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Alt 20.12.2008, 12:58     #1
Hermann   Hermann ist offline
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An Expression of Joy: Der neue BMW Z4 kreiert ein spektakuläres Kunstwerk.

Wie der Künstler Robin Rhode und Regisseur Jake Scott den Roadster für einen TV Spot inszenieren.

München /Los Angeles. Man stelle sich vor: eine Leinwand beinahe so groß wie ein Fußballfeld. Darauf explosive Formen in leuchtenden Farben wie Rot, Gelb oder Blau. Dann erkennt man allmählich in den Spannungsbögen, Kreisen und großen Farbtupfern dieses gewaltigen Bildes, dass ein markantes Reifenprofil diese Spuren auf der weißen Fläche gezogen haben muss. Ein Kunstwerk, das es in dieser Art noch nicht gegeben hat. Eine doppelte Premiere, denn der ausführende Künstler ist in diesem Fall ein Auto – der neue BMW Z4 Roadster.

Schon seit vielen Jahren bietet BMW mit seinen Art Cars großen Gegenwartskünstlern die faszinierenden dreidimensionalen Oberflächen verschiedener Sportwagen als Grundlage ihrer Gestaltung. Doch die Performance, die der junge südafrikanische Künstler Robin Rhode geschaffen hat, sprengt herkömmliche Rahmen. Denn hier ist das Fahrzeug nicht Modell, sondern Akteur. „In dieser Arbeit soll für mich die Malerei selbst als kraftvolle, spannende Aktion zum Ausdruck kommen“, sagt Rhode. „Ein Sportwagen, quasi als Pinsel eingesetzt, gibt mir die Möglichkeit, die Beziehung zwischen Emotion, Technologie und Industriedesign auszuloten.“ Der Entstehungsprozess steht somit gleichbedeutend neben dem fertigen Werk. Nicht zuletzt deshalb trägt die Aktion auch den beziehungsreichen Titel „An Expression of Joy.“

Dynamisch und spontan - wie aus dem Moment entstanden - wirken die kräftig-bunten Formen, welche die Reifenspuren auf der Leinwand hinterlassen haben. Doch jede Bewegung dieser Aktion war vorher genau bis ins kleinste Detail geplant, mit enormen technischen Aufwand. Anders als beispielsweise noch bei den „action paintings“ des legendären amerikanischen Malers Jackson Pollock konnte hier nichts dem Zufall überlassen werden. Als Künstler an der Schnittstelle zwischen darstellenden Künsten und bildenden Künsten hat Robin Rhode zwar viel Erfahrung mit akribischer Planung und der Einbeziehung eines großen technischen Stabes, doch mit „An Expression of Joy“ betrat auch er Neuland. Das in jeder Hinsicht außergewöhnliche Kunstwerk, das da in den riesigen Downey Studios in Los Angeles entstehen sollte, hatte noch eine andere ebenso komplexe Komponente. Für die Markteinführung des neuen Z4 Roadster drehte der preisgekrönte junge Regisseur Jake Scott eben diese Art Performance parallel mit. Sie bildet die innovative Grundlage des TV-Spots, mit dem BMW den Sportwagen ab Mitte 2009 bewerben wird.


Wie kommt die Palette der Farben überhaupt auf die Reifen? Nach welchen Vorgaben agiert der Z4 als verlängerter Arm von Robin Rhode? Und wie schafft es Jake Scott, diese Performance in ein ebenso fesselndes Filmerlebnis zu übersetzen? Fragen, die erahnen lassen, von wie vielen Faktoren das Gelingen dieser konzertierten Aktion von Hightech und künstlerischer Vision abhängig ist. Den Anfang bildet auch hier die zündende Idee - die Idee nämlich, die neue Generation des BMW Z4 Roadsters einmal ganz anders, in einer für Sportwagen wirklich ungewöhnlichen Location zu präsentieren. „Eine Inspirationsquelle war für mich die Bilderserie ,Rot, Gelb, Blau’, die Gerhard Richter 1973 für die BMW Zentrale in München geschaffen hat“, erzählt Rhode. Genauso fasziniert war er von den ersten Kinoanimationen der 1920er Jahre und dem deutschen expressionistischem Film. „Die Spuren der Reifen verbinden die Zweidimensionalität des Bildes mit der dritten räumlichen Dimension des Fahrerlebnisses.“

Am Anfang standen Skizzen, die der junge Künstler mit schwarzer Fingerfarbe aufs Papier warf. Dann schuf er ein Storyboard, das die genauen Fahrmanöver und die jeweils eingesetzte Farbe zeigte. Eine Kopie davon hatte der Fahrer im Cockpit des Z4. Da man, außer vom Kran aus, die einzelnen Entstehungsphasen des Bildes nicht unmittelbar kontrollieren konnte, gab es noch eine Miniatur der Leinwand komplett mit Modellautos, um einzelne Fahrten simulieren zu können. Auch an die präzisen Fahrkünste des Piloten, der schon bei den Dreharbeiten zu „Italian Job“ am Steuer eines MINI sein Können unter Beweis gestellt hatte, wurden höchste Ansprüche gestellt. Gewohnt, auf Teststrecken ans Limit zu gehen, musste er sich hier genau an die Vorgabe des Künstlers halten. Manchmal, wenn Rhode noch nicht mit der Intensität des Farbauftrags zufrieden war, hieß es, exakt in der Spur mehrmals vorwärts und rückwärts zu fahren. Für den Farbauftrag wurden ferngesteuerte Düsen an den Achsen des Roadsters angebracht. Um einem ungewollten Mischeffekt durch Farbrückstände vorzubeugen, wurde jeweils immer wieder ein neuer Satz Reifen herangerollt.

Von Zeit zu Zeit betrat Rhode auch selbst die Leinwand, um einzelne Farben noch einmal selbst aus Kannistern auszugießen. Ein weiterer optisch reizvoller und völlig zufälliger Effekt am motorisierten Pinsel waren die unvermeidlichen Farbsprenkel am Radgehäuse des Z4 – auch sie dynamische Spuren der Bildkomposition. Die gewaltige Leinwand selbst besteht aus einzelnen Flächen, die zu einem Ganzen zusammengefügt worden waren. So konnte der Entstehungsprozess auch nach Planquadraten eingeteilt werden. Ein Umstand, der auch für den späteren Transport wichtig ist: Teile des spektakulären Riesenbilds gehen 2009 auf Tournee und werden schon Anfang Januar bei der Motor Show in Detroit gezeigt.


Gut zwölf Stunden hat diese auch für Robin Rhode und die Mitarbeiter außergewöhnliche Aktion gedauert. In dieser Zeit mussten aber ebenfalls Regisseur Jake Scott und sein Team die Farbfahrten des neuen Z4 aufzeichnen. Die Herausforderung dabei war sicherlich die Tatsache, dass die einzelnen Passagen des zukünftigen TV-Clips sofort „sitzen“ mussten. Mehrfache Takes waren bei diesen Filmaufnahmen einfach nicht möglich. Scott, der gerade seinen ersten Kinofilm dreht, hat schon mehrfach Auszeichnungen für seine Werbefilme und Musikvideos gesammelt. Er nutzte seine Erfahrungen bei Mitschnitten von Konzerten, um die Einmaligkeit dieser Live-Performance aufzuzeichnen. Die Bewegungen des Z4 wurden allein mit 45 simultan aufzeichnenden Kamerawinkeln eingefangen. Während Robin Rhode die Entfaltung der Farbchoreographie auf der Leinwand verfolgte, kontrollierte Jake Scott an vielen Monitoren die Kamerafahrten. „Für jeden Filmemacher ist es ein Geschenk, einem Künstler bei der Arbeit über die Schulter schauen zu dürfen“, erzählt er begeistert. „Man erlebt den Ursprung des kreativen Schaffensprozesses. Und wann hat man schon die Gelegenheit, beim Aufeinandertreffen von Kunst und Technologie so dicht dran zu sein?“

Ganz dicht dran in der ansonsten hermetisch abgeriegelten Halle war auch „Easy Rider“ Dennis Hopper. Der Filmstar war mit seiner Kamera im Auftrag der amerikanischen Ausgabe von „Vanity Fair“ dabei, um hautnah „An Expression of Joy“ als Art in Progress zu erleben. Als legendärer „Easy Rider“ versteht er nicht nur etwas von der Faszination von Motoren, er zählt auch zu den großen, ernsthaften Kunstsammlern Hollywoods.

Robin Rhode

Der junge Künstler, der 1976 in Kapstadt geboren wurde und heute in Berlin lebt, hat sich vor allem mit ungewöhnlichen Aktionen einen Namen gemacht. Seine Performances beziehen sich oft auf Erfahrungen, die er als Jugendlicher in Johannesburg machte und stellen Bezüge her zwischen Sport, Musik, Mode und dem eigentlichen künstlerischen Gestaltungsprozess. 2001 wurde Rhode für den südafrikanischen FNB Vita Art-Preis nominiert. Mit verschiedenen Ausstellungen war er in seinem Heimtland, in Portugal und England vertreten.

Jake Scott

Der Engländer Jake Scott, Jahrgang 1965, dreht seit 15 Jahren mit großem Erfolg Werbefilme und Musikvideos, für die er mit Preisen überhäuft wurde. So erhielt er schon mehrfach den MTV Award, eine Grammy-Nominierung, einen Emmy und den großen Preis des Werbefilmfestivals in Cannes. Zu seinen Kunden zählen Weltmarken wie Adidas, American Express, AOL, Coca Cola oder JP Morgan. Die Liste der Künstler, für die er Videos konzipiert und gedreht hat, liest sich wie ein Who´s Who der Musikwelt: REM, U2, Smashing Pumpkins oder George Michaels. Der Sohn des Regisseurs Sir Ridley Scott („Alien“, „Blade Runner“, „Gladiator“, außerdem einen Kurzfilm für die BMW Internet Filmserie „The Hire“) hat kürzlich seinen zweiten Spielfilm abgedreht, „Welcome to the Riley´s“.
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist

Geändert von Martin (20.12.2008 um 14:35 Uhr)
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