kulturellen Bereich – für sie eine besondere Herausforderung: „Museumsbauten sind, auch wenn sie letztlich auf Funktionalität zielen müssen, besser geeignet für Experimente. Aber mit diesem Gebäude in Leipzig lassen sich eine Architektursprache und Raumkonzepte, die vorher an kleineren Bauten mit Erfolg ausgeführt wurden, in ihrer Summe in einem großen Zweckbau erfüllen. Hier war vor allem meine Fähigkeit als Entwerferin gefragt, um komplexe Räume kohärent durchzugestalten – eine dynamische Architektursprache in starken Bezug zu den dynamischen Kommunikationsabläufen zu bringen.“ Für die Architektin, die den Anspruch hat, universell für Raumgestaltung in jedem Lebensbereich zuständig zu sein, ist es „ästethisch in hohem Maße befriedigend, wenn der Raumausdruck mit dem ihm entsprechenden Lebensprozess gefüllt wird. Das ist gerade bei dem Zentralgebäude des BMW-Werkes in Leipzig besonders gegeben – komplexe dynamische Form, motiviert durch den Arbeitsprozess.“

Die Einladung mit dem Projekt BMW Werk Leipzig zur aktuellen Biennale in Venedig ist für die weltweit arbeitende Architektin eine weitere Nobilitierung ihrer ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Arbeit. Unter den Stars ihres Berufsstandes nimmt die in Bagdad geborene und in London arbeitende Hadid mit ihren dekonstrukti-vistischen Entwürfen und Bauten eine Sonderstellung ein.

Mit einem Schlag berühmt wurde sie 1993 durch das Feuerwehrhaus für das Unternehmen Vitra in Weil am Rhein. Zu weiteren bemerkenswerten Arbeiten gehören die Mind-Zone im Londoner Millenium-Dome (1999), sie entwarf Inneneinrichtungen und Möbel für Restaurants und Ausstellungspavillons und schuf die Bühnendekoration für die Welt-Tour der Pop-Gruppe Pet Shop Boys (1999/2000). Derzeit entstehen das Contemporary Art Centre in Cinicinatti (USA), das Contemporary Art & Architecture Centre in Rom (Italien), eine Skisprungschanze in Innsbruck (Österreich) und eine Brücke im Emirat Abu Dhabi.

Neben zahlreichen Professuren hat Hadid derzeit eine Gastprofessur an der Yale University, New Haven (Connecticut) und ist Ehrenmitglied bei der American Academy of Arts and Letters.

Präsentation auf der Biennale: Dynamik per Video

Zaha Hadid war bereits mehrere Male auf die Architektur-Biennale nach Venedig eingeladen, zuletzt im Jahr 2000 mit mehreren Projekten. Der Entwurf für das BMW Werk Leipzig wird in der Kategorie „Work“ in der ehemaligen Seilerei (Corderie) zu sehen sein. Ein Modell im Maßstab 1:200 sowie eine Video-Animation geben einen ersten anschaulichen Überblick, wie das fertige Gebäude im Jahr 2005 aussehen wird.
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
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