Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 19.04.2005, 08:35     #5
Albert   Albert ist offline
Power User
  Benutzerbild von Albert

Threadersteller
 
Registriert seit: 06/2001
Ort: D-29227 Celle
Beiträge: 17.737

CE-
4. Interview mit Dr. Mario Theissen.

Dr. Mario Theissen, geboren am 17. August 1952 in Monschau, ist seit über 25 Jahren in der BMW Motorenentwicklung tätig. Seit 1999 ist er als BMW Motorsport Direktor für alle Motorsport-Projekte der Marke verantwortlich.

Interview mit Mario Theissen: Die FIA WTCC tritt auf drei Kontinenten an. Begrüßen Sie die Internationalität der Serie? Wir haben uns sehr darüber gefreut. Die Aufwertung zur Weltmeisterschaft zeigt, dass das Konzept der Serie ankommt. 2005 sind sechs Hersteller mit von der Partie, weitere klopfen bereits an die Tür. Das Fahrerfeld wird damit ebenfalls größer. Die FIA WTCC hat Chancen, zur weltweit wichtigsten Tourenwagenserie zu werden.

Was macht den besonderen Reiz der FIA WTCC aus? Fahrzeuge zu entwickeln, die wir an Kundenteams weitergeben können, spielt für uns eine zentrale Rolle. Darauf basiert die Erfolgsgeschichte des BMW Tourenwagensports. Wir haben von der Rennversion des aktuellen BMW 320i bereits 110 Fahrzeuge verkauft. Das heißt, Kunden können genau das Auto, das wir in der FIA WTCC einsetzen, auch für die nationalen Märkte bei uns kaufen, um damit Motorsport zu betreiben.

Und für die Zuschauer?
Die ETCC-Rennen waren unheimlich spannend. Das wird in der Weltmeisterschaft nicht anders sein. Wir haben im vergangenen Jahr jede Menge Tür-an-Tür-Kontakte erlebt, auf der Strecke wurde reichlich Action geboten. Es ging immer sehr eng zu. Das macht für mich besten Tourenwagensport aus. Hinzu kommt natürlich die neue Internationalität der Meisterschaft. Die höhere Teilnehmerzahl wird für zusätzliche Spannung sorgen. Ich gehe also davon aus, dass die FIA WTCC in diesem Jahr eine große Beachtung finden wird.

Kann die Formel 1 in bestimmten Bereichen von der FIA WTCC lernen? Die beiden Serien lassen sich nur schwer vergleichen. In der Formel 1 wird zunächst das Reglement gemacht, anschließend werden die Autos dazu entwickelt. Bei den Tourenwagen ist das anders. Die Fahrzeuge bilden die Grundlage. Per Reglement werden sie dann auf ein ähnliches Niveau gebracht, so dass ein spannender Wettkampf entsteht. In der FIA ETCC ist dies ausgezeichnet gelungen. Die FIA achtet nun auch in der WTCC sehr stark darauf, dass die Kosten nicht explodieren. Unter Einbeziehung der Hersteller wird über jede Änderung diskutiert. Dieses System hat sich in den vergangenen Jahren außerordentlich gut bewährt.

Bei den Fahrern setzen die BMW Länderteams auf Kontinuität. Wie würden Sie das Quintett charakterisieren? Es ist immer ratsam, eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Fahrern im Aufgebot zu haben. Bei uns sind einige Haudegen dabei, die mit allen Wassern gewaschen sind. Natürlich gilt das für Jörg Müller und für Alessandro Zanardi, über dessen erneute Teilnahme wir sehr froh sind. Dirk Müller ist längst eine bekannte Größe im GT- und Tourenwagensport und Antonio Garcia gewissermaßen unser Nachwuchsmann. Stark ist natürlich auch Andy Priaulx, der amtierende Europameister. Er hat in den vergangenen zwei Jahren eindrucksvoll gezeigt, wie man aus gegebenen Mitteln das Maximum herausholen kann.

Konnte BMW Motorsport den BMW 320i weiter verbessern? Wir haben das Auto wie in jedem Jahr im erlaubten Rahmen weiterentwickelt. Grundsätzlich ist der BMW 320i am Ende seiner Entwicklung angekommen. Er kommt in diesem Jahr zum letzten Mal zum Einsatz. Große Sprünge sind daher nicht mehr möglich gewesen. Aber etwas geht bekanntlich immer. Die Entwickler haben sich auch für diese Saison wieder etwas einfallen lassen.

Gilt das auch für die Umbauten in Alessandro Zanardis Fahrzeug? Ja. Wir hatten 2004 zum ersten Mal für ihn ein spezielles Gas am Lenkrad entwickelt. Das hat eigentlich schon recht gut funktioniert. Nach Saisonende haben wir uns aber noch mal zusammengesetzt. Er hat uns erklärt, was noch nicht so gut lief. Dann wurde das System im Winter überarbeitet. Das neue ist rechtzeitig fertig geworden, und Alessandro scheint damit sehr gut zurechtzukommen.

Was kommt nach dem aktuellen BMW 320i? Wir bereiten für 2006 die nächste Generation des BMW 320i vor, der auf dem neuen 3er BMW basiert. Die Entwicklung setzt gerade ein. In dieser Saison vertrauen wir aber noch einmal voll und ganz auf die Konkurrenzfähigkeit des bewährten Fahrzeugs.

Werden Sie persönlich bei einigen Rennen vor Ort sein? Wann immer es möglich ist, werde ich an der Strecke sein. Wir haben in diesem Jahr einen sehr engen Formel-1-Terminkalender. Die Formel BMW ist ebenfalls wieder in vier internationalen Serien unterwegs. Auf jeden Fall bin ich beim Saisonauftakt in Monza dabei.
Mit Zitat antworten