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Alt 09.07.2002, 21:45     #18
Jan Henning   Jan Henning ist offline
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OS-JH 75
Hallo

Zitat:
Original geschrieben von Peterle
Alt ist aber auch "kein Wert an sich". Sondern steht oft für überholt und nicht mehr ganz so zeitgemäß.
Ich bin nicht fortschrittsfeindlich - ich bin nur konservativ. Etwas neues muß beweisen das es besser ist als sein Vorgänger, sonst kann ich es nicht brauchen, denn alte Dinge haben den unschätzbaren Vorteil, das man sie erstens meistens schon hat, sie also kein Geld beim Erwerb verbrauchen und man ihre Macken und Unbequemlichkeiten kennt. Wenn ich dir schreibe was mir am E46 gefällt wirst du dich wundern, es ist nämlich so einiges:

- Man bekommt die Füße unter die Vordersitze.

- Es ist eine Switchtronik lieferbar.

- Kopf und Seitenairbags für hinten sind auch was schönes.

- Das Xenonlicht ist klasse.

- Großes Navi und DSC sind auch nicht schlecht - das DSC aber IMHO immernoch einem Sperrdifferential unterlegen.

- Die extra zu öffnende Heckscheibe beim Touring ist auch prima.

- Neue, kräftigere Motoren.

Die Nachteile sind aber auch nicht von schlechten Eltern:

- Hohes Gewicht erzeugt bei gleicher Motorisierung Defizite in den Fahrleistungen.

- Das Fahr und Lenkverhalten der frühen E46 Modelle ist näher an der Mercedes C-Klasse als am E36.

- Die langen Serviceintervalle sind beim Gebrauchtkauf ein unkalkulierbares Risiko.

- Die Radios machen den Auttausch gegen etwas gutes fast unmöglich - und immer zu einem optischen Desaster.

(ich brech hier mal ab....)


Zitat:
Dass eine erprobte Technik oft besser sein kann als etwas neues, unbekanntes, ist keine Frage. Aber auch wenn z.B. die E30-Hinterachse tausendfach gute Dienste geleistet hat, kann man sie immer noch verbessern und darauf aufbauend eine neue - und eben bessere - Konstruktion schaffen.

Mir fällt auf, dass Du (Jan Henning) immer vehement Fürsprecher der "älteren Baureihe" bist. Ob Du nun gegen Valvetronic Partei ergreifst oder Dich für die alten (und IMHO recht hausbackenen) Knöppe und Hebel im Innern der E36-Reihe aussprichst. Dagegen spricht ja auch nix - nur bricht die Argumentation zumindest beim Blinkerhebel spätestens dann zusammen, wenn Du irgendwann auch einen "erprobten" (also dann schon wieder überholten) E46 fährst (Bitte, soll keine Beleidigung sein!) Dann hast Du doch genau die Teile drin, die Du vorher abgekanzelt hast. Im übrigen: Blinkerhebel können die bei BMW wohl gerade noch basteln...
Tja, das ist eine Abwägung es kleinsten Übels. Das heute eine Konstruktion nicht mehr den Reifegrad wie früher hat liegt unzweifelhaft daran, das die Konstruktions und Erprobungszeit mitlerweile so stark verkürzt wurde. Autos und Computer sind wie Bananen. Das Produkt reift beim Kunden. Nur bin ich nicht bereit und kann es mir auch nicht leisten ein Produkt zu akzeptieren welches mich regelmäßig im Stich läßt oder für viel Geld nur scheinbaren Fortschritt liefert. Diese Methode alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen regt mich regelrecht auf. Die Schwächen des E36 finden sich alle beim E46 wieder: Die rubbelnden Bremsscheiben, die Lenkraddrehschwingungen, die heulenden Differentiale und unterdimensionierten Fahrwerkslager. Die anfällige Elektronik ist nicht zuverlässiger geworden und die Bremsen nicht standfester. Dafür sind vor allem in den ersten E46 Produktionsjahren etliche Fehler dazugekommen (Fensterheber, Luftmassenmesser, die Dieselmotorenausfälle....). Wo ist denn da ein Fortschritt. In einer anderen Verpackung Fortschritt zu suggerieren ist leicht. Echten Fortschritt findet man eher selten. Ich erkenne ihn sehr wohl (siehe oben), aber leider kauft man eben nicht das reine Glück. Wenn ich mir ehrlich überlege was nun besser ist dann machen einem die Hersteller mit solchen Mogelpackungen die Entscheidung schwer. Vielleicht hast du andere Prioritäten, aber für mich muß ein Auto erst mal laufen. Das taten mit entsprechender Pflege sogar meine beiden alten Opels - über 200tkm lang. Von einem wesentlich teureren BMW erwarte ich (in meinen Augen zu Recht) mehr. Mehr Leistung, mehr Komfort, mehr Fahrspaß. Aber doch nicht auf Kosten der Zuverlässigkeit! Denn das ist die Plicht, alles andere die Kür. Wenn nun ein neues Modell auf den Markt kommt bin ich grundsätzlich erst mal unvoreingenommen - für die Skepsis sorgen die Hersteller i.d.R. selbst. Welches Auto hatte in den letzten Jahren denn nicht mir Anlaufschwierigkeiten und anfänglichen Qualtätsmängeln zu kämpfen. Wie oft mußten Zahnriemenwechelintervalle verkürzt, Lebensdauer- und Dimensionierungsdefizite ausgebüglt und peinliche Softwarebugs ausgräumt werden? Da lehne ich mich lieber zurück und laß andere Versuchskaninchen spielen. Eine Modell kurz vor Ende seines Produktzyklus zu kaufen zeugt von Geduld und Weisheit. Es wird fast immer mit besonderer Ausgereiftheit und Zuverlässigkeit belohnt - und Geld spart man nebenbei auch noch.

Um noch mal an den Anfang zurück zu kommen: "Zeitgemäß" schreibst du, als wäre das was gutes. Schau dir unsere Zeit an, und dann überleg noch mal ob das etwas erstrebenswertes ist....

Ein nachdenklicher Jan Henning
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"Was ist das entwertendste was Sie dem Recht, welches wir respektieren sollen, antun können? - Erlassen und vollstrecken Sie ein Gesetz das des Schutzes unwürdig ist." Akane Tsunemori
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