Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 06.03.2007, 20:12     #4
Hermann   Hermann ist offline
Senior Guru
  Benutzerbild von Hermann

Threadersteller
 
Registriert seit: 03/2001
Beiträge: 8.177

Aktuelles Fahrzeug:
E63 645Ci, E36 318i Cabrio, E39 523i Touring
Fahrer.

Andy Priaulx (GBR) – Startnummer 1.


In der Geschichte des Motorsports hat es immer wieder Fahrer gegeben, die eine komplette Ära geprägt und ihr herausragendes Talent mit dem Gewinn von Titeln in Serie unter Beweis gestellt haben. Im internationalen Tourenwagensport gehört Andy Priaulx ganz sicher zu dieser besonderen Kategorie. Nach seinem Triumph in der Tourenwagen-Europameisterschaft 2004 kam der 32-Jährige sowohl 2005 als auch im vergangenen Jahr in der Weltmeisterschaft zu Titelehren.

Es gibt mehrere Gründe für die beeindruckende Dominanz des zweimaligen Weltmeisters. Priaulx profitiert einerseits von der Stärke und dem engen Zusammenhalt innerhalb des BMW Team UK – RBM, für das er seit 2003 antritt. Andererseits verfügt der Rennfahrer von der Kanalinsel Guernsey über ein Ausnahmetalent, das er auf der Strecke regelmäßig in exzellente Ergebnisse ummünzt. Beispielhaft für Priaulx’ Können ist seine Bilanz auf dem legendären Stadtkurs von Macau. Bei seinen WM-Erfolgen setzte er sich jeweils auf der wohl anspruchsvollsten Strecke im WTCC-Kalender gegen seine Konkurrenten im Kampf um den Titel durch.

Hatte Priaulx in der Saison 2005 noch als eifriger Punktesammler – er punktete in 16 von 20 Rennen – den Grundstein für seinen ersten WM- Triumph gelegt, entpuppte er sich im vergangenen Jahr als echter Siegfahrer. Mit dem neuen BMW 320si WTCC überquerte er insgesamt fünf Mal als Erster die Ziellinie – und das, obwohl er durchgängig mit hohem Handicapgewicht an den Start ging. Trotz seiner zwei WM-Titel hat Priaulx für die Saison 2007 nichts von seinem Erfolgshunger eingebüßt.


Fragen an Andy Priaulx:

Wie schnell konnten Sie nach dem erneuten WM-Triumph 2006 den Schalter umlegen und die Konzentration auf die neue Saison richten?


Das war bereits am Tag nach den Rennen in Macau der Fall. Der Motorsport erlaubt es nicht, dass man sich zurücklehnt und allzu lange die Erfolge der Vergangenheit genießt. Gerade in der WTCC gehen die Saisons nahezu ineinander über. Im November stehen die letzten Läufe auf dem Programm, wenig später stehen auch schon wieder Testfahrten mit Blick auf das folgende Jahr auf dem Programm. Natürlich war die Freude nach dem WM-Erfolg riesig. Ich will jedoch alles dafür tun, dass es nicht der letzte Triumph in meiner Karriere gewesen ist.

Was treibt Sie immer wieder an? Eigentlich haben Sie doch in der Tourenwagen-WM alles erreicht…

Man will als Fahrer immer alles gewinnen, was möglich ist. Ich sitze nicht nur am Steuer eines Rennwagens, weil es mir so großen Spaß macht. Ich liebe den Wettbewerb – und der ist kaum irgendwo so groß wie in der WTCC. Alleine schon deshalb wird nie Langeweile aufkommen. Übrigens bin ich nicht der einzige Pilot im Feld, der bis in die Fußspitzen motiviert ist. Wir haben es hier mit einigen der besten Fahrer der Welt zu tun, von denen jeder die Weltmeisterschaft gewinnen will.

Welcher Ihrer Titel hat für Sie den höchsten Stellenwert?

Der WM-Titel im vergangenen Jahr war bisher der schönste. Als ich 2004 Europameister wurde, lag ich vor dem Saisonfinale noch zwölf Punkte hinter dem Spitzenreiter zurück. Ich hatte in mehreren Situationen Pech und deshalb auch einige schwächere Rennen. 2005 bin ich zwar Weltmeister geworden, am Ende stand jedoch nur ein Sieg für mich zu Buche. Ich denke, noch immer waren die Kritiker nicht vollständig überzeugt. In der Saison 2006 war es anders. Ich konnte fünf Rennen gewinnen, stand drei Mal auf der Pole und hatte regelmäßig viel Gewicht an Bord. Ich habe nicht ein schlechtes Wort über diesen Titelgewinn gehört.

Wird es 2007 noch enger zugehen als im vergangenen Jahr?

Ich glaube, die vergangene Saison ist in punkto Spannung kaum zu überbieten. Neun Fahrer hatten in Macau schließlich noch die Chance auf den WM-Titel. Allerdings macht nicht nur die Anzahl der Titelanwärter die Faszination einer Meisterschaft aus. Die Frage ist, wie hart umkämpft die einzelnen Rennsiege sein werden. In dieser Hinsicht wird es von Jahr zu Jahr spannender.

Haben Sie im Verlauf der Saison 2006 viel über den neuen BMW 320si WTCC gelernt?

Ja, man lernt immer hinzu. Das gilt umso mehr, wenn ein Auto seine erste Saison bestreitet. Gerade die Rennen waren sehr aufschlussreich. Man kann tagelang testen und weiß danach oftmals nicht, wo man wirklich steht. Im Verlauf eines Rennwochenendes steht man jedoch im direkten Konkurrenzkampf mit den anderen Teams und Herstellern. Ich denke, dass wir den BMW 320si WTCC in diesem Jahr noch schneller machen können. Das müssen wir auch, schließlich werden sich auch unsere Gegner verbessern. Der Wagen hat 2006 gezeigt, dass großes Potenzial in ihm steckt.

Motorsportdaten Andy Priaulx


Jörg Müller (DEU) – Startnummer 2.

Seit er 2002 sein Debüt in der Europameisterschaft feierte, hat Jörg Müller dem Tourenwagensport seinen Stempel aufgedrückt. Zwei Mal kämpfte er bis zum Schluss um den EM-Titel. Nicht weniger als zwölf Rennen beendete er bis 2004 siegreich. Auch beim Comeback der Tourenwagen-Weltmeister- schaft im Jahr 2005 blieb Jörg Müller ein Garant für Siege und stand drei Mal ganz oben auf dem Treppchen.

In der vergangenen Saison ging es für den sympathischen Rennfahrer allerdings noch weiter nach oben. Lediglich um einen WM-Punkt musste er sich Weltmeister Andy Priaulx geschlagen geben und kämpfte bis zum letzten Lauf in Macau um den Gewinn der Weltmeisterschaft. Insgesamt hatte Müller, der in diesem Jahr erneut für das BMW Team Germany – Schnitzer Motorsport startet, vor dem Auftakt in die WTCC-Saison 2007 sieben Siege auf dem Konto – so viel wie kein anderer Pilot.

Die erfolgreiche Vorsaison rundete der 37-Jährige mit dem Triumph im letzten Saisonrennen in Macau ab. An gleicher Stelle hatte Müller bereits 2004 Geschichte geschrieben, als er seinem Sieg im Macau-F3-Grand-Prix von 1993 den ersten Platz beim Tourenwagenrennen folgen ließ. Ein Erfolg in beiden Disziplinen war vor ihm auf dem verwinkelten Stadtkurs nur einem Fahrer gelungen.


Als 15-Jähriger sammelte Müller erste Erfahrungen im Kart. Titel in bedeutenden Formel-Serien folgten. Als Testpilot für BMW, Arrows und Sauber machte er zudem in der Formel 1 auf sich aufmerksam. Seine Leidenschaft gilt auch der Langstrecke. Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans fuhr er für BMW, Nissan und Porsche. In der American Le Mans Series feierte er Siege mit dem BMW V12 LMR und gewann dort 2001 im BMW M3 GTR die GT-Klasse. Im selben Fahrzeug siegte er 2004 gemeinsam mit dem Team BMW Motorsport beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.

Fragen an Jörg Müller:

Was hat 2006 bei Ihnen überwogen: Enttäuschung oder Freude?


Es war eindeutig die Freude über das gesamte Jahr und vor allem über den Sieg im letzten Rennen in Macau. Ich liebe diese Strecke einfach. Dort zum Ende der Saison noch einmal ganz oben zu stehen, war etwas Besonderes für mich. Ich hatte nicht erwartet, 2006 noch so dicht an Andy Priaulx heranrücken zu können. Es ist zwar schade, dass es letztlich nicht zum Titel gereicht hat. Aber wir haben die Saison mit einem Gesamtpaket abgeschlossen, mit dem wir 2007 von Anfang an in der Lage sein sollten, um Siege und die Meisterschaft zu kämpfen.

Seit Jahren treten Sie erfolgreich für das BMW Team Germany unter der Regie von Charly Lamm an. Herrscht ein blindes Verständnis?

Natürlich hat es auch bei uns im Team personelle Veränderungen gegeben. Den Kern der Crew kenne ich jedoch bereits seit 1995, als ich erstmals für Schnitzer im Supertourenwagen-Cup gefahren bin. Natürlich weiß man viel voneinander. Das hilft vor allem dann, wenn man auf neue Herausforderungen reagieren muss. Trotzdem ist es wichtig, immer weiter an sich zu arbeiten. Es darf sich keine Routine einschleichen. Das geht nur über die Kommunikation. Man muss immer wieder die Köpfe zusammenstecken und neue Ideen besprechen.

In Augusto Farfus haben Sie 2007 einen neuen Teamkollegen. Steigert das Ihre Motivation?

Bis auf die Sprache, die ich mit meinem Teamkollegen spreche, ändert sich für mich eigentlich nichts. BMW hat einen sehr guten Fahrer gegen einen sehr guten Piloten getauscht. In den vergangenen Jahren musste ich mich immer extrem anstrengen, um meinen Teamkollegen zu schlagen. Das wird in dieser Saison mit Augusto nicht anders sein. Mein eigentliches Ziel ist jedoch, diesmal vor Andy zu landen.

Mit welcher Strategie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Ich habe schon häufig mit Andy selbst darüber gesprochen, und wir sind uns einig: Man kann in der WTCC keine bestimmte Strategie verfolgen und völlig kalkuliert fahren. Die Maxime lautet einfach, an jedem Wochenende so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Es wäre zu riskant, auf die umgekehrte Startreihenfolge zu hoffen und beispielsweise im ersten Rennen gezielt auf Rang acht fahren zu wollen. Nur wer voll auf Sieg geht, hat eine Chance auf den Titel.

Niemand hat mehr WM-Läufe gewonnen als Sie. Macht Sie das stolz?

Die Statistik ist schön und freut mich. Sie zeigt, dass ich trotz meiner 37 Jahre noch immer konkurrenzfähig bin. Wie jeder andere Fahrer auch muss ich mich allerdings jedes Jahr aufs Neue beweisen. Deshalb nehme ich mir vor, 2007 weitere Siege einzufahren und die Meisterschaft zu gewinnen.

Was ist der Schlüssel, um in der WTCC erfolgreich zu sein?

Es gibt keine einzelne Komponente, die man herausgreifen kann. Im Rennsport muss alles zusammenpassen. Das Zusammenspiel von Auto, Reifen, Fahrer und Mechanikern ist sehr komplex. Wer das beste Gesamtpaket auf die Beine stellen kann, wird triumphieren. Und es gehört natürlich auch ein wenig Glück dazu. In den Sprintrennen wird verbissen gekämpft. Wer zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort ist, kann sich ganz schnell im Kies wieder finden. Es gibt also kein eindeutiges Erfolgsrezept.

Motorsportdaten Jörg Müller


Augusto Farfus (BRA) – Startnummer 3.

Obwohl er erst 23 Jahre alt ist, zählt Augusto Farfus zu den erfahrenen Piloten in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft. 2004 gab der Rennfahrer aus Curitiba (BRA) sein Debüt in der Europameisterschaft – und konnte sich seitdem kontinuierlich steigern. Nach Platz sieben in seinem Premieren-Jahr schloss er die WTCC 2005 bereits auf dem vierten Gesamtrang ab. In Macau beeindruckte Farfus damals die Fachwelt, als er im engen Leitplankenkanal der ehemaligen portugiesischen Kolonie seinen ersten Sieg davon trug.

Dass er neue Erfahrungen geradezu aufsaugt und mit jedem Rennen stärker wird, hat der Youngster im vergangenen Jahr bewiesen. Überraschend stand er drei Mal ganz oben auf dem Treppchen und war vor dem letzten Rennen neben seinen jetzigen Markenkollegen Andy Priaulx und Jörg Müller einer von drei Fahrern, die sich noch Hoffnungen auf den WM-Titel machen durften. Schließlich schloss er die Saison auf dem dritten Platz ab.

Nach ersten Erfolgen als Motocross-Pilot und im Kartsport wagte Farfus, dessen Familie eine der größten Restaurant-Ketten in Brasilien besitzt, früh den Sprung nach Europa. So debütierte er 2000 in der Formel-Renault- Europameisterschaft, in der er ein Jahr später den Titel gewann. Auch in der F3000-Euro-Serie sicherte er sich 2003 den Meistertitel. Seither hat er sich als das vielleicht größte Nachwuchstalent im Tourenwagensport etabliert. 2007 möchte der neue BMW Werksfahrer in der erfahrenen Mannschaft von Schnitzer Motorsport weiter dazulernen.


Fragen an Augusto Farfus:

Neues Team, neues Auto: Wie bereiten Sie sich auf die vielen Herausforderungen vor, die 2007 auf Sie warten?


Zunächst möchte ich sagen, dass ich sehr glücklich darüber bin, für BMW antreten zu dürfen. Für mich ist dies eine fantastische Gelegenheit. Ich beginne gewissermaßen bei null und muss mich zunächst mit dem Auto und meinem neuen Team vertraut machen. Ich bin jedoch zuversichtlich, mich schnell zurechtzufinden. Der Empfang im Team von Schnitzer Motorsport war großartig, und ich wurde auf Anhieb gut aufgenommen. Ich möchte mich weiter verbessern und natürlich für BMW so schnell wie möglich den Titel gewinnen.

Was bedeutet es Ihnen, für ein derart erfahrenes Team wie Schnitzer Motorsport zu fahren?

Schnitzer hat schon überall auf der Welt Rennen und Titel gewonnen. Die Erfolgsgeschichte ist immens lang. Natürlich bringt das für uns Fahrer eine große Verantwortung mit sich. Aber ich fühle mich schon jetzt sehr wohl dort. Hoffentlich kann ich das große Vertrauen, das vom Team in mich gesetzt wird, von Anfang an mit guten Leistungen zurückzahlen.

Über Jahre waren die BMW auf der Strecke Ihre Rivalen. Nun sind Sie selbst ein BMW Werksfahrer. Müssen Sie sich erst an diese Situation gewöhnen?

Nein. Sobald man im Cockpit sitzt und das Rennen beginnt, zählt nur der Sieg. In dieser Situation denkt man nicht über die Vergangenheit nach. Ich schätze mich glücklich, dass ich bereits die Chance gehabt habe, ganz vorne in der WTCC mitzumischen. Nun will ich als BMW Werksfahrer den nächsten Schritt machen. Das Team ist klasse, und der BMW 320si WTCC hat 2006 alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Ich werde mein Bestes geben, für weitere Erfolge zu sorgen.

Welche Bedeutung hat der Motorsport in Ihrer Heimat?

Brasilien ist ganz sicher verrückt nach Motorsport. Emerson Fittipaldi, Nelson Piquet und Ayrton Senna sind die großen Formel-1-Helden. Damit bin ich aufgewachsen. Am frühen Sonntagmorgen, als damals die Rennen übertragen wurden, hat ganz Brasilien gespannt vor dem Fernseher gesessen. Fußball ist zwar noch immer die populärste Sportart, aber die andere Hälfte des brasilianischen Fan-Herzens schlägt für den Rennsport. Ich hoffe sehr, dazu beitragen zu können, dass auch die WTCC dort noch bekannter wird.

Die Saison beginnt in Ihrer Heimatstadt Curitiba. Sind Sie nervös?

Der Druck wird recht groß sein, aber das beeindruckt mich nicht sonderlich. Im Motorsport ist man als Fahrer immer mit Druck konfrontiert. Es wird mir großen Spaß machen, vor heimischer Kulisse ein neues Kapitel meiner Karriere aufzuschlagen. Vieles wird neu für mich sein. Ich setze alles daran, gleich zum Auftakt ein Wörtchen um den Sieg mitsprechen zu können.

Auch in Ihrem Privatleben kündigen sich Veränderungen an…

In der Tat. Meine Freundin und ich haben uns Anfang des Jahres verlobt und planen zu heiraten. Wir wissen jedoch noch nicht, wann und wo dies der Fall sein wird. Ich werde in diesem Jahr 24 Jahre alt und fühle mich bereit, eine Familie zu gründen. Sie ist ein toller Mensch und unterstützt mich, wo immer es geht.

Motorsportdaten Augusto Farfus


Alessandro Zanardi (ITA) – Startnummer 4.

Als Alessandro Zanardi am 25. November 2006 auf dem „Circuit de la Comunitat“ von Valencia in die Box zurückkehrte, wussten alle Fans und anwesenden Journalisten, dass sie gerade ein Kapitel Motorsport-Geschichte miterlebt hatten: Der Italiener war für das BMW Sauber F1 Team noch einmal ans Steuer eines Formel-1-Fahrzeugs zurückgekehrt und absolvierte als erster beinamputierter Rennfahrer eine F1-Testfahrt.

Es war nicht das erste Mal, dass Zanardi die Grenze des Möglichen im Motorsport neu definiert hat. Nur die wenigsten hätten ihm nach dem schweren Unfall auf dem Lausitzring im Jahr 2001, bei dem er beide Beine verlor, ein Motorsport-Comeback zugetraut. Mit eisernem Willen und beispielloser Lebensfreude kämpfte sich der 40-Jährige jedoch wieder zurück. Bereits 2003 trat er in einem auf seine Bedürfnisse angepassten BMW 320i beim Saisonfinale der Tourenwagen-Europameisterschaft in Monza an und begeisterte die Fachwelt.

Der Einsatz vor heimischem Publikum machte Lust auf mehr. 2004 bestritt Zanardi die komplette ETCC-Saison und vertrat das BMW Team Italy-Spain – ROAL Motorsport auch in den beiden WM-Jahren 2005 und 2006. Dabei genügte es dem 41-maligen Formel-1-Piloten allerdings nicht, einfach nur wieder dabei zu sein. Stattdessen nahm er Rennsiege ins Visier. Und tatsächlich: Am 28. August 2005 gelang Zanardi die Sensation, als er in Oschersleben als erster Körperbehinderter einen WM-Lauf gewann. In der vergangenen Saison triumphierte er in Istanbul gar ein weiteres Mal und bewies, dass mit ihm weiterhin zu rechnen ist. Zanardi und sein Team konnten die technischen Umbauten am Auto stetig perfektionieren und so die Konkurrenzfähigkeit verbessern. Der Routinier gibt mit der Hand Gas und bremst mit Hilfe seiner Prothesen. 2007 möchte Zanardi die WM weiter aufmischen.

Fragen an Alessandro Zanardi:

Was können wir dieses Jahr von Ihnen erwarten?


Ich habe 2006 zwar nicht bedeutend mehr Punkte errungen als noch im Jahr davor. Dennoch war mein Speed sehr viel besser – und das ist für mich entscheidend. Es gab in der vergangenen Saison viele Rennen, die ich mit ein bisschen mehr Glück sogar hätte gewinnen können. Deshalb bin ich für 2007 sehr zuversichtlich. Ich muss darauf achten, mehr Rennen zu beenden und vielleicht etwas besonnener zu agieren. Dann ist hoffentlich erneut ein Sieg oder mehr möglich.

Haben Sie weitere Verbesserungen bei den speziellen Modifikationen Ihres Autos erzielen können?

Wir haben einen Punkt erreicht, an dem weitere technische Fortschritte nur dann möglich sind, wenn mir wieder neue Beine wachsen. Das Hauptaugen- merk liegt im Augenblick darauf, die Bedienung des Autos für mich komfortabler zu machen. Im Idealfall bedeutet jedoch auch dies, dass ich den Wagen noch schneller bewegen kann, besonders im Rennen. Ich werde vielleicht ein wenig aggressiver fahren können und auf diese Weise ein paar Hundertstelsekunden gewinnen.

Was bedeutet Ihnen rückblickend die Fahrt im Formel-1-Auto?

Das war ein ganz besonderer Moment für mich. Ich bin sehr dankbar, dass mir BMW diese Möglichkeit gegeben hat. Wenn man so will, hatte ich für ein Wochenende ein ganzes Formel-1-Team hinter mir. Das war großartig. Für mich war es ja nicht die erste Fahrt in einem solchen Auto. Angesichts meines Handicaps haben jedoch die meisten Leute offenbar damit gerechnet, dass ich es etwas ruhiger angehen lassen würde. Stattdessen kam ich gleich zu Beginn gut mit dem Wagen zurecht und hatte großes Vertrauen. Schade, dass die Zeit im Cockpit so schnell vergeht…

Wie beurteilen Sie die Konkurrenzsituation in der WTCC gegenüber der Formel 1 oder anderen Serien?

Das Grundproblem ist in allen Motorsportklassen dasselbe: Wie kann ich das vor mir fahrende Auto überholen? In den meisten Serien ist es so, dass man nur den Wagen seines Teamkollegen vor sich hat, wenn man für ein gutes Team antritt. Das gilt auch in der Formel 1. In der WTCC kommt es jedoch noch stärker auf den Fahrer an, da die Fahrzeuge per Reglement viel enger beieinander liegen. Daher ist der Pilot eine der Variablen, die den Unterschied machen. Die meisten WTCC-Fahrer sind sehr talentiert, daher geht es auf der Strecke extrem eng zu. Das führt zu Kontakten und spektakulären Rennen. In der Formel 1 ist der Unterschied zwischen starken und schwachen Teams viel ausgeprägter, so dass man ihn als Fahrer nicht mehr ausgleichen kann.

Félix Porteiro ist Ihr neuer Teamkollege. Ähnelt er dem jungen Alessandro Zanardi?

Félix ist ein sehr selbstbewusster junger Fahrer. Wahrscheinlich ist er deutlich selbstsicherer als ich es im Alter von 23 Jahren gewesen bin. Aber das heißt natürlich nicht, dass ich damals im Rennen eine weiße Flagge aus dem Fenster gehalten habe. Ich habe alles gegeben und wusste, dass ich das nötige Talent habe. Félix besitzt ebenfalls großes Talent. Die Tatsache, dass er für das BMW Team Italy-Spain fährt zeigt, dass BMW große Hoffnungen in ihn setzt. Als ich ihn 2006 beim European Touring Car Cup in Estoril gesehen habe, hat mich seine saubere und fehlerfreie Fahrweise beeindruckt. Er wird sich durchsetzen.

Motorsportdaten Alessandro Zanardi


Félix Porteiro (ESP) – Startnummer 5.

Félix Porteiro ist 2007 neben Augusto Farfus der zweite Neuzugang in den Reihen der BMW Länderteams. Der Spanier wird für das BMW Team Italy- Spain – ROAL Motorsport auf Punktejagd gehen. Für Porteiro ist es die erste Saison in einer internationalen Tourenwagenmeisterschaft.

Dass er das Zeug dazu hat, in der WTCC für Furore zu sorgen, hat der Rennfahrer aus Castellón (ESP) bereits im vergangenen Jahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Gemeinsam mit Alessandro Zanardi ging er 2006 am Steuer eines BMW 320si WTCC beim FIA European Touring Car Cup im portugiesischen Estoril an den Start. Dabei gelang ihm im Training auf Anhieb die Bestzeit, im Qualifying fehlte dem Nachwuchstalent lediglich eine Zehntelsekunde zur Poleposition. Trotz schwieriger Rennbedingungen auf nasser Strecke ließ Porteiro mit Rang drei im ersten Lauf aufhorchen. Diese Vorstellung beeindruckte die Verantwortlichen vom BMW Team Italy-Spain, Umberto Grano und Roberto Ravaglia, so dass der 23-Jährige für 2007 unter Vertrag genommen wurde.

Vor seinem Wechsel in die WTCC hatte Porteiro bereits in diversen Formelrennserien ansprechende Leistungen gezeigt. 2006 trat er in der GP2- Serie an, wo er neben einer Poleposition in Silverstone auch fünf Meisterschaftspunkte verbuchen konnte. Im Jahr davor hatte Porteiro in der World Series by Renault den fünften Platz belegt.

Fragen an Félix Porteiro:

Wie ist Ihnen die vergangene GP2-Saison in Erinnerung geblieben?


Die GP2 war eine sehr gute Erfahrung. Allerdings hatte ich nur wenig Zeit, um mich mit den vielen neuen Strecken vertraut zu machen. Die Fahrer in den großen Teams haben dahingehend einen großen Vorteil. Normalerweise braucht man als Neuling zwei Jahre, um auf hohem Niveau fahren zu können. Dennoch hat es viel Spaß gemacht, sich mit den vielen bekannten Namen zu messen. Highlights waren Platz sechs in Monaco und die Poleposition in Silverstone. In der World Series by Renault lief es 2005 besser. Dort wurde ich Fünfter und habe einige Rennen gewonnen, sogar vor dem späteren Meister Robert Kubica. Und wir wissen ja, wo er mittlerweile fährt…

Was hat Sie an der WTCC gereizt?

Im Vergleich zur GP2 sind die Rennen dort interessanter. Es ist einfacher, Überholmanöver zu starten. Entsprechend geht es auf der Strecke spannender zu. Anderswo gibt es zwar die weit entfernte Aussicht auf ein Formel-1-Engagement, aber vielleicht pro Rennen nur eine Handvoll aufregender Überholvorgänge. Ich bin ein Racer – und deshalb ist mir die Action in den Rennen sehr wichtig.

Ist der Motorsport in Spanien weiter im Aufwind, nachdem Fernando Alonso zwei Formel-1-Titel gewonnen hat?

Ja, das ist ganz sicher der Fall. Noch vor wenigen Jahren hat sich in Spanien kaum jemand für die Formel 1 interessiert. Es stand nur Fußball im Mittelpunkt. Mit Alonsos Erfolgen ist dahingehend eine Veränderung eingetreten. Bei einigen Rennen sind die Einschaltquoten im Fernsehen sogar höher als bei Top-Spielen in der spanischen Fußballliga. Das hilft auch den anderen spanischen Fahrern wie mir, die nicht in der Formel 1 fahren.

Was für einen Eindruck haben Sie von Ihrem neuen Teamkollegen Alessandro Zanardi?

Es ist toll für mich, neben Alessandro fahren zu dürfen. Er ist nicht nur ein herausragender Rennfahrer, sondern auch eine einmalige Persönlichkeit. Schon bei meinem ersten Test für das BMW Team Italy-Spain hat er mir seine Hilfe angeboten, sollte ich Fragen zum Auto oder zur Serie haben. Solch eine Einstellung ist unter Rennfahrern selten.

Was wollen Sie im ersten Jahr erreichen?

Das ist schwierig zu sagen, da ich erst noch im Rennen Erfahrung sammeln muss. Im Allgemeinen ist das erste Jahr dazu da, so viel wie möglich zu lernen. Naturgemäß hätte ich jedoch nichts dagegen einzuwenden, wenn ich schon 2007 vorn mit dabei sein kann. Schon in Estoril lief es viel besser als erwartet. Vielleicht kann ich auch im Verlauf der WTCC-Saison für die eine oder andere Überraschung sorgen.

Auf welche Strecke freuen Sie sich besonders?

Natürlich auf Valencia. Meine Heimatstadt Castellón liegt nur 60 Kilometer entfernt. Deshalb wird meine Familie bei den Rennen ebenso vor Ort sein wie meine Freunde und Sponsoren. Ich bin mit der Strecke immer gut zurecht gekommen. Schade ist nur, dass Valencia bereits die dritte Veranstaltung im Kalender ist. Bis dahin habe ich unter Umständen noch nicht genug Erfahrung, um mein volles Potenzial abrufen zu können. Trotzdem werde ich hoch motiviert sein.

Motorsportdaten Félix Porteiro
__________________
Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist

Geändert von Wolfhart (10.06.2007 um 12:02 Uhr)
Mit Zitat antworten