Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 24.03.2006, 12:20     #8
Albert   Albert ist offline
Power User
  Benutzerbild von Albert

Threadersteller
 
Registriert seit: 06/2001
Ort: D-29227 Celle
Beiträge: 17.737

CE-
7. Der BMW 320si WTCC.

Neues Aushängeschild für den BMW Kundensport.


2006 schickt BMW in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft ein komplett neues Auto ins Rennen, den BMW 320si. Der rassige Rennwagen wurde von BMW Motorsport in München auf Basis des gleichnamigen Serienmodells entwickelt. Binnen neun Monaten ist ein Fahrzeug entstanden, das an die erfolgreiche Geschichte des Vorgängermodells BMW 320i anknüpfen soll. Mit dem 320si setzt BMW seine Philosophie des Kundensports auch in dieser Saison und darüber hinaus fort. Private Teams haben die Möglichkeit, ein Rennsport-Kit des BMW 320si zu erwerben und damit in insgesamt acht Meisterschaften weltweit nach Super-2000- bzw. Super Production Reglement um Siege zu kämpfen. Die BMW Länderteams in der WTCC konnten die neuen Fahrzeuge bereits im Dezember vergangenen Jahres in Empfang nehmen. Die Nachfrage von Seiten weiterer Kundenteams nach dem wohl sportlichsten Vertreter der neuen BMW 3er Reihe ist groß. Vor Saisonstart waren bereits 17 Bestellungen in München eingegangen.

Der BMW 320si WTCC hat sich diese Vorschusslorbeeren verdient. Die Motorsport-Version setzt auf einem Serienfahrzeug auf, das den Ingenieuren eine exzellente Ausgangsbasis für die Entwicklung des Tourenwagens geboten hat. „Wir lagen mit der Entwicklung des Rennwagens nur wenige Wochen hinter der des Serienfahrzeugs“, berichtet BMW Motorsport Direktor Mario Theissen. „Das Grundkonzept, das dem 320si zugrunde liegt, eignet sich hervorragend dafür, dieses Auto auch auf der Rennstrecke einzusetzen.“

Vom sportlichen Serienmodell in die WTCC. Im 320si bietet BMW Kunden mit besonders hoher Affinität zum Rennsport eine auf 2 600 Einheiten limitierte Edition der 3er Limousine an. Dank des hochdrehenden Vierzylinder-Motors, der bis zu 8 000 U/min erreicht, einer kurzen Hinterachsübersetzung (4,10) und dem M Sportfahrwerk mit 18-Zoll-Mischbereifung lässt sich der BMW 320si schon in der Serienversion sehr sportlich bewegen. Den rund 40 Mitarbeitern von BMW Motorsport, die an der Entwicklung des neuen WTCC-Rennwagens beteiligt waren, ist es gelungen, die Fahreigenschaften des Autos für den Einsatz in der höchsten Tourenwagenklasse der Welt noch einmal zu verbessern.

Der BMW 320si WTCC ist länger und breiter als sein Vorgänger. „Ein breiteres Fahrzeug weist eine größere Stirnfläche auf“, erklärt Theissen. „Das erhöht zunächst den Luftwiderstand. Über eine strömungsgünstigere Form gilt es, dies auszugleichen. Im Bereich der Aerodynamik ist gute Arbeit geleistet worden.“ Das neue Auto weist im Vergleich zum BMW 320i eine deutlich höhere aerodynamische Effizienz auf. Zugleich verfügt das neue Modell über ein breiteres und strafferes Fahrwerk.

Eine Herausforderung für die Ingenieure war die Anpassung der Hinterachse des BMW 320si für den Einsatz auf der Rennstrecke. Die Fünf-Lenker-Achse weist gegenüber der Serienversion eine vergrößerte Spurweite und einen vergrößerten Radsturz auf. In Zusammenarbeit mit Sachs wurde ein neuer Hinterachs-Stoßdämpfer entwickelt, der eine fünffache Dämpferverstellung ermöglicht. Zudem konnten die Achsträger und bestimmte Anlenkpunkte optimiert werden.

Neuerungen gibt es auch bei der Pedalerie. Im BMW 320si WTCC bedienen die Piloten das Fahrzeug über eine stehende Pedalerie, die fest auf einer Platte im Fußraum montiert ist. Diese ist je nach Größe des Fahrers verstellbar. Auf diese Weise konnte der Schwerpunkt des Autos weiter abgesenkt werden. Naturgemäß spielt darüber hinaus die Gewichtsreduzierung bei der Entwicklung eines Rennwagens eine bedeutsame Rolle. Allein drei Kilogramm haben die Ingenieure in diesem Zusammenhang durch den Einsatz einer neuen Frontscheibe, die aus dem Spezial-Kunststoff Makrolon gefertigt wird, gewonnen.

Sicherheit im Cockpit, Kontinuität beim Getriebe. Der BMW 3er gilt als äußerst sicheres Auto – und der neue 320si legt die Messlatte noch einmal höher. Das gilt sowohl für die aktive als auch die passive Sicherheit. Hinzu kommen jene Elemente, die das Reglement für die Rennversion vorschreibt. So wird auch im BMW 320si eine Stahl-Sicherheitszelle eingesetzt. Dabei profitierte BMW Motorsport bei der Entwicklung davon, dass es als Berechnungsinstitut für Sicherheitszellen von der FIA zertifiziert ist. Außerdem sind die Fahrer durch weitere Komponenten wie den Sicherheitssitz, den Head-and-Neck-Support (HANS), Crash-Pads in den Türen und Energie absorbierende Schäume geschützt.

2006 starten die BMW 320si mit einem für den Renneinsatz optimierten Fünfgang-Getriebe mit H-Schaltung und mechanischem Sperrdifferenzial. Mit Hilfe von integrierten Dehnmessstreifen (DMS) am Schalthebel wird ein Kraftsignal ermittelt. Je nach individueller Konfiguration dieses Quick-Shift-Systems erfolgt beim Gangwechsel eine Zündausblendung, die das Kuppeln unnötig macht. Ein sequenziell geschaltetes Sechsgang-Getriebe einzusetzen, würde das Basisgewicht des Fahrzeugs auf 1170 kg (inkl. Fahrer) anheben. So hingegen wiegt der BMW 320si WTCC mit Fahrer nur 1140 kg.

Neuentwicklungen für den Erfolg auf der Strecke. Im BMW 320si WTCC kommt erstmalig ein CAN Bus System zum Einsatz. Darüber kontrolliert das neu entwickelte Leistungssteuergerät POWER400 alle Aktuatoren im Auto, wie z. B. Licht, Wischer, etc. Die herkömmliche Relais- und Sicherungstechnik entfällt. Eine erhebliche Gewichtsersparnis, geringere Fehleranfälligkeit und leichtere Bedienung sind die Resultate dieser Neuerung. Vorteile hinsichtlich variabler Schaltzeiten und der Motorkennfeld-Umschaltung versprechen sich die Ingenieure vom neuen Motorsteuergerät ECU404, einer weiteren Eigenentwicklung von BMW Motorsport. Auch die Software und die Bedienoberfläche dieses Geräts stammen von den Experten in München.

Die Karosserie des BMW 320si WTCC entstand im BMW Werk Regensburg. Nur einen Steinwurf von den Fertigungsanlagen für die Serienproduktion entfernt werden die Rohkarossen für den Einsatz in der WTCC vorbereitet. Auch hier gilt die Maxime: Je mehr Gewicht gespart werden kann, desto besser. An anderen Stellen werden Verstärkungen eingeschweißt, um die obligatorische Sicherheitszelle einsetzen zu können.

Die Experten aus dem BMW Werk in Dingolfing wirkten an der Auslegung von Zahnform und Material des Hinterachsgetriebes mit. Zudem ist dort das Labor zur Qualitätssicherung beheimatet. Die Konzeption und Fertigung der Kardanwelle erfolgte gemeinsam mit dem BMW Werk in Landshut, wo auch jene 2 600 Motoren gegossen werden, die im Serienfahrzeug eingesetzt werden. Eine bestimmte Anzahl von Aggregaten wird davon später zu einem Rennmotor.

Im Verlauf des Entwicklungsprozesses erhielt BMW Motorsport tatkräftige Unterstützung von den Ingenieuren aus der Serienfertigung. So trugen die Nutzung des Windkanals, des Pendelprüfstands zur Ermittlung des Fahrzeugschwerpunkts und des Getriebeprüfstands maßgeblich dazu bei, dass der BMW 320si WTCC binnen weniger Monate entwickelt werden konnte.

Der BMW P45 Motor. Der BMW P45 ist das kraftvolle Herz des BMW 320si WTCC. Im Gegensatz zum BMW 320i wird der neue Wagen von einem Zweiliter-Vierzylinder-Motor angetrieben. Dazu Theissen: „Unsere Konkurrenten sind in der Zweiliter-Klasse immer schon mit Vierzylinder-Motoren angetreten. BMW hatte hier mit dem Sechszylinder eine Sonderstellung in der Tourenwagen-WM eingenommen. Wir wollen nun beweisen, dass wir auch mit dem Vierzylinder eine entscheidende Rolle in der Meisterschaft spielen können.“

Der Vierzylinder ist leichter und kürzer als sein Pedant mit sechs Zylindern. Er bietet bei der vom Reglement vorgeschriebenen Höchstdrehzahl von 8 500 U/min ein weitaus günstigeres Drehmoment, ohne jedoch an Leistung zu sparen. Schon jetzt leistet der BMW P45 Motor etwa 275 PS und bewegt sich damit auf demselben Niveau wie sein Vorgänger. Der Motor ist weiter hinten im Fahrzeug angeordnet, was wiederum die Schwerpunktlage des BMW 320si verbessert.

Synergien auch im Motorenbau. Auch hinsichtlich des Motors setzt der BMW 320si auf dem sportlichen und innovativen Serienkonzept auf. Der N45 Motor, der im Sondermodell 320si für 173 PS bei 7 000 U/min sorgt, ist das erste Serienaggregat mit Zylinderkopfhaube und integrierter Ölabscheidung aus Karbon. Beim Design griffen die Motorenentwickler auf eine konventionelle Ventilsteuerung mit zwei oben liegenden Nockenwellen, Schlepphebeln und vier Ventilen pro Zylinder zurück. Durch den Entfall zahlreicher bewegter Bauteile garantiert der Ventiltrieb sowohl im Editionsmodell als auch im Renneinsatz eine hohe Steifigkeit und Präzision selbst bei hohen Drehzahlen. Nach Modifikationen durch die Ingenieure von BMW Motorsport wurde das Aggregat auf den modernen Prüfständen im BMW Werk München auf Herz und Nieren geprüft. Anschließend musste sich der Rennmotor auf dem Rollenprüfstand bewähren. Dort wurden die mechanischen Leistungsverluste des Antriebsstrangs bestimmt. Anhand der gesammelten Daten arbeiteten die Ingenieure an weiteren Detailverbesserungen.

Wie der Serienmotor wird auch der BMW P45 in Landshut gegossen. Sein Zylinderkopf ist eine komplette Neukonstruktion. Die Gussrohlinge dafür entstehen in der Landshuter Formel-1-Gießerei. Computergesteuerte Werkzeugmaschinen bearbeiten die Ein- und Auslasskanäle sowie die Brennräume mit höchster Präzision und Oberflächengüte. Dies führt zusammen mit den größeren Ventilen und den angepassten Flanschkonturen auf der Ein- und Auslassseite für die optimale Gemischbildung. Spezielle Zündkerzen leiten schließlich, von Einzelzündspulen gesteuert, die Verbrennungsvorgänge ein. Formel-1-Technologie verbirgt sich aber auch in anderen Motorkomponenten, wie zum Beispiel den Schlepphebeln. Sie werden nach einem Verfahren beschichtet, das speziell für die BMW Formel-1-Motoren entwickelt wurde.
Mit Zitat antworten