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Alt 24.01.2007, 18:26     #7
Hermann   Hermann ist offline
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F45 AT 216d, E36 318i Cabrio
Boxenstopp in Hinwil.

Das BMW Sauber F1 Team wächst. Am besten zu sehen ist das am Standort Hinwil, wo zwischen dem Windkanal und der seit 1992 bestehenden Fabrik ein Erweiterungsbau gedeiht. Besitzt die bisherige Fabrik (ohne Windkanal) eine Fläche von 6 900 Quadratmetern, so kommen mit dem neuen Komplex nochmals 8 700 hinzu.

Ziel ist es, einerseits die Infrastruktur mit zusätzlichen Maschinen und Prüfständen signifikant zu erweitern, andererseits Platz zu schaffen für die neuen Mitarbeiter. Von ursprünglich 275 im Juni 2005 stieg deren Zahl bis Ende 2006 auf knapp 400. Weitere 30 werden im Laufe des Jahres 2007 hinzukommen.

Die Planung des Anbaus begann im Oktober 2005, bereits Anfang Februar erfolgte die Baueingabe, und Ende Juni erteilten die Behörden die Baubewilligung. Im Juli 2006 konnte mit den Aushubarbeiten begonnen werden. Die Fertigestellung ist für Herbst 2007 geplant.

Die Konzeption dieses auch optisch attraktiven Anbaus unterlag streng praktischen Gesichtspunkten. Er ist so ausgelegt, dass kurze Wege und optimale Arbeitsabläufe gewährleistet werden. Effizienz hat Priorität. So verbindet beispielsweise eine geschlossene Brücke das Konstruktionsbüro und den Windkanal.

Die größte Fläche im Erdgeschoss wird durch die Lastwagen-Halle sowie große Produktionsanlagen – unter anderem Portalfräsmaschinen und Autoklaven – in Anspruch genommen. Im ersten Stock sind kleinere Maschinen untergebracht.

Optisch interessant ist der zweite Stock gestaltet, wo die Kohlefaser-Abteilung untergebracht ist, und wo in der Mitte die Formel-1-Rennwagen aufgebaut und gewartet werden. Dieser zentrale Teil ist als Atrium ausgebildet, sodass die Rennwagen auch vom dritten Stock aus zu sehen sind. Dort befinden sich die Administration, das Konstruktionsbüro sowie die Fahrzeug-Elektronik.

Der Windkanal: Mit voller Kraft voraus.

Seit Frühjahr 2004 ist der hochmoderne Windkanal in Hinwil in Betrieb. Das 65 Meter lange, 50 Meter breite und 17 Meter hohe Gebäude besticht besonders durch seine mit Glas verkleidete Fassade. Hier befinden sich die Arbeitsplätze all jener Spezialisten, die in diesem Bereich arbeiten. Es handelt sich neben den Aerodynamikern um Modelldesigner und Modellbauer, CFD-Ingenieure sowie andere Mitarbeiter der Aerodynamikabteilung. Es ist zugleich jener Bereich, der am stärksten gewachsen ist. Seit Oktober 2006 arbeitet das BMW Sauber F1 Team, genau wie die Topteams, im Dreischichtbetrieb, also rund um die Uhr.

Die Technik der Anlage ist auf dem neuesten Stand. In Bezug auf Faktoren wie Windgeschwindigkeit, Größe der Testsektion und der Modelle, Dimensionen der „Rolling Road“, „Model Motion System“ sowie Datenerfassung ist die Anlage auf Top-Niveau.


Der Windkanal ist als geschlossener Kreislauf ausgeführt, der eine Gesamtlänge von 141 Metern und einen maximalen Rohrdurchmesser von 9,4 Metern hat. Das Gewicht aller Stahlelemente beträgt inklusive Ventilatorgehäuse 480 Tonnen. Der einstufige Axialventilator mit Rotorblättern aus Karbon wiegt mit Antrieb und Verkleidung 66 Tonnen. Bei Volllast nimmt er eine Leistung von 3 000 kW auf und ermöglicht so Windgeschwindigkeiten bis zu 300 km/h. Damit keine störenden Schwingungen auf die Anlage übertragen werden, ist der Axialventilator über Schwingungsdämpfer mit einem massiven Betonsockel gekoppelt.

Das Kernstück jedes Windkanals ist die Testsektion, wo die Objekte dem Luftstrom ausgesetzt werden. Sowohl deren Querschnitt als auch die Länge der rollenden Straße sind besonders großzügig ausgelegt und bieten damit optimale Voraussetzungen für genaue Resultate. Gearbeitet wird vorwiegend mit 60-Prozent-Modellen. Die Aerodynamiker haben jedoch auch die Möglichkeit, Messungen am 1 : 1-Rennwagen durchzuführen.

Damit die Testobjekte nicht nur frontal, sondern auch leicht schräg bis zu einem Winkel von maximal zehn Grad angeströmt werden können, lässt sich die gesamte Messplattform drehen. Diese ist mit einem rotierenden

Stahlband ausgerüstet, das die Relativbewegung zwischen Fahrzeug und Straße simuliert und synchron mit der Luftströmung läuft. Unter dem Rollband sind Wägezellen angebracht, mit welchen die Radlasten gemessen werden.

Über die Technik hinaus wurde bei der Konzeption des Windkanals auch dem Erscheinungsbild große Beachtung geschenkt. Das Gebäude beeindruckt nicht bloß durch seine Abmessungen, auch die mit Glas verkleideten Fassaden unterstreichen seine Einmaligkeit als Kombination von Industriebau und Eventgebäude.

Was von außen als homogene Halle erscheint, besteht tatsächlich aus zwei klar abgetrennten Gebäudeelementen: dem eigentlichen Windkanal und einem großzügigen, viergeschossigen Trakt mit Arbeitsräumen und einer Eventplattform, wo Partner und Sponsoren Marketingveranstaltungen, Kundenevents oder Seminare in einem einzigartigen Ambiente durchführen können. Die Galerie im ersten Stock bietet 150 Personen Platz.

Aus optischen Gründen liegt die Mittelachse der Windkanalverrohrung mehr als acht Meter über dem Boden. Mit Ausnahme der Messstrecke, die in eine Betonkonstruktion eingebettet ist, „schwebt“ der aus Stahlelementen zusammengefügte Kreislauf in der Halle.

Die beiden Bereiche werden durch eine Glaswand getrennt, so dass der optische Bezug erhalten bleibt, die Lärmemissionen des Windkanals aber wirkungsvoll abgehalten werden.

Im Erdgeschoss fand „Albert2“ Platz. Der neue Supercomputer des Teams wurde am 14. Dezember 2006 vorgestellt. Der 21 Tonnen schwere Computer für CFD-Berechnungen ist der leistungsstärkste seiner Art in der Formel 1. Hier werden parallel zur Messung im Windkanal die Strömungsverhältnisse am Fahrzeug simuliert – Messergebnisse also mit physikalischem Verständnis untermauert.
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Viele Grüße Hermann

"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."Albert Einstein

Geändert von Martin (26.01.2007 um 14:41 Uhr)
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