Thema: 3er / 4er allg. 80-120
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Alt 28.02.2002, 09:11     #68
gmo   gmo ist offline
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Aktuelles Fahrzeug:
E91 330d
Hi,

also bei diesem Thema reizt es mich ja wirklich, auch mal was dazu zu schreiben.

Vor meinem 330d hatte ich den 1.8T Passat und den habe ich
technisch genaustens analysiert.
(Da ich an keinem Computer vorübergehen kann ohne einen tiefen Blick reinzuwerfen,
hab ich mal das Motormanagement des 1.8T über den Diagnosestecker angezapft mit
einem Proggi, das ich für Linux geschrieben habe und das alle dort verfügbaren
Meßwerte dynamisch - also während der Fahrt - selbständig aufzeichnen kann)

Nun möchte ich hier mal ein paar Diagramme (echt gemessen und 100% Realität, ohne
Ablesefehler, da per Computer aufgezeichnet)

1. Ladedruckreglung
http://de.groups.yahoo.com/group/liu...ycycle-18T.jpg
Diese Kurve(n) zeigen inwieweit das MM den Ladedruck gegenregeln muß, damit der
Turbo nicht "zuviel" reinläßt über den Drehzahlverlauf. Je höher die Werte umso größer
das Gegenregeln.
Ersichtlich ist (vor allem für den 4. Gang, den ich voll ausgefahren habe), daß noch bis
knapp unterhalb von 6000 U/min eine Ladedruckbegrenzung nötig ist (es wird immer
noch ein wenig gegengeregelt)
Das heißt im Klartext: der Turbo bringt auch noch genug bis 6000 U/min (jedenfalls für
den nicht getunten Motor).

2. Ladedruckverlauf
http://de.groups.yahoo.com/group/liu...uck-18T-4G.jpg
Hier ist eine dem Turbodruck (bzw. der Luftmenge) analoge Größe, nämlich die
Einspritzmenge (dauer) dargestellt. Da dies auf Werte zwischen 6 und 8 (Y-Achse)
sind die "optischen" Unterschiede zwischen kleiner und großer Drehzahl recht groß,
jedoch absolut gesehen sind Werte zwischen 6 und 7 immer noch optimal.
Auch hier ist ersichtlich, daß ausreichend Ladedruck bis zu 6000 U/min vorhanden ist.

Anmerkung zu 1. und 2.
Eigentlich könnten die Kurven auch noch bis 6000 U/min und mehr ohne den
in den Diagrammen aufgezeichneten drastischen Abfall verlaufen, aber leider
mußte ich knapp vor 6000 U/min vom Gas !
Fazit: Turbodruck auch bei hohen Drehzahlen ausreichend.

3. defekter Turbolader
hier noch ein Diagramm, welches einen defekten Turbolader im 1.8T zeigt
http://de.groups.yahoo.com/group/liu...18T-5G-old.jpg
und dann dieses nach der Reparatur
http://de.groups.yahoo.com/group/liu...uck-18T-5G.jpg
Der Unterschied: der Anstieg des Ladedrucks (Ansprechverhalten) ist beim defekten
Turbolader schlechter -> mit dieser Messung konnte ich der Werkstatt ein Problem
mit dem Turbolader schwarz auf weiß nachweisen -> Reparatur auf Kulanz :-)


Nun noch ein paar allgemeine Worte zu den hier diskutierten Beschleunigungswerten
auf Papier und die selbst gemessenen:
- von Hand mit Stoppuhr gemessen ist die Methode mit der größten Ungenauigkeit
- die von den Autojournalen verwendeten Methoden sind mit technischen Hilfsmitteln
durchgeführt und deshalb bestimmt genauer
- jedes Fahrzeug (auch bei identischen Typen) ist individuell zu betrachten, die
Streuenung ist oftmals sehr groß, auch sollen ja manche Hersteller "extra starke"
Exemplare zu den Tests rausgeben (würd ich auch machen, um mein Produkt zu
verkaufen :-)
- Messwerterfassung über das von Haus aus verfügbare Motormanagement -> bisher
wird es nirgendwo so praktiziert, aber ich denke daß dies eine absolut brauchbare
Methode ist, um z.B. auch Beschleunigungsmessungen durchzuführen:
Unter anderem ist ja auch die Geschwindigkeit ein verfügbarer Wert des MMs und wenn
diese zusammen mit Timestamps vom Computer währen einer Vollastfahrt aufgezeichnet
wird, können dann später die Logfiles am Schreibtisch ausgewertet werden und alle nur
erdenklichen Fälle (0-200, 0-100, 80-120, 193-202 km/h usw.) auf eine Zehntel Sekunde
genau ermittelt werden.
Sogar "normale Bürger" können so mit einem Laptop der richtigen Software, d.h.
mit relativ wenig Kosten, profesionelle Messungen durchführen. Und dann könnte
man hier auch mal richtig vergleichen.
- Was immer bleibt: der Einfluß der Fahrkünste des jeweiligen Fahrers, das gilt auch
für "echte" Testfahrer -> es gibt immer einen, der noch ein Quäntchen mehr raus-
holen könnte (nur mit der Zeit werden diese Quäntchen immer kleiner :-)


Leider ist es recht aufwendig ein Programm zum Auslesen von Meßwerten des MMs
zu erstellen und außerdem hat da jeder Hersteller so seine eigenen Datenformate,
die es erst mal zu erforschen gilt.
Ich würde auch gerne eine Software für BMW machen, aber bis jetzt habe ich halt eben
noch keine Infos zu diesen Datenformaten gefunden.
Außerdem muß man noch ein Interface basteln, das es ermöglicht den Laptop z.B.
über serielle Schnittstelle an den Diagnoseport des Fahrzeuges anzukoppeln
(Bauteile kosten in der Regel nur ein paar Mark), aber hier muß man auch erst mal
einen Schaltplan haben (fehlt mir ebenfalls noch).

Also würde ja wirklich gerne meinen 330d computermäßig genauer unter die Lupe
nehmen ...

viel Spaß !

- bye -

Geändert von gmo (28.02.2002 um 09:15 Uhr)
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