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Alt 16.07.2006, 18:10     #15
Hermann   Hermann ist offline
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Der Schlüssel zu flexiblen Anwendungen im Fahrzeug: Die MMI Rapid Prototyping Plattform der BMW Car IT.

Die Vorstellung wirkt verlockend und nicht ohne Grund wird sie mit einprägsamen Schlagworten umschrieben. Vom „mobilen Büro“ oder einer „Multimedia-Einheit auf Rädern“ ist oftmals die Rede, wenn es um die Nutzung moderner Kommunikationstechnologie im Fahrzeug geht. Schon heute bietet BMW ConnectedDrive eine Fülle faszinierender Möglichkeiten: von der Datenübertragung mit Hilfe von BMW Online bis zum individuellen Service des Telematikdienstes BMW Assist. Als Schnittstelle für die Mensch-Maschine-Interaktion (MMI) ermöglicht dabei das BMW iDrive die einfache und intuitive Nutzung während der Fahrt. In Zukunft werden weitere Funktionen der Business- und Entertainment-IT Einzug ins Fahrzeug halten. Und auch sie müssen über MMI nutzbar sein. Voraussetzung dafür ist, dass sich auch diese Funktionen ebenso problemlos in die Fahrzeugelektronik implementieren lassen wie in das Betriebssystem eines PC. Die Spezialisten der BMW Car IT arbeiten deshalb an Architektur-Lösungen, die die Integration neuer Funktionalitäten in die Fahrzeugelektronik ebenso flexibel gestalten, wie dies beim PC der Fall ist. Am Beispiel der Ausstrahlung von Verkehrsinformationen über digitale Übertragungskanäle zeigen sie, wie sich so auch neueste Anwendungen in einer erstaunlich kurzen Entwicklungszeit ins Fahrzeug übertragen lassen.

Beispielsweise ermöglicht die Rundfunknorm DAB (Digital Audio Broadcasting) nicht nur einen besonders hochwertigen Klanggenuss im Auto, sondern auch einen weitaus intensiveren Datentransfer für Verkehrsnachrichten. Bislang werden aktuelle Stauwarnungen mit Hilfe des RDS-TMC-Protokolls ins Navigationssystem eingespeist. Dank Digital-Technik wird künftig über das so genannte TPEG-Protokoll ein weitaus umfangreicherer Informationsfluss ermöglicht. Dem Navigationssystem können erheblich mehr Daten in ständig aktualisierter Form geliefert werden. Es warnt den Fahrer dann nicht mehr nur vor Staus auf der gerade befahrenen Strecke, sondern auch über alle weiteren Verkehrsbehinderungen, die seine Reiseplanung betreffen könnten. Detaillierte Informationen über Ort und Art der Behinderungen oder Gefahren – etwa Nebelfelder oder Wanderbaustellen – ermöglichen es dem System, den Fahrer in geeigneter Weise zu warnen und, wenn möglich, alternative Routen zu berechnen und zu empfehlen.

Brückenschlag zwischen PC- und Fahrzeugelektronik.

Ähnlich wie analoge Radio-Geräte für den Empfang von DAB-Signalen ungeeignet sind, muss auch die Navigationstechnik zunächst einmal an die neuen Formen und Möglichkeiten des Datentransfers angepasst werden. Dafür wäre nach bisherigem Muster die Entwicklung einer komplett neuen und speziell auf die Erfordernisse der Navigation ausgerichteten Technologie erforderlich. Allerdings werden digitale Verkehrsinformationen nicht die einzige Neuheit auf dem Gebiet der Kommunikations- und Unterhaltungs-IT bleiben, die den Weg ins Automobil findet. Folglich erscheint es sinnvoll, eine Grundlage zu schaffen, auf der die Datenübertragung und -verarbeitung für Funktionen aller Art im Fahrzeug verwirklicht werden kann. Die von der BMW Car IT entwickelte Plattform bildet diese Basis. Sie verfügt über die für PC üblichen Schnittstellen wie USB oder Ethernet, ermöglicht aber auch den Zugang zu den in der Fahrzeugelektronik gebräuchlichen Datenübertragungskanälen MOST und CAN. Damit ermöglicht sie einen Brückenschlag zwischen Business- und Fahrzeug-IT. Diese Verbindung muss künftig nicht immer wieder aufs Neue geschaffen werden. Der erste und überaus aufwändige Schritt bei der Implementierung neuer Funktionen ist stets bereits getan. Auf dieser Grundlage kann umgehend ein Prototyp der neuen Anwendung entstehen. Aus diesem Grund sprechen die Spezialisten der BMW Car IT auch von einer Rapid Prototyping Plattform.

Kurze Entwicklungszeiten dank früh verfügbarer Prototypen.

Die universelle Einsatzmöglichkeit der neuen Plattform beschleunigt den weiteren Entwicklungsprozess ganz erheblich. Dabei besteht die besondere Herausforderung darin, die eintreffenden Daten so aufzubereiten, dass sie für die Darstellung und Nutzung im Fahrzeug geeignet sind. Informationen müssen im Control Display sichtbar gemacht werden, Einstellungen müssen über den iDrive Controller aktiviert werden können. Die frühzeitige Verfügbarkeit eines Prototypen versetzt die Entwickler in die Lage, neue Anwendungen von Beginn an so zu konfigurieren, dass sie den in der Praxis gestellten Anforderungen entsprechen.

Dass diese Anpassung von elementarer Bedeutung ist, lässt sich am Beispiel von BMW Online anschaulich illustrieren. Prinzipiell ist mit Hilfe von WLAN- oder UMTS-Verbindungen auch im Automobil die Internet-Nutzung mit Hilfe eines konventionellen Laptops möglich. Allerdings ist der Gebrauch eines tragbaren Computers während der Fahrt keine realistische Option. Um die Ablenkung des Fahrers vom Verkehrsgeschehen auf ein Minimum zu reduzieren, wurde BMW Online daher speziell für die Bedienung über iDrive konzipiert. Anstelle von Tastatur und PC-Maus genügen die standardisierten Bewegungen des iDrive Controllers zur Nutzung des Online-Dienstes.

FLUID macht neue Funktionen im Control Display sichtbar.

In ähnlicher Weise müssen auch künftige Funktionen auf die Bedienung im Fahrzeug abgestimmt werden. Die Voraussetzungen dafür sind mit der neuen Entwicklungsplattform gegeben. Ihre grafische Benutzeroberfläche FLUID (Flexible User Interface Development) ist die Schlüsselkomponente für die Entstehung von Prototypen einer neuen Anwendung. FLUID ermöglicht die schnelle und flexible Implementierung von Funktionen jeder Art in eine Benutzerumgebung, die der Optik des Control Displays und der Haptik des iDrive Controllers entspricht. Dank des sofort verfügbaren Prototypen können sich die Entwickler umgehend mit den praxisrelevanten Fragen beschäftigen. Sollen die eingehenden Informationen mit Hilfe von Grafiken oder Texten dargestellt werden? Welche Farben und Symbole sind auf Anhieb verständlich? Kann die Auswahl von Detailinformationen sinnvoller über eine Dreh- oder eine Schiebe-Bewegung am Controller ausgeführt werden? FLUID gewährleistet in dieser Entwicklungsphase, an der neben Softwaretechnikern unter anderem auch Ergonomie-Spezialisten, Psychologen und Grafik-Designer beteiligt sind, eine vollständige Flexibilität. So kann beispielsweise für die Konfiguration der Verkehrsmeldungen über DAB eine grenzenlose Zahl von Varianten der Farbgestaltung, Grafikanordnung oder Aktivierungsbewegungen ausgetestet werden.

Mit der neuen Entwicklungs- und Implementierungs-Plattform sorgen die Spezialisten der BMW Car IT nicht nur für eine Beschleunigung des Entwicklungsprozesses. Das schnelle Prototyping fördert auch die Zuverlässigkeit der neuen Funktionen und ermöglicht eine flexible Konfiguration einschließlich Erweiterungsoptionen. Im Rahmen der zur Verfügung stehenden Grafik-Darstellungen und Bedienelemente kann jede neue Funktion perfekt auf die Anwendung im Fahrzeug angepasst werden. Bei Bedarf sind auch später Ergänzungen mit vergleichsweise geringem Aufwand implementierbar.
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
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