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Alt 24.11.2002, 22:37     #2
Carsten   Carsten ist offline
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Die Fahrer: Marc Gené

General Probe
Intelligenz, Einfühlungsvermögen und Sorgfalt machen ihn zusammen mit seiner Schnelligkeit so wertvoll. "Marc Gené ist für uns eine echte Entdeckung", sagt Teamchef Frank Williams über seinen Testfahrer, "er hat großen Anteil an den Fortschritten des BMW WilliamsF1 Teams."

Wenn für die Ernstfälle Qualifying und Rennen alles optimal vorbereitet sein soll, muss generalstabsmäßig probiert und getestet werden. 16 000 Kilometer hat Marc Gené 2001 abgespult. "Bei Minardi", erinnert sich der Katalane an seine Zeit als Stammpilot bei dem italienischen Rennstall, "waren es inklusive der Grand-Prix-Wochenenden gerade mal 12 000. Dieser Testaufwand, die technischen Möglichkeiten und die personelle Kompetenz haben mich bewogen, den Rennen vorläufig den Rücken zu kehren, um in einem Top-Team als Testpilot lernen zu können."

Lernen ist seine Passion. Marc ist für die meisten Menschen, die ihn kennen lernen, ein Aha-Erlebnis. Er lässt sich einfach nicht mit Rennfahrer-Klischees zudecken. Keine Starallüren, kein Machogehabe, kein Tunnelblick. Marc geht offen auf seine Mitmenschen zu, und er hört sie interessiert und konzentriert an. Ein nicht zu stillender Wissensdurst ist sein Antrieb.

Seine Lieblingsbeschäftigung will nicht so recht in die geschäftige Formel-1-Welt passen. Marc verschlingt Bücher regaleweise, bevorzugt Biografien und Fachliteratur aus den Bereichen Geschichte und Psychologie. In der Tageszeitung genießt der Wirtschaftsteil seine besondere Aufmerksamkeit. Der Spanier ist studierter Ökonom, hat 1995 seinen Abschluss an der University of Buckingham gemacht.

Nachdem er sein Englisch perfektioniert hat, befasst er sich mit den Sprachen Italienisch, Französisch und Deutsch. Im Herbst 2001 belegte er einen vierwöchigen Deutschkurs in München. "Mir gefällt das Studieren einfach." Auch mit einem späteren Weg zurück an die Uni liebäugelt er, vielleicht sogar mit einem komplett neuen Studium, dann am liebsten Jura oder Psychologie.

Musterschüler mit Biss.
Akademiker sind rar unter Spitzensportlern, meist lässt das Training für die Profilaufbahn keine weitere Berufsausbildung zu, schon die Schule wird leicht zum ungeliebten Zeitaufwand. Marc dagegen war ein Musterschüler. Gute Noten waren der Grundstein für seine Rennfahrerkarriere. "Mit zehn Jahren hatte ich wirklich sehr gute Zensuren", erzählt er, "ich durfte mir zur Belohnung etwas wünschen." Er musste nicht lang überlegen: Für sein Hobby, das er mit Jordi, einem seiner zwei älteren Brüder, betrieb, bekam er sein erstes eigenes Kart.

Mit zwölf Jahren fuhr Marc die ersten Rennen. Mit 14 war er katalanischer und spanischer Kartmeister. 1993, mittlerweile 19-jährig, fiel er erstmals im internationalen Formelsport auf. Wer beim Formel-Ford-Festival im englischen Brands Hatch aufscheinen will, muss sich Rennen für Rennen im K.O.-System gegen die besten Nachwuchsfahrer aus aller Welt durchsetzen. Gené wurde in diesem Welt-Cup Zweiter und erzielte den gleichen Platz auch in der Formel-Ford-Europameisterschaft.

1998 der erste Formel-1-Test.
Nach zwei Jahren in der britischen Formel-3-Meisterschaft folgten 1996 der Gewinn der Fisa Golden Cup Superformula in Italien und 1997 der Aufstieg in die internationale Formel-3000-Meisterschaft, ehe er von Giancarlo Minardi die Chance erhielt, einen Formel 1 zu testen. "An diesem Tag", erinnert sich Marc, "ging ein Kindheitstraum in Erfüllung."

Der Test ebnete ihm den Weg in die Königsklasse. 1999 und 2000 fuhr er für Minardi. Ein einziger Weltmeisterschaftspunkt sprang dabei heraus - mehr war mit dem unterlegenen Material nicht zu erreichen. "Trotzdem sollte niemand auf Minardi herabsehen", betont er, "dieses Team hat das Beste aus seinen Möglichkeiten gemacht."

2001 zum BMW WilliamsF1 Team.
Als Testfahrer des BMW WilliamsF1 Teams ist Marc ein vielbeschäftigter Mann. Rund 60 Tage per anno ist er mit Probefahrten befasst. Meist auf den Rennstrecken von Barcelona, seiner Heimatstadt, Jerez und Valencia, aber auch in Magny-Cours, Estoril und Silverstone dreht er seine Runden und entwickelt für die Autos von Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya. In die beiden muss er sich einfühlen können. "Unsere Fahrstile sind einander sehr ähnlich", erklärt er. "Das ist wichtig, damit Juan und Ralf von meiner Arbeit profitieren können. Es würde ja nichts nützen, wenn ich einen neuen Frontflügel für gut befände, der für Ralf zu starkes Übersteuern auslöst."

Den Kontakt zu den beiden hält er auch an den GP-Wochenenden. Bei den Europarennen ist er fast immer vor Ort und fehlt in keiner technischen Besprechung. "Diese Informationen brauche ich, damit ich in der nächsten Woche genau weiß, worauf es ankommt." Außerdem steht der eloquente Akademiker bei den Grands Prix der Marketingabteilung zur Verfügung. In deren Auftrag besucht er die Gäste im Paddock-Club und sorgt dort für Aha-Erlebnisse.
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