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Alt 09.09.2012, 00:36     #31
freakE46   freakE46 ist offline
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DD-
Die neuen Einstiegsmotoren werden - oh, Wunder - tatsächlich neue Kunden für BMW an Land ziehen. Das ist jedoch nie verwunderlich, wenn man die Angebotsbreite erweitert. Fraglich bleibt dennoch stets die Frage der Sinnhaftigkeit, denn es hat durchaus Vorteile, sein komplettes Angebot so kompakt wie nötig zu schnüren.

Das Verlangen nach weniger Leistung ist eine Tendenz, das Verlangen nach mehr Leistung eine andere. Eurer Meinung nach sollte man im Grunde beides bedienen, da es jeweils den Marktwünschen entspricht und marktwirtschaftlich Sinn macht.

BMW als sportliche Marke entwickelt sich folglich nach unten, da der Wunsch nach Leistung in der Vergangenheit oft und gern erfüllt wurde. Sprünge nach oben erfolgten meist subtil, wobei die M GmbH da schon immer jeweils ordentliche Akzente setzte.

Andere Hersteller, die bereits die Basis sehr gut bedienen, könnten sich also folglich nach oben entwickeln und sich damit - um eine ähnliche Angebotsbreite zu haben - auf BMW-Niveau begeben. Aber würde das wirklich Sinn machen?!? Eher nicht. Auch dabei würde man neue Kunden gewinnen, sogar einige von fremden Marken. Das lohnt sich aber wegen dem abweichenden Image weniger. Hinter einer Brot-und-Butter-Marke für die Masse vermutet keiner einen heißblütigen Sportler und kauft dann die Performance-Modelle natürlich lieber bei einem Hersteller mit sportlichem Image, sofern der Preisunterschied dabei nicht eklatant ist. Bei günstigen Einstiegsmodellen wäre der Preisunterschied zwischen den Marken dagegen schon eher relevant, da jeder Cent zählt.

Zu guter Letzt bleibt natürlich zu sagen - und das ist heute ja ebenso wichtig - sind diese leistungsarmen Premiumfahrzeuge wie der 114i oder 114d, die durchaus ausreichende Fahrleistungswerte ermöglichen, als Firmenwagen mittels guter Konditionen ganz sicher attraktiv.

In ausreichender Stückzahl abgesetzt, reduzieren sie dabei die Verbrauchs-Flottenstatistik weiterhin. Ganz nüchtern betrachtet also logischerweise der bessere Weg, als nur dem Image zu folgen. Anzumerken bleibt trotzdem, dass man vermehrt nur in eine Richtung schaut und ein wandelndes Image ein gewisses Risiko birgt. Über die projektierte Frontantriebsmodelle und die überteuren i-Fahrzeuge kann man heute nur lachen. Hoffentlich fliegt BMW damit (stets langfristig betrachtet) nicht auf die Schnauze...

Das Überleben von BMW ist ganz sicher nicht von Einstiegsmodellen wie dem 114i oder 114d abhängig. Das hätte auch mit den 116i/116d genauso gut oder schlecht funktioniert. Ganz andere Schritte haben andere Hersteller verfolgen müssen, so wie eben Porsche mit dem Boxster. Da gab es unter den Traditonalisten folglich heftigen Aufschrei. Mittlerweile ist das Modell etabliert, erfolgreich und darf sich dank guter Performance als Porsche zählen. Einen schnöden Reihenvierzylinder im Boxster mit - objektiv betrachtet - völlig ausreichender Leistung, würde dem Unternehmen auch gewissen Schaden zufügen. Und das, obwohl dieses Einstiegsmodell ebenso die bereits genannten Vorteile aufzuweisen hätte. Die Kaufzahlen wären vergleichsweise hoch, der Flottenverbrauch würde sinken und Kosten könnte Porsche sicherlich auch sparen, indem man vermehrt Großserientechnik (was der Reihenvierer per se ist) verwendet. Ein Blick in die Historie verweist auf den "Volksporsche" 914, der als Vierzylinder sehr oft gebaut wurde, als (gedrosselter) B6 vom 911 dagegen absolut selten ist. Das Image hat darunter, wie auch unter dem zweifelhaften 924/944/968 durchaus gelitten - bis zur Krise in den 90er Jahren, die der Boxster begleichen musste. Der Bogen schließt sich also.

So deutlich ist der Schritt bei BMW zwar nicht, aber als eine im Kern sportliche Marke muss man aufpassen, wie sehr man sich dem Marktgedanken anpasst. VW und Opel können die breite Masse bedienen und dabei das ein oder andere feurige Teil im Sortiment haben (was sich für diese Unternehmen aber wenig lohnt). Bei BMW sollte aus traditioneller Sicht der umgekehrte Weg der mittelfristig bessere sein.
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