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Alt 24.11.2002, 23:03     #1
Carsten   Carsten ist offline
BMW-Treff Team
 

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Großer Preis von Brasilien - 29.-31. März 2002 - Vorschau

16 WM-Punkte für das BMW WilliamsF1 Team waren der Lohn des ersten Doppelsieges von BMW in der Formel 1. Für WilliamsF1 hatten Jacques Villeneuve und Damon Hill dieses Kunststück 1996 sechs mal vollbracht. Das Team hat sich intensiv auf den Großen Preis von Brasilien vorbereitet. Vor Jahresfrist hatte man die anspruchsvolle Rennstrecke von Sao Paulo trotz starken Auftritts im Qualifying mit leeren Händen verlassen. Nach der guten Vorstellung von Malaysia und einem produktiven Test in Barcelona hofft das BMW WilliamsF1 Team, auch in Südamerika gut abzuschneiden.

Ralf Schumacher:
Ich glaube ganz fest daran, dass wir Ferrari in Brasilien wieder schlagen können. Wenn Jos Verstappen ihm nicht ins Heck gefahren wäre, hätte Juan Pablo schon im Vorjahr gewonnen. Und vor zehn Tagen in Malaysia waren wir noch dichter an den Roten dran als das dort 2001 der Fall war. Warum also sollten wir sie in Brasilien nicht besiegen können? Die Strecke liegt uns, auch wenn die ideale Abstimmung einen komplizierten Kompromiss erfordert, mit dem man auf der Geraden nicht zu langsam ist, sprich nicht zu viel Luftwiderstand hat, aber dennoch ausreichend Anpressdruck für das Infield hat. Doch nach den Tests in Barcelona, wo wir wieder ein paar kleine aerodynamische Veränderungen vorgenommen haben, bin ich sehr zuversichtlich für das Rennen in Brasilien.

Juan Pablo Montoya:
Interlagos ist eine gute Rennstrecke, wellig und mit einem schwierigen Lay-out. Ich genieße die lateinamerikanische Atmosphäre dort sehr. Das macht mir richtig Spaß. Im vergangenen Jahr war ich in Brasilien ganz dicht dran, meine ersten F1-Punkte zu holen, aber dann hat mir Jos Verstappen leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich hoffe, mir gelingt in diesem Jahr ein Ausgleich für diese verpasste Chance. Immerhin waren wir 2001 in Interlagos stärker als in Malaysia, ich denke, es wird gut laufen. Es werden wahrscheinlich ein paar mehr Fans von mir dort sein, auch wenn Brasilien ja eigentlich kein Heimrennen für mich ist.

Sam Michael (Chief Operations Engineer, WilliamsF1):
Sao Paulo war in den letzten Jahren oft Schauplatz von spannenden Fahrer- und Strategie-Kämpfen. Es dominieren langsame bis mittelschnelle Kurven und Geraden. Es gibt zwar auch zwei schnelle Kurven, aber denen folgen kurze Passagen mit Anfahrten zu anderen Kurven. Die Bodenwellen sind durch Arbeiten am Belag in der jüngeren Vergangenheit gemildert worden.

Wegen der langen Boxengasse ist die Frage der Rennstrategie besonders interessant, allerdings gibt es auch einige Möglichkeiten zum Überholen, von daher rechne ich mit dem üblichen Mix aus Ein- und Zwei-Stopp-Strategien. Nachdem Chassis, Motor und Reifen in Malaysia so ein gutes Bild abgegeben haben, sind wir zwar zuversichtlich, auch in Brasilien gut auszusehen, aber uns ist auch sehr wohl bewusst, wie schnell einen andere Teams in der Entwicklung auf- und überholen können. Wie bereits in Malaysia hat Michelin auch für Brasilien einen weiteren Schritt nach vorn bei der Reifenentwicklung gemacht, das ist ein Ergebnis der Testarbeit der vergangenen drei Wochen.

Gerhard Berger (BMW Motorsport Direktor):
Nach dem Doppelsieg von Malaysia fahren wir sehr zuversichtlich nach Sao Paulo. Interlagos hat eine Streckencharakteristik, die gut zu unserem Gesamtpaket passt: Auf zwei Geraden, insbesondere auf der Bergaufgeraden bei Start und Ziel, spielt die Motorleistung eine entscheidende Rolle. Die Strecke hat viele Bodenwellen, auch damit sind wir in der Vergangenheit gut zurechtgekommen. Das Rennen in Malaysia hat gezeigt, dass uns hohe Temperaturen bezüglich der Michelin-Reifen nach wie vor entgegenkommen, und auch unser BMW Motor war diesen Belastungen hervorragend gewachsen. In Brasilien wird es vermutlich auch warm sein, wenngleich Regen dort nie auszuschließen ist. 2001 waren wir im Qualifying stark, Ralf startete erstmals aus der ersten Reihe, und wir lagen auch sehr gut im Rennen. Juan hat über die halbe Renndistanz geführt. Allerdings wurden beide Fahrer in Unfälle verwickelt. Wir haben das Potenzial für Podiumsplätze in Interlagos, hoffentlich haben wir in diesem Jahr auch etwas mehr Glück.

Die Rennstrecke von Interlagos:
Die Strecke wurde 1940 eröffnet und war damals ungewöhnlich, weil sie neben einem langgestreckten äußeren Bereich auch einen kurvenreichen Innenraum bot. Der Kurs liegt in einem natürlichen Amphitheater, weshalb die Rennfans in Brasiien von nahezu jedem Punkt aus die halbe Strecke einsehen können. 1989/90 wurde umgebaut. Es entstand eine 4,309 km lange Strecke, die im Jahr 2000 stellenweise neu asphaltiert wurde, um die auch klimatisch bedingten Belagschäden auszumerzen. Interlagos ist eine von zwei F1-Rennstrecken, auf denen entgegen dem Uhrzeigersinn gefahren wird, weshalb sich einige Fahrer mit zusätzlichem Training der Nackenmuskulatur vorbereiten.

2001 qualifizierte sich das BMW WilliamsF1 Team für die ersten beiden Startreihen. Ralf startete von Platz zwei neben seinem Bruder Michael Schumacher, Juan Pablo ging als Vierter ins Rennen. Beide wurden in Auffahrunfälle verwickelt und schieden aus: Rubens Barrichello fuhr Ralf ins Heck, Jos Verstappen traf Juan Pablo. David Coulthard (West McLaren Mercedes) gewann das Rennen 2001. Rundenrekordhalter ist seit 2000 Michael Schumacher, er fuhr mit seinem Ferrari eine Runde in 1.14,755 min. Der Große Preis von Brasilien 2002 startet am Sonntag, dem 31. März, um 14 Uhr Ortszeit, das entspricht nach der Umstellung auf Sommerzeit 19 Uhr in Deutschland. Die Renndistanz beträgt 71 Runden (305,909 km).
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