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Alt 25.01.2006, 09:09     #2
Albert   Albert ist offline
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CE-
1. Das Team.

Neustart.

Von 0 auf Renntempo in 262 Tagen.


München. Der 22. Juni 2005 war gerade angebrochen, als fest stand: BMW startet erstmals in Eigenregie in der FIA Formel-1-Weltmeisterschaft, und zwar schon ab der Saison 2006. Am Nachmittag desselben Juni-Tages wurde die Vorstandsentscheidung der Öffentlichkeit mitgeteilt. Das Rennen vor dem Rennen hatte begonnen: Es blieben 262 Tage, um mit der Zugkraft von 600 Mitarbeitern aus dem Stand auf Renntempo zu beschleunigen.

Am 12. März 2006 startet das BMW Sauber F1 Team in Bahrain mit dem BMW Sauber F1.06 und den Piloten Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve in seine erste Saison.

Prof. Dr.-Ing. Burkhard Göschel, BMW Vorstand für Entwicklung und Einkauf, erklärt: „Dieses Projekt ist ein starkes und langfristiges Formel-1-Bekenntnis von BMW. Die Formel 1 wirkt für die BMW Group als High-Tech-Labor und Technologiebeschleuniger. Dieser Synergieeffekt hat sich bereits in den sechs Jahren als Motorenpartner sehr positiv ausgewirkt. Mit einem Motor allein lassen sich allerdings keine Rennen gewinnen. Deshalb wollten wir Einfluss auf alle Erfolgsfaktoren. Jetzt tragen wir analog dazu auch die Gesamtverantwortung. Die Formel 1 passt wie maßgeschneidert zu den Markenwerten von BMW. Und es gibt kein anderes Sportereignis, das regelmäßig und weltweit so hohe Aufmerksamkeit generiert. 2006 werden wir vor allem Erfahrung sammeln. 2005 hat Sauber den achten Platz in der Konstrukteurs-WM belegt. Das ist unsere Ausgangsposition. Ich sehe da viel Luft nach oben.“

„Ein neues Team zu formen, ist eine große Herausforderung“, sagt Prof. Dr.-Ing. Mario Theissen, der als BMW Motorsport Direktor für alle Rennsport-Engagements von BMW verantwortlich ist. „Unser Konzept umfasst die Aufstockung des Personals, den Ausbau der Fabrik in Hinwil, ein intensives Entwicklungsprogramm und die Vernetzung der Aktivitäten in München und Hinwil. Die Aufgabenverteilung lautet: Antrieb und Elektronik aus

München, Fahrzeug und Renneinsatz aus Hinwil. Wir stellen in der Schweiz mehr als 100 neue Mitarbeiter ein. Schwerpunkte sind die Umstellung des Windkanals von Ein- auf Drei-Schichtbetrieb sowie die Einrichtung eines autonomen Testteams. Der Windkanal in Hinwil ist hervorragend. Die Fabrik insgesamt ist gut, aber noch nicht groß genug. Der Ausbauplan mit neuen Büros, Entwicklungs- und Produktionseinrichtungen steht, die Baugenehmigung erwarten wir im Frühjahr 2006. Komplett umgesetzt werden alle Maßnahmen bis Ende 2007. Die Saison 2006 wird ein Aufbaujahr. Das gilt auch für das technische Paket, dessen Konzeption in München und Hinwil zu großen Teilen bereits vor der Übernahme abgeschlossen war. Wir wollen 2006 zusammenwachsen und das Maximale aus unseren Möglichkeiten machen.“

Nach 13 Jahren als Teamchef in der Formel 1 hat sich Peter Sauber aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Dem neuen Team steht der 62-Jährige als Berater zur Seite. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Sauber als Teil des Teamnamens erhalten bleibt. Ich werde die Fortschritte des BMW Sauber F1 Teams mit größter Aufmerksamkeit verfolgen. Ganz besonders freue ich mich für die Mitarbeiter in Hinwil, die nun mit der Unterstützung ihrer Kollegen von BMW die Möglichkeiten erhalten, ihr Können unter Beweis zu stellen.“

Zwei Wahlschweizer im Cockpit.

Sie kennen sich schon lange, sie fuhren beide schon für Sauber, sie leben beide in der Schweiz – aber sie waren noch niemals Teamkollegen: die Piloten Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve. Sie vereinen die Erfahrung aus 250 Grands Prix auf sich.

Heidfeld (28) debütierte zum Saisonauftakt 2000 in der Formel 1. Von 2001 bis einschließlich 2003 fuhr er für den Schweizer Rennstall. Zwei zweite Plätze, die er für das BMW WilliamsF1 Team in der Saison 2005 erzielte, sind seine bisher besten Ergebnisse. Ein Mal, ebenfalls 2005, eroberte er die Poleposition. 98 Starts stehen für den Mönchengladbacher, der seit Juli 2005 Vater einer Tochter ist, zu Buche.

„Ich freue mich sehr auf die neue Saison und das neue Team, dessen Mitglieder ich ja schon größtenteils aus früheren Jahren kenne“, sagt Heidfeld, „außerdem bin ich mit dem Auto in einer Viertelstunde in Hinwil, das ist auch positiv. Natürlich ist man als Rennfahrer eher ungeduldig, was den Erfolg angeht. Aber wir sollten realistisch bleiben. Für mich ist das Wichtigste, dass die Tendenz stimmt. Wir müssen viel arbeiten und uns kontinuierlich steigern.“

Kein anderer Fahrer ist bisher in der Formel 1 so schnell Weltmeister geworden wie Jacques Villeneuve: 1996, in seinem Debütjahr, belegte der Kanadier bereits den zweiten WM-Platz hinter seinem damaligen Williams-Renault-Teamkollegen Damon Hill. 1997 gewann er mit Williams-Renault den Titel im Kampf mit Michael Schumacher. In 152 Grands Prix hat er elf Siege errungen, 13 Mal startete er von der Poleposition.

Nach fünf Jahren für das BAR-Team schien seine F1-Karriere 2003 beendet. Doch dann erhielt er bei Renault die Chance, die letzten drei Saisonrennen 2004 zu bestreiten. Zur Saison 2005 wurde der Sohn des berühmten Ferrari-Piloten Gilles Villeneuve bei Sauber unter Vertrag genommen.

„Der Aufbau eines neuen Teams ist eine sehr komplexe Aufgabe“, sagt Villeneuve mit Blick auf 2006, „das habe ich in der Vergangenheit schon erlebt. Aber ich denke, hier treffen gute Voraussetzungen aufeinander. Ich will mein Bestes geben, um zum Erfolg des BMW Sauber F1 Teams beizutragen.“

Neues Reglement.

Die einschneidendsten technischen Änderungen für 2006 betreffen die Motoren: Die Formel 1 rüstet von Dreiliter-V10-Triebwerken auf V8-Motoren mit 2,4 Litern Hubraum um. Das Motorenreglement ist neuerdings sehr viel enger gefasst, der Spielraum für die Ingenieure ist geschrumpft. Der Umstieg auf die kürzer bauenden V8-Motoren hat auch augenfällige Veränderungen der Chassis zur Folge. Unter anderem kommen die Fahrzeuge mit schlankeren Seitenkästen aus, weil die Kühler kleiner ausfallen können.

Die Zuschauer dürfen sich bei den Rennen wieder auf das Schauspiel der Reifenwechsel freuen, die ab 2006 beim Boxenstopp wieder erlaubt sind. Neu ist auch das Qualifyingformat: In der WM 2006 werden die Startpositionen im Shoot-out ermittelt. Samstag von 14:00 bis 15:00 Uhr werden die schnellen Runden in drei Zeiteinheiten gefahren, wobei in den ersten beiden 15-Minuten-Abschnitten jeweils die Langsamsten ausscheiden und die verbleibenden Piloten zum Schluss die besten Startplätze unter sich ausmachen.


Warm-up.

Lose Gespräche wurden geführt, zarte Bande geknüpft. Ein Entschluss reifte. Ab Juni ging es Schlag auf Schlag. Im Januar stellte sich das neue BMW Sauber F1 Team vor.

Januar 2005: Erste konkrete Gespräche zwischen BMW und Sauber. Es geht um Motorenlieferungen für 2006.

Frühjahr 2005: Die Gespräche vertiefen sich. Beide Parteien entdecken gemeinsame Vorstellungen und Ziele.

Mai 2005: Die erste Spezifikation des BMW P86 V8-Motors läuft in München auf dem Prüfstand.

21. Juni 2005: Die Verhandlungen dauern bis tief in die Nacht. Dann ist die Neuausrichtung des BMW Formel-1-Projektes beschlossen und unterschrieben.

22. Juni 2005: BMW Vorstand Prof. Burkhard Göschel, BMW Motorsport Direktor Prof. Mario Theissen und Peter Sauber geben bei einer Pressekonferenz in München die Mehrheitsbeteiligung von BMW am Sauber-Team bekannt.
Credit Suisse verlängert das Sponsoring um weitere drei Jahre und ist ab 2006 offizieller Partner des BMW Sauber F1 Teams.

13. Juli 2005: Der BMW P86 Motor läuft erstmals im Fahrbetrieb in Jerez.

Juli 2005: Gemeinsame Arbeitsgruppen werden gebildet, und erste Treffen finden in München und Hinwil statt. Der Integrationsprozess beginnt.

September 2005: Der Personalbedarf ist festgelegt. Ab jetzt werden in Hinwil Einstellungsgespräche für über 100 neue Stellen geführt.

16. September 2005: BMW gibt die Unterzeichnung eines Dreijahres-vertrages mit Nick Heidfeld als Stammfahrer bekannt.

Ende September: Die Konzeption des 06er Chassis ist abgeschlossen.

13. Oktober 2005: Anlässlich des GP China wird Peter Sauber zu Ehren gefeiert. Es ist sein 62. Geburtstag, und er zieht sich zum Saisonende aus dem operativen Geschäft zurück. Er wird Berater des Teams.

28. Oktober 2005: Nick Heidfeld kommt nach Hinwil zur Sitzanpassung im Interimschassis.

14. November 2005: Der Teamname wird bekannt gegeben.

15. November 2005: Der erste BMW V8-Motor für die gemeinsamen Wintertests kommt in Hinwil an.

November 2005: Die neue Lackierung des Fahrzeugs entsteht.

22. November 2005: Der BMW V8 wird in Hinwil im Interimschassis gezündet.

24. November 2005: Das BMW Sauber F1 Team und Petronas einigen sich in Kuala Lumpur auf einen Vierjahresvertrag. Die malaysische Öl- und Gasgesellschaft wird damit Hauptsponsor des Teams.

28. November 2005: Nick Heidfeld startet mit dem Sauber C24B und dem BMW P86 V8-Motor zum ersten Wintertest in Barcelona.

30. November 2005: Das erste 2006er Monocoque kommt aus dem Autoklaven.

1. Dezember 2005: Jacques Villeneuve wird als Fahrer bestätigt.

Mitte Dezember 2005: Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve nehmen bei der Sitzprobe zum ersten Mal im 06er Chassis Platz.
BMW und Intel geben eine umfangreiche Kooperation bekannt. Intel wird neuer offizieller Partner des BMW Sauber F1 Teams.

27. Dezember 2005: Der Aufbau des ersten 06er Chassis beginnt.

13. Januar 2006: Der BMW V8 läuft im Hinwiler Werk erstmals im 06er Chassis.

14. Januar 2006: Das Chassis BMW Sauber F1.06 geht auf den Transport zur Fahrzeugpräsentation nach Valencia.

16./17. Januar 2006: Das BMW Sauber F1 Team wird in Valencia der Öffentlichkeit vorgestellt. Der BMW Sauber F1.06 erlebt seine erste Ausfahrt.

Ende Februar 2006: Der Bauantrag für die Erweiterung in Hinwil wird eingereicht.

1. März 2006: Rund 30 Tonnen Fracht werden in Hinwil verladen und zum Grand Prix nach Bahrain transportiert.

12. März 2006: Das BMW Sauber F1 Team startet beim Großen Preis von Bahrain.


Who is who.

BMW Motorsport Direktor: Prof. Dr.-Ing. Mario Theissen
Fahrer Startnummer 16: Nick Heidfeld
Fahrer Startnummer 17: Jacques Villeneuve
Technischer Direktor Fahrzeug (Hinwil): Willy Rampf
Technischer Direktor Antrieb (München): Heinz Paschen
Projektmanagement: Walter Riedl
Leitung Aerodynamik: Seamus Mullarkey
Teammanager: Beat Zehnder
Leitender Renningenieur : Mike Krack
Chefmechaniker Rennteam: Urs Kuratle
Leitung Sponsoring and Business Relations : Guido Stalmann
Leitung BMW Motorsport Kommunikation : Jörg Kottmeier


Boxenstopp in München.

300 Mitarbeiter sind am Standort München in den unterschiedlichen Abteilungen mit dem BMW Formel-1-Engagement beschäftigt.

Im Anton-Ditt-Bogen schlägt das Herz des Projekts. Hier ist die Heimat von BMW Motorsport, hier im Münchner Norden werden die Formel-1-Motoren entwickelt, erprobt und gebaut. Durch die jüngste Erweiterung stehen seit Ende 2005 modernste Prüfstände und Labors zur Verfügung. Damit wird auch die Getriebeentwicklung in München angesiedelt.

Ein eigenes Gebäude belegt die Formel-1-Teilefertigung mit der angegliederten Qualitätskontrolle. Mit der ebenfalls hier entwickelten und gebauten Elektronik ist der gesamte Antriebsstrang an einem Standort zusammengefasst.

Die Straße in diesem Gewerbegebiet ist auch die Adresse zahlreicher Büros, darunter jene von BMW Motorsport Direktor Mario Theissen und Heinz Paschen, dem die technische Leitung für den gesamten Antrieb obliegt. Die Abteilung „Sponsoring und Business Relations“ ist hier zu Hause, und auch die Logistik wird von hier aus gestemmt. Das Materiallager wäre ein Eldorado für Fans: Hier ist die Kleiderkammer für die Garderobe der F1-Mitarbeiter untergebracht, und hier sind auch zahlreiche Exponate abrufbar.

In der Münchner Knorrstraße ist das BMW Forschungs- und Innovationszentrum, kurz FIZ genannt, beheimatet. Die Formel-1-Ingenieure müssen nur ein paar hundert Meter zurücklegen, um sich mit den FIZ-Spezialisten über Materialanalyse oder Rapid Prototyping persönlich auszutauschen. Eine knappe Fahrstunde nordöstlich von München, in Landshut, liegt die Formel-1-Gießerei, sie ist dort angegliedert an ihr Serienpendant.

Seit 1917 fertigt BMW Hochleistungsmotoren. Heute gehören zur BMW Group die Marken BMW, MINI und Rolls-Royce. Mit dem Ziel, erfolgreichster Premiumhersteller der Automobilindustrie zu sein, hat das Unternehmen eine Produkt- und Marktoffensive mit mehr neuen Modellen

als je zuvor gestartet. Bis 2008 soll der Absatz der BMW Group auf 1,4 Millionen Automobile steigen (2004: 1 208 700 verkaufte Automobile). Die BMW Group beschäftigt weltweit etwa 106 000 Mitarbeiter in rund 50 Nationen. Als Vorstand für Entwicklung und Einkauf ist Prof. Dr. Burkhard Göschel auch für die Motorsport-Projekte des Unternehmens verantwortlich. Die Formel-1-Geschichte von BMW reicht auf das Jahr 1952 zurück. Der bisher größte Erfolg gelang 1983 mit dem Gewinn der Fahrerweltmeisterschaft durch Nelson Piquet (Brabham BMW). Vor der Saison 2006 stehen für BMW insgesamt 200 Starts, 19 Grand-Prix-Siege und 32 Polepositions zu Buche.


Boxenstopp in Hinwil.

Am Standort im beschaulichen Zürcher Oberland sind per Januar 2006 etwas über 300 Mitarbeiter beschäftigt. Bis Ende 2007 wird die Belegschaft in Hinwil auf über 400 Arbeitnehmer wachsen. Um das anspruchsvolle Entwicklungs- und Testprogramm abzudecken, wird in allen Bereichen aufgestockt. Den größten Zuwachs erfährt die Aerodynamikabteilung, um den Windkanal künftig rund um die Uhr betreiben zu können.

Das Werk in Hinwil verteilt sich auf drei Gebäude. Im Hauptgebäude in der Wildbachstraße 9 befinden sich das Management, die Chassis-Konzeption und -Konstruktion sowie die Verwaltung. Ebenso wie die Qualitätskontrolle sind hier die System- und Fahrzeugingenieure sowie das Renn- und Testteam untergebracht. Im mehr als 6 800 Quadratmeter großen, vierstöckigen Büro- und Fabrikkomplex sind außerdem die Kohlefaserproduktion, der Chassisaufbau und Lagerräume angesiedelt.

Bereits zur Zeit der Sportwagen-WM bezog Sauber das heutige Nebengebäude in der Wildbachstraße 3b. Als durch den geplanten Einstieg in die Formel 1 der Platz in diesen Räumen knapp wurde, zog man 1992 in das neu errichtete und jetzige Hauptgebäude um. Die mechanische Fertigung blieb jedoch im alten Firmensitz.

Im Frühjahr 2004 wurde der hochmoderne Windkanal direkt neben dem Hauptgebäude in Betrieb genommen. Das 65 Meter lange, 50 Meter breite und 17 Meter hohe Gebäude besticht besonders durch seine mit Glas verkleidete Fassade. Hier siedelte man neben den Technikern, die im Windkanal beschäftigt sind, auch die Modelldesigner und Modellbauer, die CFD-Spezialisten sowie andere Mitarbeiter der Aerodynamikabteilung an. „Albert“, der 18 Tonnen schwere Supercomputer für CFD-Berechnungen und eine der leistungsfähigsten Maschinen sowohl in der Formel 1 als auch in der Autoindustrie, fand im Erdgeschoss Platz. Ein Eventbereich rundet das technologische und architektonische Meisterwerk ab.
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