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Alt 28.03.2003, 18:35     #10
Hermann   Hermann ist offline
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Großer Preis von Brasilien – 4.-6. April 2003 - VORSCHAU

Die jüngsten Testergebnisse des BMW WilliamsF1 Teams waren vielversprechend. Beim Großen Preis von Brasilien am 6. April wollen sich Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher weiter steigern.

Juan Pablo Montoya:

Der Große Preis von Brasilien ist für mich eine Art Heimrennen. Näher kommt die Formel 1 meiner Heimat Kolumbien nicht, und ich rechne wieder mit vielen Fans dort. Sie waren wunderbar in den letzten beiden Jahren, haben gar nicht mehr aufgehört, ihre Flaggen zu schwenken. Es war ein Meer in gelb, blau und rot.

Wir waren in Interlagos bislang immer gut unterwegs, ich hoffe auf ein gutes Ergebnis. Die Strecke passt anscheinend zu unserem Gesamtpaket. Ich weiß nicht, ob ich eine Chance habe, meinen 2001 in Brasilien verpassten Sieg nachzuholen, aber das ist auf jeden Fall mein Ziel. Der Kurs ist gut, aber uneben, die Fahrzeugabstimmung verlangt einem eine Menge ab. Interlagos ist eine Herausforderung. Auch körperlich ist der GP Brasilien hart, zum einen wegen der Hitze, zum anderen, weil gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird.

Ralf Schumacher:

Ich war in Malaysia zwar sehr glücklich über meine Aufholjagd, doch hat das Rennen gezeigt, dass es noch viel Verbesserungspotenzial gibt. Die Strecke in São Paulo sollte unsjedenfalls besser liegen. Das Infield der Strecke in Interlagos kommt unserem FW25 mit dem kürzeren Radstand entgegen, deshalb bin ich eigentlich recht optimistisch.

Auf jeden Fall muss ich mich verbessern, was meine Leistung im Qualifying angeht. Schließlich war es auch in den Jahren zuvor eine meiner Stärken, in kürzester Zeit das Set-up des Autos so gut wie möglich hinzukriegen. Denn obwohl durch die Regeländerungen vieles möglich ist, wie die beiden ersten Grands Prix ja gezeigt haben, so kann ich mich nicht immer darauf verlassen, im Rennen weit nach vorne zu kommen.

Sam Michael, WilliamsF1 Chief Operations Engineer:

Nach dem Rennen in Malaysia hat das Team vier Tage lang mit allen drei Fahrern in Barcelona gestestet. Wir haben Reifen und mechanische Komponenten erprobt sowie Motor- und Aerodynamiktests gefahren, wovon wir uns Verbesserungen für Brasilien versprechen. Es war ein guter Test mit wertvollen Ergebnissen in allen Bereichen.

In Interlagos werden wir sicher ein spannendes Rennen erleben, weil der Kurs einige Überholmöglichkeiten bietet. Auf dieser Strecke dominieren langsame bis mittelschnelle Kurven und Geraden. Außerdem gibt es zwei schnelle Kurven mit kurzen Anschlusspassagen bis zur nächsten Kurve. Eine gute Abstimmung ist entscheidend, um viel Schwung mit auf die lange Gerade nehmen zu können. Nach der jüngsten Asphaltierung sollte der Kurs weniger Bodenwellen haben als zuvor, was die Abstimmungsarbeit erleichtert.

Die Rennstrategie ist in Interlagos besonders interessant, einerseits wegen einer ausgesprochen langen Boxengasse, andererseits wegen der guten Überholmöglichkeiten. Durch die Regeländerungen muss man alles hinterfragen. Es wird hochinteressant, wer welche Richtung einschlägt. Wir fahren zuversichtlich nach Brasilien, nachdem wir bei den Tests Fortschritte in allen Bereichen erzielt haben, inklusive Chassis, Reifen und Motor. Auch die Befestigung des Heckflügels wurde geändert, damit wir ihn schneller wechseln können, sollten wir noch einmal das gleiche Pech haben wie in Malaysia.

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen:

In Brasilien geht der Überseemarathon zu Ende. Dort können uns ähnlich hohe Temperaturen erwarten wie bei den ersten Saisonrennen, allerdings eine deutlich geringere Luftfeuchtigkeit als in Malaysia. Die Höhenlage von rund 800 Metern über dem Meeresspiegel kostet wegen geringerer Luftdichte zirka acht Prozent Motorleistung, was allerdings für alle Triebwerke gleichermaßen gilt. Unsere BMW P83 Motoren waren in den ersten beiden Rennen auch unter extremen Bedingungen zuverlässig, diese Serie wollen wir natürlich fortsetzen. Starke, zuverlässige Motoren und die von WilliamsF1 betriebene Weiterentwicklung des FW25 sollten uns helfen, in São Paulo den Rückstand auf die Spitze zu verkürzen.

Zahlen und Fakten

  • São Paulo ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates im Süden Brasiliens, welcher der am höchsten industrialisierte Staat des Landes ist. Die Stadt zählt rund zehn Millionen Einwohner, sechseinhalb Millionen weitere Menschen bevölkern das Umland. São Paulo ist Hauptsitz des Kaffeehandels und beheimatet zahlreiche weitere Industrien. Die Satdt wurde 1554 gegründet und ist die am schnellsten wachsende Metropole Lateinamerkas.
  • Der brasilianische Streckenname Interlagos bedeutet übersetzt ‚zwischen den Seen’ – das klingt malerisch, war es auch einmal, ist es aber nicht mehr. Der Vorläufer des heutigen Kurses wurde in den 40er Jahren eröffnet und lag damals mit den Seen weit außerhalb vor den Toren der Stadt, die inzwischen förmlich bis an die Leitplanken herangewuchert ist.
  • Die Formel 1 fährt seit 1990 wieder in Sao Paulo. In den Jahren zuvor gab der Große Preis von Brasilien Gastspiele auf der Rennstrecke Jacarepagua in der Nähe von Rio de Janeiro.
  • Interlagos ist einer von zwei F1-Kursen, auf denen entgegen des Uhrzeigersinns gefahren wird, weshalb die Fahrer ihre Nackenmuskulatur speziell trainieren. Die andere Strecke ist Imola.
  • Für den Formel-1-Auftritt 2003 wurden zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. Verbessert wurden die Entwässerungsanlagen, die Randsteine, Reifenstapelwände und Auslaufzonen. Außerdem wurden neue Fangzäune nach dem Vorbild des Indianapolis Motor Speedway errichtet.
  • Die Streckenabschnitte zwischen den Kurven Lago und Laranjinha, Pinheirinho und Bico de Pato sowie zwischen der Gerade entlang der Boxen und der Boxengasseneinfahrt wurden neu asphaltiert. Interlagos ist für heftige Bodenwellen bekannt.
  • Für die Büros der Teams wurde hinter den Garagen ein neuer Gebäudekomplex errichtet, in dem sich auch kleine Küchen, Besprechungs- und Ruheräume befinden.
  • Die Streckenlänge beträgt 4,309 km, das Rennen wird über 71 Runden ausgetragen, die Gesamtrenndistanz beträgt 305,909 km.
  • Der Grand Prix wird am Sonntag, dem 6. April 2003, um 14 Uhr Ortszeit gestartet. Nach dem in Kraft treten der Sommerzeit bedeutet dies 19 Uhr in Deutschland.
  • Das BMW WilliamsF1 Team hat gute Erinnerungen an den letztjährigen Grand Prix: Montoya erzielte die Poleposition in 1.13,114 Minuten und belegte im Rennen nach einer frühen Kollision mit Michael Schumacher Platz fünf. Ralf Schumacher kam hinter seinem Bruder als Zweiter ins Ziel. 2001 qualifizierten sich Ralf Schumacher und Montoya für die Startplätze zwei und vier, wurden jedoch beide Opfer von Kollisionen und schieden aus. Im Jahr 2000 belegten Schumacher und sein damaliger Teamkollege Jenson Button die Plätze sechs und sieben.
  • Michael Schumacher hält seit dem Jahr 2000 den Rundenrekord mit 1.14,755 Minuten. Im vergangenen Jahr fuhr Montoya die schnellste Rennrunde mit seinem FW24 in 1.16,079 Minuten.
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
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