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Alt 26.04.2004, 11:30     #6
caesar1   caesar1 ist offline
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Aktuelles Fahrzeug:
M5 E39, Corvette Targa Bj.84 mit 90er Motor
..es ist eigentlich inoffiziell unstreitig daß die Lenksäule vor dem Aufprall brach. Senna war im Training mit der Position des Lenkrads unzufrieden. Um sie seinen Wünschen anzupassen mußte sie verlängert werden. Dazu hat man sie getrennt und ein Stück Rohr eines anderen Materials eingefügt. Die Art der Schweißung war für diese Materialpaarung ungeeignet und führte in der fraglichen Kurve durch die Vibrationen zum Bruch.

In der "Motorsport aktuell" war damals ein Protokol der Telemetrie abgedruckt und zu der verschwunden Aufzeichnung der Onboard Kamera gab es mehrere Augenzeugenaussagen. Danach hat Senna ganz normal in die Kurve eingelenkt als das Auto plötzlich gradeaus fuhr. Man sah seine Lenkradbewegungen ohne daß sich die Vorderräder bewegten. Die Telemetrie bewies noch ein letztes mal Sennas überirdisches Reaktionsvermögen. Er hat, nachdem das Auto steuerlos wurde, innerhalb einer Zehntel voll den Anker geworfen und in den nächsten 4 Zehnteln noch 3 mal runtergeschaltet. Die Verzögerung war zunächst sehr hoch, da das Fahrzeug aber fast rechtwinklig den Asphalt verließ, nur kurz. Da der Strassenbelag etwa 3-4 Zentimeter erhöht war, flog der Wagen dann verzögerungslos in Richtung Mauer. In der Telemetrie waren noch einige kurze Bodenberührungen von einzelnen Rädern erkennbar (vorne rechts, dann hinten links, dann vorne links...und Aufprall), die aber kaum noch Geschwindigkeit abgebaut haben. Der Einschlag war brutal, aber an sich noch nicht tödlich. Unglücklicherweise traf ihn eine Strebe der rechten vorderen Radaufhängung wie ein Speer am Helm, durchbohrte sein Visier, drang in voller Länge in seinen Kopf und schädigte sein Hirn irreparabel. Er hätte wohl nie wieder das Bewußtsein wiedererlangt, auch wenn man seinen Körper maschinell länger am Leben erhalten hätte.

Die Beweise wurden anscheinend sehr schnell beiseite geschafft. In Italien wird ein tödlicher Unfall im Rennsport grundsätzlich offiziell Untersucht und führt zu einem Verfahren. Zudem hat die Senna Familie nach dem ersten Schock eine Klage angestrengt. Ecclestone sah damals die gesamte Formel eins auf dem Spiel, denn Williams wäre vom Senna Clan ruiniert worden und die zusätzliche Rufschädigung hätte die Sponsoren aller Teams reihenweise abspringen lassen. Letztendlich hätte es Senna nicht wieder lebendig gemacht, genausowenig wie die vielen anderen Asse, die durch zu wagemutige Konstruktionen (siehe Jochen Rindt im Lotus), oder Mechanikerschlampereien ums Leben kamen. Das war im Rennsport so und das wird auch immer so bleiben, auch wenn heutzutage solche Fehler kaum noch tödlich enden. Das gehört m.E. zum Risiko des Rennsports dazu. Deswegen zu prozessieren war damals schon absurd, wie ich finde. Erst recht die Wiederaufnahme des Verfahrens 10 Jahre später.
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Der Horizont mancher Leute ist ein Kreis mit Radius null. Den nennen sie dann ihren Standpunkt.

Geändert von caesar1 (26.04.2004 um 12:26 Uhr)
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