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Alt 24.03.2006, 11:09     #5
Albert   Albert ist offline
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4. Interview mit Mario Theissen.

Prof. Dr.-Ing. Mario Theissen, geboren am 17. August 1952 in Monschau, ist seit über 25 Jahren in der BMW Motorenentwicklung tätig. Seit 1999 verantwortet er als BMW Motorsport Direktor alle Motorsport-Projekte der Marke, damit auch den Auftritt des BMW Sauber F1 Teams.

Interview mit BMW Motorsport Direktor Mario Theissen: Im vergangenen Jahr hat die WTCC ein beeindruckendes Debüt gefeiert. Wird sich die Meisterschaft weiter positiv entwickeln? Das Interesse von weiteren Herstellern, sich in der WTCC zu präsentieren, ist deutlich spürbar. In der Saison 2006 wird das ohnehin schon stattliche Feld weiter wachsen, zugleich dürfte auch die Qualität des gebotenen Sports steigen. Ich bin davon überzeugt, dass sich die WTCC als wichtigste weltweite Tourenwagen-Serie etablieren wird. In der vergangenen Saison bot die WM Spannung bis zum letzten Rennen. Zwölf Piloten konnten sich in die Siegerliste eintragen. Dies belegt die Ausgeglichenheit in dieser Meisterschaft.

Was erwarten Sie von der neuen Saison? Ich wünsche mir erneut spannende Rennen und bin sicher, dass wir diese zu sehen bekommen werden. 2005 ging es viele Male sehr eng zu, die Piloten duellierten sich Tür an Tür auf der Strecke. Genau das ist es, was die Zuschauer sehen wollen: spannende und faire Zweikämpfe. Natürlich ist es unser Ziel, dass wir uns dabei wie schon im Vorjahr durchsetzen und möglichst häufig ein BMW auf dem Siegertreppchen steht. Wir haben die Titelverteidigung fest im Visier.

Im BMW 320si setzen Sie 2006 auf ein komplett neues Auto. Ja, wir freuen uns sehr auf den ersten Renneinsatz des BMW 320si. Wir schicken auf der Basis des neuen BMW 320si Serienmodells ein Rennauto an den Start, das aus meiner Sicht im Tourenwagensport in den kommenden Jahren eine entscheidende Rolle spielen wird. Darüber hinaus dürfte dieses Modell auch in 20 Jahren noch auf den Rennstrecken dieser Welt zu sehen sein. So war es auch mit den Modellen der BMW 3er Reihe der letzten Generationen.

Worin unterscheidet sich der BMW 320si von seinem Vorgänger, dem Weltmeisterauto BMW 320i? Der neue Wagen sieht für mich zunächst einmal schöner aus. Es ist einfach der neue BMW 3er. Er bietet bessere Voraussetzungen für den Einsatz auf der Rennstrecke, insbesondere was das Fahrwerk angeht. Nach den ersten Tests haben die Fahrer geschwärmt, das Auto fühle sich eher wie ein Formel-Fahrzeug an, also deutlich präziser. Schon jetzt lässt sich erkennen, dass der BMW 320si eine hervorragende Basis für die Zukunft ist.

Wann haben Sie mit der Entwicklung des BMW 320si begonnen? Die Entscheidung, das Serienmodell des BMW 320si zu bauen, ist im Jahr 2004 gefallen. Anfang 2005 haben wir uns dann ans Werk gemacht, die Rennversion des Wagens zu entwickeln. Dabei standen wir vor der Herausforderung, die Entwicklung des 320si für den Renneinsatz rasch abzuschließen, um die Autos schon im Dezember an unsere Länderteams ausliefern zu können. Binnen knapp neun Monaten haben wir dieses ehrgeizige Ziel erreicht.

Welche Herausforderungen sind zwischen der ersten Skizze und dem Roll-out zu meistern? Wir setzen mit der Motorsport-Version auf dem Serienmodell auf, also steht die Basis für das Auto bereits fest. Im Fall des BMW 320si mussten wir jedoch nicht nur ein komplett neues Auto entwickeln, sondern auch einen völlig neuen Rennmotor. Dieser hat zwar eine sehr gute Grundlage, den kraftvollen Sportmotor des 320si Serienfahrzeugs, aber trotzdem war eine Motorneuentwicklung gefordert. Dabei gab es zahlreiche Berührungspunkte zwischen Serien- und Rennversion, so dass wir Technologie in beide Richtungen transferieren konnten. Dies alles war in einem detaillierten Projektplan zu koordinieren, um das Auto rechtzeitig für die Wintertests an die Teams auszuliefern.

Welche Auswirkungen hat der Aufbau des BMW Sauber F1 Teams auf das Engagement von BMW in der WTCC? Für BMW steht das Motorsport-Engagement weiterhin auf drei Säulen. Die Formel 1 spielt naturgemäß die größte Rolle. Wir gehen dort erstmals mit einem von BMW geführten Team an den Start. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir deshalb im Tourenwagensport oder in der Formel BMW Nachwuchsförderung Rückschritte machen. Das Gegenteil ist der Fall. Bei den Tourenwagen hat BMW eine Tradition wie kein anderer Hersteller. Darum ist diese Disziplin auch weiterhin ein wesentlicher Teil unseres Programms.
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