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Alt 23.02.2006, 11:43     #8
Albert   Albert ist offline
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5. Mini und die Rallye Monte Carlo.

Es war die Sensation des Rallyewinters 1963/64: Ein kleiner roter David mit weißem Dach hatte allen PS-starken Goliaths die Rücklichter gezeigt und sich den ersten Gesamtsieg der Rallye Monte Carlo gesichert. Mit einem Paukenschlag war aus einem Kleinwagen eine Legende geworden.

Wo immer der Mini – als Normalversion, als Cooper oder als getunter Flitzer – in dieser Zeit an den Start ging, war er für eine Überraschung gut. Er wirbelte die Rallye-Welt ebenso durcheinander, wie er manchen Rundstrecken-Platzhirschen um die Ohren fuhr. Die 60er-Jahre waren das Mini-Jahrzehnt – weit über die offiziellen Wettbewerbe hinaus.

Bereits gut sechs Monate nach dem Debüt des Mini im Jahr 1959 starteten sechs Mini Werkswagen bei der Rallye Monte Carlo 1960, sechs weitere der neuen Flitzer wurden von Privatfahrern gemeldet. 1962 fuhr erstmals der Finne Rauno Aaltonen auf einem Mini Cooper die Rallye, er schied jedoch mit einem spektakulären Unfall aus. In den Teilnehmerlisten tauchten noch zwei Namen auf, die später in Verbindung mit dem Mini für Schlagzeilen sorgen sollten: Timo Mäkinen und Patrick „Paddy“ Hopkirk. 1963 näherten sich die Minis bereits den besten Platzierungen, aber es sollte noch ein Jahr dauern, bis ihnen der große Durchbruch gelang.

1964 fuhren Paddy Hopkirk und seine beiden skandinavischen Kollegen erstmals in einem gemeinsamen Team. In mehreren Etappen kämpfte sich Paddy Hopkirk gegen die PS-starke Konkurrenz bis an die Spitze des Feldes vor und konnte sich schließlich in der heiß umkämpften Nacht der langen Messer den ersten Platz sichern. Mini ging damit in die Geschichtsbücher ein, genauso wie der publikumswirksame Fahrstil der drei bekanntesten Fahrer: Paddy Hopkirk, Timo Mäkinen und Rauno Aaltonen.

1965 setzte der Finne Timo Mäkinen mit seinem Copiloten Paul Easter die Erfolgsstory des Mini Cooper fort und gewann souverän die Rallye Monte Carlo. Er war der einzige Fahrer im gesamten Feld, der ohne einen Strafpunkt die Tausende von Kilometern abspulte, und das bei sehr schwierigen Schneeverhältnissen in den französischen Alpen. Insgesamt erreichten nur 35 von 237 gestarteten Autos das Ziel – drei davon waren Mini. Mäkinen fuhr erstmals einen Mini Cooper mit der neuen 1275 Kubikzentimeter großen Maschine, die für dieses Modell zum Synonym wurde.

1966 versuchte die Mini-Armada den Hattrick. Die vier Cooper-Teams waren hohe Favoriten und standen ganz im Mittelpunkt des Interesses. Von Anfang an erfüllten sie diese Rolle voll und ganz: Mäkinen, Aaltonen und Hopkirk fuhren dem Feld auf und davon, am Ende belegten sie die ersten drei Plätze. Doch dann folgte eine der umstrittensten Entscheidungen in der Geschichte der Rallye Monte Carlo: In einer achtstündigen technischen Überprüfung stellten die Kommissare fest, dass die vier Zusatzscheinwerfer vor dem Kühlergrill der Mini Cooper nicht exakt den französischen Zulassungsbestimmungen entsprachen und erkannten den drei Erstplatzierten ihre Podiumsplätze ab.

Ungeachtet dieser bitteren Entscheidung kehrten die Mini Cooper 1967 zur Rallye Monte Carlo zurück. Die drei Musketiere Aaltonen, Hopkirk und Mäkinen erhielten Verstärkung von Simo Lampinen und Tony Fall. Der „fliegende Finne“ Rauno Aaltonen fuhr als Schnellster ins Ziel, auch alle anderen Mini Cooper sahen die Zielflagge, Hopkirk als sechster, Fall als zehnter, Lampinen belegte Platz 15 und Mäkinen landete auf Platz 41.

1968 startete die werksseitige Mini-Armada zum letzten Mal mit dem Ziel Monaco. Aaltonen belegte mit seinem Mini Cooper S den dritten Platz, Fall den vierten und Hopkirk den fünften. Die Ära endete – aber die Legende blieb. Bis heute weiß jeder Rallyefan, was 33 EJB bedeutet – es war das Kennzeichen von Paddy Hopkirks Mini Cooper S, mit dem er die Rallye Monte Carlo 1964 gewonnen hatte.

Mini Gene in der MINI Challenge.

40 Jahre danach hat sich daran nichts geändert. Was einst dem Mini Cooper in der Hatz nach Monaco zum Sieg verhalf, ist noch immer eines der wichtigsten Grundelemente des MINI Cooper: Mit seinen kompakten Außenmaßen wieselt er breitspurig und mit langem Radstand in unnachahmlicher Manier um die Ecken. Ein Fahrverhalten, das geradezu nach sportlicher Fortbewegung ruft: Die John Cooper Challenge zieht als Markenpokal insbesondere im Heimatland des MINI, in England, immer mehr motorsportbegeisterte Amateure in ihren Bann. Mehrere Länder sind dem Beispiel bereits gefolgt und haben eigene MINI Challenges ins Leben gerufen. Und wie vor 40 Jahren sammeln so manche hoffnungsvolle Nachwuchsfahrer und Talente ihre ersten Erfahrungen und Pokale auf einem MINI.
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