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Alt 19.04.2005, 08:47     #6
Albert   Albert ist offline
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5. Fahrer.

Andy Priaulx (GBR) – Startnummer 1.


Mit dem Gewinn des Fahrertitels hat Andy Priaulx im vergangenen Jahr der FIA ETCC seinen Stempel aufgedrückt. Der Engländer gewann insgesamt fünf Läufe und sammelte 111 Punkte. In einem Herzschlagfinale in Dubai setzte er sich im Titelrennen gegen seinen Markenkollegen Dirk Müller (DEU) durch. Den vorerst letzten vergebenen Tourenwagen-EM-Titel kann ihm niemand mehr nehmen, nun will Priaulx auf Weltmeisterschaftsebene an den Erfolg anknüpfen.

Im Verlauf seiner Motorsport-Karriere hat der 30-Jährige nahezu alle erdenklichen Rennmaschinen bewegt – vom Kart bis hin zu Power-Booten. Am 27. Januar 2005 erfüllte sich für ihn ein Traum, als er im FW26 in Valencia einen Formel-1-Test für das BMW WilliamsF1 Team absolvieren durfte. 2005 geht Priaulx zum ersten Mal als offizieller BMW Werksfahrer an den Start.

Fragen an Andy Priaulx:

Was bedeutet Ihnen mit einigen Monaten Abstand der Gewinn des Europameister-Titels?

Es war ein einmaliges Erlebnis und ganz sicher der bisherige Höhepunkt in meiner Laufbahn. Nun richtet sich mein Blick in die Zukunft. Ich will Weltmeister werden. Die Euphorie ist der Konzentration auf meine Arbeit gewichen. Trotzdem werde ich den Augenblick nie vergessen, als ich in Dubai als Meister auf dem Podium stand.

Wie groß ist Ihre Motivation, der zweite Tourenwagen-Weltmeister in der Geschichte zu werden?
Die Motivation ist sehr groß. Ich will mich weiter verbessern und spüre, dass noch viel mehr in mir steckt. Natürlich möchte ich wieder Siege feiern. Mit meiner Karriere soll es auch 2005 voran gehen. Das wird von Jahr zu Jahr schwerer, aber ich bin fest davon überzeugt, dass ich gemeinsam mit BMW noch einiges erreichen kann.

Das RBM-Team zählt lediglich neun Mitglieder. Wie schätzen Sie die Leistung Ihrer Mannschaft ein?
Was sie 2004 erreicht hat, kann man nur als sensationell bezeichnen. Das Team entwickelt sich fortlaufend weiter. Ich hätte das nicht für möglich gehalten. Es gelingt ihnen noch immer, mich zu überraschen.

Vom Jäger werden Sie nun zum Gejagten. Gefällt Ihnen diese Rolle?
Ich werde auch weiterhin auf der Jagd sein. Es gibt genug Beute dort draußen, die es zu jagen gilt. Meine Arbeit verändert sich im Vergleich zum vergangenen Jahr nicht. Ich muss in dieser Saison genauso konzentriert zu Werke gehen wie 2005, nur dann stellen sich auch die Erfolge wieder ein.

Das Teilnehmerfeld ist noch einmal stärker geworden. Fürchten Sie die Konkurrenz?

Schon ein einziger Fahrer kann genügen, um einem das Leben schwer zu machen. Wenn es mehrere siegfähige Gegner gibt, dann kommt es noch stärker darauf an, wie gut das Auto ist. Da mache ich mir beim BMW 320i aber überhaupt keine Sorgen. In der vergangenen Saison gab es mindestens zehn Fahrer, die in der Lage waren, Rennen zu gewinnen. Das wird auch 2005 wieder so sein.

Anfang des Jahres durften Sie den Williams BMW FW26 testen. Hat es Spaß gemacht?

Die Erfahrung, ein Formel-1-Auto zu fahren, war vor allem aus technischer Sicht sehr wertvoll für mich. Es hat großen Spaß gemacht, die Besonderheiten eines solchen Wagens einmal am eigenen Leib zu spüren. Allerdings ging es für mich nicht um Spaß, ich wollte einen guten Eindruck hinterlassen. Darum habe ich den Test sehr ernst genommen.

Vor Saisonbeginn sind Sie in die Riege der BMW Werksfahrer aufgestiegen. Wie wirkt sich dies auf ihre tägliche Arbeit aus?
Die wirklichen Auswirkungen kann ich sicher erst zum Saisonende beurteilen. Eine wesentliche Veränderung ist, dass ich mich dem Team nun noch stärker verbunden fühle. Das ist ein sehr gutes Gefühl. Ich hoffe, dass ich BMW das Vertrauen zurückgeben kann. Sicherlich wird mir das im Verlauf des Jahres helfen.

Neben der FIA WTCC treten Sie auch beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an. Freuen Sie sich, dabei zu sein?
Ja, das ist ganz sicher ein Höhepunkt dieser Saison. Ich komme sehr gut mit dem BMW M3 GTR zurecht und kann es kaum erwarten, zum ersten Mal auf der Nürburgring-Nordschleife zu fahren. Wenn ich auf einer der anspruchsvollsten Rennstrecken der Welt bestehe, dann ist alles möglich.


Geburtstag/-ort: 8. August 1974/Guernsey (Kanalinseln)
Wohnort: Guernsey (CI)
Familienstand: Verheiratet mit Joanne,
ein Sohn: Sebastian, eine Tochter: Daniella
Website: www.andypriaulx.com

1984 Kartsport auf den Kanalinseln
1985–1990 Motocross
1990 1. Platz Motocross-250 ccm-Meisterschaft auf den
Kanalinseln
1991–1995 Bergrennen
1995 1. Platz RAC MSA britische Bergmeisterschaft mit maximaler Punktzahl und 14 Siegen in zwei Saisons
1996 Einsätze in der Formel Renault
1997 Förderkandidat in der britischen Formel-3-Meisterschaft
1998 Einsätze im Renault Spider Cup, eine Poleposition und drei Podiumsplatzierungen; 2. Platz Formel Palmer Audi Winterserie
1999 1. Platz Renault Spider Cup, 13 Siege von Poleposition;
BTCC-Testfahrer für Renault Williams, Vauxhall und Ford.
Auszeichnungen: BARC President’s Cup für außergewöhnliche Leistungen, Guernsey-Botschafter des Jahres
2000 Britische Formel-3-Meisterschaft für Renault UK,
drei Podiumsplatzierungen, Poleposition in Silverstone.
F3-Rennen in Macau und Korea für Manor Motorsport
2001 Britische Formel-3-Meisterschaft, zwei Siege, zwei Polepositions und zehn Podiumsplatzierungen. 2. Platz von der Poleposition beim F3 Super Prix in Korea; Startplatz sechs beim F3-Grand-Prix in Macau. 2. Platz und Poleposition beim Einladungsrennen für Vauxhall in der BTCC
2002 5. Platz britische Tourenwagen-Meisterschaft, erster Sieg für Honda, drei Polepositions; Teilnahme an den australischen Langstreckenrennen „Bathurst 1000“ und „Queensland 500“ (Holden TWR)
2003 3. Platz ETCC (BMW 320i), drei Siege
2004 1. Platz ETCC (BMW 320i), BMW Team Great Britain 2. Platz Macau Grand Prix – Guia Race 24h-Rennen Spa-Francorchamps (BMW M3 GTR)
2005 Formel-1-Test mit dem BMW WilliamsF1 Team


Dirk Müller (DEU) – Startnummer 43.

Knapper hätte die Titelentscheidung in der vergangenen FIA ETCC Saison nicht ausfallen können. Mit 111 Punkten lag Dirk Müller am Ende gleichauf mit Andy Priaulx (GBR). Über die Saison hinweg hatte der 29-Jährige jedoch weniger Rennen als sein Markenkollege gewonnen und musste sich deshalb mit dem zweiten Platz begnügen. Nun geht er hoch motiviert in die neue Tourenwagen-Weltmeisterschaft und nimmt einen erneuten Anlauf auf die Fahrerkrone.

Dennoch hatte Dirk Müller 2004 ein einmaliges Erfolgserlebnis: Er überquerte beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring als Erster die Ziellinie. Ihm und seinen fünf Teamkollegen im Team BMW Motorsport gelang ein beeindruckender Doppelsieg.

Dirk Müller startete seine Karriere im Alter von 14 Jahren im Kartsport. Mit Unterstützung seiner Familie sammelte er trotz des relativ späten Einstiegs schon bald Siege und Titel – sowohl im Formelsport als auch mit Sportwagen. So steht für ihn unter anderem ein Titelgewinn in der GT-Klasse der American Le Mans Series zu Buche.

Fragen an Dirk Müller:

Wie sehr hat es Sie enttäuscht, den FIA ETCC Fahrertitel 2004 im letzten Rennen noch aus der Hand zu geben?

Die Enttäuschung war im ersten Moment sehr groß. Ich war in Dubai mit 40 Kilogramm Zusatzgewicht unterwegs, was meine Aufgabe – trotz des Ausgangsvorsprungs gegenüber Andy Priaulx – nicht einfacher gemacht hat. Das Wochenende verlief nicht nach Plan, immer wieder gab es kleine Zwischenfälle, und am Ende hat es nicht gereicht. Das ist Motorsport. Man muss immer nach vorne schauen – und das habe ich getan.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, in diesem Jahr erneut um den Titel mitzufahren?
Ich bin nicht der einzige Fahrer, der sich den Gewinn des WM-Titels zum Ziel gesetzt hat. Aber ich werde alles dafür tun, um auch in diesem Jahr wieder ganz vorne mit dabei zu sein. Leichter wird es 2005 bestimmt nicht. Das wichtigste ist, konstant Punkte zu sammeln. Ausfälle kann man sich nicht erlauben. Mit Schnitzer Motorsport habe ich aber ein erfahrenes Team im Rücken, das mir einen konkurrenzfähigen und standfesten BMW 320i hinstellen wird.

Seit Jahren bilden Sie ein Tandem mit Jörg Müller. Wie ist die Atmosphäre im Team?
Das außerordentlich gute Verhältnis zwischen Jörg und mir macht mich stolz. Mir fällt kaum ein zweites Gespann im Motorsport ein, das so perfekt harmoniert wie es bei uns der Fall ist. Auf der Strecke sind wir Konkurrenten und versuchen, vor dem anderen zu landen. Bei den Testfahrten verlangen wir uns gegenseitig alles ab. Nur so funktioniert die Zusammenarbeit in einem Team. Im Privatleben sind wir Freunde.

Wie beurteilen Sie die Umwandlung der FIA ETCC in eine WM?
Die Aufwertung der Serie wirkt sich extrem positiv aus. Ich merke, wie das Interesse an der Meisterschaft kontinuierlich wächst. Das ist einfach gigantisch. Zugleich ist es für mich die erste Weltmeisterschaft, an der ich teilnehme. Da ist man natürlich besonders motiviert. Die Rennen außerhalb Europas sind das zusätzliche Salz in der Suppe.

Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach Fairness auf der Strecke?

Für mich ist das ein sehr wichtiges Thema. Wir haben in der Geschichte der FIA ETCC viele Rennen gesehen, in denen es nicht sonderlich fair zugegangen ist. Im vergangenen Jahr ist es aber auf jeden Fall besser geworden. Ich bin zuversichtlich, dass die FIA in dieser Saison noch stärker auf Regelverstöße achtet und der Wettkampf mit fairen Mitteln ausgetragen werden kann.

Bei den 24 Stunden vom Nürburgring gehen Sie gemeinsam mit Jörg und Andy für BMW an den Start, in der FIA WTCC sind sie Rivalen. Wie gelingt dieser Spagat?
Wir alle sind Profis. Jörg kenne ich aus der Zusammenarbeit im BMW Team Deutschland sehr gut. Da gibt es überhaupt keine Probleme. Andy ist ebenfalls ein sehr umgänglicher Mensch, der gut in die BMW Familie passt. Wenn man bei einem Langstreckenrennen antritt, dann muss das Team perfekt zusammenarbeiten. Das gilt nicht nur für die Fahrer, sondern auch für die Mechaniker. 2004 ist uns das optimal gelungen, als wir auf dem Nürburgring einen Doppelsieg einfahren konnten.

Welchen Stellenwert hat für Sie der Erfolg in der „Grünen Hölle“ 2004?
Es war eindeutig einer meiner schönsten Siege überhaupt. Zum ersten Mal konnte ich bei einem 24-Stunden-Rennen nicht nur einen Klassensieg feiern, sondern am Ende im Gesamtklassement ganz oben stehen. Zudem war die Atmosphäre am Nürburgring wie immer einzigartig. An diesen Erfolg möchte ich in dieser FIA WTCC Saison anknüpfen.


Geburtstag/-ort: 18. November 1975/Burbach (DEU) Wohnort: Monte Carlo
Familienstand: Verheiratet mit Daniela
Website: www.dirk-mueller.com
1989, 1990 Einstieg in den Kartsport
1991 3. Platz ADAC-Pop-Kartmeisterschaft
1992 2. Platz Formel König
1993 2. Platz Formel König, vier Siege; 12. Platz deutsche Formel Opel
1994 3. Platz deutsche Formel Opel, zwei Siege
1995 sporadische Einsätze Formel Opel Euroserie, erstes Formel-3-Rennen
1996 Deutsche Formel-3-Meisterschaft, ein Sieg
1997 Aufnahme im Porsche Junior Team, 5. Platz Porsche Carrera Cup, ein Sieg
1998 1. Platz Porsche Carrera Cup, vier Siege; 2. Platz 24h Daytona (Porsche GT1)
1999 2. Platz 24h Daytona (Porsche GT2), 4. Platz 12h Sebring (Porsche GT1), 2. Platz GT-Kl. 24h Le Mans (Porsche GT3R), 1. Platz GT-Wertung Petit Le Mans (Porsche GT3R)
2000 1. Platz GT-Kl. ALMS, vier Siege (Porsche GT3R)
2001 6. Platz GT-Kl. ALMS, ein Sieg (BMW M3 GTR)
2002 4. Platz FIA ETCC, drei Siege (BMW 320i)
Formel-1-Test mit dem BMW WilliamsF1 Team
2003 5. Platz FIA ETCC, zwei Siege (BMW 320i), 24h-Rennen Nürburgring (BMW M3 GTR)
2004 1. Platz 24h Nürburgring (BMW M3 GTR); 2. Platz ETCC (BMW 320i), BMW Team Deutschland Klassensieg GT2 und 6. Gesamt 24h-Rennen Spa- Francorchamps (BMW M3GTR)
Macau Grand Prix – Guia Race (BMW 320i)


Jörg Müller (DEU) – Startnummer 42.

Kein BMW Fahrer konnte in der FIA ETCC so viele Siege erringen wie Jörg Müller. Nicht weniger als zwölf Mal stand er ganz oben auf dem Treppchen. 2002 und 2003 belegte der sympathische Rheinländer jeweils den zweiten Platz in der Fahrerwertung der FIA ETCC. Im vergangenen Jahr lieferte er sich lange einen Dreikampf mit seinem Teamkollegen Dirk Müller (DEU) und dem späteren Meister Andy Priaulx (GBR). Zehn Punkte aus den letzten sechs Rennen reichten jedoch nicht, um die Titelchance bis zum Saisonende zu wahren.

Dafür schrieb Jörg Müller 2004 mit seinem Sieg beim legendären „Guia Race“ in Macau Geschichte. Bereits 1993 hatte er auf dem verwinkelten Stadtkurs jubeln können: Damals gewann er das Formel-3-Rennen. Ein Erfolg in beiden Disziplinen war vor ihm in Macau noch keinem Piloten gelungen.

Als 15-Jähriger sammelte Jörg Müller erste Erfahrungen im Kart. Titel in der Formel Ford, der Formel 3 und der Formel 3000 folgten. Als Testpilot für Arrows, BMW und Sauber machte er zudem in der Formel 1 auf sich aufmerksam. Eine große Leidenschaft gilt auch der Langstrecke. Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans fuhr er für BMW, Nissan und Porsche. In der American Le Mans Series feierte er Siege mit dem BMW V12 LMR und gewann dort 2001 im BMW M3 GTR die GT-Klasse. Im selben Fahrzeug siegte er 2004 gemeinsam mit dem Team BMW Motorsport beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, wo er sich im Cockpit mit Hans-Joachim Stuck und Dirk Müller abwechselte.

Fragen an Jörg Müller:

Sie gehen in Ihre 22. Rennsaison. Macht es Ihnen noch immer Spaß, ein Auto am Limit zu bewegen?

Keine Frage, es macht mir immer noch so viel Freude wie am ersten Tag. Jeder Rennfahrer wird bestätigen, dass er einen Traumjob hat. Ich habe mein größtes Hobby zum Beruf gemacht und nach wie vor einen unglaublichen Spaß daran. Man sehe sich nur meinen Markenkollegen Hans-Joachim Stuck an, der mit 54 Jahren noch immer genauso gerne Rennen fährt wie früher. Die Begeisterung für den Motorsport bleibt in einem Fahrer aus meiner Sicht immer erhalten.

Man sieht Sie an der Rennstrecke meistens gut gelaunt. Was muss passieren, damit auch Sie einmal die Contenance verlieren?

Mir können viele Sachen die Laune verderben. Bei uns in der FIA WTCC geht es auf der Strecke kräftig zur Sache. Man muss einen Mittelweg aus Kampf und Fairness finden. Wenn ein Fahrer unfair zu Werke geht, dann werde ich sauer. Der Ärger ist bei mir aber meistens schnell verraucht.

Wollen Sie in diesem Jahr wieder bis zum Saisonende ein Wörtchen um den Titel mitreden?

Ja, sonst wäre ich kein Rennfahrer. Es ist mein erklärtes Ziel, in diesem Jahr Weltmeister zu werden. Das Problem ist, dass ich in Dirk Müller einen sehr starken Teamkollegen habe, der dasselbe erreichen will. Gegenseitig werden wir uns aber wieder zu Höchstleistungen treiben.

Welche Rolle spielen die Zusatzgewichte in der FIA WTCC?
Sie machen es für uns schwieriger. Wenn man mit einem guten Auto ein Rennen gewinnt, heißt das noch lange nicht, dass man einen Durchmarsch durch die ganze Saison hinlegt. Es ist wichtig, taktisch klug zu fahren, um nicht zu oft mit viel Gewicht an Bord unterwegs zu sein. Die Karten werden bei jedem Rennen neu gemischt. 2005 beträgt das maximale Zusatzgewicht 60 Kilogramm. Außerdem kommen neue Hersteller dazu. Das heißt, es kann schnell passieren, dass man einmal nicht vorne mit dabei ist. Konstant punkten lautet daher die Devise.

Wie sehr hat Sie Ihr Erfolg in Macau im vergangenen Jahr gefreut?
Der Sieg dort war eine tolle Sache, wenngleich der Doppelerfolg am Nürburgring mit dem BMW M3 GTR für mich der absolute Saisonhöhepunkt war. Das „Guia Race“ zählte zu keiner Meisterschaft, also konnte ich es mit einer völlig gelösten Einstellung angehen.

Zwei Veranstaltungen der FIA WTCC finden in Übersee statt, eine in der Türkei. Sind dies für Sie besondere Highlights?

Der Stellenwert der Meisterschaft wird durch die Internationalisierung und die Vergabe des WM-Titels definitiv erhöht. Es gibt ja im Motorsport nur drei offizielle Weltmeisterschaften. Wie erwähnt bin ich schon sehr lange dabei, so dass ich mich über jede neue Strecke freue, die ich neu kennen lernen kann. Ich bin sehr gespannt, vor allem auf Mexiko und die Türkei.

Sie sind auch wieder bei den 24 Stunden vom Nürburgring dabei. Freuen Sie sich auf den Einsatz im 500 PS starken BMW M3 GTR?
Das wird sicher genauso hart wie im vergangenen Jahr, als ich gemeinsam mit Hans-Joachim Stuck und Dirk Müller gewinnen konnte. 2004 haben wir einen Null-Fehler-Job gemacht. Dies ein zweites Mal zu schaffen, wird nicht einfach. Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring ist eine fantastische Veranstaltung, auf die wir uns akribisch vorbereiten. Mein Hauptaugenmerk liegt dennoch auf der FIA WTCC, in der ich einiges erreichen will.

Geburtstag/-ort: 3. September 1969/Kerkrade (NLD)
Wohnort: Monte Carlo
Familienstand: Geschieden
Website: www.joerg-mueller.org
1984–1987 Kartsport
1988 1. Platz Deutsche Formel-Ford-Meisterschaft
1989 1. Platz Deutsche Formel Opel Lotus Challenge
1990 1. Platz Formel-Ford-Europameisterschaft, 5. Platz Deutsche Formel-3-Meisterschaft
1991 1. Platz Formel-3-Grand-Prix in Monaco
1992 7. Platz Deutsche F3-Meisterschaft
1993 Deutsche F3-Meisterschaft, 1. Platz F3-GP Macau
1994 1. Platz Deutsche F3-Meisterschaft
1995 BMW Werksfahrer ADAC Supertourenwagen-Cup
1996 1. Platz Formel-3000-Europameisterschaft, BMW Werksfahrer ADAC Supertourenwagen-Cup 1. Platz 24h Spa (BMW 318is)
1997 Formel-1-Testfahrer für Arrows, 24h Le Mans (Nissan)
1998 Formel-1-Testfahrer für Sauber, 2. Platz 24h Le Mans (Porsche GT1)
1999 BMW Werks- und F1-Testfahrer: ein ALMS-Sieg, 24h Le Mans (BMW V12 LMR)
2000 5. Platz ALMS, zwei Siege (99er BMW V12 LMR),
Formel-1-Testfahrer für Michelin
2001 1. Platz GT-Kl. ALMS, vier Siege (BMW M3 GTR)
2002 2. Platz FIA ETCC, vier Siege (BMW 320i)
2003 2. Platz FIA ETCC, fünf Siege (BMW 320i), 24h Nürburgring (BMW M3 GTR)
2004 1. Platz 24h Nürburgring (BMW M3 GTR); 1. Platz Macau Grand Prix – Guia Race (BMW 320i) 4. Platz ETCC (BMW 320i), BMW Team Deutschland Klassensieg GT2 und 6. Gesamt 24h-Rennen Spa- Francorchamps (BMW M3 GTR)


Alessandro Zanardi (ITA) – Startnummer 4.

Nach dem schweren Unfall von Alessandro Zanardi beim deutschen CART-Lauf im Jahr 2001 hätte wohl niemand geglaubt, dass der Italiener vier Jahre später seine zweite Saison im Tourenwagensport in Angriff nehmen würde. Den Verlust seiner Beine hat der 38-Jährige mit einzigartiger Entschlossenheit überwunden und in ein normales Leben zurückgefunden. Dies brachte ihm den Respekt und die Anerkennung von Millionen Motorsport-Fans auf der ganzen Welt ein.

Im vergangenen Jahr errang Zanardi acht Punkte in der FIA ETCC. 2005 möchte er besser abschneiden. Helfen soll ihm dabei das weiter optimierte Steuerungssystem seines BMW 320i. Die Ingenieure von BMW Motorsport konnten die Stellgeschwindigkeit verdreifachen und damit die Reaktionszeit der Drosselklappe weiter verkürzen. Die Regelgenauigkeit wurde ebenfalls verbessert.

Im Verlauf seiner Karriere heimste der heutige Fahrer vom BMW Team Italy-Spain zahllose Titel ein. Ob im Kartsport, in der Formel 3 oder der Formel 3000: Schon früh wurde das große Talent von Zanardi sichtbar. Verliefen seine Engagements in der Formel 1 glücklos, konnte er vor allem in der US-amerikanischen CART-Serie überzeugen. Bis heute ist er der einzige Fahrer, der den Titel „Rookie of the Year“ und zwei Meistertitel in aufeinander folgenden Jahren gewann.

Fragen an Alessandro Zanardi:

Ist es für Sie schon wieder normal, in einem Rennauto zu sitzen?

Ja, das ist es. Mir ist klar, dass viele Menschen dies nicht für möglich halten. Mein Unfall hat jedoch keinerlei Spuren in der Psyche hinterlassen. Prinzipiell kann so etwas jedem passieren – vollkommen unabhängig vom Motorsport. Ich liebe, was ich tue. Mit 38 Jahren muss ich nicht mehr unbedingt fahren. Aber ich will es. Dann noch für eine Marke wie BMW in einer Weltmeisterschaft antreten zu können: Was will ich mehr?

Konnten die Umbauten an Ihrem BMW 320i optimiert werden?
Wir haben dank der Ingenieure von BMW Motorsport bereits in der vergangenen Saison große Fortschritte erzielt. Das gilt vor allem für den Bremsmechanismus. Kleine Details können für mich einen großen Unterschied machen. Ich muss die Bremskraft mit meiner Prothese sehr genau dosieren. Nur dann kann ich das Auto am Limit bewegen. 2004 haben wir bei null angefangen. Für diese Saison haben wir eine bessere Ausgangsbasis, so dass ich mich stärker auf das Set-up des Wagens konzentrieren kann.

Wie beurteilen Sie die Leistung der Ingenieure, die es Ihnen ermöglichen, wieder Rennen zu fahren?
Ich habe größten Respekt vor den Ingenieuren. Ihre Arbeit ist gewiss nicht einfach. Es gibt einfach keinerlei Erfahrungswerte, auf denen sich aufbauen lässt. Wir leisten in diesem Bereich wirkliche Pionierarbeit. In der Motorsport-Geschichte gab es keinen Fahrer vor mir, der mit Prothesen gefahren ist. Ich werde gegenüber den anderen Piloten immer einen Nachteil haben. Gemeinsam arbeiten wir aber daran, diesen Nachteil Schritt für Schritt zu minimieren.

Wie lauten Ihre Ziele für die FIA WTCC Saison 2005?

Ich wäre nicht in den Rennsport zurückgekehrt, wenn ich nicht daran geglaubt hätte, noch immer erfolgreich sein zu können. Das ist mehr als ein Abenteuer. Ich will nicht zurückhaltend sein und von Punkten oder guten Platzierungen sprechen. In der Vergangenheit habe ich auf hohem Niveau Siege erringen können. Mit dem richtigen Material, kann ich das – so glaube ich – noch immer. Gemeinsam mit BMW Italy-Spain gilt es für mich zunächst, das Auto weiter zu verbessern. Ich bin hoch motiviert.

Freuen Sie sich auf die Rennen, die in Übersee stattfinden?

Ja, ich kann es kaum erwarten, in Mexiko und China anzutreten. Wenn wir 2005 eine gute Show bieten, dann werden im kommenden Jahr sicherlich weitere Rennen außerhalb Europas hinzukommen. Ich glaube an den Erfolg der Meisterschaft.

Sie haben vielen Menschen Mut gemacht. Was für ein Feedback erhalten Sie von Ihren Fans?
Ich bekomme viele Briefe und E-Mails aus der ganzen Welt. Vor allem in meiner Heimat Italien werde ich häufig auf der Straße angesprochen. Das ist gut so. Häufig scheuen gesunde Menschen den Kontakt zu Behinderten. Häufig wissen Sie einfach nicht, wie sie sich verhalten sollen. Wenn ich helfen kann, diese Distanz abzubauen, dann macht mich das stolz.

Welche Rolle spielt die Familie in Ihrem Leben?

Meine Familie ist alles für mich. Nicht zuletzt ihretwegen habe ich so viel Energie in meine Rehabilitation investiert. Ich bin sehr glücklich, eine Frau wie Daniela an meiner Seite zu wissen. Mein Sohn Niccolo ist mein ganzer Stolz. Beide haben großen Anteil daran, dass ich meinen Optimismus und meine positive Einstellung zum Leben auch nach dem Unfall nicht verloren habe.


Geburtstag/-ort: 23. Oktober 1966/Bologna (ITA)
Wohnort: Monaco
Familienstand: Verheiratet mit Daniela, ein Sohn: Niccolo
Website: www.alex-zanardi.com

1980–1984 Kartsport
1985 1. Platz italienische Kartmeisterschaft
1986 1. Platz italienische Kartmeisterschaft
1987 1. Platz Kart-Europameisterschaft
1988 12. Platz italienische Formel-3-Meisterschaft
1989 7. Platz italienische Formel-3-Meisterschaft, zwei Polepositions und zwei zweite Plätze;
Debüt Int. FIA Formel-3000-Meisterschaft in Dijon
1990 2. Platz ital. Formel-3-Meisterschaft, zwei Siege;
1. Platz Le Mans Formel-3-Europa-Cup;
Poleposition beim Formel-3-Grand-Prix Monaco
1991 2. Platz Int. FIA Formel-3000-Meisterschaft, zwei Siege;
drei Formel-1-Rennen für Jordan (Spanien, Japan, Australien)
1992 Formel-1-Testfahrer für Benetton, drei GP für Minardi (nur in Deutschland qualifiziert)
1993 Formel-1-Saison mit Lotus
1994 Formel-1-Test- später Stammfahrer für Lotus
1995 Britische Produktionswagen-Meisterschaft (Lotus Esprit), ein Sieg in der GT2-Klasse
1996 3. Platz IndyCar World Series (Chip Ganassi Racing), drei Siege, Rookie of the Year
1997 1. Platz CART World Series (Chip Ganassi Racing), vier Siege, Auszeichnung: PPG Colourful Character Award
1998 1. Platz CART World Series (Chip Ganassi Racing), sechs Siege
1999 Formel-1-Saison mit WilliamsF1
2001 CART Meisterschaft (Mo Nunn Racing), am 15. September erlitt er auf dem EuroSpeedway Lausitz einen schweren Unfall, bei dem er beide Beine verlor
2003 Comeback beim Finale der ETCC in Monza mit dem BMW Team Italy-Spain (BMW 320i)
2004 14. Platz FIA ETCC (BMW 320i), BMW Team Italy-Spain – Ravaglia Motorsport


Antonio Garcia (ESP) – Startnummer 5.

Mag Antonio Garcia auch der jüngste Pilot in Diensten der BMW Länderteams sein, so ist er beileibe kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bereits in seiner Debütsaison 2003 machte er in der FIA ETCC mit guten Ergebnissen auf sich aufmerksam. Auch im vergangenen Jahr gab er regelmäßig eine Kostprobe seines Talents und sammelte insgesamt 43 Punkte. Sein bestes Saisonresultat war Rang zwei im zweiten Lauf auf dem Hockenheimring.

Der Spanier hat sich fest vorgenommen, 2005 in der Tourenwagen-WM den ersten Sieg zu feiern. Dass er das Zeug dazu besitzt, hat Garcia in der Vergangenheit mehrfach unter Beweis gestellt. 1994 wurde er Kartweltmeister, in der Saison 2002 bestritt er mit einem Porsche die Gruppe-N-GT-Klasse in der FIA GT-Meisterschaft.

2004 gehörte Garcia auch zum Aufgebot von BMW für das 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps. Dort bot er eine fehlerfreie Vorstellung, ehe der BMW M3 GTR mit der Startnummer 143 in der Nacht frühzeitig ausschied.

Fragen an Antonio Garcia:

Sie schnupperten als Zweiter in Hockenheim 2004 an einem Sieg. Glauben Sie, dass Sie das Ziel in diesem Jahr erreichen können?

Natürlich ist es mein großes Ziel, in dieser Saison ein Rennen zu gewinnen. Im vergangenen Jahr war ich zwei Mal in einer viel versprechenden Position, in Hockenheim und in Spa, wo ich Dritter wurde. Es gibt 20 Rennen und damit 20 Gelegenheiten für einen Sieg. Zuerst müssen wir jedoch noch konkurrenzfähiger werden. Dann kommen die guten Resultate von selbst.

Sie konnten dazu beitragen, dass BMW 2004 die Herstellerwertung gewinnt. Welchen Stellenwert hat dieser Titel für einen Fahrer?
Für die Piloten steht natürlich die Fahrerwertung im Vordergrund. Jeder möchte dort möglichst weit vorne platziert sein. Gleichzeitig helfen aber gute Ergebnisse BMW, bei den Herstellern das Rennen zu machen. Dazu wollen alle Fahrer der BMW Länderteams nach besten Kräften beitragen.

Ist es für Sie eine zusätzliche Motivation, in einer WM anzutreten?
Es wird sich für mich persönlich nicht viel ändern. Ich gehe davon aus, dass auch 2005 dieselben Fahrer und Teams die Serie bestimmen. Trotzdem ist es sehr gut für die Meisterschaft, dass weitere Hersteller hinzukommen. Derjenige, der am Ende des Jahres oben steht, hat natürlich als Weltmeister einen bedeutenden Titel errungen.

Freuen Sie sich darauf, 2005 auch außerhalb Europas zu fahren?
Ja, sehr sogar. Auf internationaler Ebene anzutreten, tut der Serie ganz sicher gut und ist für die Fahrer etwas Besonderes. Auch sonst hat sich im Kalender einiges getan. Ich bin zwar nicht unbedingt froh, dass zum Beispiel Hockenheim nicht mehr dabei ist. Aber wir werden ganz sicher spannende Rennen erleben.

Ist Ihr Heimrennen in Valencia für Sie der Saisonhöhepunkt?

Im vergangenen Jahr fand in Valencia die zweite Veranstaltung der FIA ETCC statt. Diesmal liegen die Rennen auf dem „Circuit de la Comunitat“ weiter hinten im Kalender. Ich hoffe, dass wir bis dahin konkurrenzfähiger sind als wir es an gleicher Stelle 2004 waren.

In Alessandro Zanardi haben Sie einen prominenten Teamkollegen. Wie fährt es sich an seiner Seite?
Ich profitiere sehr von Alessandro, nicht nur auf, sondern auch abseits der Strecke. Im Verlauf eines Rennwochenendes kann ich mir viel von ihm abschauen. Er ist ein toller Mensch, der sein Wissen auch gerne an andere weitergibt. Zwischen uns herrscht ein wirklich gutes Verhältnis.

Profitieren Sie als junger Fahrer auch von der Erfahrung Ihres Teamchefs Roberto Ravaglia?

Roberto ist definitiv der beste Lehrer, den man sich vorstellen kann. Er ist der bisher einzige Tourenwagen-Weltmeister und blickt auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurück. Zwar fährt er seit einigen Jahren nicht mehr selbst, auf der Rennstrecke geht es aber größtenteils noch immer so zu wie zu seiner aktiven Zeit.

Sie waren 2004 für BMW beim 24-Stunden-Rennen von Spa im Einsatz. Gefällt Ihnen die Langstrecke?
Es war ein ganz besonderes Erlebnis in einer erfahrenen Mannschaft wie Team BMW Motorsport anzutreten, mit all den hochklassigen Fahrern. Ich mag es, bei 24-Stunden-Rennen zu fahren. In Spa war ich zuvor bereits zwei Mal am Start und habe dort einen Klassensieg errungen. Darum war es schön, wieder zurückzukehren. Der BMW M3 GTR war anders zu fahren als der BMW 320i, aber die Herausforderung hat mir großen Spaß gemacht.


Geburtstag/-ort: 5. Juni 1980/Madrid (ESP)
Wohnort: Barcelona (ESP)
Familienstand: Ledig
Website: www.antoniogarcia.com

1988–1996 Kartsport – zahlreiche Titel, darunter der Gewinn der Weltmeisterschaft 1994 in der Klasse Inter A
1997 3. Platz Formel Campus Renault Elf, drei Siege
1. Platz Kart-Europameisterschaft, Formel A
1998 6. Platz Open Fortuna by Nissan, zwei Siege
8. Platz Kart-Weltmeisterschaft, Formel Super A
1999 5. Platz Euro Open Moviestar by Nissan, ein Sieg
2000 1. Platz Open Telefonica, fünf Siege, zehn Podiumsplatzierungen
2001 13. Platz FIA GT-Meisterschaft, Klasse N-GT, Teilnahme an vier Rennen, Klassensieg bei den 24 Stunden von Spa;
Internationale FIA Formel-3000-Meisterschaft
2002 5. Platz World Series by Nissan, ein zweiter Platz
in Interlagos (BRA)
FIA GT-Meisterschaft, Klasse N-GT, drei Polepositions,
zwei zweite Plätze
2003 8. Platz FIA ETCC (BMW 320i), BMW Team Italy-Spain 2004 7. Platz FIA ETCC (BMW 320i), BMW Team Italy-Spain
24h-Rennen Spa-Francorchamps (BMW M3 GTR)
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