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Alt 25.01.2006, 10:00     #1
Albert   Albert ist offline
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Das BMW Sauber F1 Team stellt sich in Valencia vor

München/Valencia, 17. Januar 2006. Das BMW Sauber F1 Team betritt die Formel-1-Bühne: Am heutigen Dienstagmorgen um kurz nach neun wurde der BMW Sauber F1.06 im spanischen Valencia vor über 500 Journalisten und Gästen im futuristischen Ciudad de las Artes y las Ciencias (CAC) enthüllt.

Um 13.00 Uhr wird das erste Fahrzeug des BMW Sauber F1 Teams auf dem Circuito de la Comunitat Valenciana Ricardo Tormo debütieren.

Startklar für die Premierensaison des neuen Teams in der FIA Formel-1-Weltmeisterschaft 2006 sind auch die BMW Sauber F1 Team Piloten Nick Heidfeld (28, Deutschland), Jacques Villeneuve (34, Kanada) sowie Neuling Robert Kubica (21, Polen), der die Rolle als Test- und Reservefahrer einnimmt.

Am Vorabend der offiziellen Medien-Präsentation war bereits der neue Look des Teams zu sehen: anlässlich einer großen Merchandising-Modenschau mit dem brasilianischen Top-Model Alessandra Ambrosio und anschließender Party im CAC.

Bis einschließlich des 19. Januar werden die Testfahrten auf dem bis dahin exklusiv dem BMW Sauber F1 Team zur Verfügung stehenden Kurs von Valencia fortgesetzt. Vom 23. bis zum 26. Januar trifft die Mannschaft beim Barcelona-Test auf Konkurrenz.

Erstmals in Eigenregie.

Der 22. Juni 2005 war gerade angebrochen, als fest stand: BMW startet 2006 erstmals in Eigenregie in der Formel 1. Am 16. September wurde ein Dreijahresvertrag mit Nick Heidfeld bekannt gegeben, am 14. November der Teamname, am 1. Dezember wurde Jacques Villeneuve bestätigt, am 20. Dezember stand Robert Kubica als Testpilot fest.

Parallel liefen ab dem 28. November die ersten Testfahrten mit einem Sauber-Interims-Chassis und dem BMW P86 Motor. Seit dem 1. Januar 2006 besitzt BMW die Mehrheitsanteile an der Schweizer Sauber Holding AG.

Prof. Dr.-Ing. Mario Theissen leitet in seiner Funktion als BMW Motorsport Direktor auch das BMW Sauber F1 Team. Er sagte in Valencia: "Wir haben in den zurückliegenden sieben Monaten hart gearbeitet. Wir haben die Integration der beiden Standorte vorangetrieben, ein Interimsauto auf die Räder gestellt, die Fahrer verpflichtet, Verträge mit den großen Partnern Petronas, Intel, Credit Suisse und O2 sowie weiteren Sponsoren realisiert und rund 90 Arbeitsverträge mit neuen Mitarbeitern geschlossen. Diese Zwischenbilanz kann sich sehen lassen. Dennoch: Wir geben uns keinen Illusionen hin. Vor uns liegt noch ein weiter Weg. 2006 ist ein Übergangsjahr, deshalb wäre es verfrüht, sportliche Ziele zu formulieren. Wichtig ist, dass die Tendenz stimmt."

Erfolge sind laut Theissen nur mit einem voll integrierten Team und mit durchgängigen Prozessen zu erreichen: "In unserer ersten Saison werden wir vor allem Erfahrung sammeln. 2005 hat Sauber den achten Platz in der Konstrukteurs-WM belegt. Das ist unsere Ausgangsposition. Von dort aus wollen wir uns so schnell wie möglich nach vorn arbeiten. Das geht natürlich nicht über Nacht. Dafür sind Geduld und Stehvermögen erforderlich. Beides haben wir." Theissen weiter: "Die Formel 1 wirkt für die BMW Group als High-Tech-Labor und Technologiebeschleuniger. Mit ihrer Dynamik, ihrem Premium-Image, ihren sportlichen Herausforderungen und dem Bedarf an technischen Innovationen passt die Formel 1 perfekt zu den Markenwerten von BMW - inklusive der Freude am Fahren. Und es gibt kein anderes Sportereignis, das regelmäßig und weltweit so hohe Aufmerksamkeit generiert."

Das Aus- und Aufbau-Konzept umfasst die Aufstockung des Personals in Hinwil um über 100 neue Mitarbeiter, von denen ein großer Teil die Aerodynamik-Abteilung verstärken wird. Theissen: "Der Windkanal ist hervorragend, wir wollen ihn schnellstmöglich im Mehrschichtbetrieb nutzen." Für den Erweiterungsplan mit neuen Büros, Entwicklungs- und Produktionseinrichtungen wird die Baugenehmigung im Frühjahr 2006 erwartet. Parallel werden die Vernetzung der Standorte München (Antrieb und Elektronik) und Hinwil (Chassis und Einsätze) und ein intensives Entwicklungsprogramm für 2007 vorangetrieben. Ende 2007 werden alle Maßnahmen komplett umgesetzt sein.

Peter Sauber hat sich nach 13 Jahren als Formel-1-Teamchef aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Er zeigte sich in Valencia erstmals in seiner neuen Rolle als Berater des Teams.

Zwei Wahlschweizer im Cockpit.

Sie kennen sich schon lange, sie fuhren beide schon für Sauber, sie leben beide in der Schweiz - aber sie waren noch niemals Teamkollegen: die Piloten Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve. Sie vereinen die Erfahrung aus 250 Grands Prix auf sich.

Heidfeld debütierte zum Saisonauftakt 2000 in der Formel 1. Von 2001 bis einschließlich 2003 fuhr er für den Schweizer Rennstall. Zwei zweite Plätze, die er für das BMW WilliamsF1 Team in der Saison 2005 erzielte, sind seine bisher besten Ergebnisse. Ein Mal, ebenfalls 2005, eroberte er die Poleposition. 98 Starts stehen für den Mönchengladbacher, der seit Juli 2005 Vater einer Tochter ist, zu Buche. "Ich freue mich sehr auf die neue Saison und das neue Team, dessen Mitglieder ich ja schon größtenteils aus früheren Jahren kenne", sagt Heidfeld, "außerdem bin ich mit dem Auto in einer Viertelstunde in Hinwil, das ist auch positiv. Natürlich ist man als Rennfahrer eher ungeduldig, was den Erfolg angeht. Aber wir sollten realistisch bleiben. Für mich ist das Wichtigste, dass wir gut arbeiten und uns kontinuierlich steigern."

Kein anderer Fahrer ist bisher in der Formel 1 so schnell Weltmeister geworden wie Jacques Villeneuve: 1996, in seinem Debütjahr, belegte der Kanadier bereits den zweiten WM-Platz hinter seinem damaligen Williams-Renault-Teamkollegen Damon Hill. 1997 gewann er mit Williams-Renault den Titel im Kampf mit Michael Schumacher. In 152 Grands Prix hat er elf Siege errungen, 13 Mal startete er von der Poleposition. Nach fünf Jahren für das BAR-Team schien seine F1-Karriere 2003 beendet. Doch dann erhielt er bei Renault die Chance, die letzten drei Saisonrennen 2004 zu bestreiten. Zur Saison 2005 wurde der Sohn des berühmten Ferrari-Piloten Gilles Villeneuve bei Sauber unter Vertrag genommen.

"Der Aufbau eines neuen Teams ist eine sehr komplexe Aufgabe", sagt Villeneuve mit Blick auf 2006, "das habe ich in der Vergangenheit schon erlebt. Aber ich denke, hier treffen gute Voraussetzungen aufeinander. Ich will mein Bestes geben, um zum Erfolg des BMW Sauber F1 Teams beizutragen."

Youngster an Bord.

In Robert Kubica aus Krakau hat BMW ein viel versprechendes Nachwuchstalent als Test- und Ersatzfahrer verpflichtet. Er wird auch den in den freien Trainings am Freitag eingesetzten dritten BMW Sauber F1.06 steuern. Kubica empfahl sich 2005 mit dem souveränen Titelgewinn in der Formelklasse ,World Series by Renault'. Theissen: "Er hat sich seine Erfolge ohne große Unterstützung hart erarbeitet, das verdient Respekt." Hochachtung erntete Kubica auch 2003: Damals debütierte er in der Formel-3-Euroserie und gewann prompt sein erstes Rennen in dieser Klasse, ausgetragen auf dem Norisring in Nürnberg.

Neuer Motor.

Revolution statt Evolution heißt es motorenseitig in der Formel 1 für die neue Saison. 2,4-Liter-V8-Motoren lösen die Dreiliter-V10-Triebwerke ab. Der Wechsel erfordert vollständig neue Konzepte. Die neuen V8-Motoren sind schwerer, kürzer, haben durch 600 ccm weniger Hubraum entsprechend weniger Leistung und einen geringeren Verbrauch. "Die Rundenzeiten", schätzt Theissen, "werden um ca. zwei bis drei Sekunden steigen, was für den Zuschauer allerdings kaum wahrnehmbar sein wird. Die Fahrer hingegen müssen ihren Fahrstil anpassen. Vereinfacht ausgedrückt: Sie müssen runder fahren, um die verfügbare Leistung bestmöglich auszunutzen."

Die gegenüber dem V10 anderen Zündfolgen und anderen Zündabstände führen zu einem völlig veränderten Schwingungsverhalten. Der V10 fuhr auf seinem bis über 19.000 U/min reichenden Drehzahlband zwischen 12.000 U/min und 14.000 U/min in einem kritischen Schwingungsbereich. Mit weiter steigender Drehzahl beruhigte sich die Situation allerdings wieder, im problematischen Bereich hielt man sich nicht lange auf. Die längste Verweildauer liegt naturgemäß in den Spitzendrehzahlen. Und eben da wird es beim V8 problematisch: Seine Vibrationskurve erreicht den kritischen Bereich später als der V10. Er beginnt ab ca. 16.000 U/min und hat dann steigende Tendenz, was Einfluss auf die Standfestigkeit von Fahrzeugteilen haben kann. Und auch der BMW P86 V8-Motor muss wie sein um zwei Zylinder reicherer Vorgänger zwei Grand-Prix-Wochenenden überstehen.

Neues Chassis.

Der BMW Sauber F1.06 ist ein von Grund auf neu konzipiertes Auto. Die kürzeren und sparsameren V8-Triebwerke beeinflussen die Architektur des Fahrzeugs maßgeblich. Aufgrund der von der FIA vorgegebenen Mindestmaße für den Bau der Chassis bleiben die Gesamtabmessungen des Autos fast unverändert. "Für die Designer bedeutet dies, dass sie aufgrund des kompakteren Motors mehr Spielraum bei der Konzeption des Fahrzeuges haben", erklärt Willy Rampf, Technischer Direktor Chassis im BMW Sauber F1 Team. Das kleinere Tankvolumen des BMW Sauber F1.06 hatte sowohl Einfluss auf das Design des Monocoques als auch auf die Position des Motors. Das kürzere Triebwerk erlaubte es den Ingenieuren zudem, das Titan-Gehäuse des Siebengang-Getriebes zu verlängern, was den Bau einer besonders schlanken Heckpartie begünstigt.

Im Fokus der Ingenieure war vor allem die Aerodynamik, und dabei ging es nicht nur um optimalen Abtrieb, sondern auch um eine hohe Effizienz. Die Konstruktion, Anordnung und Gestaltung sämtlicher Nebenaggregate und Komponenten wurde dieser Prämisse untergeordnet.

Einen markanten Eingriff erfuhr die Frontpartie des neuen Autos. Das Chassis wurde im vorderen Bereich deutlich abgesenkt, so dass die unteren Querlenker nicht mehr an einem Punkt unterhalb des Monocoques, sondern direkt seitlich am Chassis angelenkt sind. Weiter hinunter gezogen ist auch die Frontnase, deren Unterseite leicht nach oben geschwungen ist. Der Frontflügel wurde den veränderten Gegebenheiten durch eine Vielzahl von Optimierungsschritten angepasst. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die Anströmung des Unterbodens und der Seitenkästen zu verbessern.

Der geringere Kühlbedarf des V8-Motors erlaubt nicht nur die Verwendung kompakterer Kühler, sondern auch kleinere Öffnungen in den Seitenkästen, was ebenso der Aerodynamik zugute kommt. Gleiches gilt für den Überrollbügel mit integriertem Lufteinlass, der aufgrund des geringeren Luftdurchsatzes des Motors verkleinert wurde. Aufwändige Finite-Elemente-Berechnungen machten es zudem möglich, den Überrollbügel deutlich zu erleichtern - dies bei gleichzeitiger Einhaltung der stringenten Sicherheitsvorschriften.

Völlig neu am BMW Sauber F1.06 ist das Design der vorderen und hinteren Radaufhängungen. An der Vorderachse wird das Layout maßgeblich durch die höheren Befestigungspunkte der unteren Querlenker geprägt - ein Diktat der konsequenten Aerodynamik. Bei der Hinterachse handelt es sich ebenfalls um eine Neukonstruktion. Im Zentrum der Überlegungen stand hier allerdings eine veränderte Kinematik, um den Anforderungen der Michelin-Reifen gerecht zu werden. Durch das Absenken der Chassis-Frontpartie ergibt sich zudem eine entsprechend niedrigere Montageposition für die Pedalerie sowie die inneren Bauteile der Vorderachse und auch eine tiefere Lage für die Beine des Fahrers. Alle diese Faktoren tragen zu einer Absenkung des Fahrzeugschwerpunktes bei.
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