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Alt 20.01.2009, 11:12     #22
Martin   Martin ist offline
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Markus Duesmann - Leiter Antrieb.

Ein Freund von Entscheidungen.


Die Formel 1 ist für den Maschinenbau-Ingenieur Markus Duesmann der erträumte Arbeitsplatz. Ein ehrgeiziges Umfeld für einen ehrgeizigen Menschen. Das Tempo ist nicht nur auf der Strecke einzigartig, sondern auch in der Entwicklung. Es gilt, rasche und klare Entscheidungen zu treffen. Deren Konsequenzen sind oft schon Tage oder gar Stunden später in Punkten abzulesen. Zaudern mag er nicht. „Man kann sich nicht ewig alle Optionen offen halten", sagt der 39-Jährige. Umso lästiger sind Unklarheiten in der Reglemententwicklung. Aufgezwungene Unwägbarkeiten in der Marschroute sind Hemmschuhe für ihn und seine Mitarbeiter in München, wo unter seiner Verantwortung der komplette Formel-1 -Antriebstrang entwickelt und gebaut wird.

Der 30. August 1992 hat sich Duesmann ins Gedächtnis eingebrannt. Er stand als Zuschauer beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps an der Geraden, damals bereits Ingenieur und in der Motoren-Konstruktion bei Mercedes tätig. Der Sound der damals noch von Ferrari verwendeten Zwölfzylinder ging ihm unter die Haut. „Mir läuft heute noch ein Schauer den Rücken runter, wenn ich mir den Klang der ausgedrehten Motoren in Erinnerung rufe, mit denen die Autos die Gerade entlang glühten." Ab diesem Tag wollte er in der Formel 1 arbeiten.

Das erste Betätigungsfeld im Rennsport wurde der Langstreckenpokal auf dem Nürburgring. Duesmann, in Rheine im westfälischen Münsterland aufgewachsen, heuerte als 26-Jähriger bei FEV Motorentechnik in Aachen an. Neben seiner Arbeit in der Motorenentwicklung rieferein Rennteam ins Leben. Die Hardware stiftete das Unternehmen, die Manpower opferten Duesmann und seine Mitarbeiter in ihrer Freizeit.

Nach acht Jahren Pause vom ,Daimler' ging er zurück und realisierte 2005 im Dienste der damaligen DaimlerChrysler AG seinen Formel-1-Traum als Leiter der F1-Motorenentwicklung im englischen Brixworth.

Trotz der Bilanz von zehn Siegen während seiner Amtszeit gab es Abweichungen zwischen Traum und Realität, die ihn alsbald wieder aufbrechen ließen. Mit großem Interesse hatte er die Gründung des neuen BMW Sauber F1 Teams verfolgt. Die Aufstellung als eine Mannschaft, ohne die Unterteilung in Team und Motorenlieferant, - das reizte ihn. Der Griff zum Telefonhörer erwies sich als Glücksgriff. Just war in München die Leitung des Formel-1 -Antriebs vakant geworden, das Timing hätte besser nicht sein können. Die Mischung aus Rennsportleidenschaft und -erfahrung, gepaart mit dem Verständnis für Konzernstrukturen passte.

Im BMW Sauber F1 Team schätzt er die „tolle Mannschaft und die überschaubaren Management-Strukturen" unter und um BMW Motorsport Direktor Mario Theissen. Eine flach gehaltene Hierarchie ermöglicht Entscheidungen und zeitnahe Umsetzungen. Duesmann delegiert konsequent. Den Reiz einer Führungsposition beschreibt er so: „Es geht darum, dass sich jeder Mitarbeiter mit seinen Stärken bestmöglich entfalten kann. Ich versuche, jedem das Maß an Verantwortung zu geben, das ertragen kann. Es macht täglich Freude, mit so vielen Topleuten arbeiten zu können."

Er hat sie nicht immer um sich. Bei nur etwa der Hälfte der Grands Prix 2008 war er an der Rennstrecke, die anderen hat er zuhause vor dem Fernsehgerät erlebt. „Das ist grausig", gibt er zu, „nicht eingreifen zu können, keine Daten keinen Funk zu haben, ich kann manchmal kaum hinsehen -furchtbar."

An diesem Schicksal trägt er Mitschuld: Weder Motoren noch Schnell¬schaltgetriebe bereiteten in der Saison 2008 Probleme. Da kann der Chef dann auch mal daheim bleiben, um sich in München mit der laufenden Entwicklung und den zukünftigen Herausforderungen zu befassen.

Reißen Freizeitfenster auf, werden sie prall gefüllt. Sport steht jeden Tag auf dem Stundenplan. Duesmann ist ein Fan der Triathlon-Disziplinen Laufen, Rad fahren und Schwimmen. Auch sieben Marathons hat er schon absolviert. Drei BMW Motorräder hungern nach Auslauf, gelegentlich folgt er dem Ruf der Berge zum Wandern oder Snowboarden, und der Rennsport lässt ihn auch privat nicht los: Er geht im eigenen Rennkart auf Zeitenjagd.

Geändert von Martin (04.11.2009 um 14:28 Uhr)
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