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Alt 18.05.2007, 14:45     #2
Hermann   Hermann ist offline
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Rede von Dr. Klaus Draeger, Mitglied des Vorstands der BMW AG, 30 Jahre BMW Fahrer-Training

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind und heute mit uns das 30-jährige Bestehen des BMW Fahrer-Trainings feiern. Wenn ich an meinen 30. Geburtstag zurückdenke, gab es eine große Torte und 30 Kerzen. Bei uns gibt es heute großartige Automobile und viele Zündkerzen. Sie sehen, wir in der BMW Group haben nun mal Benzin im Blut - und jeder, den die Freude am Fahren einmal selbst gepackt hat, der weiß, dass einen dieses Fieber, diese Begeisterung nicht so schnell loslässt.

Sie haben heute Vormittag einen Eindruck bekommen können, welche Inhalte bei unserem Fahrer-Training vermittelt werden. Der eine oder andere unter Ihnen hat bei dem heutigen Anlass möglicherweise nachgerechnet wie lange er seine Fahrerlaubnis schon besitzt – vielleicht sogar schon 30 oder gar mehr Jahre? Und er hat sich gefragt, wie es sein kann, dass er trotzdem heute Vormittag etwas Neues über sicheres Fahren lernen konnte? Es gibt eben doch noch viele Situationen, die man im normalen Straßenverkehr einfach nicht üben kann. Das ist bedauerlich, denn wenn es darauf ankommt, muss das richtige Fahrverhalten im Sekundenbruchteil parat sein.

Vor drei Jahrzehnten hat man bei der BMW Group erkannt, dass es nicht genügt, sportliche und dynamische Automobile zu entwickeln. Als verantwortungsbewusstes Unternehmen war es uns ein Anliegen, auch fahrerisches Können zu vermitteln.

Die Erfinder des Fahrer-Trainings hatten das Ziel „Die optimale Verbindung des besseren Automobils mit dem besseren Fahrer“ zu schaffen. Heute würden wir das sicher etwas frischer formulieren, aber unser Anspruch von damals hat weiter Bestand. In ihm drückt sich die umfassende Verantwortung der BMW Group für mehr Sicherheit im Straßenverkehr aus.

Als diese ohne Übertreibung visionäre Entscheidung für ein eigenes Fahrsicherheitstraining bei BMW getroffen wurde, galt dies für ein Unternehmen mit vier Modellreihen und einem Jahresabsatz von 288.000 Einheiten. Damals waren wir mit sechs Tochtergesellschaften vertreten und betrieben sechs Automobilwerke im In- und Ausland.

Mittlerweile hat sich die BMW Group zu einem Unternehmen mit drei Marken und zehn Modellreihen entwickelt. Unser Absatz im Jahr 2006 betrug 1,37 Millionen Automobile. Weltweit sind wir in 39 Vertriebsgesellschaften und 23 Produktions-stätten präsent.

Wir haben viele Maßnahmen ergriffen, um zu wachsen und zu expandieren – und wir waren erfolgreich damit.

Das Fahrer-Training seinerseits hat ebenfalls eine äußerst positive Entwicklung durchlaufen. In Summe haben sich seit 1977 bereits mehr als 200.000 Menschen für unsere Lehrgänge entschieden. Mittlerweile zählen wir jährlich rund 18.000 Teilnehmer– mit einer durchweg positiven Resonanz. Zudem wurde das Angebot stark erweitert: Heute gibt es nicht nur ein Training für Automobil-Kunden der Marke BMW. Ebenso im Angebot sind Fahrer-Trainings mit MINI Automobilen und auf BMW Motorrädern. Und das in unterschiedlichen Leistungsstufen, so dass vom Fahranfänger bis zum geübten Fahrer immer etwas dabei ist.
Wir können also feststellen: Das Fahrer-Training ist heute bei gestiegener Vielfalt noch ebenso gefragt wie in der ersten Stunde.

In den vergangenen Jahrzehnten hat es einige Entwicklungen gegeben, die das BMW Fahrer-Training maßgeblich beeinflusst haben:

Unsere Fahrzeuge sind in allen kundenrelevanten Aspekten ständig weiter entwickelt worden. Neben der Verbesserung von Komfortelementen, die ich hier als „Kür“ bezeichnen möchte, sehen wir es als unsere originäre Aufgabe, als unsere „Pflicht“, die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer stetig zu erhöhen. Wir steigern deshalb seit Jahrzehnten die aktive und passive Sicherheit unserer Produkte. Zum Beispiel durch elektronische Assistenzsysteme. Wir haben auf diesem Gebiet vieles erreicht, was vor 30 Jahren noch nicht denkbar war.

Ich möchte Sie jetzt nicht durch Jahrzehnte Innovationen der BMW Group im Detail führen. Nur ein paar Beispiele:

Vor zwanzig Jahren bauten wir erstmals das Antiblockiersystem ABS in den BMW 745i ein. Auch bei den Zweirädern war BMW ein Pionier bei der Einführung von ABS. Heute ist dieses System Standard in fast allen Automobilen und findet auch in Motorrädern immer größere Verbreitung.

Es folgten im schnellen Rhythmus immer mehr Fahrerassistenzsysteme und Fahrwerks-Regelsysteme, die das Fahren einfacher und sicherer machen.

Denken Sie dabei an die, wie ich selbst zugebe, manchmal etwas verwirrende Phalanx von Buchstabenkürzel wie ABS, ASC, DSC und so weiter.

Über die Jahrzehnte haben wir eine Vielzahl von Innovationen in unsere Produkte gebracht, die zur Sicherheit beitragen:

• 1994 waren wir der erste europäische Automobilhersteller mit Navigationssystem. Erinnern Sie sich an die vielen Fahrer, die alleine unterwegs waren und früher ständig beim Fahren im Straßenatlas geblättert und sich den Kopf nach Straßenschildern verrenkt haben? Ganz zu schweigen von den unnötigen Auseinandersetzungen mit dem Beifahrer oder der Beifahrerin, wenn man sich verfahren hatte. Ich möchte behaupten, dass Navigationssysteme nicht nur Komfort, sondern auch mehr Sicherheit ins Auto gebracht haben.

• Für den Pannenfall haben wir 2003 eine pannensichere Runflat-Bereifung unter anderem beim BMW 3er serienmäßig eingeführt, die im Falle eines plötzlichen Druckverlustes ein unkontrollierbares Ausbrechen des Fahrzeugs verhindert.

• Oder denken Sie an unsere Heckleuchten mit zweistufigem Bremslicht, die die Gefahr von Auffahrunfällen verringern.

Jüngst haben wir die Dynamic Performance Control vorgestellt. Ein mechatronisches System, das unabhängig von der Motorleistung die stufenlose Verteilung der Antriebsmomente auf die Hinterräder übernimmt. Durch die höhere Lenkpräzision, Spurstabilität und Traktion ist das wieder ein Beitrag für die aktive Sicherheit.

Alle diese Maßnahmen für mehr aktive und passive Sicherheit sind das Ergebnis höchster Ingenieurskunst und zugleich beeindruckende Beispiele innovativer Technologien, die in unseren Fahrzeugen zum Einsatz kommen.

Aber auch wenn wir noch so viele Sicherheitsfeatures entwickeln, bleibt doch der Mensch am Lenkrad in der Verantwortung. Deshalb ist es nicht nur wichtig, dem Kunden ein Automobil zu überreichen, das Sicherheitsfeatures auf dem neuesten Stand der Technik bietet. Sondern wir bieten ihm gleichzeitig die Möglichkeit, das richtige Verhalten hinterm Steuer zu üben. So wichtige Funktionen wie das Antiblockiersystem und die Dynamische Stabilitätskontrolle haben deswegen einen festen Platz im Trainingsplan.

Wir befähigen den Fahrer, das Fahrzeug in Extremsituationen kennen- und beherrschen zu lernen. Damit bereiten wir ihn darauf vor, im Alltag Risikosituationen rechtzeitig zu erkennen und im Idealfall zu vermeiden. Wir sind davon überzeugt, dass dies gerade in der heutigen Zeit, in der die Verkehrsdichte und Motorisierung der Fahrzeuge zugenommen hat, eine optimale Vorbereitung darstellt.

Ich habe eingangs schon davon gesprochen, dass sich das Fahrer-Training in den Jahren auch weiterentwickelt hat. Eine Komponente, die heute aktueller denn je ist, findet sich in unserem neuesten Training wieder – dem Economy-Training. Unter dem Begriff BMW EfficientDynamics hat die BMW Group ein ganzes technisches Maßnahmenbündel in ihre Produkte gebracht, mit dem Ziel, Kraftstoff zu sparen und gleichzeitig die Dynamik zu erhöhen. Auch hier gilt, die Automobile sind mit der Technik ausgestattet, die ein sparsames Fahren ermöglichen, aber der Fahrer und damit seine Fahrweise bleibt maßgebend.

Im Economy-Training zeigen wir dem Fahrer, wie er mit der richtigen Fahrweise, bis zu 20 Prozent weniger Kraftstoff verbraucht. Das Economy-Training, werden wir in Grundelementen nun in alle Trainings integrieren.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch anhand einer theoretischen Hochrechnung das Potenzial von Fahrsicherheitstrainings aufzeigen:

Untersuchungen zeigen, dass jeder Mensch während seines Autofahrerlebens durchschnittlich in neun Unfälle verwickelt ist. Alle fünf Jahre ist er an einem Unfall beteiligt, alle neun Jahre verursacht er einen Unfall selbst.
Und: Etwa 95% der Unfälle haben als Ursache menschliches Versagen.

Das BMW Fahrer-Training setzt genau an diesem Punkt an und möchte den Autofahrer befähigen, die eigene Reaktion in kritischen Situationen zu optimieren.

Angenommen jeder Teilnehmer eines Fahrsicherheits-Trainings wäre in nur einen Unfall weniger in seinem Leben als Autofahrer verwickelt, dann wäre das schon viel wert.

Meine Damen und Herren,

heute Nachmittag haben Sie ja nochmals Gelegenheit verschiedene Trainingselemente selbst zu erleben. Ich hoffe Sie können sich ein Bild davon machen, welche enormen Veränderungen die Fahrzeuge und das Fahrer-Training durchlaufen haben.

Gleich übergebe ich das Wort an Herr Frank Isenberg, Leiter des BMW Fahrer-Trainings, der Ihnen dazu noch mehr Hintergrundinformationen geben wird.

Nicht nur heute, sondern auch in Zukunft wünsche ich Ihnen noch viel Freude am Fahren. Mit mehr Sicherheit haben Sie mit Sicherheit mehr Freude daran. In diesem Sinne, danke für Ihre Aufmerksamkeit!
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
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