Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 18.04.2003, 21:31     #1
Hermann   Hermann ist offline
Senior Guru
  Benutzerbild von Hermann

Threadersteller
 
Registriert seit: 03/2001
Beiträge: 8.175

Aktuelles Fahrzeug:
E63 645Ci, E36 318i Cabrio, E39 523i Touring und Piaggio
Jubiläum 2: 25 Jahre BMW M1

Der Star trug ganz schlichtes Weiß: Als im Herbst 1978 der 64. Pariser Automobil Salon seine Pforten öffnete, kannten die Sportwagenfans nur ein Ziel – die Repräsentanz der BMW Motorsport GmbH. Dort stand ein superflaches, überaus dynamisch gezeichnetes Auto, das schon im Stand keinen Zweifel daran ließ, dass hier der schnellste Straßensportwagen Deutschlands stand: Der BMW M1, 1140 Millimeter hoch, 204 kW oder 277 PS stark und deutlich über 260 km/h schnell. „Vor dem neuen BMW Mittelmotor-Sportwagen ballte sich das Publikum in dichten Haufen“, wurde dem deutschen Leser berichtet. Und: „Die Liste der Vorbestellungen übertrifft alle Erwartungen – ein amerikanischer Bayern-Fan beispielsweise will sich gleich drei M1 über den großen Teich schippern lassen.“ Immerhin: Exakt 100 000 Mark kostete der Supersportwagen 1978. Dafür bekam man vier BMW 323i, und ein paar Extras waren auch noch drin.

In der Tat wurde selten ein Fahrzeug mit soviel Spannung erwartet wie der BMW M1, steckte in ihm doch das gesammelte Rennsport-Know How von BMW. 1976 war mit dem Projekt E 26, wie der anfangs noch namenlose M1 werksintern hieß, begonnen worden. Er sollte das erste eigenständige Auto der 1972 gegründeten BMW Motorsport GmbH sein. Sie hatte sich mit den schnellen 2002 und den überlegenen 3.0 CSL in der internationalen Rennszene weltweit einen Namen gemacht. Dieser Erfolg sollte durch ein speziell aufgebautes Wettbewerbsfahrzeug für die Rennserien der damaligen Gruppen 4 und 5 noch ausgebaut werden. Das Reglement für die Gruppe 4 sah Fahrzeuge vor, von denen mindestens 400 Exemplare in 24 aufeinander_folgenden Monaten gebaut werden mussten, die je zwei Sitze hatten und äußerlich dem Serienauto noch weitgehend ähneln sollten. Damit war klar: Der E 26 hatte nicht nur ein reinrassiger Rennwagen zu werden, sondern auch ein zulassungstauglicher Straßensportwagen.

Ein italienischer Bayer.

Die Kapazität der Motorsport GmbH reichte freilich nicht annähernd aus, ein solches Auto komplett selbst zu entwickeln und zu bauen. Bisher hatte sich die Spezialistentruppe darauf konzentriert, aus Serienfahrzeugen Rennwagen, Fahrwerke schneller und Motoren stärker zu machen.

Die Linienführung des neuen Coupés sollte italienische Rasse haben. Vorbild war der turbo-Flügeltürer, eine Studie mit aufgeladenem Motor von 1972, die der BMW Designer Paul Bracq entworfen hatte. Auf dieser eher rund gezeichneten Basis schuf Giorgio Giugiaro das kantige Profil des M1. Aus der Zusammenarbeit von Bracq und Giugiaro war zuvor auch das 6er Coupé entstanden.

Erste Wahl bei der Motorisierung: Ein Reihensechszylinder.

Bei der Motorisierung standen anfangs zwei Konzepte zur Wahl: Vorstudien für Formel-Motoren waren unter anderem in einen Zehnzylinder mit der Bezeichnung M81 gemündet, ein V-Motor mit 144 Grad Zylinderwinkel. Er wurde in modifizierter Form auf die Einsatzmöglichkeiten in Sportwagen hin untersucht. Die Mannschaft um Motorsport-Chef Jochen Neerpasch entschied sich jedoch schnell für einen neuen Reihensechszylinder, schließlich sprachen die hervorragenden Erfahrungen in den CSL-Rennern für dieses Motorkonzept.

Nach vielen Gerüchten ließ BMW im Frühjahr 1977 die Katze aus dem Sack und bestätigte offiziell die Entwicklung des Supersportwagens. Im Herbst 1977 gab BMW die ersten Bilder des neuen Autos in Serienversion frei. Wiederum ein halbes Jahr später hatte der Bolide seinen ersten öffentlichen Auftritt. Gemeinsam mit dem damaligen Moderator Dieter Kürten präsentierte Jochen Neerpasch im ZDF Sportstudio eine knappe Viertelstunde lang die Gruppe 4-Version in den Farben der Motorsport GmbH. Noch war der Renner mit der Startnummer 11 nicht fahrfähig, aber noch im April 1978 sollten erste Testfahrten unternommen werden.

277 PS für einen Sportwagen reinsten Wassers.

Im Herbst war es dann endlich soweit und das Publikum konnte den ersten E26 in Paris leibhaftig in Augenschein nehmen. Getauft wurde das Sportgerät auf den Namen M1, was für das erste Auto der Motorsport GmbH stand. 4 360 Millimeter lang, 1824 Millimeter breit und 1140 Millimeter flach drückte er schiere Kraft aus. In der Tat: Die Mittelmotor-Flunder wurde von einem 3,5 Liter großen Reihensechszylinder angetrieben, der längs vor der Hinter_achse montiert war und 277 PS an der Hinterachse ablieferte. Dieser M88 bezeichnete Motor basierte auf dem Sechszylinder-Großserientriebwerk und hatte den Vierventil-Zylinderkopf der CSi-Rennmotoren. Dieser Zylinderkopf war zweiteilig: Der untere Teil bildete den Brennraum und den Wasserraum, der obere enthielt die Lagerungen der Nockenwellen und die Tassenstößel.

Das Gemisch wurde durch drei Doppel-Drosselklappenstutzen mit sechs, 46 Millimeter großen Einzeldrosselklappen zu je zwei Einlasskanälen pro Zylinder mit 26 Millimeter Durchmesser geführt. Auf modernstem Stand der Technik war auch das vollelektronische digitale Zündsystem.

Ein deutlicher Hinweis auf die sportlichen Gene des M1 war die Trocken_sumpfschmierung, schließlich ließen sich mit dem Sportwagen hohe Querbeschleunigungen erzielen. Die Maschine versorgte sich aus zwei Kraftstofftanks mit je 58 Liter Fassungsvermögen rechts und links vor der Hinterachse. Die Kraftübertragung übernahm ein ZF-Fünfganggetriebe, das über eine Zweischeiben-Trockenkupplung mit dem Motor verbunden war. Das Hinterachsdifferential war serienmäßig mit einer 40prozentigen Sperre versehen.

264,7 km/h: Deutschlands schnellster Sportwagen.

Der Sechszylinder lief über das gesamte Drehzahlband sauber und ruckfrei, im unteren Bereich aber eher solide. Das änderte sich schlagartig, wenn die Nadel des Drehzahlmessers die 5 000er Marke passiert hatte: Der M88 schob den M1 bis zur Abregeldrehzahl von 7 000 Touren so vorwärts, dass selbst abgebrühte Tester ins Schwärmen gerieten: „Tatsächlich stellt sich bei vollem Öffnen der Drosselklappen ein vehementer Vortrieb ein, der auch jenseits der 200 km/h-Marke anhält. Erst bei 213 km/h ist es beispielsweise nötig, in den fünften Gang zu schalten, und anschließend geht es zügig weiter bis zur Höchstgeschwindigkeit.“ 264,7 km/h ermittelte Deutschlands führendes Automagazin im Herbst 1979. Auch die Beschleunigung in 5,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 gab keinerlei Anlass zur Kritik, bei einem Leistungsgewicht von 7,1 Kilogramm pro Kilowatt hatten die 204 kW oder 277 PS relativ leichtes Spiel.

Der M1 war mit jeder Schraube fürs Rennen gemacht. Das aufwändige Fahrwerk mit Doppelquerlenkern an jedem Rad, Gasdruckstoßdämpfern und zwei Stabilisatoren blieb über den gesamten Geschwindigkeitsbereich über jeden Zweifel erhaben. In der Straßenversion war das Fahrwerk bis auf eine komfortablere Anlenkung der beweglichen Teile und einer entsprechenden Feder/Dämpfer-Abstimmung identisch mit dem der Gruppe 4 Rennversion. Vier innenbelüftete Scheibenbremsen sorgten aus jedem Tempo für phänomenale Verzögerung. Um auch bei Vollbremsungen minimales Aufbaunicken zu gewährleisten, wurde die Vorderachse mit einem 30-prozentigen Nickausgleich (Anti Dive) versehen. Für damalige Verhältnisse geradezu üppig war die Bereifung mit 205/50 VR 16 vorne und 225/50 VR 16 hinten.

Der niedrige Schwerpunkt von 460 Millimetern über der Fahrbahn, die Spurweite von 1550 mm vorn und 1576 mm hinten sowie das Mittel_motorkonzept mit einer Gewichtsverteilung von 44,1:55,9 machten den M1 zu einem Kurvenräuber ersten Grades. Allerdings verlangte er im Grenzbereich eine kundige Hand am Steuer. Wie für Mittelmotorautos mit ihrem geringen Trägheitsmoment um die Hochachse charakteristisch, konnte das Heck des M1 bei zuviel Querbeschleunigung nur durch schnelles und kräftiges Gegenlenken wieder eingefangen werden. Die direkt ausgelegte Zahn_stangenlenkung – ohne Servounterstützung – war dafür jedenfalls bestens geeignet. Nachlaufversatz und geringer Lenkrollradius garantierten trotz leichter Bedienbarkeit den für den aktiven Fahrer entscheidenden Kontakt zur Straße. Die Zweigelenk-Sicherheitslenksäule war axial verstellbar.

Rennwagen mit crashgetesteter passiver Sicherheit.

Obwohl er ein Sportwagen par excellence war, durften sich Fahrer und Beifahrer durchaus eines gewissen Komforts erfreuen. So war die Federung zwar straff, dennoch absorbierte sie auch die unebenen Fahrbahnoberflächen ohne allzu starke Nehmerqualitäten von den Insassen zu verlangen. Dabei saßen sie in dem Gitterrohrrahmen aus Stahl-Rechteckprofilen mit der verklebten und vernieteten Kunststoff-Außenhaut wie in einer Trutzburg, von Verwindung keine Spur. Der Kofferraum unter der Fronthaube reichte für das Wochenendgepäck von zwei Personen aus und selbst auf eine Klimaanlage musste man nicht verzichten. Und der M1 war sicher: Da der Sportwagen nicht per Einzelabnahme für den Straßenverkehr zugelassen wurde sondern eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für die gesamte Serie besaß, musste BMW per Crash-Tests die passive Sicherheit nachweisen. Eine Vorsorgemaßnahme, die manchem Rennfahrer später ebenfalls sehr zu Gute kam.

Während aber das Publikum den neuen Supersportwagen aus München bestaunte und die Vorbestellungen sich stapelten, erlitt die M1 Produktion einen Rückschlag. Die Montage des Wagens konnte nicht wie geplant bei Lamborghini durchgeführt werden; der Auftrag ging statt dessen zum Karosseriespezialisten Baur nach Stuttgart. Damit wurde der M1 zum Puzzlespiel: Der Gitterrohrahmen entstand bei Marchesi, die glasfaserverstärkte Kunststoffkarosserie bei T.I.R., beide in Modena ansässig. Giorgio Giugiaros Firma ItalDesign baute beides zusammen und sorgte für die Innenausstattung. Das Auto kam daraufhin nach Stuttgart, wo Baur die gesamte Mechanik einbaute.

Attraktion der Formel 1: Procar-Serie.

BMW lief aufgrund dieser Verzögerungen und Umplanungen die Zeit davon: Für die Homologation als Gruppe 4 Wettbewerbsauto mussten ja die 400 Exemplare innerhalb der 24-Monats-Frist gebaut werden. Und die Konkurrenz schlief auch nicht. Um die M1 schneller auf die Piste zu bekommen, hob der Chef der Motorsport GmbH Jochen Neerpasch gemeinsam mit Bernie Ecclestone und Max Mosley die Procar Serie aus der Taufe. Sie wurde als Auftaktrennen vor den meisten europäischen Formel 1-Grands Prix der Saison 1979/80 ausgetragen.

Der wesentlichste Unterschied zur Straßenversion war die Motorisierung: Für den Sporteinsatz wurde der M88 Sechszylinder zunächst klassisch getunt. Neue Nockenwellen, größere Ventile, geschmiedete Kolben, optimierte Kanäle, Schieber statt Drosselklappen und eine veränderte Abgasanlage ließen die Leistung auf 470 bis 490 PS wachsen. So motorisiert liefen die auf 1020 Kilogramm abgemagerten Procar Renner mit der längsten Übersetzung rund 310 km/h. Für adäquate Bodenhaftung sorgten Goodyear-Rennreifen der Dimension 10.0/23.5 x 16 vorn und 12.5/25.0 x 16 hinten, unterstützt von einem gewaltigen Heckflügel. Derart präpariert umrundete Marc Surer beispiels_weise mit einem Gruppe 4 BMW M1 die Nordschleife des Nürburgrings in 7:55,9 Minuten.

Der nach dem Gruppe 4 Reglement aufgebaute M1 wurde aber nicht nur je fünf Formel 1-Piloten pro Rennen für den Procar-Markenpokal zur Verfügung gestellt, er konnte als erstes einsatzfertiges Rennauto auch direkt ab Werk gekauft werden. Preis: 150 000 Mark. Und einige der namhaftesten Tuner nahmen das Angebot wahr: Schnitzer und Heidegger schickten eigene M1 auf die Piste, ebenfalls Osella aus Italien und Ron Dennis aus Großbritannien.

Einzigartiger Reiz für das Publikum: Entscheidung durch Fahrkönnen.

Durch diese Mischung aus werksseitig von der Motorsport GmbH vorbereiteten E26 und privaten M1, pilotiert von Formel 1-Größen und ehrgeizigen Rennfahrern anderer Klassen gewann die Procar-Serie ihren einzigartigen Reiz: Hier trafen die Weltbesten auf alte Hasen und Newcomer und mussten sich in weitgehend gleichen Autos mit ihnen messen. Ausschlaggebend war also das Fahrkönnen, was beim Publikum überwältigenden Anklang fand: Die Procar-Rennen waren ebenso gut besucht wie die eigentlichen Läufe zur Formel 1-Weltmeisterschaft.

Das Erfolgs-Rezept war bestens abgeschmeckt: Die jeweils fünf schnellsten Formel 1-Fahrer des Freitags-Trainings trafen auf 15 Tourenwagen- Spezialisten. Die ersten fünf Startplätze der Samstags gestarteten Procar-Rennen gehörten den Stars, die weitere Aufstellung richtete sich nach den Trainingszeiten in den M1. Und alle machten mit: Fahrer und Rennställe sagten ihre Teilnahme zu, vorausgesetzt, entsprechende Verträge standen dem nicht entgegen.

„Vielleicht war ich hier nur so schnell, weil ich BMW fahren wollte.“

So mussten denn am 12. Mai 1979, dem Samstag vor dem Großen Preis von Belgien in Zolder, die beiden Trainingsschnellsten auf den Freiplatz im M1 Cockpit verzichten: Gilles Villeneuve und Jean-Pierre Jabouille waren exklusiv an andere Automarken gebunden. Der drittplatzierte Jaques Lafitte kletterte aber ebenso unverzüglich in den Mittelmotor-Gran Tourisme wie Clay Regazzoni, der amtierende Weltmeister Mario Andretti, Niki Lauda und Nelson Piquet.

Der spätere Formel 1-Weltmeister auf Brabham-BMW, damals die Nummer 2 nach Niki Lauda im Brabham Team, ahnte noch nichts von seiner großen Zukunft als er grinsend sagte: „Vielleicht war ich hier nur so schnell, weil ich BMW fahren wollte.“

Die Konkurrenz hatte freilich nicht weniger klangvolle Namen: Hans-Joachim Stuck, der Tags drauf für den deutschen ATS-Rennstall den achten Platz beim Grand Prix herausfuhr, Formel 2-Europameister Bruno Giacomelli, die BMW Motorsport-Piloten Toine Hezemans und Dieter Quester oder Elio de Angelis, ein weiterer Formel 1-Pilot. Als die Ampeln erstmals vor diesem bunt gemischten Procar-Feld auf Grün schalteten, setzten sich in einem Husaren-Ritt Hans-Joachim Stuck und der österreichische Jung-Star Markus Höttinger nach wenigen Runden vom Rest des Feldes ab. Beide kamen sich aber in Runde zwölf zu nahe und strandeten in den Fangzäunen. „Zum Supermann beim M1-Auftakt“, so beschrieb ein Rennbericht das Finale nach 20 Runden, „wurde der Italiener Elio de Angelis. Er siegte und fuhr die schnellste Runde, war vom 15. Startplatz aus gestartet und hatte sich von hinten durch das ganze Feld gepflügt.“ Platz 2 ging an Toine Hezemans, Drittplazierter war Clay Regazzoni.

Procar-Meister: Niki Lauda und Nelson Piquet.

Die Auftakterfolge waren indes nicht symptomatisch für die Procar-Saison. Am Ende hatte Rennsport-As Niki Lauda, damals schon zweimaliger Formel-1-Weltmeister, die meisten Zähler: In acht Rennen der M1 Procar-Serie errang er drei Siege und einen zweiten Platz. Die beiden letzten Rennen hatte zwar Hans-Joachim Stuck gewinnen können, dennoch fehlten ihm zum Schluss fünf Zähler auf Lauda. Nur Clay Regazzoni blieb seinem dritten Platz treu und kassierte zum Saisonschluss die Bronzemedaille. 1980 reichten Nelson Piquet Siege in den letzten drei Rennen zum Gesamtsieg in der Procar-Serie, gefolgt von Alan Jones und Hans-Joachim Stuck. Der spätere Formel 1-Weltmeister Alan Jones war ohnehin ein erklärter M1-Fan: Als einer der ersten hatte er sich den Sportwagen privat gekauft.

In der Gruppe 4 kam der M1 dennoch kaum mehr zum Zug. Grund: Erst am 1. April 1981 erfolgte die Homologation des Mittelmotor-Renners. Schon neun Monate später wurde aber das entsprechende Reglement so geändert, dass das Konzept des M1 kaum mehr wettbewerbsfähig war.

Bis 1000 PS stark: Gruppe 5 M1 mit Biturbomotor.

Auch die Erfolge in der Gruppe 5 standen weit im Schatten der Procar-Serie. In der Gruppe 5 starteten Spezial-Produktionswagen, die aus homologierten Fahrzeugen anderer Rennklassen abstammen mussten. Ansonsten gab es kaum Limitierungen. Anfangs liefen in der Gruppe 5 noch M1 mit Saug_motoren, die auf knapp 500 PS kamen. Um Drehmomente bis 800 Newton_meter zu verkraften, kamen spezielle Hewland FG 400-Fünfganggetriebe zum Einsatz, die Sperrwirkung des Hinterachsdifferenzials stieg je nach Renn_strecke auf 75 bis 100 Prozent. Später wurden die Motoren der Gruppe 5-M1 mit Hilfe von zwei Turboladern bis auf 1000 PS aufgeblasen. Um möglichst viel dieser gewaltigen Kraft auf den Boden zu bekommen, wurden die M1 Karosserien so verspoilert, dass sie zu den sogenannten „Flügelmonstern“ gezählt wurden. Der führende BMW Tuner Schnitzer schuf aus einem Gruppe 5 M1 den damals stärksten Rennwagen für die Deutsche Automobil-Rennsport-Meisterschaft. Das Auto trug eine Kevlar-Außenhaut auf einem verstärkten Chassis. Hans-Joachim Stuck fuhr das Super-Coupé auf dem Nürburgring und dem Salzburgring zum Sieg.

Amerikanischer IMSA GTO Champion: Der BMW M1.

1981 wurde für den M1 zu einem spektakulären Erfolgsjahr in den USA. Wer in der populären amerikanischen IMSA GTO Championship vorn mitfahren wollte, musste damals das BMW Mittelmotor-Coupé haben. Dave Cowart und Kenper Miller, die zusammen das „Red Lobster Team“ gegründet hatten, beendeten die Saison mit Platz 1 und 2 – auf einem BMW M1. 12 von 16 Rennen hatte der weiße M1 mit der Startnummer 25 gewonnen. Nur ein Fahrer unter den ersten zehn besten dieses Jahres kam nicht auf einem BMW Mittelmotor-Coupé in die Ränge. Platz Nummer 7 belegte übrigens Amerikas Rennfahrer-Legende Al Unser jr., natürlich auf einem M1.

Das schnelle Kunstwerk: M1 Art Car fuhr die 24 Stunden von Le Mans.

Der M1 war nicht nur ein besonderer Renn- und Sportwagen, er wurde auch zu einem einzigartigen Kunstwerk. 1979 widmete sich der weltberühmte Pop Art Künstler Andy Warhol mit Lack und Pinsel einem rennfertigen Coupé und schuf daraus den M1 als eines der schnellsten Kunstwerke der Welt. Es war das vierte sogenannte Art Car, einer Serie von Kunstwerken an und mit BMW Fahrzeugen. Als erster Künstler malte Warhol mit schwungvollen Pinselstrichen direkt auf die Karosserie. „Das Auto ist besser gelungen als das Kunstwerk“, kommentierte er anschließend trocken das Ergebnis. Mit der Startnummer 76 rannte der Art Car schließlich 24 Stunden lang um den Titel in Le Mans und erreichte den 6. Platz. Mit allen Blessuren kam der Rennwagen unverändert ins Werksmuseum von BMW. Er ist bis heute rennfertig und im Museum oder auf Wanderausstellungen zu besichtigen.

M 1 Sechszylinder kommt in Serienautos: M5 und M 635 CSi.

1981 endete die Produktion des M1 nach 445 Exemplaren, 399 waren Straßensportwagen und 46 Procar-Rennwagen. Dazu kamen noch sechs Procar-Karosserien. Aber sein Herzstück, der Sechszylinder-Vierventilmotor M88, war viel zu schade, um aufs Altenteil geschickt zu werden. Und vor allem viel zu fortschrittlich, zu leistungsfähig, zu überlegen. 1984 sorgte die Motorsport GmbH erneut für Schlagzeilen – und glänzende Augen bei den Freunden leistungsstarker und sportlicher Fahrzeuge: Im 255 km/h schnellen M 635 CSi Coupé und im M5 kam das drehfreudige Kraftpaket des M1 zu neuen Ehren.

Insbesondere der von Hand einzeln zusammengebaute M5 wurde schnell zu einer Legende: Er war ein echter Wolf im Schafspelz, dessen Leistung mit 286 PS fast das dreifache des 518i betrug. Äußerlich war er jedoch auf den ersten Blick kaum von seinem Großserien-Bruder zu unterscheiden. Aber mit einer Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h sorgte er für große Augen bei ungezählten Besitzern großer Limousinen und Sportwagen, wenn sie trotz voll durchgetretenem Gaspedal soeben zügig überholt wurden. Der Begriff vom „Businessman’s Express“ wurde geboren.

Aber der M5 war – und ist – eine andere Art Auto. Nie vor dem M1 hatte BMW einen Rennwagen gebaut und auch für die Straße zugelassen. Und nie danach. Der BMW M1 war einzigartig. Wie es Legenden nun mal sind.

Technische Daten BMW M1 – Serienversion

Motor
  • Wassergekühlter 6-Zylinder-Reihenmotor in Mittelmotoranordnung, 4 Ventile pro Zylinder, zwei obenliegende Nockenwellen mit Doppelrollenkettenantrieb.
  • Hubraum (cm³) 3 453
  • Hub (mm) 84
  • Bohrung (mm) 93,4
  • Leistung (kW) 204 bei 6 500bei min–1 (PS) 277
  • Drehmoment (NM) 330 bei 5 000bei min–1 (mkp) 33
  • Höchstdrehzahl (min–1) 7 000
  • mittlere Kolbengeschwindigkeitbei max. Leistung (m/sec) 17,4
  • Verdichtungsverhältnis 9:1
  • Kraftstoffanlage Mechanische Einspritzung – System Kugelfischer, 3 Doppeldrosselklappenstutzen mit 6 Drosselklappen, Ø 46 mm
  • Kraftstoffart (ROZ) 98
  • Tankinhalt (l) (2 x 58) 116
  • Schmierung Druckumlaufschmierung mit Trockensumpf-Ölsystem, 3-fach Absaugpumpe neben dem Kurbelgehäuse und Druckpumpe in der Ölwanne

Elektrische Anlage.
  • Batteriespannung (V) 12
  • Batterieleistung (Ah) 55
  • Lichtmaschine Drehstromgenerator 14 V/65 A
  • Zündung Kontaktloses, vollelektronisches Digital-Zündsystem Magneti-MarelliAussteuerung erfolgt vom Schwungrad
  • Zündkerzen Bosch x 4 CS

Fahrwerk.
  • Rahmen Gitterrohrrahmen mit Kunststoffkarosserie
  • Vorderachse Doppelquerlenker (Dreieckslenker) mit Leichtmetall Radträgern Einzelradaufhängung
  • Hinterachse Doppelquerlenker (Trapezlenker unten) mit Leichtmetall-Radträgern Einzelradaufhängung
  • Stoßdämpfer/Federn Bilstein-Gasdruckstoßdämpfer Konzentrische, höhenverstellbare Schraubenfedern
  • Stabilisator Ø (mm) vorn 23 hinten 19
  • Bremse Innenbelüftete Festsattelscheibenbremse im 2-Kreis-System mit Bremskraftverstärker und Druckminderer an der Hinterachse
  • Scheibendurchmesser (mm) vorn 300 hinten 297
  • Scheibendicke (mm) vorn 32 hinten 26
  • Wirksame Belagfläche (cm²) vorn 96 pro Rad hinten 69 pro Rad
  • Feststellbremse mechanische Betätigung auf spezielle Bremssättel an der Hinterachse
  • Lenkung Zahnstangenlenkung, axial verstellbare 2-Gelenk Sicherheitslenksäule
  • Lenkrad Ø (mm) 360
  • Räder gegossene Leichtmetallräder vorn 7´´ x 16´´, hinten 8´´ x 16´´, Gestaltung aus aerodynamischen Gründen flach
  • Reifen Pirelli P7, vorn 205/55 VR 16, hinten 225/50 VR 16

Kraftübertragung.
  • Kupplung F + S hydraulisch betätigte 2-Scheiben-Trockenkupplung
  • Getriebe ZF 5-Gang-Schaltgetriebe mit integriertem Hinterachsgetriebe
  • Übersetzungen Schaltgetriebe
    1. Gang 2,42
    2. Gang 1,61
    3. Gang 1,14
    4. Gang 0,846
    5. Gang 0,704
    R-Gang 2,86
  • Übersetzung Hinterachsgetriebe 4,22
  • Sperrdifferential 40 % Sperrwert

Abmessungen (mm).
  • Radstand 2 560
  • Spurweite vorn 1550
  • Spurweite hinten 1576
  • Länge 4 360
  • Breite 1824
  • Höhe unbelastet 1140
  • Bodenfreiheit belastet 125
  • Wendekreis 13 000

Technischer Steckbrief BMW M1 – Gruppe 4.

Grand-Tourisme-Wagen nach dem internationalen Motorsportgesetz.

Grand-Tourisme-Wagen sind in kleiner Serie hergestellte Wagen mit min_destens 2 Sitzplätzen. Sie können mit dem Ziel verbessert werden, sie besonders für sportliche Wettbewerbe geeignet zu machen. Die in diesem Zusammenhang erlaubten Änderungen sind im einzelnen im internationalen Automobil-Sportgesetz festgelegt.

Das äußere Erscheinungsbild ähnelt noch weitgehend dem Serienprodukt.

Motor.

6-Zylinder-Reihenmotor, wassergekühlt, 4 Ventile pro Zylinder, mechanische Kraftstoff-Einspritzung, Trockensumpfschmierung, Ölkühler im Fahrzeugbug, Bohrung 94 mm, Hub 84 mm, Hubraum 3 500 cm³, Leistung 345 kW (470 PS) bei 9 000 min–1, Drehmoment 390 Nm (39 mkg) bei 7 000 min–1.

Kraftübertragung.

Hydraulisch betätigte Zweischeibenkupplung, Zf-5-Ganggetriebe, Differential- und Getriebe-Kühlung.

Fahrwerk.

Doppel-Querlenker an Vorder- und Hinterachse, Magnesium-Radträger, Aluminium-Radnaben mit Zentralverschluß, Bilstein-Stoßdämpfer mit geschraubten Federtellern, Stabilisatoren vorn und hinten, austausch- und einstellbar, Bremsanlage ATE, Faustsättel und belüftete Scheiben an Vorder- und Hinterachse, Twin-Hauptbremszylinder, Bremskraftverteilung während der Fahrt verstellbar, Felgen vorn 11.0 x 16, hinten 12.5 x 16, Reifen vorn 10.0/23.5 x 16, hinten 12.5/25.0 x 16, Zahnstangenlenkung mit direkter Übersetzung.

Technischer Steckbrief BMW M1 – Gruppe 5.

Spezialproduktionswagen nach dem internationalen Motorsportgesetz.

Spezialproduktionswagen sind Fahrzeuge, für die keine Mindeststückzahl vorgeschrieben wird, die jedoch von homologierten Wagen der Gruppen 1, 2, 3 und 4 stammen müssen. Erlaubt sind sowohl sämtliche für die Fahrzeuge der Gruppe 1–4 zulässigen Änderungen als auch diejenigen, die zusätzlich für die Gruppe 5 bestimmt sind. Sie sind im einzelnen im internationalen Automobil-Sportgesetz festgelegt.

Größere Freiheit bei der Gestaltung der Kotflügelverbreiterungen und der aerodynamischen Hilfsmittel vorn und hinten verändern die Karosserie deutlich erkennbar in ihrem äußeren Erscheinungsbild.

Unter der Karosserie-Außenhaut herrscht weitgehende Freiheit in der Gestaltung der Aggregate (Motor, Getriebe, Radaufhängungen, Bremse).

Die Gruppe 5 Version des BMW M1 verwendet als Antriebsaggregat einen 3,2 l 6-Zylinder-4 Ventiler mit Abgas-Turbolader, der bei 9 000 l/min bis zu 850 PS leistet. Der Ladedruck beträgt zwischen 1,2 und 1,4 atü.
__________________
Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
Mit Zitat antworten