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Alt 28.12.2002, 08:42     #47
Layro   Layro ist offline
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N-**186
Zitat:
Original geschrieben von Zacc
Ohne irgendwem hier zu nahezutreten:
Guck doch mal, wer alles eine KFZ-Mechaniker-Ausbildung macht. Da sind enorm viele Dumpfbacken dabei. Klar, die können ein Fahrwerk einbauen, die können auch dies und das. Aber komplexe Elektronikprobleme? Fehlanzeige. Intuitive Fehlersuche? Pustekuchen.
Hi.
Tja, nun sieht man mal wieder überdeutlich was passiert, wenn die Lohngelder eines Unternehmens zum größten Teil in der Verwaltung und der Führung versickern und nix mehr für die Hansel vor Ort übrigbleibt.
Wer, wenn er nicht gerade "auf der Brennsuppn dahergschwommen kommt", wird denn heutzutage noch so einen Drecksjob wie KFZ Mechaniker, mit garantierter Altersarmut, ergreifen. Halbwegs "intelligente" Leute vermeiden schon seit Langem, irgendeinen Job zu erlernen der mit mehr körperlicher Arbeit als Mausschubsen verbunden ist.
Die Folgen werden in Zukunft immer deutlicher hervortreten, und wir alle werden darunter zu leiden haben, daß solche "einfachen" Berufe, u.a. wegen der sehr dürftigen Bezahlung, nur noch einer gewissen Bevölkerungsschicht vorbehalten sein dürfte.
Wenn ein KFZler wirklich was auf dem Kasten hat, macht er in jungen Jahren seinen Meister und steht dann für die profane Arbeit am Auto nicht mehr zur Verfügung. In den Genuß der innerbetrieblichen Fortbildung kommt auch nicht der "einfache" KFZ Mechaniker, sondern höchstens der Meister / Techniker und der wird, nach guter neudeutscher Sitte, sein Wissen eher mit ins Grab nehmen, als durch Informationsweitergabe unerwünschte innerbetriebliche Konkurrenz zu erzeugen.
Wie es mit unserem handwerklichen Berufssystem ausschaut mußte ich vor ein paar Jahren bei Siemens erleben. Dieser Elektrokonzern ist auch ein sehr großer Ausbildungsbetrieb mit, damals in der Erlanger Lehrwerkstatt, ca. 40 Elektrikerstiften. Da Siemens, zumindest damals, relativ hohe Ansprüche an seine Azubis stellte, hatten diese alle Abitur oder zumindest eine sehr gute mittlere Reife. Wer jetzt glaubt, daß damit die Wartung der innerbetrieblichen elektrischen Geräte gesichert gewesen wäre, befindet sich auf dem Holzweg. Um den Geschäftsablauf zu sichern mußten Elektriker aus dem "wilden" Osten herangekarrt werden, da kein Einziger der Auszubildenden Lust auf das Strippenziehen hatte. Ein Teil hat nach der Ausbildung ein Studium begonnen, der Rest hat sofort den Meisterbrief nachgelegt. So kam ein sehr interressantes Verhältnis in der Hausverwaltung zustande, 2 Facharbeiter und 13 Meister bei den Elektrikern, und da ein Meister als Angestellter keine körperliche Arbeit ausführen konnte / durfte / wollte, könnt Ihr Euch vorstellen wie lange Siemensbüroinsassen teilweise z.B. auf das Auswechseln einer Sicherung warten mußten.
Diese Arbeitnehmerstruktur zieht sich durch ganz Deutschland, massenhaft gut ausgebildete Häuptlinge und ein paar "Dumpfbacken" die es ja nicht besser verdient haben, für die Drecksarbeit.
Ich kenne die Personalproblematik im KFZ Handwerk durch meinen Kumpel (KFZ Meister bei Citroen, Benz, Ford und nun Mitsubishi) ziemlich gut, und kann daher von Lehrlingen erzählen, die nicht lesen konnten, oder Welchen die nach ein paar Tagen die Werkstatt leergeräumt haben, Anderen, die von der Polizei abgeholt wurden, da sie ihr frisch erworbenes Wissen zum Autoknacken verwendeten, usw... .
Das Grundübel an der Sache ist IMHO, daß das Geld woanders verdient wird, und es sich für halbwegs intelligente Menschen nicht lohnt, seine Zukunft, bei einem Stundenlohn von 10 €, mit ölverschmierter Visage unter dem Luxuskarren eines überkandidelten Yuppies zu verbringen. Ergo ist das gewerbsmäßige Rumbasteln am Auto wirklich nur noch was für die "einfacheren" Gemüter, und dementsprechend wird es immer größere Probleme beim Lösen schwieriger Aufgaben geben.
So, genug Frust abgelassen.

Gruß.
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Layro
Optimismus ist lediglich die vollkommene Abwesenheit von Realitätssinn.
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