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Alt 28.08.2010, 15:43     #538
Der_Stevie   Der_Stevie ist offline
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Gestern war ich in Spa. Karten fürs freie Training gratis bekommen. Ich war noch nie live bei der Formel 1, war also eine schöne Gelegenheit, die Dinger mal live zu sehen und zu hören. Spa ist hier direkt um die Ecke. Also sind wir zu 4 Jungs da rübergefahren.

Oh Mann... nie wieder

Unsere Karten hätten fürs ganze Wochenende 550 Euro gekostet. Wir saßen direkt über der Eau Rouge überdacht, hörte sich also erst mal ganz gut an.

Zuerst gefreut, die Autobahnausfahrten waren farblich markiert. Mit unseren Gold-Karten sollten wir beim gelben Punkt rausfahren. Leider gab es 2 Ausfahrten mit gelbem Punkt. Official und non-official. Hä? Danach über endlose belgische Feldwege im Stau in Richtung Parkplatz bewegt. Am Freitag war schon alles verstopft, keine Ahnung, wie das am Sonntag werden soll.

Es gab ein paar nette Parkplätze relativ nah an der Strecke. Die Nummern 1, 2, 3, 4, 14 und 15. Diese waren auch auf den Lageplänen verzeichnet. Obwohl diese Plätze fast leer waren, haben unsere läppischen Gold-Karten (wie gesagt, 550 Tacken) uns nicht berechtigt, dort zu parken. Wir mussten weiter draußen auf nasse, schlammige Kuhweiden. Aber auf welche? Keine Ahnung. Während der Fahrt über den endlosen Feldweg kamen wir an massenhaft kostenpflichtigen Kuhwiesen vorbei. Von der Rennstrecke war nichts zu sehen. Welche soll man also nehmen? Reines Glücksspiel, denn diese Parkplätze für unsere Armutstickets waren auf keinem Lagelan verzeichnet.

Also irgendwo geparkt. Wohin jetzt? Keinerlei Wegweiser. Also geht die ganze Masse erst mal bergab, grob in Richtung Strecke. Über schlammige, rutschige Waldwege, die sich in Bäche verwandelten, steil bergab. Während des Wegs kamen wir an einigen anderen Park- oder Campingplätzen vorbei, auch an den für uns verbotenen VIP Parkplätzen. Wegweiser? Keine. Ordner, die man fragen könnte? Keine.

Also weiter der Herde nach, bergab. Irgendwann kamen wir an die Rennstrecke, und zwar in Form eines Zauns. Die Herde lief dann diesen Zaun entlang, wir also hinterher. Der Weg wurde immer schmaler, verwandelte sich im strömenden Regen in ein Bachbett, durch das wir knöcheltief im Schlamm waten mussten. Nicht ein paar 100m lang. Kilometerlang. Einige ältere Herrschaften mussten zwischendurch vor Erschöpfung aufgeben. Die Leute waren irgendwann so verzweifelt, dass sie versucht haben, über diesen Zaun zu klettern oder sogar durch den Schlamm untendurch. Seitlich kam man aus dem inzwischen ziemlich steilwandigen Bachlauf nicht raus. Wir kamen schließlich irgendwann ans Ende und sahen natürlich aus wie die Schweine. Völlig schlammige Schuhe und Hosen. Danach konnten wir auf der anderen Seite des Zauns den ganzen Weg zurück gehen bis zur Eau Rouge. Während dessen konnten wir den konstanten Storm an Unglücklichen sehen, die sich noch auf der anderen Seite des Zauns durch das Bachbett kämpften. Der Strom an Leute da drin nahm kein Ende.

Dann also irgendwann zur Tribüne gekommen. Überdacht, soweit ich weiß höchste Kategorie. Die vorderen Reihen waren unbenutzbar, weil dort das gesammelte Wasser vom Dach runterkam. Wir waren zum Glück in Reihe 6. Auch dort regnete es durch. Der Winkel der Tribüne war zudem viel zu flach. Die Vorderleute verdeckten die Sicht. Freitag war es noch relativ leer, am Sonntag aber sicher sehr erfreulich. Gegen den Sitzabstand ist die Economy class im Flugzeug purer Luxus. Man sitzt absolut gepresst. Zum Glück waren alle halbwegs schlank. Es waren 2 Videowände zu sehen. Eine war in Richtung der alten Boxenanlage gedreht. Dort ist aber keine Tribüne. Eine andere war zu uns gedreht. Die war für uns gedacht, war aber so weit weg, dass man mit Mühe die Autos erkennen konnte, die Helmfarbe oder Zeiten aber keinesfalls. Also hatten wir nie eine Ahnung, was grade abläuft.

In den Pausen dann der unbeschreibliche Luxus, sich im strömenden Regen eine Fritte für 6 Euro und eine 0,25er Cola für 3,50 Euro reinzupfeifen, während man den Schirm hält und in einer Art Sturzbach steht.

Wir sind dann kurz vor Ende des Trainings abgehauen. Die völllig nasse Kuhwiese war zu diesem Zeitpunkt noch so wenig zerfahren, dass wir mit dem Auto den Berg hochgekommen sind. Das wird später nicht allen gelungen sein.

Wir waren uns einig, dass der Tag mit einem Gratisticket für die höchste Kategorie schon am Rande der Zumutbarkeit war. Keiner wäre am Samstag oder Sonntag wieder hingefahren, auch mit Gratistickets. Aber dafür 550 Euro zahlen? NEVER...

Gruß
Stefan
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